Für eine Kultur der Wertschätzung

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

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© kobinet/omp

Berlin (kobinet) Zum Internationalen Tag der Suizidprävention fordert der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) den flächendeckenden Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung.

"Besondere Sorge bereitet uns neben jedem selbstgewählten Tod eines jungen Menschen die hohe Zahl an älteren Menschen, die Suizid begehen", erklärte Prof. Winfried Hardinghaus, kommissarischer Vorsitzender des DHPV. Obwohl die Suizidrate in Deutschland in den letzten 40 Jahren um die Hälfte abgenommen hat, steigt sie bei Senioren stetig an. Krankheit, Einsamkeit und Angst vor dem Pflegeheim sind die häufigsten Gründe, die in Abschiedsbriefen genannt werden. Eine weitere Ursache für einen Alterssuizid ist zudem die Angst vor einer unzulänglichen Schmerztherapie, heißt es vonseiten des DHPV.

"Der in der Bevölkerung verbreiteten Angst vor Würdeverlust in Pflegesituationen und bei Demenz sowie vor Schmerzen und Vereinsamung müssen wir durch eine Kultur der Wertschätzung gegenüber alten, kranken und sterbenden Menschen sowie flächendeckende Angebote der Hospiz- und Palliativversorgung begegnen", so Hardinghaus zu den Forderungen des DHPV.

In einer Gesellschaft des langen Lebens, in der die Zahl der auf fremde Hilfe angewiesenen Menschen ebenso zunimmt wie die Angst, dass für einen nicht gesorgt sein wird, in einer Zeit, die von Zeitknappheit und Mobilität geprägt ist, müssen die Voraussetzungen für die Sorgefähigkeit der Gesellschaft in den Vordergrund der politischen und gesellschaftlichen Bemühungen gerückt werden. Aktive Sterbehilfe und die organisierte bzw. wie momentan diskutierte ärztliche Beihilfe zum Suizid sind hingegen keine Lösung, um schwerstkranken, verzweifelten Menschen zu helfen. 

Hintergrund:

Der Suizid ist in Deutschland nach Informationen des DHPV ein Phänomen des höheren Lebensalters: Im Jahre 2012 betrug das durchschnittliche Lebensalter eines durch Suizid verstorbenen Menschen 56,9 Jahre. Das durchschnittliche Sterbealter steigt, 1998 lag es noch bei 53,2 Lebensjahren. Besonders bei Männern stieg es von 51,6 (1998) auf 56,1 Lebensjahre (2012). Bei Frauen stieg es im gleichen Zeitraum von 57,6 auf 59,0 Lebensjahre. In Deutschland steigt die Suizidziffer, bzw. das Suizidrisiko, mit dem Lebensalter (das sog. „Ungarische Muster“). In allen Altersgruppen begehen Männer deutlich mehr vollendete Suizide als Frauen. Beträgt die Suizidziffer* 2012 bei 20 bis 25jährigen Männern noch 11,9 (Frauen 3,2) steigt sie bei den 85 bis 90jährigen Männern auf 73,2 (Frauen 15,1).

 

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