Gedankenexperiment zur Kultursommernacht

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

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Bild: kobinet/omp

Berlin (kobinet) Wenn die Besucherinnen und Besucher heute Abend in die Landesvertretung von Sachsen-Anhalt in Berlin zur Kultursommernacht 2013 strömen, werden sie von blinden und sehbehinderten Menschen zu einem Gedankenexperiment herausgefordert. Begleitet von einer Mahnwache gegen die geplante Kürzung des Blinden- und Sehbehindertengeldes in Sachsen-Anhalt können sie sich in der Warteschlange am Einlass darüber Gedanken machen, wie es wäre, wenn sie als blinder Mensch zu der Veranstaltung gehen würden.

Der Allgemeine Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin und der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband solidarisieren sich mit dieser Aktion mit den blinden und sehbehinderten Menschen in Sachsen-Anhalt. Diesen droht derzeit eine massive Kürzung ihres Nachteilsausgleiches. Das Blindengeld soll beispielsweise von 350 Euro auf 266 Euro monatlich gekürzt und hochgradig Sehbehinderten sowie Heimbewohnern soll die Leistung ganz gestrichen werden. Am 12. September findet hierzu eine Kundgebung vor dem Landtag von Sachsen-Anhalt in Magdeburg statt.

„Stellen Sie sich vor, sie sind blind und gehen auf diese Veranstaltung ... schon allein die Vorbereitungen zu Hause wären ohne eine Assistenz schwierig gewesen. Oder wie wüssten Sie sonst, ob Ihre Kleidung auch wirklich gut zueinander passt? Gleich die Jacke an der Garderobe abgeben, das könnte schwierig werden. Zur Begrüßung reicht man Ihnen freudestrahlend ein Glas Sekt und Ihr Namensschild. Leider können Sie das nicht sehen und auch das Lächeln bleibt im Verborgenen. Die ungewohnte Umgebung macht es Ihnen zusätzlich schwer, sich zu orientieren. Sie wissen nicht, wohin Sie weitergehen sollen. Auch das köstlich anzuschauende Buffet und die liebevolle Dekoration der Location bleiben Ihnen leider verwehrt. Hoffentlich müssen Sie nachher nicht auf die Toilette, denn ohne fremde Hilfe würden Sie das nicht schaffen. Und wie kommen Sie eigentlich nach der Veranstaltung wieder nach Hause?" So lauten einige der Fragen, die in dem Flugblatt zur Mahnwache zu dem Gedankenexperiment einladen und deutlich machen, weshalb der Nachteilsausgleich für blinde und sehbehinderte Menschen so wichtig ist.

"Natürlich würden Sie jemand finden, der Ihnen hilft, aber wie lange? Wie würden Sie sich fühlen, immer eine andere Person um Hilfe bitten zu müssen? Zum Glück gibt es viele Alltagshilfen, die das Leben eines blinden Menschen erleichtern. Von einem Notizgerät mit Sprachausgabe (ca. 215 Euro) über ein spezielles Navigationsgerät für Fußgänger zur Orientierung in fremder Umgebung (ca. 569 Euro) bis zur sprechenden Funkarmbanduhr (ca. 99 Euro). Doch auch technische Geräte haben ihre Grenzen - oder wie finden Sie heraus, ob Ihre Kleidung von heute in die Reinigung muss? Ohne eine sehende Hilfe würden blinde Menschen schwer das tägliche Leben bestreiten können. Doch all diese Sachen und Leistungen kosten blinde Menschen eine Menge Geld, welches nun gekürzt werden soll", heißt es weiter auf dem Flugblatt.

Die Mahnwache findet am 4. September ab 18.30 bis ca. 19.30 Uhr vor der Landesvertretung von Sachsen-Anhalt beim Bund, Luisenstraße 18, in Berlin statt.

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