Von der Werkstatt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

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Bild: LVR

Köln (kobinet) Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) unterstützt gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen das Ziel, 1.000 Menschen mit Behinderungen den Zugang zum allgemeinen Arbeitsmarkt zu eröffnen. Zwei Werkstatt-Beschäftigte aus Wiehl arbeiten jetzt beispielsweise bei der Gemeinde Lindlar.

Carsten Ufer und Manuel Chust aus Lindlar sind Beschäftigte der BWO Behindertenwerkstätten Oberberg GmbH in Wiehl, arbeiten aber - ganz inklusiv - auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, als Teil des Bauhof-Teams in der Gemeinde Lindlar. Beide sind im Technischen Betrieb Engelskirchen/Lindlar AöR (TeBEL) in der städtischen Grünanlagenpflege eingesetzt, berichtet der LVR. "Neben den gärtnertechnischen Pflegearbeiten wie Hecke schneiden, Mulch verteilen, Wege ausbessern bin ich auch für die Grabpflege auf dem Friedhof zuständig. Viele Menschen aus Lindlar kennen mich und sprechen mich auch an, wenn sie Fragen auf dem Friedhof haben", sagte Carsten Ufer.

Manuel Chust arbeitet dem LVR-Bericht zufolge in der Abteilung, die für die Pflege des städtischen Grüns  - rundum öffentliche Gebäude, Kindergärten und Parkanlagen der Gemeinde Lindlar - zuständig ist und hat dort gute Erfahrungen gemacht. Beide fühlen sich auf ihrem ausgelagerten Werkstatt-Arbeitsplatz bei der Gemeinde Lindlar sehr wohl und gut von den Kolleginnen und Kollegen des Bauhofes angenommen. Durch die Möglichkeit außerhalb der Werkstatt tätig zu sein, erhalten beide Männer Zugang nach Ansicht des LVR zum allgemeinen Arbeitsmarkt.

Die Beschäftigung von Carsten Ufer und Manuel Chust fördert der Landschaftsverband Rheinland (LVR) im Rahmen der Landesinitiative "Teilhabe an Arbeit - 1.000 Außenarbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen als Chance zur Inklusion auf dem Arbeitsmarkt". Projektpartner sind das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, die beiden Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) sowie die Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der Bundesagentur für Arbeit.

"Durch unsere Landesinitiative erhalten Menschen mit schweren Handicaps die Chance, im regulären Arbeitsleben dabei zu sein", sagt Guntram Schneider, Nordrhein-Westfalens Minister für Arbeit, Integration und Soziales. Mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds helfe das Arbeitsministerium, Außenarbeitsplätze für Werkstattbeschäftigte bei Arbeitgebern des ersten Arbeitsmarktes zu schaffen, erklärt der Minister. "Es ist wichtig und erfreulich, dass dabei die Landschaftsverbände und die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit mit der Landesregierung an einem Strang ziehen."

"Wir wollen die Inklusion in der Arbeitswelt voranbringen und möglichst vielen Menschen mit Behinderungen den Weg auf den allgemeinen Arbeitsmarkt eröffnen", so LVR-Direktorin Ulrike Lubek. "Bis zu 500 zusätzliche Außenarbeitsplätze für werkstattbeschäftige Menschen mit Behinderungen haben wir uns für das Rheinland mit dieser Initiative zum Ziel gesetzt."

Das Konzept Außenarbeitsplätze sieht vor, dass die betreffenden Personen weiterhin bei einer anerkannten Werkstatt für Menschen mit Behinderungen beschäftigt sind. Ihrer Tätigkeit gehen sie jedoch in einem Unternehmen oder in einer Verwaltung nach. Der Betrieb zahlt einen monatlichen Beitrag für die Dienstleistung an die Werkstatt. Die Hälfte dieses Beitrags wird im Rahmen des Modellprojekts für ein Jahr, mit maximal bis zu 350 Euro im Monat, bezuschusst. Finanziert wird das Projekt aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, des Landes Nordrhein-Westfalen und der Landschaftsverbände LVR und LWL.

Dietmar Groß, Geschäftsführer der BWO Behinderten Werkstätten Oberberg GmbH in Wiehl: "Wir freuen uns, dass unsere Werkstattbeschäftigten hier die Chance haben, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, bei der Gemeinde Lindlar, ihre Fähigkeiten zu zeigen. Wir von der Werkstatt unterstützen in solchen Fällen aber nicht nur unsere Beschäftigten, sondern stehen auch den Betrieben, die Außenarbeitsplätze zu Verfügung stellen, durch feste Ansprechpartner bei Fragen zur Arbeitsplatzgestaltung, Einarbeitung unserer Beschäftigten und allen aufkommenden Fragestellungen zur Seite."

Welche finanziellen und sozialversicherungstechnischen Auswirkungen die Beschäftigung im Rahmen dieses Projektes für die behinderten Beschäftigten hat, war der Presseinformation nicht zu entnehmen. Beim Budget für Arbeit in Rheinland-Pfalz erhalten behinderte Menschen einen regulären Tariflohn und sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Wer einen betriebsintegierten Arbeitsplatz zur Verfügung stellen oder Näheres zur den Fördermodalitäten des Modellprojekts erfahren möchte, kann sich an den Landschaftsverband Rheinland wenden. LVR-Ansprechpartner: Thomas Fonck, Tel: 0221 8097220, E-Mail: thomas.fonck@lvr.de

Lesermeinungen zu “Von der Werkstatt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt” (5)

Von Gisela Maubach

Wie im Beitrag schon beschrieben, sieht das Konzept Außenarbeitsplätze in NRW vor, dass die betreffenden Personen weiterhin bei einer anerkannten Werkstatt für Menschen mit Behinderungen beschäftigt sind. Ihrer Tätigkeit gehen sie jedoch in einem Unternehmen oder in einer Verwaltung nach. Der Betrieb zahlt einen monatlichen Beitrag für die Dienstleistung an die Werkstatt. Die Hälfte davon bekommt der Betrieb für ein Jahr aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, des Landes Nordrhein-Westfalen und der Landschaftsverbände LVR und LWL.

Bei Übergang auf den ersten Arbeitsmarkt erfolgt nach 6 Monaten Beschäftigung eine Einmalzahlung in Höhe von 15.000 Euro an die Werkstatt !!!

Von Arbeitswilliger

Im Ortsteil Thier der Stadt Wipperfürth im Bergischen Land (Nordrhein-Westfalen) wird am 30.01.2014 ein genossenschaftlich organisierter, von der örtlichen Ortsgemeinschaft getragener und betriebener Dorfladen eröffnet. Es werden - lt. Homepage www.dorfladen-thier.de - neben festen Mitarbeiter/innen auch 4 sog. "integrative Kräfte" und Praktikanten beschäftigt. In Thier befindet sich auch eine Außenstelle einer WfbM (mit ländlich orientiertem "Förderkonzept"). So sollen also 4 WfbM-Mitarbeiter/innen mit im Dorfladen-Team mitarbeiten. Aber warum wieder einmal namenlos auf der Homepage? Und hoffentlich erhalten diese (und nicht in erster Linie nur die WfbM!) nach der Startphase auch ein echtes Entgelt... Aber sie scheinen ja nur sog. Außenarbeitsplätze der WfbM einzunehmen - der Schein und die Unscheinbarkeit von Inklusion zugleich bleiben wohl wieder einmal zugunsten der Interessen des dortigen WfbM-Trägers gewahrt! Es wäre verwunderlich, wenn selbst die 4 namenlosen "integrativen Kräfte" Genossenschaftsmitglieder der Dorfladen Thier eG wären und angemessene Anteile halten würden. Doch soweit haben wahrscheinlich die pädagogischen Fachkräfte der WfbM (und die Betreuer) gar nicht erst gedacht - denn die behinderten Kräfte dürfen ja bekanntlich dank SGB XII nicht...

Von Inge Rosenberger

So lange für behinderte Menschen, der Leistungen nicht wirtschaftlich verwertbar sind, die Gesetze für behinderte Menschen anscheinend nicht gelten, gibt es eine massive Diskriminierung zwischen verschiedenen Behinderungsarten.
Da helfen keine inklusiven Wortkreationen und auch keine "Bezahlung", die ohnehin vom Sozialhilfeträger wieder einkassiert wird.

Von behindertenrecht

Zitat
" Beim Budget für Arbeit in Rheinland Pfalz, erhalten behinderte Menschen einen regulären Tariflohn und sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt . "
Zitat Ende

Dazu kann man nur sagen :
" Ja - so gehen arbeitsfähige Menschen, regulär einer Arbeit, auch wenn sie von einem Betrieb " ausgelagert"
werden . " Hierbei muss noch beachtet werden, daß Werstätten für behinderten Menschen, keine eigenständigen Betriebe sind und soweit ich weiß, auch keine GmbH , oder Leihfirma !?
Das gerade die Menschen die besonders schwer behindert sind, ohne persönliche Assistenz auf den Arbeitsmarkt geschickt bzw. "ausgelagert" werden, ist sehr sehr bedauerlich !!!

Von Gisela Maubach

" . . . die Chance, im regulären Arbeitsleben dabei zu sein", sagt Guntram Schneider, Nordrhein-Westfalens Minister für Arbeit, Integration und Soziales" . . .

Arbeit, Arbeit und immer nur Arbeit.

Sehr geehrter Herr Minister Schneider,

bitte nehmen Sie doch endlich mal Stellung zu den "heilpädagogischen Gruppen" der Werkstätten in NRW, in denen diejenigen Menschen zusammengefasst werden, die für Ihre Landesinitiative zu (!) behindert sind.

Bitte nehmen Sie Stellung, warum kein Limit bei der Gruppengröße existiert, und wie Sie sich Inklusion in einer Gruppe vorstellen, in der 13 schwerst(mehrfach)behinderte Menschen in einem Raum weder miteinander kommunizieren noch sich miteinander beschäftigen können!

Bitte nehmen Sie Stellung dazu, warum für Menschen der "Fallgruppe C" etwa 2.200 Euro durchschnittlich pro Monat an die WfbM gebunden gezahlt werden, während die Betroffenen gezwungen sind, ihre Zeit in großen Gruppen unter sich zu verbringen!

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