Beruf nur für behinderte Menschen

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Nueva-Evaluatoren in Berlin sind jetzt von der IHK anerkannte Fachpraktiker
Nueva-Evaluatoren in Berlin sind jetzt von der IHK anerkannte Fachpraktiker
Bild: Florian von Ploetz

Berlin (kobinet) Aus dem deutsch-österreichischen Nueva-Projekt in Berlin ist ein ganz neuer Beruf hervorgegangen. Das Berufsbild des Fachpraktikers für Nutzerbefragungen/-perspektive wurde jetzt von der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Berlin offiziell anerkannt. Die in Graz entwickelte und praktisch erprobte Idee "Nutzerinnen und Nutzer evaluieren" für das neue Berufsbild bedeutet, dass behinderte Menschen Dienstleistungen für sie am besten selbst beurteilen können. 

Die positiven Erfahrungen mit der Ausbildung zum Nueva-Evaluator (kobinet 24.2.12) waren der Anstoß für die Lebenshilfe Bildung gGmbH, daraus einen anerkannten Ausbildungsberuf zu machen. Ende 2012 hatte der Berliner Bildungsträger seinen ersten, deutschlandweit einmaligen Ausbildungsgang erfolgreich abgeschlossen. Zwölf Absolventen arbeiten inzwischen als Evaluatoren bei der GETEQ (Gesellschaft für teilhabeorientiertes Qualitätsmanagement) und werden nach Tarif bezahlt.

„Durch unsere Arbeit finden wir heraus, wie es den Menschen mit Behinderung in Wohneinrichtungen und in der Werkstatt geht. Wir können dabei helfen, die Angebote zu verbessern“, erklärt Evaluator Enrico Schaffrath. „Ich will Menschen unterstützen, die ihre Meinung nicht sagen können und ihnen zu ihrem Recht verhelfen“, ergänzt seine Kollegin Cordula Schürmann.

Für die Berliner Arbeitssenatorin Dilek Kolat ist die Arbeit der GETEQ zukunftsweisend: „Es ist ein gelungenes Beispiel, dass junge Menschen trotz Behinderung eine betriebliche Ausbildung abschließen und in einem Unternehmen eine reguläre Arbeit aufnehmen können. Mit diesem Ansatz in die Breite zu gehen, wird Politik des Senats sein.“

Maßgeblich finanziert wurde der erste Ausbildungsgang durch das Landesamt für Gesundheit und Soziales. „Wir freuen uns über die nachhaltige Wirkung des Pilotprojekts. Die Ausbildungsregelung stärkt die Position von Menschen mit Behinderung am ersten Arbeitsmarkt“, sagt dessen Chef Franz Allert.

Lesermeinungen zu “Beruf nur für behinderte Menschen” (1)

Von Arbeitswilliger

Mich stört schon die Überschrift zu diesem Artikel! Diese ist ja schon an sich diskriminierend, weil es ja gemäss dem vorherrschenden Verständnis von Inklusion keinen aussondernden Beruf - wie hier herüberkommen könnte - "nur für Behinderte" geben kann! Wenn man sich auch einmal anschaut, wer sich um die Zertifizierung dieses Berufs bei der IHK bemüht hat, wird man feststellen, dass dahinter doch wieder die traditionellen Behindertendienstleister (hier: aus Österreich) dahinter stehen! Warum hat es in Deutschland bspw. die ISL eV nicht geschafft, den ebenfalls als Beruf anzusehenden Peer Counselor auch duch die IHK zertifizieren zu lassen? Diese Peer Counselor's sind doch die bessere Basis für ein wirklich unabhängiges Audit-Verfahren! Bei den durch die traditionelle Behindertenindustrie gesponserten Auditoren mag ggf. eine Manipulierbarkeit nicht ganz ausgeschlossen sein, könnte zu befürchten sein.
Und dass die ISL und andere Organisationen bzw. gemeinnützige Firmen/Betriebe, welche noch im gewissen Rahmen als selbstbestimmt geführt oder kontrolliert angesehen werden können, mag wieder mit einem gewissen Kirchturmdecken bzw. einer Zurückhaltung gegenüber den anderen Wirtschaftsbeteiligten wegen der Gemeinnützigkeitsbarriere zurückzuführen sein?

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