50 Jahre Aktion Mensch

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Berlin (kobinet) Die Aktion Mensch hat heute in Berlin ihr Jubiläumsprogramm zum 50-jährigen Bestehen gestartet. Deutschlands größte private Förderorganisation im sozialen Bereich blickt mit dem Motto "Schon viel erreicht. Noch viel mehr vor" auch nach vorn. Die Aktion Mensch will in den nächsten Jahren vor allem die Idee der Inklusion weiter voranbringen. Vorstand Armin v. Buttlar kündigte eine neue Förderaktion an: "Wir wollen kleinere Initiativen ermutigen, Inklusionsprojekte umzusetzen - auch solche, die bislang nicht in diesem Bereich arbeiten. Dabei helfen wir schnell und unbürokratisch und unterstützen jede Idee, die die Inklusion in unserem Land weiterbringt."

Seit ihrer Gründung als "Aktion Sorgenkind" im Jahr 1964 hat die Aktion Mensch mehr als 3,5 Milliarden Euro in Projekte investiert. Anfangs floss das Geld vor allem in stationäre Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. Später kamen Werkstätten hinzu. Beides ist heute Geschichte: Die Aktion Mensch will Menschen mit Behinderung auf ihrem Weg in die Mitte der Gesellschaft unterstützen. Dazu gehören auch neue Wohnformen mitten in den Gemeinden, mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt und der inklusive Unterricht an Regelschulen, aber auch Kultur und Freizeit.

Anlässlich des Jubiläums gibt der Bundesfinanzminister die neue Sonderbriefmarke "50 Jahre Aktion Mensch" heraus. Dr. Wolfgang Schäuble würdigt die Aktion Mensch "als populäre Organisation, die mit ihren vielfältigen Projekten erfolgreich dazu beigetragen hat, die Aufgeschlossenheit der Gesellschaft gegenüber Menschen mit Behinderung zu erhöhen. Die Aktion Mensch engagiert sich für eine Gesellschaft, in der jeder Mensch seine Fähigkeiten einbringen kann und in der es normal ist, verschieden zu sein."

ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut betont die gemeinsame Geschichte, die ihren Ursprung in einer Initiative des damaligen ZDF-Redaktionsleiters Hans Mohl hatte. "Die Aktion Mensch gehört untrennbar zum ZDF. Wir engagieren uns gemeinsam für eine inklusive Gesellschaft. Im Jubiläumsjahr setzen wir beispielsweise in Sendungen wie '37 Grad' oder 'Menschen - das Magazin' Akzente."

Lesermeinungen zu “50 Jahre Aktion Mensch” (6)

Von papacfish

Ist kobinet eigentlich Werbeagentur von AM. Ein kurzer Artikel hätte wohl gereicht. Ein klitzekleines Sorry für meinen Sarkasmus.

Von Susanne v.E

Die damalige "Aktion Sorgenkind" entstand als Folge des Conterganskandals. Die schlimmen Folgen von Contergan sind den meisten Menschen bis heute vor Augen.
Wenn die heutige "Aktion Mensch" in enger Zusammenarbeit mit dem ZDF, anlässlich des 50- jährigen Bestehens, Akzente setzen will, dann sollte sie sich auch für die Menschen einsetzen, die schwerst mehrfach behindert sind. Auch für diese Menschen muss es eine Öffentlichkeit geben, die sie wahrnimmt, damit auch für sie die Barrieren in den Köpfen beseitigt werden können. Dazu könnten Aktion Mensch und ZDF einen Beitrag leisten. Dann könnten sie zeigen dass der Spruch "es ist normal, verschieden zu sein" nicht nur für eine ausgewählte Gruppe behinderter Menschen gelten soll.

Von behindertenrecht

"Schon viel erreicht , noch mehr vor."

Von Gisela Maubach

Vor einiger Zeit habe ich die Aktion Mensch angeschrieben und auf das Ausgeschlossensein derjenigen Menschen hingewiesen, sie sich nicht selbst einbringen können und deshalb auf Hilfe angewiesen sind.
Eine Antwort habe ich von Aktion Mensch nie bekommen.
Wenn ich nun lese, dass die Aktion Mensch eine Gesellschaft anstrebt, in der jeder (!) Mensch seine Fähigkeiten einbringen kann, dann erklärt sich von allein, warum von Aktion Mensch keine Antwort kommt. Behinderungen sind nur noch zeitgemäß, wenn die Fähigkeiten der betroffenen Menschen werbewirksam "verkauft" werden können, und wer zu behindert ist, um irgendwelche Fähigkeiten einzubringen, stört nur noch und sollte froh sein, wenn er mit seiner Familie nicht mehr vor den Toren der Stadt leben muss.

Der eigentliche Skandal besteht darin, dass diejenigen, die am lautesten das Beseitigen von "Barrieren in den Köpfen" einfordern, gleichzeitig die höchsten Barrieren aufbauen, indem die Behindertenwelt gespalten wird - in Menschen, die sich einbringen können und in Menschen, die draußen bleiben müssen, indem sie ignoriert werden.

Wenn Sascha Decker von Aktion Mensch fordert, dass "die Behinderten natürlich auch selbst alles dafür tun müssen, dass dieses Miteinander gut funktioniert" und zu diesem Zweck auch schon mal ein Mensch mit geistiger Behinderung mit Medikamenten ruhig zu stellen sei, dann wäre die Aktion Mensch eigentlich ein Fall für die Antidiskriminierungsstelle - oder?

Von behindertenrecht

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, daß es früher z.B. selbstverständlich war, daß älteren Menschen in Bussen und Bahnen ein Sitzplatz freigemacht wurde und Nichtbehinderte z.B.Müttern mit Kinderwagen beim Ein-und Austritt auch in öffentlichen Gebäuden geholfen haben .
Niemand kam damals auf die Idee, zu sagen, daß es nicht sein kann, daß einer auf den anderen Rücksicht nimmt und z.B. auch bei Katastrophen, behinderte Menschen, ältere Menschen und Mütter mit Kindern zuerst geholfen wird .

Ich weiß nicht, wie man Inklusion noch auslegen will, wenn man bereits davon ausgeht, daß es nicht sein kann das Rücksicht aufeinander genommen wird !????
Jeder sollte froh sein wenn er ohne Hilfe teilhaben kann, denn darauf wird bereits genügend Rüchsicht genommen !!!

Von Dagmar B

Zitat:


Die Aktion Mensch engagiert sich für eine Gesellschaft, in der jeder Mensch seine Fähigkeiten einbringen kann und in der es normal ist, verschieden zu sein."

http://www1.wdr.de/studio/bonn/themadestages/behinderte_laermt100.html

Dazu Sascha Decker:

Inklusion muss gegenseitig sein. Ihm ist aber besonders wichtig, dass Inklusion von beiden Seiten gelebt werden muss. Früher sei es so gewesen, dass die Behinderten vor den Toren der Stadt wohnen mussten. Nun lebten sie mitten in der Gesellschaft. Und müssen natürlich auch selbst alles dafür tun, dass dieses Miteinander gut funktioniert. Natürlich müssen, bevor Medikamente ins Spiel kommen, alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sein.

Behinderte haben nicht immer Recht

"Es kann nicht sein, dass eine Gruppe von Menschen immer auf die "armen Behinderten" Rücksicht nehmen muss. So wird das Modell Inklusion nicht erfolgreich sein, und so wird das Miteinander von Behinderten und Nicht-Behinderten auch niemals selbstverständlich werden," so Sascha Decker weiter

Ich empfehle der Aktion Mensch die Wahl Ihres Pressesprechers zu ueberdenken.
Welche behinderten Menschen vor den Toren bleiben muessen,wird hier offensichtlich.
All die jenigen die auf Ruecksicht angewiesen sind und nicht in der Lage sind sich problemlos einzufeugen und sich anzupassen.
Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt,wenn Otto Normal Buerger in Ruhe im Restaurant speisen will,sollen wohl demnaechst alle Koerperbehinderungen mit Decken versteckt werden,damit niemandem das Essen vergeht,

Autisten und geistig Behinderte muessen vor den Toren bleiben weil auch sie moeglicherweise Schwierigkeiten haben dem Auftrag nachzukommen alles dafuer zu tun um auf andere zuzugehen.

Auch hier bleibt es also bei der Integation von problemlosen Faellen,die moeglichst nicht auf Hilfe angewiesen sind und auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt unterkommen.

Sinngemaeß bedeutet der Aufruf von Herrn Decker,alle Behinderten vor die Tore zu sperren,die Otto Normal Verbraucher in seiner Umgebung nicht dulden will,weil..............

So wird das nichts mit Inklusion!

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