Offen für Assistenz im Krankenhaus

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Arnade, Gröhe und Marquard nach dem Gespräch
Arnade, Gröhe und Marquard nach dem Gespräch
Bild: ISL

Berlin (kobinet) Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe zeigte sich sehr offen für die bestehenden Probleme behinderter Menschen, die auf Assistenz angewiesen sind und einen Krankenhausaufenthalt vor sich haben. Dies wurde heute bei einem rund einstündigen Gespräch mit der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) deutlich. ISL-Geschäftsführerin Dr. Sigrid Arnade und der gesundheitspolitische Sprecher Martin Marquard verwiesen darauf, dass es zwar seit 2009 eine gesetzliche Regelung zur Finanzierung der Assistenz im Krankenhaus gebe, von der jedoch nur behinderte ArbeitgeberInnen profitieren könnten. "Diese Regelung muss umgehend an die UN-Behindertenrechtskonvention angepasst werden", betonte Arnade, "damit endlich die Finanzierung der Assistenz im Krankenhaus für alle Frauen und Männer mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen gesichert ist." Die ISL sagte Gröhe zu, weitere Unterlagen zu dieser Problematik zu übersenden.

Breiten Raum nahm auch die Frage der umfassenden Barrierefreiheit im Gesundheitssystem ein. "Vielleicht zehn Prozent aller Arztpraxen sind für PatientInnen im Rollstuhl bedingt nutzbar", stellte Marquard auf eine Nachfrage von Gröhe zur Zugänglichkeit von Arztpraxen klar. "Und wenn es um umfassende Barrierefreiheit, etwa auch für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder für taube Menschen, so ist kaum ein Angebot vorhanden."

Gröhe, Arnade und Marquard stimmten darin überein, dass barrierefreier Zugang und barrierefreie Nutzbarkeit eine wesentliche Voraussetzung für ein qualitativ hochwertiges Gesundheitssystem in Deutschland seien. "Wenn wir aber nur darauf warten, dass sich etwas von alleine ändert, passiert zu wenig zu langsam", so Arnade. "Wichtig ist eine verbindliche Verpflichtung zur Barrierefreiheit!"

Außerdem übergab Arnade Gröhe den ISL-Entwurf für eine geänderte Approbationsordnung für ÄrztInnen. Darin ist ein menschenrechtsorientiertes Verständnis von Behinderung in der Ausbildung von ÄrztInnen vorgesehen.

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