Robin Blood für konstruktive Gespräche

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Andreas Bemeleit an seinem Computer
Andreas Bemeleit an seinem Computer
Bild: Robin Blood

Hamburg (kobinet) Robin Blood ist für konstruktive Gespräche mit den politisch Verantwortlichen bereit, damit die Opfer des im ZDF-Film "Blutgeld" öffentlichkeitswirksam dargestellten Medizinskandals in Deutschland endlich angemessen entschädigt werden. Das macht heute Andreas Bemeleit in einem kobinet-Interview deutlich. Der 51-Jährige aus Wentorf bei Hamburg hat zusammen mit seiner Frau das Netzwerk Robin Blood gegründet, weil sonst die betroffenen Bluter vergessen worden wären, die mit verseuchten Blutgerinnungspräparaten infiziert wurden.

kobinet: Im Februar 2010 haben Sie in den kobinet-nachrichten auf die Situation der Bluter aufmerksam gemacht, die durch verseuchte Gerinnungsmedikamente mit HIV und Hepatitis C infiziert wurden ("Stirb schneller! Das Geld ist alle!"). Nach dem ZDF-Film "Blutgeld" sind die Medien angehalten, diesen Medizinskandal in Deutschland aufzuarbeiten. Das von Ihnen gegründete Netzwerk Robin Blood hilft dabei. Steht nun eine angemessene Entschädigung der Opfer in Aussicht?

Andreas Bemeleit: Unser Anliegen hatte in den letzten Tagen sehr viel Aufmerksamkeit in allen Medien bekommen. Die Kommentare waren durchweg positiv. Kein Bericht stellt die Notwendigkeit einer sofortigen Entschädigungsregelung in Frage. In der Sendung "Markus Lanz" vom 30.10.2013 hatte ich zusammen mit Rechtsanwalt Teichner mehr als 30 Minuten Zeit, unser Anliegen zu erklären und den Zuschauern deutlich zu machen, in welcher schwierigen Lage sich die mit HIV und/oder Hepatitis-C infizierten Bluter befinden. In Berlin laufen zur Zeit die Koalitionsverhandlungen. Daher ist es schwierig, verbindliche Aussagen zu bekommen. Ich habe viel mit Berlin telefoniert und konnte aus SPD-Kreisen erfahren, dass sich die SPD weiterhin für die Betroffenen einsetzen wird.

kobinet: Die Mittel der Stiftung Humanitäre Hilfe für durch Blutprodukte HIV-infizierte Männer sind lediglich bis Herbst 2016 gesichert - mit den durch den Bund zu erwartenden Zahlungen bis Ende 2017. Pharmaindustrie und Bundesregierung haben sich bisher geweigert, die 3.000 noch lebenden durch Blutprodukte mit Hepatitis C infizierten Menschen zu entschädigen. Was erwarten Sie von der künftigen Bundesregierung?

Andreas Bemeleit: Ich erwarte eine Überarbeitung des Stiftungsgesetzes der "Stiftung für humanitäre Hilfe". Den Leistungsempfängern müssen lebenslange Zahlungen zugesichert werden. Weiterhin muss eine Anpassung an die Lebenshaltungskosten implementiert werden. Die mit Hepatitis-C Infizierten erhalten bis heute überhaupt keine Art von Entschädigung. Hier muss zwingend eine Lösung gefunden werden. Ich kann mir vorstellen, den Bereich der Leistungsempfänger auf die mit Hepatitis-C Infizierten zu erweitern. Wir vom Netzwerk Robin Blood können durch unseren Justitiar bei der Formulierung und Ausgestaltung der Gesetze die Regierung beraten und unterstützen.

kobinet: Ihre Petition auf change.org haben binnen weniger Tage mehr als 5000 Personen unterschrieben. Gibt es schon Reaktionen von denen, an die sich die Petition richtet?

Andreas Bemeleit: Inzwischen haben wir die Zahl von 12.000 Unterzeichnern erreicht. Das ist ein sehr großer Erfolg. Die Unterzeichner haben die Möglichkeit eine Begründung für ihr Engagement anzugeben. Diese Liste umfasst schon jetzt 76 DIN A4-Seiten. Der jetzt noch amtierende Gesundheitsminister Bahr hat sich geweigert, eine ältere Petition mit 5.000 Zeichnern in Empfang zu nehmen. Leider haben wir bisher noch keine Reaktionen von den politischen Kreisen, an die sich unsere Petition richtet, erhalten. Ich führe dies auf die laufenden Koalitionsverhandlungen zurück und möchte diese Gelegenheit nutzen um auszudrücken, dass wir für konstruktive Gespräche jederzeit bereit sind. Von der Pharmaindustrie haben wir bisher keine Rückmeldung erhalten. Ich kann in den Statistiken zu unserer Webseite vermehrte Zugriffe seitens der Pharmaindustrie sehen. Ich gehe daher davon aus, dass sie sich für unsere Arbeit interessiert und möchte auch hier unsere Bereitschaft zum Dialog zum Ausdruck bringen. (Für das Interview bedankt sich Franz Schmahl)

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