Lebenshilfe: Arbeit möglich machen

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Ulla Schmidt
Ulla Schmidt
Bild: Irina Tischer

Berlin (kobinet) Arbeit auch für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf möglich machen, fordert heute die Lebenshilfe anlässlich des Europäischen Protesttages für die Gleichstellung behinderter Menschen am 5. Mai und beteiligt sich an bundesweiter Aufklärungskampagne. Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind gleich Null. Sogar eine Tätigkeit in der Werkstatt bleibt ihnen meist verwehrt. Aber auch Menschen mit Behinderung und hohem Unterstützungsbedarf sollen arbeiten können, wenn sie das wollen. „Das Recht auf berufliche Bildung und Arbeit muss ausnahmslos für alle gelten – nicht nur für die Leistungsstarken“, so Bundesvorsitzende Ulla Schmidt. Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und frühere Gesundheitsministerin verweist auf die UN-Behindertenrechtkonvention, die für Deutschland seit mehr als sechs Jahren bindend ist und den Zugang zur Arbeit für alle Menschen mit Behinderung vorschreibt.

Davon können Menschen mit Behinderung und hohem Unterstützungsbedarf derzeit nur träumen. Laut Lebenshilfe verbringen rund 27.000 von ihnen den Tag in der sogenannten Tagesförderung. Dort liegt der Schwerpunkt vor allem auf der Pflege und Betreuung. Bildungs- und Arbeitsangebote sind hier rechtlich nicht vorgesehen. Anders als ihre Kolleginnen und Kollegen in der Werkstatt für behinderte Menschen erhalten die Frauen und Männer in der Tagesförderung weder ein Arbeitsentgelt, noch erwerben sie Rentenansprüche. Nur Nordrhein-Westfalen ermöglicht diesem Personenkreis die Beschäftigung in der Werkstatt. Wie viele erwachsene behinderte Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf morgens ihr Zuhause gar nicht erst verlassen und von ihren betagten Eltern betreut werden oder an sogenannten tagesstrukturierten Maßnahmen im Wohnheim teilnehmen, ist nicht bekannt. Die Lebenshilfe vermutet hier eine hohe Dunkelziffer.

Bundesvorsitzende Ulla Schmidt: „Diesen Missstand wollen wir nicht länger hinnehmen. Und wir wollen der Öffentlichkeit zeigen, was Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf alles können.“  Gemeinsam mit anderen Verbänden und der Aktion Mensch beteiligt sich die Lebenshilfe an der bundesweiten Aufklärungskampagne „Arbeit möglich machen!“ Dazu sind drei kurze Filme mit einer Länge von jeweils gut fünf Minuten entstanden, die sinnstiftende Arbeitsangebote für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf vorstellen. Dabei geht es nicht vorrangig um Leistung, sondern um ein Höchstmaß an Teilhabe.

Da ist die Gruppe aus der Tagesförderstätte der Lebenshilfe Bad Dürkheim, die auf einem Reiterhof die Pferde versorgt und die Ställe ausmistet. Da gibt es die Brezn-Boten mit ihrem Frühstücksservice oder die Reinigungsmannschaft, die beim FC Altona 93 montags nach einem Heimspiel die Sitze säubert. Da werden per Hand Kartons im Bioladen zerrissen und Holzabfälle zu Grill- und Kaminanzünder gespalten. Anschließend packen die behinderten Menschen die Späne in alte Klopapier-Papprollen und bringen ihre Bündel selbst zum Laden, wo sie unter dem Namen „Feuer und Flamme“ verkauft werden.

Lesermeinungen zu “Lebenshilfe: Arbeit möglich machen” (68)

Von Gerti

@ nurhessen:
Beim Behindertensport zeigen sich derzeit erste Auswüchse des Zusammenwurstelns von Nicht- und Behinderten-Sportler/innen; es gibt Streitereien um die (Beibehaltung der) Nachteilsausgleiche, die es zweifelsohne gibt; jemand, dem beide Beine zum Schwimmen (bei Vorhandensein zweier nicht von Behinderung betroffener Arme) voll zur Verfügung stehen, ist nun einmal schneller als jemand, dem zum Schwimmen nur ein Bein (als Funktionsteil des menschlichen Körpers) zur Verfügung hat.
Deshalb ist es (in meinen Augen) großer Kokoloris, wie ein Mantra vor sich herzutragen, indem behauptet wird, Inklusion würde alle Benachteiligungen beseitigen und Menschen (nicht- und behindert) (iedeell und materiell, juristisch und anarchistisch) auf Augenhöhe bringen.
Gerade dieses Mantra wird von Behindertenbeauftragten landauf landab vor sich hergetragen.
Die Lebenshilfe und alle die anderen 'Gutmenschen' (das krasse Gegenteil vom 'guten Menschen') werden einen Teufel tun, an dem bestehenden Abhängigkeitsverhältnis zu rütteln. Lebenshilfe und Co. leben gut von den von ihnen geschaffenen Abhängigkeitsverhältnissen.
Oliver Twist hatte es am Ende gut. Es war jemand da, der ihn aus dem Elend der Zwangsmühle des Schuftens befreit hatte. Wen haben nun die in den Werkstätten für Behinderte Schuftenden?
Ich sehe da auch kein Interesse bei den Behindertenbeauftragten landauf landab, sich der Ausbeutung in den Werkstätten für Behinderte zu stellen. Lieber wird auf das neumodische Zeugs, das da _Inklusion_ heißt, ausgewichen. Zeittotschlagzeug und Arbeitszeitabsitz-Zeug namens _Inklusion_!

Von Gerti

@ Dagmar B.:
Danke Ihnen für Ihren Hinweis.
Ich habe die in dem link enthaltene Frage und die Antworten auf die Frage gelesen.
Was mag bloß noch los sein in den Werkstätten von Menschen mit Behinderung(?)
Ich halte das für einen Skandal, DASS Behinderte in Werkstätten für Behinderte zum Erhalt der Sozialbonzen und Sozialbonzinnen benutzt werden und schlicht, ich bezeichne den Umstand so:, Zwangsarbeit leisten. Noch dazu erheblich unterbezahlt und von großen Unternehmen, wie Siemens, Bosch et.al. ausge- und benutzt. Die Gewinnmargen für Siemens und Co. dürften (ist meine sicherlich nicht unberechtigte Annahme) sehr hoch sein.
Hieraus ergibt sich für mich auch der 'Sinn' für die Werkstättenbetreiber/innen: Die Söhne und Töchter, die schwerstbehindert sind und denen erheblich mehr persönliche Ansprache und persönliche Zuwendung in den Werkstätten der Menschen mit Behinderung zuteil werden MÜSSTE, werden links liegen gelassen; nach dem Motto: Wenn schon wenig oder nur kein Profit aus ihnen herausgepresst werden kann (wie Arbeit ausführen, die bei Nichtbehinderten unbeliebt ist verrichtet zu werden, wie den Pferdestall ausmisten und dergleichen), so sollen *diese* Schwerstbehinderten nur soweit tagsüber aktiviert werden oder einen eigenen Willen einfordern und soll der eigene Wille den Schwerstbehinderten geltend zu machen, erheblich erschwert, bis verunmöglicht werden und sie quasi und auch tatsächlich tagsüber vernachlässigt werden. DAS scheint mir der Gewinn zu sein, der mit den Schwerstbehinderten in der Werkstatt für Behinderte *erwirtschaftet* wird. Möglicherweise ist dies ein ungeschriebenes(?) Gesetz der Lebenshilfe und wie nun die anderen Lobbyorganisationen von Schwerstbehinderten nun auch immer heißen und welcher weltanschaulichen und politischen Ausrichtung die auch immer sind.
Entsetzlich!

Von Dagmar B

Dazu sollte man sich auch mal den folgenden Link über Dauergehirnwäsche durch Kontrolle durchlesen.
http://www.wfbm.info/forum/viewtopic.php?f=5&t=539&view=print

Schlimm.

Von nurhessen

@Gerti
Ihr Erfahrungsbericht aus der Stiftung der „Hoffnungsthaler Anstalten“ erinnert mich an das Schicksal eines gewissen Kindes namens „Oliver Twist“ aus dem England des vorletzten Jahrhunderts. Dieser Geschichte hat Charles Dickens aber als „Macher“ seines eigenen Werks ein gutes Ende beschert. Ob es bei den Werkstätten der Lebenshilfe oder der kirchlichen Einrichtungen so gut ausgehen wird, wage ich immer mehr zu bezweifeln; d.h. ich glaube nicht mehr an ein „gutes inklusives Ende“.

Von Gerti

Interessant!
Hier macht eine Molkerei im Landkreis Barnim (Land Brandenburg) Gewinn auf Kosten ihrer behinderten Mitarbeiter:
http://www.lobetaler-bio.de/naturschutzbecher
http://www.lobetaler-bio.de/soziale-milchwirtschaft

Wer einmal zu einer (externen) Veranstaltung in den Hoffnungsthaler Anstalten in Lobetal (Lobetal wurde in die einwohnermäßig nächstgrößere Stadt Bernau [bei Berlin] eingemeindet) wird (wie ich) sicherlich nicht umhinkommen den Eindruck zu erhalten, dass es den Behinderten, die in Lobetal wohnen und derer 'man' zu Gesicht bekommt, offensichtlich NICHT gut geht.
Das Geld geht offensichtlich mehr an die Institution (wie auch den Informationen über die Werkstatt für Behinderte in Lobetal zu entnehmen ist), als an die Behinderten.
Kümmerliche Verhältnisse, alles in allem.
Mit den Behinderten in Lobetal
_(Lobetal war dereinst als Siedlung für arbeitslose Männer geschaffen worden; nurmehr hatte sich im Laufe der Zeit die 'Zielgruppe' geändert; arbeitslose [nichtbehinderte] Männer lassen sich offensichtlich nicht so leicht dressieren und drangsalieren, wie [Schwerst]Behinderte, denen sofort eine [körperliche und geistige] Unterlegenheit von Nichtbehinderten attestiert und unterstellt wird) lässt sich offensichtlich ein sehr einträgliches Geschäft machen.
Vielleicht auch ein 'Grund' dafür, dass noch immer ein großer Teil der Behinderten hinter den Wohnheimen verschwunden gelassen wird und ihnen nicht im Entferntesten der tatsächliche Lohn eines qualifizierten Mitarbeiters (hier: in der Molkerei) ausbezahlt wird.
Das Geld bleibt bei dem kirchlichen Träger 'Hoffnungsthaler Anstalten'.
Es macht betroffen und bedrückt zugleich, in welchen offensichtlichen ärmlichen Verhältnissen die Behinderten leben.
Jedenfalls lebt die Stiftung 'Hoffnungsthaler Anstalten' wohl ganz gut von der Behinderten Arbeit.
Rechtlich betrachtet dürfte das nicht haltbar sein, dass der Gewinn, der mittels Produktion in der Molkerei und aus dem Verkauf der Molkereiprodukte erwirtschaftet wird, für Projekte jenseits der Werkstatt für Behinderte verwendet wird. Das wird der Gewinn jedoch. Die Behinderten in der Werkstatt für Behinderte der Hoffnungstaler Anstalten haben von dem Gewinn, der zweckentfremdet verwendet wird, NULLKOMMANIX. Das ist (aus meiner Sicht) krasser Betrug an den Behinderten und Entwertung der Arbeit(sleistung) der Behinderten.

Von nurhessen

Und zu guter Letzt: Die Situation behinderter Menschen hat sich – trotz UN-BRK…- nicht verbessert, sondern verschlechtert!- Es hat ein Verdrängungsmechnismus stattgefunden, der von oben nach unten weitergereicht wird: Wenn Abiturienten „nur“ gut genug sind, wenn eine „eins“ oder besser (!) im Abschlusszeugnis steht, wenn der „Hauptschulabschluss“ nichts mehr gilt, dann beißen eben die Letzten die Hunde: Hauptschüler mit schlechten Noten sind gerade gut genug, um in Werkstätten zu arbeiten. Diejenigen, die wirklich und wahrhaftig Hilfe und Betreuung benötigen, enden in ihren abgeschlossenen „Nischen“ ohne Aussicht auf Inklusion: ein Numerus clausus von oben nach unten. P.S. Ich bin wahrhaftig ein Gegner des dreigliedrigen Schulsystems, aber so, wie es bei uns ist, funktioniert es nicht!

Von nurhessen

Dem Beitrag von Frau Maubach ist nur hinzuzufügen, dass die Lebenshilfe (leider) nicht der einzige Träger solcher „Einrichtungen“ ist, sondern es gibt noch andere: als da sind die JG, Josefsgesellschaft (katholisch; aber offen für alle), diverse Werkstätten in evangelischer Trägerschaft (ebenfalls offen für alle). Das gemeinsame Merkmal: keiner ist besser als der andere!

Von Gisela Maubach

Und heute flattert nun die Lebenshilfe-Zeitung ins Haus, in der genau der gleiche Text dieses Beitrages nochmal in Gänze in Papierform erscheint.

Hier lesen wir nochmal von der "Gruppe aus der Tagesförderstätte", die "auf einem Reiterhof die Pferde versorgt und die Ställe ausmistet".

Wenn man bedenkt, dass in einer Tagesförderstätte Menschen mit Behinderung betreut werden, die selbst für leichte Tätigkeiten in einer WfbM zu (!) behindert sind, stellt sich hier doch die Frage, was man dem geneigten Leser damit vorgaukeln will.

Und natürlich fehlt auch in diesem Beitrag wieder die Klarstellung, dass ein Recht auf Werkstatt gleichzeitig mit der Einrichtungsgebundenheit der Geldleistung verbunden ist, weil Teilhabe am Arbeitsleben die vorrangige Leistung ist, und wer in der Realität nicht arbeiten kann, für den ist die Werkstatt dann halt der einzig mögliche Arbeitgeber.

Es kann von Seiten der betroffenen Menschen mit Behinderungen nicht hingenommen werden, dass die Lebenshilfe als Träger von Werkstätten die dortige Aufnahme von Menschen mit schwersten geistigen Behinderungen fordert, ohne bisher ansatzweise eine Wahlfreiheit oder Selbstbestimmungsrecht vorzusehen, die es diesem Personenkreis ermöglichen würde, den Tagesablauf inklusiv in der Gesellschaft zu verbringen.

Wie ich bereits im meinem ersten Leserbrief zu diesem Thread ganz unten festgestellt hatte (und von der Lebenshilfe leider immer noch ignoriert wird):

Zwischen Recht und Pflicht gibt es nun mal einen entscheidenden Unterschied!

Von Wolfgang Ritter

Hallo Frau Maubach,

die von Ihnen angeschnittene Problematik wurde bereits schon länger erkannt, nur was hätte man damals mit einer derartigen Erkenntnis alles schon verändern können? Von mir sollte mit der Info eigentlich zum Ausdruck gebracht werden, dass vieles, was manche als den heutigen Fortschritt bezeichnen, doch nichts weiter ist als eine veränderte Interpretation ohne wesentliche Ergebnisse für unsere Gruppe. Wir sehen doch welche Aufmerksamkeit ein Peter Singer erlangt mit all den unterschiedlichen Meinungen. Das Leben zu erhalten ist für viele der wichtigste Punkt, bei welchen auch Kontrovers mit allen Mitteln argumentiert wird. Wenn es aber dann darum geht, ein solches auch zu ermöglichen, dann kommt das große Schweigen der Lämmer, wobei ihr blöken durchaus etwas positives zu Gunsten der geistig behinderten Menschen haben könnte, wenn man sich etwas solidarisch erklärt und die, welche es nicht können in ihre Mitte aufnimmt.

Wolfgang Ritter

Von Gisela Maubach

Lieber Herr Ritter,

das ist zwar nett gemeint, aber das Lesen eines Buches mit mehr als 300 Seiten ist in den 24-Stunden-Multi-Tasking-Tagesablauf ebensowenig einbaubar wie die Gründung eines eigenen Vereins.

Hinzu kommt, dass es sich bei dem von mir thematisierten Personenkreis um arbeitsun(!)fähige Menschen mit Behinderung handelt, für die hier in NRW die vorrangige (!) Leistung Teilhabe am Arbeits(!)leben lautet - ohne diese Leistung außerhalb einer Werkstatt in Anspruch nehmen zu dürfen.

Daher würde mich weniger der "Konflikt zwischen ökonomischer und pädagogischer Orientierung innerhalb der Werkstatt für Behinderte" interessieren - sondern vielmehr, dass der von mir angesprochene Personenkreis auf dem Weg zum Bundesteilhabegesetz nicht weiter ausgeschlossen bleibt, weil in Artikel 19 der UN-BRK von einem Recht "aller" (!) Menschen mit Behinderung die Rede ist. Alle haben "mit gleichen Wahlmöglichkeiten" das Recht auf "volle Einbeziehung in die Gemeinschaft", indem sie u.a. "gleichberechtigt die Möglichkeit haben, ihren Aufenthaltsort zu wählen".

Außerdem ist in Art. 19 von einer "persönlichen Assistenz" die Rede, "die zur Unterstützung des Lebens in der Gemeinschaft und der Einbeziehung in die Gemeinschaft sowie zur Verhinderung von Isolation und Absonderung von der Gemeinschaft notwendig ist".

Und da hier von "alle" die Rede ist, ist es auch nicht hinnehmbar, dass man einem ganzen Personenkreis trotzdem die Absonderung von der Gemeinschaft zumutet, indem man diese Form der Absonderung einen "beschützten Rahmen" oder Teilhabe am Arbeitsleben nennt.

Von Wolfgang Ritter

Hallo Frau Maubach,

kennen Sie eigentlich dieses kritische Werk, welches bei Ihnen offene Türen einlaufen könnte und ein guter Vergleich zum heutigen Stand in den Werkstätten ist?

Dieter Schartmann
Persönlichkeitsfördernde Arbeitsgestaltung mit geistig behinderten Menschen
Reihe: Forum Behindertenpädagogik
Bd. 1, 1999, 312 S., 25.90 EUR, br., ISBN 3-8258-4150-2


In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, unter welchen Voraussetzungen und mit welchen Mitteln eine persönlichkeitsfördernde Arbeitsgestaltung mit geistig behinderten Menschen realisiert werden kann. Auf der Basis der Tätigkeitstheorie der Kulturhistorischen Schule wird ein Modell entwickelt, mit dessen Hilfe zum einen der Zielkonflikt zwischen ökonomischer und pädagogischer Orientierung innerhalb der Werkstatt für Behinderte aufgelöst werden kann, mit dem zum anderen aber auch die Fachdienste zur beruflichen Integration geistig behinderter Menschen in den allgemeinen Arbeitsmarkt konfrontiert werden können.

Leider ist es nur noch als digitale Version erhältlich, aber ich wäre ein schlechter Organisator, wenn ich nicht noch eins aufgetrieben hätte.

Wolfgang Ritter

Von Gisela Maubach

Da ich davon ausgehe, dass die Werkstätten ihren streikenden Angestellten während des Streiks kein Gehalt zahlen, mögen sich die Werkstätten bitte dazu äußern, ob sie die Eingliederungshilfe, die auch während der Streiktage an die Werkstätten gezahlt wird, an den Landschaftsverband erstatten oder denjenigen auszahlen, die die Ersatz-Betreuung leisten.

Sollten die Werkstätten das Geld behalten, würde die völlig absurde Situation eintreten, dass die Werkstätten von dem Streik auch noch finanziell profitieren, indem zwar die Einnahmen gleich bleiben, aber die Gehälter eingespart werden können.

Außerdem möge sich die Lebenshilfe bitte dazu äußern, wer den hohen Betreuungsbedarf während eines Streiks decken soll.
Wären die "betagten Eltern", von denen hier im Beitrag die Rede ist, in diesem Fall gut genug?
Fraglich ist nur, wie die betagten Eltern den Spagat zwischen eigener Erwerbstätigkeit und 24-Stunden-Betreuung logistisch hinbekommen sollen.

Die Streikankündigung auf dem heutigen Papier endet übrigens mit dem Satz
"Wir bitten freundlichst um Entschuldigung für die entstehenden Unannehmlichkeiten!"

Dazu kann ich für mich sagen:
Ich entschuldige das nicht!!!!!
Und zwar deshalb nicht, weil ich keine andere Betreuungsform wählen durfte.

Es bleibt zu hoffen, dass die Einrichtungsgebundenheit dieser Leistungen nun endlich auf die Tagesordnungen kommt!!!

Von Gisela Maubach

Die Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit geistiger Schwerstbehinderung im hochgelobten NRW ist momentan eine einzige Katastrophe.
Am vergangenen Montag wurde gestreikt, morgen ist die Werkstatt wegen Feiertag geschlossen und übermorgen wegen Brückentag.
Gerade eben (nach einem der zwei einzigen Werkstatt-Tagen in dieser Woche) erhalte ich ein Schreiben der Werkstatt, dass die nächsten Arbeitsniederlegungen am kommenden Montag und/oder Dienstag durchgeführt werden.
Und am darauf folgenden Donnerstag ist die Gruppe dann wegen Fortbildung geschlossen.

Das System, das im obigen Beitrag bejubelt wird, schlägt uns Eltern gerade mit voller Wucht ins Gesicht, denn die Werkstatt erhält vom Landschaftsverband die Eingliederungshilfe pro Kalendertag, was in der Fallgruppe C (hoher Betreuungsbedarf) ca. 2.200 Euro pro behindertem Mensch bedeutet.

Und das Geld fließt weiter in die Werkstatt - egal ob und wie häufig der behinderte Mensch anwesend ist!!!!!

Soviel zu den "sinnstiftenden Arbeitsangeboten für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf". In der Realität ist das kaum noch zu ertragen!!!

Von Gisela Maubach

Endlich kommt ein Hoffnungsschimmer auf, dass die Lebenshilfe zur Kenntnis nehmen muss, dass es nichts mit personenzentrierter Bedarfsdeckung zu tun hat, wenn die "Teilhabeleistungen" für Menschen mit "hohem Unterstützungsbedarf" alternativlos an Werkstätten gebunden sind, wo mit großen Schwerstbehinderten-Gruppen die Möglichkeit der Inklusion ausgeschlossen ist.

Und dass die Eingliederungshilfe für diese Menschen in NRW kalendertäglich an die Werkstatt gezahlt wird - also auch sonn- und feiertags und während sieben Urlaubswochen - dürften die Betroffenen kaum befürworten, die während dieser Zeiten den "hohen Unterstützungsbedarf" in Eigenregie decken müssen. Nur leider wissen die meisten Betroffen wegen fehlender Transparenz nichts davon.

Eigentlich müsste doch jedem einleuchten, dass eine kalendertägliche Zahlung für Einrichtungen eher einen Anreiz darstellt, für den behinderten Menschen möglichst viele Abwesenheitstage zu erreichen . . . zumindest für diejenigen, die nicht arbeitsfähig sind und viel Betreuung benötigen.

Es ist allerhöchste Zeit, dass die Schönrederei dieses Systems, das keinerlei Wahlfreiheit ermöglicht, aufhört und endlich ein wirkliches Selbstbestimmungsrecht ermöglicht wird!

Von Gerti

Guten Tag Frau Rosi Nante,
vielen Dank für den Hinweis (Unterschriftenliste plus die Homepage, auf der die Unterschrift getätigt werden kann).

Die Lebenshilfe richtet sich (wie wohl jede Organisation in Deutschland) auf Leistung, Leistung und nochmals Leistung aus.
Das sieht man deutlich an den Mitgliedermagazinen der Lebenshilfe.
Die Gier nach Leistung und die gestellte Forderung an Alle, nur wer leistet, sei was 'wert', wird sich (aus meiner Sicht) bitter rächen.
Mit freundlichen Grüßen,
Gerti.

Von Rosi Nante

Hinweis auf eine Unterschriftenaktion zum Thema Pflicht zur Arbeit: https://elerbeki.wordpress.com/2015/05/07/unterschriftensammlung-fur-einen-brief-an-die-bundesvereinigung-lebenshilfe/

Von Wolfgang Ritter


Dies war der Grund, warum auf einmal der Löschtrupp alarmiert wurde.
Aber anscheinend ist das Urteil der Brandursachenermittler humaner ausgefallen, und das Wasser konnte wieder abgepumpt werden.

Die Mutti Live und ehrlich!

http://pix.echtlustig.com/1404/wozu-1-april-wir-verarschen-euch-das-ganze-jahr-ueber.jpg

Von nurhessen

@ gerti @ wolfgang ritter
Die „Löschgruppe“ hat mit spitzer Feder all das gelöscht, was nicht passt.
Es fehlt noch viel mehr: Also bitte: Das Motto heißt „stromlinienförmig“! Übrigens haben wir Muttertag; also „Mutti“ ehren!

Von Wolfgang Ritter

Hallo Gerti,

die Wahrheit vertragen die wenigsten, daher ist es auch nicht verwunderlich, dass wenn man am Tropf der Aktion Mensch hängt
so reagiert, denn man will ja überleben mit seiner Theorie.

Diese Reaktion ist für mich ein Zeichen dafür, dass hier Gegenwind aufkommt, aber vielleicht zur unpassenden Zeit und die Kritik in den eigenen Reihen wächst, da man nicht mehr so leicht alles vermitteln kann, ohne sein Gesicht zu verlieren.

Wir sitzen alle in einem Boot, nur die einen brauchen halt Unterstützung mit Luftballons etc. die anderen eine ehrliche Antwort, dass ist der Unterschied.

Wolfgang Ritter

Von Gisela Maubach

Heute habe ich zufällig eine junge Frau aus dem Arbeitsbereich der Werkstatt meines Sohnes getroffen. Sie gehört zu denjenigen, die nur leicht behindert sind und tatsächlich arbeiten können.
Sie hat mir erklärt, dass sie am Montag wie üblich zur Arbeit zu erscheinen hat, während die Betreuung meines Sohnes in derselben Werkstatt wegen des Tarifstreiks nicht sichergestellt werden kann!

Im obigen Beitrag "Lebenshilfe: Arbeit möglich machen" wird die Situation von Menschen "mit hohem Unterstützungsbedarf" hier in NRW hochgejubelt. Nicht erwähnt wird dabei, dass die Werkstätten in NRW für den Personalmehrbedarf eines Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf einen 7-fach (!) höheren Eingliederungshilfe-Betrag erhalten als für Menschen mit geringem Unterstützungsbedarf.

Wegen des Feiertags (Chr. Himmelfahrt) ist die Werkstatt am kommenden Freitag (Brückentag) direkt auch noch geschlossen, so dass mein Sohn in der kommenden Woche maximal (!) an zwei Tagen in der Werkstatt betreut werden kann, während für sieben Tage Eingliederungshilfe an die Werkstatt gezahlt wird, denn der Personalmehrbedarf wird nach Kalendertagen gezahlt - unabhängig davon, ob der behinderte Mensch in der Realität anwesend ist oder nicht.

Die Lebenshilfe möge bitte erklären, wie der "hohe Unterstützungsbedarf" gedeckt werden soll, wenn die Werkstatt die Betreuung nicht sicherstellt . . . und eine Wahlfreiheit jenseits der Werkstatt nicht existiert!

Man stelle sich mal vor, dass die Persönliche Assistenz eines Menschen, der zwingend auf diese Assistenz angewiesen ist, streiken würde oder Brückentage einlegt - und zwar ohne Ersatz, so dass man den ungedeckten Bedarf irgendwie selbst organisieren muss.
Was für ein Aufschrei wäre dann zu erwarten?

In Werkstätten kann man es mit Menschen "mit hohem Unterstützungsbedarf" offensichtlich machen, ohne dass es irgendjemandem auffällt.

Es ist höchste Zeit, dass diese Bindung der Eingliederungshilfe an die Werkstätten, die im vorliegenden Beitrag bejubelt wird, endlich auf die Tagesordnungen zur Umsetzung der UN-Konvention gesetzt wird!

Von Gerti

@ Herr W. Ritter:
Die Löschgruppe vom Dienst war wieder mit ihren Fingern auf der Leserbriefseite und hat unser beider Anmerkungen gelöscht.
Auch wenn etwas gelöscht wurde, wurde es bereits veröffentlicht und wurde ggf. von Vielen bereits gelesen.
Löschen bringt nix.
Ich riete den Kobinetler_innen an, mindestens ein Volo zu absolvieren, dann wären wahrscheinlich auch die Leserbriefe, die nicht gewissen Edelbehinderten huldigen, noch zu lesen, die (wie durch Geisterhand) gelöscht wurden. Verträgt da EINER die Wahrheit nicht?

Von Gisela Maubach

Gerade eben erfahre ich, dass am kommenden Montag die Betreuung meines Sohnes in der Werkstatt "aufgrund des Tarifstreiks" nicht sichergestellt werden kann.
Außerdem wird seitens der Werkstatt-Geschäftsführung mitgeteilt, dass der Streik "nach Angabe einer Erklärung der Gewerkschaft unbegrenzt lange fortgeführt" wird.

Da die Eingliederungshilfe an die Werkstatt gebunden ist, fließt dieses Geld, das eigentlich für die Teilhabe des behinderten Menschen gedacht ist, auch bei Streik an die Werkstatt - während wir Eltern mal wieder zaubern müssen, um die Betreuung rund um die Uhr selbst sicherzustellen.

Soviel zur Personenzentriertheit von Teilhabeleistungen in NRW.

Und wenn die Werkstatt wegen eines Streiks dann weniger Gewinn erwirtschaftet, sinken dementsprechend die Löhne der behinderten Menschen - und zwar nur (!) der behinderten . . .

Von Gisela Maubach

Susanne v.E. hat mit Leserbrief vom 3. Mai 20:39 sehr eindrucksvoll beschrieben, dass ein Verlassen der WfbM-Gruppe im Schwerstbehindertenbereich kaum erfolgt, so dass wohl von niemandem angezweifelt wird, dass folgende Darstellung aus dem o.a. Beitrag kaum das vorrangige Ziel der Werkstatt-Unterbringung sein kann:

"Dabei geht es nicht vorrangig um Leistung, sondern um ein Höchstmaß an Teilhabe."

Und Einigkeit hinsichtlich des vorliegenden Beitrages besteht hoffentlich darüber, dass allen (!) Menschen mit Behinderung eine Wahlfreiheit eingeräumt werden sollte, ob sie ihre Tage in Einrichtungen verbringen möchten oder nicht.

Ein "Höchstmaß an Teilhabe" passt mit der Einrichtungsgebundenheit der Eingliederungshilfe (die im o.a. Beitrag bewusst nicht erwähnt wird) auch mit viel Fantasie nicht zusammen.

Von lehmä

Sehr geehrter Herr Ritter!
Doch noch eine Letztes: Sie haben mich falsch verstanden; ich wollte mich gerade von Ihnen und Dr. Drebes, „Gerti“ usw. verabschieden. Mit Akklamationsclique meinte ich eine andere Gruppe – nicht Sie!
Letzte – wirklich letzte - Grüße

Von Wolfgang Ritter

Liebe Gerti,

mit der unteren Schicht meine ich den Menschen, welcher nicht studiert hat, wozu auch ich mich zähle. Nächste Woche werde ich 65 und ich habe wirklich mit einigen Leuten schon gesprochen, wo man ganz normal reden konnte, welche aber zumindest in der gesellschaftlichen Stellung Professoren und anderes waren. Wenn ich das Beispiel mit Dr. Drebes brachte, dann hatte es den Grund, dass er nicht sich unserer erbarmt, sondern uns zeigt, auch er ist nicht mit allem einverstanden und dass ist für mich wichtig.

Wolfgang Ritter

Von Wolfgang Ritter

Liebe Freunde und Leidensgefährten!

Zitat:

„Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und frühere Gesundheitsministerin verweist auf die UN-Behindertenrechtkonvention, die für Deutschland seit mehr als sechs Jahren bindend ist und den Zugang zur Arbeit für alle Menschen mit Behinderung vorschreibt.“

Zunächst zur Gedankenstütze § 2 Abs. 1 SGB IX:
§ 2 Behinderung
(1) Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist.

Anmerkung:

Aus § 2 Abs. 1 SGB IX kann man entnehmen, dass es außer der Personengruppe von KB es anscheinend noch etwas anderes geben muss, was aber in allen Diskussionen der letzten Jahre immer wieder zu kurz kommt, denn anscheinend sind die ganzen Fachleute noch die nächsten 30 Jahre mit ihrer eigenen Präsentation beschäftigt, aus welcher sie auch gewisse immer neu ergänzende Rechtsansprüche für sich ableiten. Daher anscheinend auch der Satz von Frau Schmidt, zur gegenwärtigen Situation der geistig Behinderten und deren Beachtung,

Zitat:

„Davon können Menschen mit Behinderung und hohem Unterstützungsbedarf derzeit nur träumen.“

Anmerkung:

Man muss zunächst Schritt für Schritt jede einzelne Gruppe abarbeiten, wie es das SGB IX vorsieht und dass braucht halt Zeit.

Wir würden gern, aber können nicht, denn,

Zitat:

„Dort liegt der Schwerpunkt vor allem auf der Pflege und Betreuung. Bildungs- und Arbeitsangebote sind hier rechtlich nicht vorgesehen.“

Anmerkung:

Wir reden ja zumindest davon, dass sie dazu gehören, aber mehr als Theorie, gibt das Gesetz nicht her. ( Mir kommen die Tränen bei soviel Anteilnahme )

Zitat:

Bundesvorsitzende Ulla Schmidt:

„Diesen Missstand wollen wir nicht länger hinnehmen.

Zitat:

„Und wir wollen der Öffentlichkeit zeigen, was Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf alles können.“ Gemeinsam mit anderen Verbänden und der Aktion Mensch beteiligt sich die Lebenshilfe an der bundesweiten Aufklärungskampagne „Arbeit möglich machen!“ Dazu sind drei kurze Filme mit einer Länge von jeweils gut fünf Minuten entstanden, die sinnstiftende Arbeitsangebote für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf vorstellen.“

Zitat:

„Dabei geht es nicht vorrangig um Leistung, sondern um ein Höchstmaß an Teilhabe.“

Anmerkung:

Na die Theorie wird ja nun mit Filmchen gefestigt, dann besteht ja auch die Hoffnung, dass die immer wieder erwähnte Aufklärungskampagne dazu führen könnte, der Gesellschaft geht ein Licht auf, was man dann die Praxis nennt, welche man mit Taten untermauert, sofern es gewollt ist.


Wolfgang Ritter





Von Gerti

@ Herrn W. Ritter:

Kleine Anmerkung von mir gegenüber Ihnen:
Sehr geeehrter Herr Ritter,
indem von Ihnen die Formulierung "... auch die unteren Schichten nicht vergessen haben ... " verwendet wird, wird ein Unterschied zwischen einem Oben und einem Unten gemacht und irgendwer stellt sich hier besser und stellt jemanden schlechter, weist ihm / ihr einen (vermeintlichen) 'niedrigeren' Platz zu; hierarchisiert. Schade.

Mit freundlichen Grüßen,
Gerti.

Von Wolfgang Ritter

Hallo Lehmä,

weder Herr Dr. Drebes, meine Person noch andere, wollen Ihnen hier zu nahe treten. Hier soll keinesfalls der Eindruck erweckt werden, Sie werden für etwas schlechtes gehalten, nur weil die Ihnen gegebenen Möglichkeiten nicht dass bewirken konnten, was man vielleicht gern in Liebe für seine Kinder tun würde. Man liest sehr deutlich aus Ihren Worten die Verzweiflung und das Bedürfnis, sich mit anderen Menschen austauschen zu können.
Wenn ich gelegentlich oder generell hier polemisch schreibe, dann hat dies weder mit Ihnen noch anderen zutun und wenn, dann würde ich das Kind beim Namen nennen.

Auch kann ich mir es nicht vorstellen, dass Herr Dr. Drebes mit seiner Einstellung, obwohl er Akademiker ist, hier abheben möchte. Für mich ist er einer der wenigen, welche bodenständig auch die unteren Schichten nicht vergessen haben, denn wir haben alle ein Leiden mit welchem wir leben.

Wolfgang Ritter

Von Gerti

@ lehmä
Sehr geehrte/r Lehmä,
frei nach dem Motto: 'Steter Tropfen kann manchen Stein, manche versteinerte, verbohrte *Meinung* nach und nach aushöhlen'.
Deshalb: Ich finde es schade, wenn sich von Ihnen offensichtlich aus dem Forum zurückgezogen wird.
Ich bitte Sie, uns gewogen zu bleiben. Danke.

Mit freundlichen Grüßen,
Gerti.

Von lehmä

Sehr geehrter Herr Ritter, sehr geehrter Herr Dr. Drebes,
leider erkenne ich, dass ich hier fehl am Platz bin und nicht von diesem „Forum“ vertreten werde, in dem „Bloggerinnen“ als Akklamationsclaqueure in faschistoider Manier stets gemeinsam auftreten. Ein differenziertes Denken ist ihnen, jedenfalls den meisten von ihnen abzusprechen. Alleine das Kürzel KB, für Körperbehinderte (?)spricht für sich. Ich lasse mich nicht auf ein Ausspielen einzelner Formen der Behinderungen ein. Die letzte 1000- jährige Geschichte zeigte klar, dass es zwischen „blind“, „hinkend“ oder sonst einer Behinderung kein, aber auch wirklich kein Unterschied in der äußeren Wahrnehmung gibt.
Auf Wiedersehen Ihr/e Dr. …

Von Dagmar B

Zitat:

Es ging mir vielmehr darum, zu zeigen, warum hier auch Eltern von kognitiv fitten Behinderten beklagen können, dass ihre Kinder durchs Sieb des Teilhabeleistungs-Systems fallen und das durchaus keine subjektiv verzerte Wahrnehmung ist

Hallo Herr Drebes

Ich glaube,wir drehen uns im Kreis,
Meine These ist nicht,das es bei den KB nichts zu beklagen gibt,meine These ist,das die Probleme der KB in der Teilhabediskussion ,insbesondere durch Selbstvertretung gut thematisiert werden.
Ob nun durch die behinderten Juristen,Frau Nancy Poser ,Frau Arnade und,und, und........
Der TAFÖ Personenkreis wird bedauerlicherweise nur von den Leistungsanbietern vertreten,also garnicht,

Wie absurd sich das Ganze dann gestaltet ,kann man ja an der Nachricht oben feststellen.
Der Bereich ARBEIT ist allgegenwärtig in der Teilhabediskussion,die Bereiche :
Selbstbestimmung,Einrichtungsgebundenheit,angemessene Vorkehrungen,Folter in Einrichtungen ,,,,,,tauchen nicht auf.

Von Sven Drebes

Halllo Dagmar B.,

wie gesagt, ich stelle weder in Frage, dass die soziale Herkunft in den ersten +/- 25 Jahren eine wesentliche Rolle spielt, noch behaupte ich, dass unter den Menschen, die "zu behindert" für eine WfbM sind, reihenweise verkannte Akademiker sind.

Es ging mir vielmehr darum, zu zeigen, warum hier auch Eltern von kognitiv fitten Behinderten beklagen können, dass ihre Kinder durchs Sieb des Teilhabeleistungs-Systems fallen und das durchaus keine subjektiv verzerte Wahrnehmung ist.

Von lehmä

@ Dagmar B.
Zitat Dagmar B.:
„Der ,ich glaube ich wiederhole mich,bevorzugte Personenkreis,der ideologisch als Vorzeigebehinderter,man kann auch sagen als inklusionsfähiger Behinderter PROPAGIERT wird,ist,wie Rosinante es treffend schreibt:
pflegeleicht und inklusionsfkonform.“

So: dann fordere ich Sie hiermit freundlichst auf, meine beiden „ bevorzugten“ Töchter als „pflegeleichte und inklusionskonforme“ Behinderte zu integrieren, zu inkludieren oder wie auch immer … Ich danke Ihnen!

Von lehmä

Zur Klarstellung: Der Begriff „Paradigmenwechsel“ ist nicht meine Erfindung, sondern eine mittlerweile relativ hohle und unerfüllt gebliebene Floskel der Elterngeneration, der ich entstamme, den LAG’s und BAG’s aus wohl längst vergangenen Zeiten, als alles noch im Aufbruch befindlich und voller Hoffnung war. Feststellen möchte ich, dass uns damals vage versprochen wurde: „Ihr kämpft für die folgenden Generationen!“ Dabei hatten wir unsere eigenen Kinder im Sinn und im Blick. Diese sind mittlerweile lange erwachsen, weder – mit welcher Behinderung auch immer – auf dem Integrationsweg, ich sage bewusst „Integration“, denn damals gab es noch keine „Inklusion“. Und wir Eltern , so denn wir noch leben, betagt und weise. – Ich hoffe, irgend jemand versteht noch etwas von leiser Ironie!

Zu Herrn Ritter: ich muss mich erst noch mal genauer in die Thesen von Herrn Professor Kastl einlesen. Habe sie kurz überflogen und denke, dass sie den Kern treffen.

Von Inge Rosenberger

Herzlichen Dank an Frau v.E. für diese deutliche Schilderung. Das einzige, das sich für unsere erwachsenen Töchter und Söhne geändert hat, sind die Parolen. Halt! Fast hätte ich es vergessen: die Bedingungen haben sich geändert. Sie sind schlechter geworden. Und da werden weitere Fortschritte gefordert. Das ist purer Zynismus!

Von Wolfgang Ritter

Fachforum Inklusion im Spiegel von Wissenschaft und Forschung
- Impulse aus Theorie und Praxis auf dem Weg zu einem gemeinsamen
Inklusionsverständnis
Diakonisches Werk Württemberg Stuttgart;
Donnerstag 30.1.2014 / 14-18 Uhr; Heilbronner Straße 180
Jörg Michael Kastl
Fünf Thesen zum Inklusionsdiskurs
Inklusion: ein modernes Glücksversprechen? - Zu den Widersprüchen eines „Teilhabe-
Total-Modells“ in der Sozial- und Bildungspolitik. Thesen und Workshops.

Wer sucht der findet.

Von Wolfgang Ritter

Liebe Freunde und Leidensgefährten,

vielleicht verstehen manche es besser, wenn sie sich mal mit den Veröffentlichungen und Referaten von Herrn Prof. Kastl beschäftigen.
Wer bereit ist zu lesen der kann auch erkennen, dass selbst Akademiker bemüht sind, unsere Träume in Grenzen zu halten und versuchen, die Realität nicht aus dem Auge zu verlieren, auch wenn unsere Vertreter immer ein anderes Bild aufzeigen wollen. Jede Mutter wird ihrem behinderten Kind alles ermöglichen was vielleicht seine Zukunft beeinflussen könnte und seinem Wohle dient, also ist es unwichtig wie man sich selbst sieht oder seine Möglichkeiten bezeichnet.

Hier nun eine Leseprobe zu einem ganz tollen Thema, was vielleicht einige hier wieder sehr emotional anheizen wird, aber allen kann man es halt nicht recht machen.

Liebe Freunde und Leidensgefährten,

Zitat:

Jörg Michael Kastl

„Fünf Thesen zum Inklusionsdiskurs.

Inklusion: ein modernes Glücksversprechen? - Zu den Widersprüchen eines „Teilhabe-
Total-Modells“ in der Sozial- und Bildungspolitik. Thesen und Workshops.“

„1. Meine folgende Kritik bezieht sich nicht auf die konkreten gesellschaftlichen Projekte, die
üblicherweise mit „Inklusion“ verknüpft werden, sondern auf den öffentlichen Diskurs darüber.
Die Projekte trage ich mit. Den Diskurs halte ich überwiegend für sachlich unzutreffend,
politisch schädlich und in Teilen auch für etwas verlogen.“

„2. Er ist das Ergebnis einer fragwürdigen Umdeutung und Einengung ursprünglich
soziologischer Fachbegriffe durch die Sonderpädagogik. Nun sind wissenschaftliche Begriffe
keine heiligen Runen, sondern Instrumente, um die Realität besser zu verstehen. Man kann
sie verändern. Blöd wird’s, wenn sie dabei ihre Schärfe einbüßen und den Blick auf die Realität dann trüben.“

„3. Ein gutes Beispiel für eine solche Linsentrübung ist für mich folgende Formulierung:
„Unter Inklusion versteht die Aktion Mensch, dass jeder Mensch vollständig und
gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Prozessen teilhaben kann – und zwar von
Anfang an und unabhängig von seinen individuellen Fähigkeiten.“
Sie findet sich in den Richtlinien zum Förderprogramm Inklusion auf der Homepage der Aktion Mensch nebst einem Filmchen und sonstigem Material, das nicht nur behinderte Menschen als „infantilisierend“ interpretieren könnten. Ein solches „Teilhabe-Total-Modell“ steht stellvertretend für eine derzeit grassierende öffentliche Rhetorik und beinhaltet falsche
Versprechen, die unsere Gesellschaft nicht einlösen kann.“

„Fünf Thesen zu einigen meines Erachtens grundsätzlichen Illusionen und Denkfehlern dieses Modells.“

1. Inklusion löst nicht Integration ab.

2. Teilhabe-total ist tendenziell totalitär.

3. Inklusion ist kein Menschenrecht.

4. Teilhabe-total ist unpolitisch.

5. Teilhabe-total verstärkt die gesellschaftliche Unaufrichtigkeit im Umgang mit Behinderung.

Unser gesellschaftlicher Umgang mit Behinderung und chronischer Erkrankung ist von einer
strukturellen Doppelzüngigkeit geprägt. Auf der einen Seite wird angeblich
voraussetzungslose Wertschätzung von Vielfalt und totaler Teilhabe propagiert. Auf der
anderen Seite werden im Bildungs- und Beschäftigungssystem Leistungsnormen wie selten
zuvor auf die Spitze getrieben. Europaweit wird beispielsweise an Schulen, Hochschulen und
im Beschäftigungssystem eine zunehmend alle menschlichen Fähigkeiten und Unfähigkeiten
umfassende technokratische „Output“- und „Kompetenzorientierung“ vorangetrieben (EQR).
Unser Alltag ist von einer medialen Allgegenwart des „Ratings“ von allem und jedem, der
Dauerpräsenz von Bildern des schönen Körpers und seiner Leistungsfähigkeit geprägt. Diese Diskrepanz erzeugt eine strukturelle Unaufrichtigkeit und führt nicht zu Inklusion und
Integration, sondern zur Verstärkung einer strukturellen Ambivalenz, Widersprüchlichkeit und
Künstlichkeit unseres gesellschaftlichen Umgangs mit Behinderung (Cloerkes),
Wir brauchen realistische und pragmatische Perspektiven, politische und professionelle
Hartnäckigkeit, konkrete Phantasie und List in der Erarbeitung von gesellschaftlichen und
individuellen Strukturen und Problemlösungen – aber eher keine weiteren Utopien und
Paradigmenwechsel mehr, die behinderte und nicht-behinderte Menschen nur von ihrer
Lebenswirklichkeit entfremden.

Eigene Anmerkung:

Punkt 5 habe ich absichtlich gewählt, da hier trotz der kürze des Textes mehr Ehrlichkeit zu erkennen ist, als was man mir aus den eigenen Reihen jemals vermitteln konnte bisher.

Herr Professor Kastl ist Professor für Soziologie und Autor mehrerer Bücher. Für mich ist er einer der wenigen, welche mir offen und ehrlich die Realität immer vor Augen halten.

Der zitierte Beitrag ist vom Januar 2014 von einer Veranstaltung in Reutlingen.


Wolfgang Ritter

Von Susanne v.E

Hallo Frau Schmidt,

wir sind auch die "betagten Eltern", die ihren Sohn mit hohem Untertützungsbedarf zu Hause betreuen.Wir sind etwas jünger als Sie, sehr geehrte Frau Schmidt. Wir hatten bereits das Vergnügen Sie kennenzulernen und Sie darüber in Kenntnis zu setzen, warum wir es unserem Sohn nicht zumuten können in einer NRW Werkstatt in einem "Schwebsbereich" sein Dasein zu fristen. An sich hatte ich gedacht, Sie hätten uns verstanden und würden sich dafür einsetzen, dass es zukünftig zu der de facto Arbeitspflicht Alterantiven geben kann. Stattdessen wird das NRW Modell kritiklos bejubelt, jeder wird als arbeitsfähig eingestuft. Unser Sohn ist nicht arbeitsfähig! Wovon genau sollen die jungen erwachsenen Menschen, die nicht arbeitsfähig sind, in NRW genau träumen: davon, dass sie den ganzen Tag in einer Gruppe mit insgesamt 12 "Schwebs"
zusammengepfercht sind und diesen Raum, mangels Personal und mangels Plan nicht verlassen können? Unser Sohn hat in dem einen Jahr, in der er die WfbM nicht einmal das Gebäude und auch nicht den Raum, in dem er sich aufhielt ,verlassen können (Windelwechsel ausgenommen)
Ich als betagte Mutter, Jahrgang 1958,kann Ihnen versichern, dass das Dasein unseres Sohnes sich erheblich verbessert hat, seit er nicht mehr "Arbeitnehmer" einer Werkstätte in NRW ist. Die Verbesserung ist ausschließlich auf unser Engagement als Eltern zurückzuführen. Eine wirkliche Verbesserung der Menschen mit hohem Unterstützungbedarf (und ihrer betagten Eltern) würde es nur geben, wenn diese Menschen eine Wahlmöglichkeit hätten und es endlich eine Alternative zur "Massenschwebshaltung" in den WfbM gäbe.

Von Dagmar B

Hallo Herr Drebes

Vielleicht können wir uns doch darauf einigen ,das es in der Nachricht um diesen Personenkreis geht:
SGB IX § 136
(2) Die Werkstatt steht allen behinderten Menschen im Sinne des Absatzes 1 unabhängig von Art oder Schwere der Behinderung offen, sofern erwartet werden kann, dass sie spätestens nach Teilnahme an Maßnahmen im Berufsbildungsbereich wenigstens ein Mindestmaß wirtschaftlich verwertbarer Arbeitsleistung erbringen werden. Dies ist nicht der Fall bei behinderten Menschen, bei denen trotz einer der Behinderung angemessenen Betreuung eine erhebliche Selbst- oder Fremdgefährdung zu erwarten ist oder das Ausmaß der erforderlichen Betreuung und Pflege die Teilnahme an Maßnahmen im Berufsbildungsbereich oder sonstige Umstände ein Mindestmaß wirtschaftlich verwertbarer Arbeitsleistung im Arbeitsbereich dauerhaft nicht zulassen.

Dieser Personenkreis ARBEITET nun aber laut Nachricht als Stallknechte.
Das da was nicht stimmt ist Ihnen ja als erster aufgefallen.
Normalerweise dürfte dieser Personenkreis auch nix mit Studium am Hut haben , so das das Thema Studium hier irgendwie themenfremd bleibt.
Wenn Sie jetzt die These aufstellen wollen,das der Personenkreis der TAFÖ lediglich nicht gut genug gefördert wurde,und dadurch zu einem Studium nicht in Lage ist,was er sonst aber wäre,streiche ich in dieser Diskussion die Segel........

Der ,ich glaube ich wiederhole mich,bevorzugte Personenkreis,der ideologisch als Vorzeigebehinderter,man kann auch sagen als inklusionsfähiger Behinderter PROPAGIERT wird,ist,wie Rosinante es treffend schreibt:
pflegeleicht und inklusionsfkonform.

Bitte lesen Sie nochmal Frau Maubachs und Frau Rosenbergers Beschreibungen über große Gruppen und den damit einhergehenden Konsequenzen,
Es ist dringend notwendig,das Menschen die Möglichkeit bekommen , selbstbestimmt Ihren Beschäftigungsplatz oder Betreuungsplatz wählen zu können.
Es kann nicht länger das Prinzip friß oder stirb gelten,insbesondere,wenn sich die Bedingungen stetig verschlechtern.
Kurz nochmal zur Bildung.Auch wenn Ihre subjektiven Ansichten anders sind,lassen sich die FAKTEN über den Geldbeutel der Eltern und die Bildungsmöglichkeiten auch behinderter Kinder nicht ausblenden.
Nachzulesen im Bildungsbericht 2014,zum ersten Mal auch über behinderte Menschen und Im Bericht von Vernor Munoz,Sonderberichterstatter der UN
http://www.bildungsbericht.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Bericht_%C3%BCber_den_Deutschlandbesuch_des_UN-Sonderberichterstatters_f%C3%BCr_das_Recht_auf_Bildung
Die Zusammenhänge zu leugnen hieße , Entwicklungsmöglichkeiten zum Besseren zu ignorieren.

Von Rosi Nante

Der ganze Artikel ist ein Widerspruch in sich, denn Menschen, die ihre Tagesstruktur in Tagesförderstätten erleben, können in den meisten Fällen weder Pferde versorgen, Ställe ausmisten noch eine andere "sinnstiftende" Arbeit verrichten. Sollten die Tagesförderstätten abgeschafft werden, endet das also in WfB-inklusiver Zwangsarbeit oder in exklusiver Betreuung durch die "betagten" Eltern.
Da unterstützt die Lebenshilfe angeblich den Paradigmenwechsel mit selbstbestimmter Teilhabe für den behinderten Menschen. Gleichzeitig wird das alles nur für pflegeleichte und inklusionsfkonforme Behinderte ermöglicht.
Der Sachverhalt ist inzwischen so komplex, dass da kaum jemand richtig durchzublicken scheint.
Wenn schon Paradigmenwechsel und Selbstbestimmung, dann für ALLE behinderten Menschen. Und Selbstbestimmung heißt nicht, daß die Lebenshilfe die Richtung bestimmt!
Also, liebe und betagte Lebenshilfe, entscheide Dich!

Von Inge Rosenberger

Es muss völlig egal sein, wie aus- oder ungebildet ein Mensch ist oder wie niedrig oder hoch die Leistungsfähigkeit oder der IQ sind.
Es geht schlicht und einfach um das Recht auf Selbstbestimmung und Gestaltung des eigenen Lebens. Also um das, was wir alle für uns selbst doch als völlig selbstverständlich ansehen.
So lange dieses Recht durch politisch korrekte Formulierungen zur Pflicht gebogen wird, ist das eine Diskreditierung der betroffenen Menschen und ein Missbrauch des Wortes 'Inklusion'.

Von Gisela Maubach

@ lehmä

Sollte man wirklich von einem Paradigmenwechsel sprechen, wenn auch "auf diesem Gebiet" ein Selbstbestimmungsrecht gefordert wird, das in anderen Bereichen der Behindertenpolitik mittlerweile völlig selbstverständlich als Menschenrecht betrachtet wird - und hier sogar einkommens- und vermögensfrei gefordert wird?
Von persönlicher Assistenz ist der Personenkreis, von dem Ulla Schmidt im vorliegenden Beitrag spricht, meilenweit entfernt, denn dieser Personenkreis wird in den NRW-Werkstätten in großen Gruppen zusammengefasst.

Kann man es Paradigmenwechsel nennen, wenn uns viele Jahre ein Recht vorgegaukelt wird und nur langsam von den Betroffenen (bzw. deren Vertretern) erkannt wird, dass es sich in der Realität auch um eine Pflicht handelt, die ja auch kaum mit der UN-Konvention vereinbar sein kann?

Vor einem halben Jahr hatten wir dieses Thema mit mehreren betroffenen Eltern im persönlichen Gespräch mit Ulla Schmidt diskutiert. Dabei anwesend waren drei junge Männer, von denen keiner auch nur annähernd irgendeine wirtschaftlich verwertbare Arbeitsleistung erbringen kann. Das wurde auch von Ulla Schmidt nicht angezweifelt, und sie räumte sogar ein, dass es keine "Zwangsarbeit" (ihre eigene Wortwahl) geben dürfe.
Als Ergebnis dieses Gespräches sind wir eigentlich davon ausgegangen, dass Handlungsbedarf hinsichtlich der Einrichtungsgebundenheit der Eingliederungshilfe besteht.
Daher bin ich umso mehr enttäuscht darüber, dass dieses NRW-System von Ulla Schmidt nun immer noch bejubelt wird - während die gänzlich fehlende Wahlfreiheit weiterhin verschwiegen wird.

Und ganz nebenbei:
Im o.a. Beitrag wird als Negativ-Darstellung von "erwachsenen behinderten Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf" gesprochen, die "morgens ihr Zuhause gar nicht erst verlassen und von ihren betagten Eltern betreut werden".

Bei dem Gespräch mit Ulla Schmidt vor einem halben Jahr waren zwei junge Männer dabei, die keine Werkstatt (mehr) besuchen und deren Eltern für ein selbstbestimmtes Leben ihrer Söhne kämpfen.
Momentan werden auch diese jungen Männer (noch) von ihren Eltern betreut, denn von dort aus können sie ihr Zuhause recht häufig verlassen, während der Gruppenraum in der Werkstatt regelmäßig nur zum Windelwechsel verlassen würde.

Da Frau Schmidt mit diesen Eltern schon diskutiert hat, wäre es interessant zu erfahren, ob das die "betagten Eltern" sind, von denen sie redet.

Ich kann es nur als Schlag ins Gesicht betrachten, wenn man diejenigen Eltern, die ihre erwachsenen Kinder nicht in riesigen Schwerstbehinderten-Gruppen unterbringen wollen, auch noch mit dem Attribut "betagt" erniedrigt, während man ihnen keinerlei Wahlfreiheit für eine andere Tagesstruktur einräumt!

Von Sven Drebes

Hallo Dagmar B.,

was das Behindertenbild betrifft, gebe ich Ihnen Recht. Das hat sich in den letzten 30-40 Jahren (nageln Sie mich bitte nicht auf den genauen Zeitraum fest) komplett gewandelt. Während früher (fast) alle (auffallenden) behinderten als - überspitzt formuliert - "zu nichts fähig / nütze" betrachtet wurden, sind sie heute dem gleichem Leistungsfetisch unterworfen wie alle. Fielen früher alle Behinderten durchs Raster, sind es heute zwar weniger, die Folgen sind aber deutlich gravierender.

Was den Einfluss des Elternhauses betrifft, miuss ich Ihnen aber teilweise widersprechen. Der Einfluss des Elternhauses ist zwar bei den Fragen Regel- oder Förderschule, Werkstatt oder selbstbestimmte Tagesgestaltung ziemlich relevant. Es gibt aber auch "bildungsferne" Eltern mit und ohne Migrationshintergrund, die erfolgreich kämpfen. Und es gibt viele behinderte, die trotz Abitur und auch trotz Studium nie ins Arbeitsleben rein gelassen wurden und werden. Da spielt dann die soziale Stellung des Elternhauses keine Rolle mehr.
Die immer wieder hervorgehobene höhere Qualifikation behinderter Arbeitsloser liegt gerade nicht daran, dass behinderte Menschen besser ausgebildet sind, sondern daran, dass selbst die gut qualifizierten unter ihnen deutlich seltener einen Arbeitsplatz finden.

Die Gleichung "Bildungsnahes Elternhaus = gute Ausbildung = gute Berufsaussichten = Vorzeigebehinderter" stimmt also nicht. Und je nachdem, wie die abgehängten Gutqualifizierten psychisch "gestrickt" sind, kann auch nicht einfach davon ausgegangen werden, dass sie für sich selbst kämpfen können, vielem geht irgendwann die Kraft aus.

Ich will jetzt ausdrücklich nicht verschiedene abgehängte Behinderte gegeneinander ausspielen, sondern zeigen, dass das Phänomen des "Abgehängt-Seins" wesentlich vielfältiger ist als es auf den ersten Blick scheint.

PS: Ich gehöre wohl zu denen, die als Vorzeigebehinderte bezeichnet werden, obwohl ich in meiner "direkten" Familie der erste war, der studiert hat, und vorher - vor allem durch "geografisches Glück" und dank einer mehr als 20 Jahre lang für mich kämpfenden Mutter auf einer "Elite-Sonderschule" war.

Von Inge Rosenberger

@ lehmä: vor zwei Jahren war mir der gravierende Unterschied zwischen "Teilhabe am Arbeitsleben" und "Teilhabe am Leben in der Gesellschaft" und dessen Tragweite noch völlig unbekannt.
Die wirklich schwerwiegenden Auswirkungen, die ich damals erlebte, war die Ausgrenzung von arbeitsunfähigen Menschen bei den Wohnformen und das fehlende RECHT auf einen Förderstättenbesuch. Das hatte ich beim Werkstättentag in Würzburg auch beschrieben: https://www.facebook.com/inge.rosenberger/posts/10200582545920005
Inzwischen kenne ich jedoch die bereits erwähnten negativen Folgen, wenn das Recht auf "Teilhabe am Leben in der Gesellschaft" als Tagesstruktur abgeschafft bzw. durch "Teilhabe am Arbeitsleben" ersetzt wird.
Mein Fazit: für jeden Menschen mit Behinderung muss die Wahlfreiheit der für ihn geeigneten Tagesstruktur mit einem personengebundenen Budget selbst bestimmt ermöglicht werden. Diese kann in den bereits vorhandenen Einrichtungen der Eingliederungshilfe (WfbM oder Tagesförderstätte) wahrgenommen werden, am so genannten freien Arbeitsmarkt oder auch in Eigenregie. Eine solche Wahlfreiheit würde auch bewirken, dass die Einrichtungsträger sich entweder nach den Wünschen und dem Bedarf der behinderten Menschen ausrichten oder überflüssig würden.


Von lehmä


Eine kleine Erinnerungsstütze aus dem Jahr 2013: Damals forderte Frau Rosenberger „Teilhabe am Arbeitsleben“ durchaus auch in Tagesförderstätten. Hat auf diesem Gebiet auch ein Paradigmenwechsel zu anderen Formen der „Förderung“ und Inklusion hin stattgefunden? Im Folgenden sei der Beitrag von Frau Rosenberger im Original aus dem Jahr 2013 zitiert, dort wird – so wie ich es verstehe – von einem „Anrecht auf eine Teilhabe am Arbeitsleben endlich für alle Menschen …“ gesprochen:

Von Inge Rosenberger
Mittwoch, 2. Oktober 2013 19:13
Meine Tochter geht seit fast zehn Jahren in eine Tagesförderstätte, deren Mitarbeiter mit sehr großem Engagement tätig sind. Für sie ist ihre Gruppe nicht nur ein einfaches „Rauskommen“ aus dem Elternhaus, sondern eine abwechslungsreiche Tagesstrukturierung, die sie sehr gerne in Anspruch nimmt.
Einen Nachteil im Bereich der Förderstätten sehe ich allerdings darin, dass - im Gegensatz zum Rechtsanspruch auf einen Platz in der Werkstatt - die Beschäftigung in einer Tagesförderstätte nur durch eine „Soll“-Bestimmung geregelt ist.
Deshalb muss das Anrecht auf eine Teilhabe am Arbeitsleben endlich für alle Menschen mit Behinderung ermöglicht werden. Es muss auch die Wahlmöglichkeit bestehen, ob sie dieses Recht in einer Werkstatt, in einer Förderstätte oder auf eine andere Art und Weise wahrnehmen.
Auch wenn Menschen einen hohen Unterstützungsbedarf haben, müssen sie die Chance haben, arbeiten zu können, bzw. eine für sie geeignete Beschäftigung zu bekommen.
Die aktuell sehr starren Strukturen bei den Arbeitsangeboten müssen durch vielfältige Angebote und flexible Lösungen ersetzt werden.

Von Michael

Da gebe ich der Frau rosenberger
Denn es ist schlimm wenn ein Mensch mit Behinderung soviel ansparen kann wie er möchte das ist diskriminierend und passt nicht mehr in unsere Zeit die unkonvention muss ganz schnell ubd vollständig umgesetzt werden und das ohne wenn und aber

Von lehmä

„Das ist ja der Vorteil , wenn keine kognitive Beeinträchtigung vorliegt , man kann für sich selber kämpfen.
Der Personenkreis kommt also meiner Ansicht nach keineswegs zu kurz.“

Nach langem Ringen, ob eine Antwort überhaupt angebracht ist:
Diese Aussage unter „Arbeit möglich machen“ um 8.30 Uhr, verzerrt die Realität, ist so unerträglich unwahr und beleidigt mich in meinen persönlichen Grundfesten, dass ich erst einmal um Fassung ringen musste. Ich möchte niemanden, das betone und betonte ich immer weder verbal angreifen, seine Aussagen anzweifeln oder gar beleidigen; jeder lebt individuell je nach seinen eigenen Möglichkeiten und Erfahrungen. Um gleiche Toleranz möchte ich für mich und meine/unsere Lebensgeschichte und Biographie bitten: Es ist und war viel Leid dabei, das ich niemandem, wirklich niemandem zumuten möchte! Zum Elternhaus: Unsere Familie ist nicht bildungsfern, im Gegenteil; dennoch stehen wir in der Hierarchie ganz unten, dank unserer persönlichen Biographie. So einfach spielt das Leben doch nicht.

Von Dagmar B

Hallo Herr Drebes

Es gibt ja immer , seit Jahrzehnten, auch diese vereinzelten Vorzeigemodelle, die dann Rahmafamilienmäßig im TV gezeigt werden .Dann wird man immer von Ottonormal drauf angesprochen ,was es für tolle Sachen gibt.
Das dass dann nicht der allgemeinen Realität entspricht ,läßt sich schwer vermitteln , wo doch die Gaukelei um einiges netter anzuschauen ist , als die zum Teil unerträgliche Realität.
Ihre Aufzählung ist schon richtig , jedoch fehlt der Aspekt Elternhaus.
Deutschland wird ja nun schon seit Ewigkeiten dafür kritisiert , das insbesondere die Bildung vom Geldbeutel der Eltern abhängt ,Fakt ist das eher KInder von bildungsbewußten und begüterten Eltern außerhalb von Förderschulen aufzufinden sind,also an inklusiven Settings teilnehmen , Migranten und einkommensschwache Famiien sind auch weiterhin an den Förderschulen anzufinden , der Trend ist steigend.
Für die begüterten Famiien kann man dann Ihre Aufzählung anwenden ,die anderen finden sich erst mal gar nicht im Behördendschungel zurecht....
Mal davon ab , meinte ich eigentlich keine Vorzeigepersonen, sondern ein ideologisch verzerrtes funktionales Behindertenbild.
Z.B. zeigt sich das in Inklusionsdiskussionen in der These,Körperbehinderte sollen auf die Regelschule,geistig behinderte Kinder gehören da nicht hin.......
Bei der Teilhabedebatte heißt das ideologisch verzerrte Behindertenbild: Teilhabe für arbeitsfähige Behinderte,für die anderen nicht.
Darum ging es mir.

Von Sven Drebes

Liebe Dagmar B., liebe/r lehmä,
meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass es nicht nur von Art und / oder Schwere der Beeinträchtigung abhängt, ob man zu einem "Vorzeigebehinderten" oder zum "Abgehängten" wird. Da spielen viele andere Faktoren eine Rolle:
Wo und wann wird man geboren?
Wie sieht die Schullandschaft am Wohnort aus? Auf welche Erzieher und Lehrer trifft man?
Welchen Pädagogen und Beratern begegnet man am Ende der Grundschulzeit und der gesamten Schulzeit?
Auf welche Menschen und Strukturen trifft man, wenn man die Strudei auf dem bisherigen Lebensweg erfolgreich umschifft hat und einen Ausbildungs- oder Studienplatz sucht? Welche Menschen und Strukturen trifft man während der Ausbildung / des Studiums und danach bei der Jobsuche?
Wo lebt man zum jeweiligen Zeitpunkt?
Und wie sind die "drauf", die die Sozialleistungen verwalten?
Das sind nur ein paar Beispiele.

Es genügen schon ein, zwei unterschiedliche Antworten auf diese Fragen, damit von zwei Menschen mit ungefähr derselben Beeinträchtigung der eine (bezogen auf die körperlichen und kognitiven Möglichkeiten) eine "Vorzeigekarriere" macht und der andere sein ganzes Leben "zu Hause", in einer WfbM oder Tagesförderstätte verbringt.

Von lehmä

Weil anscheinend jeder vor sich hinwerkelt/hinschreibt, ohne auf schon längst vorgetragene Argumente einzugehen, die Wiederholung der Wiederholung … stattfindet; hier „ein Letztes“ (auch ein Zitat: Goethe?). Was mir die ganze Zeit durch den Kopf geht, ohne dass ich es auszusprechen/schreiben wagte: Aber jetzt: „Arbeit möglich machen“ warum dann nicht: „Arbeit macht frei!“ – Ich meine es ironisch und sarkastisch!!

Von Gisela Maubach

Wenn eine "Gruppe aus einer Tagesförderstätte" Ställe ausmistet, ist sowieso irgendwas grundsätzlich falsch gelaufen.
In Tagesförderstätten (die in NRW gar nicht existieren) werden nämlich diejenigen untergebracht, die für die Werkstatt zu behindert sind, weil sie kein "Mindestmaß wirtschaftlich verwertbarer Arbeit" erbringen können.

Für einfache Arbeiten in einer Werkstatt zu (!) behindert - aber Ställe ausmisten?
Und wie wir im obigen Beitrag lesen können, erhalten Menschen aus Tagesförderstätten auch kein "Arbeitsentgelt", so dass sie gänzlich ohne Bezahlung arbeiten würden . . . wenn sie denn arbeiten könnten.

Aus folgendem Positionspapier ist auf Seite 4 zu erkennen, dass der Anteil der Menschen, die kein Mindestmaß wirtschaftlich verwertbarer Arbeitsleistung erbringen können und deshalb statt einer WfbM eine Tagesförderstätte besuchen, über 20 % beträgt!!!

http://lwl.org/spur-download/bag/48_13an1.pdf

Und auf Seite 9 ist zu lesen, dass der "Grundsatz der Angemessenheit und Selbsthilfe zur Konsequenz hat, dass Angebote der beruflichen Teilhabe grundsätzlich vorrangig sind gegenüber Angeboten der Teilhabe am Gemeinschaftsleben".

Das bedeutet, dass in NRW für über 20 % der Werkstatt-Besucher Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben an die Werkstatt gezahlt wird, während die Leistung für diese Menschen in anderen Bundesländern Teilhabe am Gemeinschaftsleben heißt.

Fakt ist, dass sich die Behindertenpolitik für diese 20 % nicht wirklich interessiert, denn - wie schon weiter unten erwähnt - müsste die Forderung nicht heißen "Arbeit möglich machen" - sondern "Selbstbestimmung möglich machen" . . . denn "Arbeit möglich machen" bedeutet für diesen Personenkreis in NRW Einrichtungsgebundenheit und hat nichts mit personenzentrierter Bedarfsfeststellung zu tun.

Vielleicht liegt es ja auch an der Einrichtungsgebundenheit, dass diese 20 % kaum wahrgenommen werden . . . denn dort sieht man sie ja kaum . . .

Von lehmä

Liebe Frau Dagmar B.,
dann erzählen Sie diese Erfolgsgeschichte von Nancy Poser einmal meinen beiden Töchtern mit Behinderung, die arbeiten und lernen könnten, aber keine Arbeit/Förderung finden – auf Details möchte ich mit Rücksicht auf die Privatsphäre meiner Töchter mit unterschiedlichen Behinderungen nicht eingehen. Nur so viel: Beide haben sehr hohen Unterstützungsbedarf! Nicht jeder hat das gleiche Glück! – Denken Sie, ich erzähle Ihnen „was vom Pferd“ – um im Bild zu bleiben. Ich habe mich schon zu sehr offenbart. Aber: auch das werden Sie mir glauben müssen: Mein Sohn hat die „Erfolgsstory“ unserer Familie nicht überlebt… Danke, das war’s, danke für Ihr Verständnis!

Von Dagmar B

Behinderte, die in allen kleinsten Dingen des täglichen Lebens Hilfe benötigen, dennoch gerne lernen und arbeiten wollten und auch könnten, dennoch schon auf den ersten Metern wegen fehlender Hilfs- und Fördermöglichkeiten, gerade wegen ihres sehr hohen Unterstützungsbedarfs „scheitern“. Da können sich die Eltern engagieren und engagieren… und es gelingt nicht.

Hallo Lehmä

Da habe ich eine ganz andere Wahrnehmung.
Ihre Beschreibung würde meiner Ansicht nach gut auf Nancy Poser zutreffen.
Und Nancy Poser ist als gelungenes Beispiel eigentlich überall , auch bei der Gestaltung des Teilhabegesetzes bis zu Anhörungen beim Bund allgegenwärtig.
Das ist ja der Vorteil , wenn keine kognitive Beeinträchtigung vorliegt , man kann für sich selber kämpfen.
Der Personenkreis kommt also meiner Ansicht nach keineswegs zu kurz.

Von Gerti

Zitat Ulla Schmidt: "... "Da ist die Gruppe aus der Tagesförderstätte der Lebenshilfe Bad Dürkheim, die auf einem Reiterhof die Pferde versorgt und die Ställe ausmistet" ..."
Klar, Nichtbehinderte räumen Dreck nicht gern weg und machen sich die Finger nicht (gern) schmutzig. Zumal es sich hier um körperlich schwere und auch gefährliche Arbeit handelt, die verrichtet wird. Wer je einen Tritt von einem Pferde erhalten hat, weiß, wovon ich schreibe.
In Hamm (Westfalen) konnte das Weiterbestehen des städtischen Tierparks nur weiter gesichert werden, da für die Tierpflege ausschließlich Behinderte der Lebenshilfe-Werkstätten eingesetzt werden. Schwerstbehinderte, zu Billigarbeitskräften degradiert. Von der städtischen cdu-Stadtverwaltung und von den 'hohen', selbstgefälligen und sehr gut dotierten Deputierten des Stadtparlaments. Pfui!

Von lehmä

Wenn es wahr ist, dass auch in diesem „Forum“ nur selektiv gelesen wird, finde ich es schade und mehr als demütigend für diejenigen, die sich die Mühe machen, „alles“ zu lesen. Die Hoffnung auf Empathie oder so… verpufft ins Leere. Die Darstellung eigener Probleme gerät bestenfalls zur Farce, schlimmstenfalls zur „Bloßstellung“.

Von lehmä

Noch mal eine Anmerkung: Die „Landschaft“ ist nicht so einfach gestrickt, wie es manche wahrnehmen möchten. Es gibt Behinderte mit sehr hohem Unterstützungsbedarf, die aus diesem Paradebeispiel, das immer wieder zitiert wird (ich nenne keine Namen) herausfallen; Behinderte, die in allen kleinsten Dingen des täglichen Lebens Hilfe benötigen, dennoch gerne lernen und arbeiten wollten und auch könnten, dennoch schon auf den ersten Metern wegen fehlender Hilfs- und Fördermöglichkeiten, gerade wegen ihres sehr hohen Unterstützungsbedarfs „scheitern“. Da können sich die Eltern engagieren und engagieren… und es gelingt nicht. Wir sind gescheitert – und haben einen sehr hohen Preis dafür gezahlt! – Ich denke, Herr Drebes meinte einen anderen „Paradigmenwechsel“, wenn ich ihn richtig verstanden habe.

Von Dagmar B

Zitat
"Da ist die Gruppe aus der Tagesförderstätte der Lebenshilfe Bad Dürkheim, die auf einem Reiterhof die Pferde versorgt und die Ställe ausmistet"

Hallo Herr Drebes ,stimmt .
Das ist mir gar nicht aufgefallen , ich lese aber ohnehin die täglich absurder werdenden Meldungen auf Kobinet von diversen politischen Vertretern nur noch im Schnellmodus......
Stall ausmisten und Pferdepflege(dazu gehört ja dann noch Hufpflege , Fellpflege usw.,ist hier eher ein Klassiker für das Budget für Arbeit für,um es mal in Lebenshilfesprech zu formulieren,die ganz Fitten....
Was ja auch naheliegend ist,weil so ein Pferd,wenn man von der falschen Seite kommt,ordentlich zutreten kann.
Meine Befürchtung ist ,und das bestätigt sich ja insgesamt bei der ganzen Thematik Teilhabegesetz,das der Personenkreis der tatsächlich einen hohen Unterstützungsbedarf hat,wie z.b. Frau Maubachs Sohn,völlig ausgeblendet wird,weil er schlichtweg auch nicht in das ideologische Bild des selbstständigen,arbeitsfähigen Vorzeigebehinderten passt.
Das Menschen mit tatsächlich hohem Betreungsbedarf ignoriert und Teilhabe und Selbstbestimmung ausschließlich für arbeitende Behinderte vorgesehen ist,insbesondere auch in der Planung zum Teilhabegesetz wurde ja schon oft angesprochen.

Von lehmä

Sehr geehrter Herr Drebes,
meiner Meinung trifft Ihre Einschätzung genau den Nerv der Dinge; es ist tatsächlich so, dass die Perspektiven oder die Klientel sich in allen Bereichen verschoben haben. Wo landet heute jemand, der seine Hände nicht gebrauchen, nicht laufen und kaum etwas sehen kann; jedoch – ohne überheblich zu sein – kognitiv fit ist, Bücher unter dem Lesegerät verschlingt, am Laptop –verlangsamt, wie es die Pädagogen ausdrücken – aber fehlerfrei und grammatikalisch korrekt schreibt, Fremdsprachen gerne lernen mag? Nirgendwo! Und diese Klientel sitzt dann auch zu Hause – vereinsamt, ohne Kontakte nach außen und aggressiv zu den Angehörigen, die genau so wenig weiterwissen, wohin mit diesem Kind/Jugendlichen/Erwachsenen. Bildungsmöglichkeiten sind nur in den seltensten Glücksfällen gegeben! (s. „Melissa im Wunderland!“) Auch BBW’s haben sich auf „einfachere“ Fälle eingestellt und sind einem harten Konkurrenzkampf unterworfen: Welches BBW bringt die meisten Absolventen auf dem ersten Arbeitsmarkt unter. Da fallen viele eben doch heraus und verbleiben ihr Leben lang frustriert in ihren einsamen Nischen und Höhlen. Dies wollte ich einmal gesagt haben, ohne anderen auf die Füße zu treten.
Grüße

Von Sven Drebes

Mal ein ganz anderer Aspekt: Meiner Meinung nach zeigen die Beispiele im letzten Absatz der Meldung, wie verschieden der Begriff "hoher Unterstützungsbedarf" definiert wird. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, in denen das, was heute von Menschen in Tagesförderstätten und -gruppen getan wird, als Arbeiten von Werkstattbeschäftigten beschrieben wurde.
Haben jetzt die Werkstätten einen Riesensatz nach vorne gemacht, was ihre Qualifizierungsarbeit betrifft? Oder haben viele von ihnen eher still und leise ihre Klientel ausgewechselt??? Vor ein paar Jahren wollte die BAG WfbM ja auch schon mal nicht behinderte Langzeitarbeitslose aufnehmen...
Hier verschieben sich Maßstäbe, und das nicht zum Guten für die "Betroffenen".

Von lehmä

@ Thorsten
Hallo Thorsten (zum 3. Mal), ist mir auch in der Nacht entgangen, warum eigentlich „kämpfen“? Das macht wohl den Unterschied: Behinderte müssen sich alles „erkämpfen“, während es im sog. normalen Leben selbstverständlich ist, selbstbestimmt das zu erhalten, was man will. „Kampf“ – im Übrigen auch so ein janusköpfiger Begriff: Heute am Ersten Mai „feiern“ wir den Tag der Arbeit, der 1856 mit dem „Kampf“ der Arbeiter gegen Unterdrückung begann. Über die Zeit des Nationalsozialismus schweigen wir mal wieder und die Begrifflichkeiten jener unsäglichen Zeit möchte ich überhaupt nicht „in den Mund nehmen“, dazu langt das Papier, die Zeit und auch das Wissen nicht … Und ein populistisches „Geplapper“ ist für die Zeit der Euthanasie wahrhaftig nicht angebracht…

Von Dagmar B

Frau Rosenberger hat geschrieben:

Fazit: für jeden Menschen mit Behinderung muss die Wahlfreiheit der für ihn geeigneten Tagesstruktur mit einem personengebundenen Budget ermöglicht werden. Dies kann in den bereits vorhandenen Einrichtungen der Eingliederungshilfe (WfbM oder Tagesförderstätte) geschehen, am so genannten freien Arbeitsmarkt oder auch in Eigenregie. Eine solche Wahlfreiheit würde auch bewirken, dass die Einrichtungsträger sich entweder nach den Wünschen und dem Bedarf der behinderten Menschen ausrichten oder überflüssig würden.


Und darum sollte die Forderung nicht heißen:
"Arbeit möglich machen" , sondern :"Selbstbestimmung möglich machen!"

Die dauerhafte Bevormundung ,wie selbstbestimmte Teilhabe auszusehen hat, ist jedoch weit verbreitet im Umgang mit abhängigen Personen in den Behindertenverwahranstalten.

Von lehmä

Habe mich – wie ich eben bemerkt habe verschrieben. Es sollte heißen: „Hallo Thorsten“. Aber es ist Nacht, und da macht man wohl manchmal auch solche Schreibfehler. Entschuldigung!

Von lehmä

Hallo Thortsen! Es tut mir sehr leid, dass dieses Missverständnis aufgekommen ist: Es war von mir nur sehr sehr ironisch gemeint, dass die „Behinderten aus ihren Löchern und Nischen fallen!“ Es sollte genau umgekehrt ein Vorwurf an die Leute sein, die diesen „Mist“ über Menschen mit Handicaps schreiben. Ich wollte sie und nur sie – diese Schreiberlinge – bloßstellen und habe dann diese Formulierung, die absolut absurd und wirklichkeitsfremd ist, gewählt.- Gerade die Behinderten selbst wollte ich vor ihren „Folterern“ schützen, indem ich sie passend zur Wortwahl „Spänen“, die „fallen“ wohl etwas zu kurz gedacht, mit gerade diesen Spänen verglich! Aber das haben Sie sehr gut gemerkt: Der Vergleich hinkt an allen Ecken und Enden und kann gerade andersherum verstanden werden: in Umkehrung dessen, was ich gemeint habe. Behinderte sollen nicht in Löchern und Nischen sein, sind es aber! Sie sollen auch nicht fallen, sondern für ihre selbstverständlichen Rechte kämpfen, gerade weil sie es wert sind! Es stimmt ja genau: aus diesen Löchern und Nischen wollen und müssen alle Menschen mit Behinderungen heraus! Da haben sie mich aber ganz schön erwischt und ich danke Ihnen. Anmerkung. Ich kämpfe auch: für meine beiden Töchter mit Behinderungen – zusammen mit ihnen. Und im Gedenken an meinen Sohn, der an nicht behandelten Depressionen starb! - Grüße und ich danke Ihnen, dass Sie mir die falsche Wortwahl so deutlich vor Augen geführt haben!

Von Thorsten

Hallo Lemäh, als Selbstbetroffener teile ich in dem Sinne ihre Meinung, dass Missstände mit Floskeln vertuscht werden. Was ich nicht teilen kann ist folgendes: Sie schreiben, dass es sich bei den vorausgegangenen Zeilen aktiver Vertreter von Menschen mit Handycabs, um Mitleid heischendes Geschreibsel handelt. Bestätigen aber im im weiterem Verlauf ihres Textes die nicht nur fiktive Wahrnehmung, dass schließlich die "Behinderten" selbst aus all ihren Löchern und Nischen fallen. Leider werden wir von Menschen wie Ihnen und auch teilweise von Vertretern unserer vermeintlichen Rechte, in genau diese Löcher gesteckt. Aus diesen wollen wir heraus. Wir sind nämlich genausoviel Wert wie sie und daher haben wir auch die gleichen Rechte wie sie. Mit einer Ausnahme: wir müssen uns diese immer wieder neu erkämpfen. Vielen Dank für ihre Unterstützung.

Von lehmä

Tut mir leid, dass ich wieder schreibe, vielleicht, kann ja jemand diesen Beitrag sofort überschreiben!- Aber ich kann einfach dieses mitleidheischende und scheinheilige Getue/und Geschreibsel – wenn es um Menschen mit Handicaps geht wie etwa im Stil: „Da wird gewerkelt und dort wird gebastelt, gezimmert und gehobelt, … Dort fallen Späne“ Und schließlich fallen die Behinderten selbst aus all ihren Löchern und Nischen… nicht mehr lesen und ertragen. Es ist zum…

Von Inge Rosenberger

Zitat aus dem Artikel: [...] Laut Lebenshilfe verbringen rund 27.000 von ihnen den Tag in der sogenannten Tagesförderung. Dort liegt der Schwerpunkt vor allem auf der Pflege und Betreuung. Bildungs- und Arbeitsangebote sind hier rechtlich nicht vorgesehen. [...]

Bevor Frau Schmidt eine solch unqualifizierte Aussage trifft (oder treffen lässt), sollten die Verantwortlichen einen der "Arbeits"bereiche in NRW mit der Förderstätte, die von diesen "Fach"leuten hier auf Pflege (an erster Stelle!) und Betreuung reduziert wird, meiner Tochter besuchen und vergleichen.
Wie schon mehrfach hier und an anderer Stelle betont, hat die Abschaffung der diskriminierend klingenden Formulierung "Mindestmaß wirtschaftlich verwertbarer Arbeitsleistung" für viele behinderte Menschen (und deren Familien) fatale Auswirkungen. Aus der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft wird eine Teilhabe am Arbeitsleben!
Für die meisten Menschen in den Tagesförderstätten ist eine Teilhabe am Arbeitsleben definitiv die falsche Maßnahme. Gäbe es diese Tagesförderstätten in ihrer aktuellen Form nicht mehr, fiele somit für die Betroffenen ein sehr wichtiger Bestandteil ihres Lebens weg: die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft!
Eine weiteres Problem zeigt das Urteil des LAG Düsseldorf vom 11. November 2013 (Az. 9 Sa 469/13). Dort wird deutlich, dass Menschen mit einem hohen Pflege- und Betreuungsbedarf wesentlich schneller aus einer WfbM als aus einer Tagesförderstätte ausgeschlossen werden können. Wie das Gericht im Urteil mehrmals betont, würde das Problem einer Kündigung nicht auftreten, wenn der Betroffene eben nicht in einer WfbM, sondern in einer Tagesförderstätte im Sinne des § 136 Abs. 3 SGB IX wäre. Dort müsste ggf. der Personalschlüssel dem Bedarf des Betroffenen angepasst werden. Das gilt aber nicht für die WfbM als Instrument der Teilhabe am Arbeitsleben!
Menschen mit schwersten Behinderungen werden durch die immer größer werdenden Gruppen mit immer weniger Betreuung auffällig, aggressiv oder entwicklen - wie wir so schön sagen - "herausforderndes" Verhalten. Dadurch gibt es inzwischen immer mehr Eltern, deren erwachsene Töchter und Söhne völlig unzureichend versorgert werden – von einer guten Förderung und Betreuung ganz zu schweigen. Und es gibt immer mehr Eltern, die mit ihren erwachsenen Kindern regelrecht "hausieren gehen" müssen, weil keiner sie will.
Fazit: für jeden Menschen mit Behinderung muss die Wahlfreiheit der für ihn geeigneten Tagesstruktur mit einem personengebundenen Budget ermöglicht werden. Dies kann in den bereits vorhandenen Einrichtungen der Eingliederungshilfe (WfbM oder Tagesförderstätte) geschehen, am so genannten freien Arbeitsmarkt oder auch in Eigenregie. Eine solche Wahlfreiheit würde auch bewirken, dass die Einrichtungsträger sich entweder nach den Wünschen und dem Bedarf der behinderten Menschen ausrichten oder überflüssig würden.

Von Dagmar B

Liebe Frau Maubach
Ich bewundere Ihre Geduld , immer wieder auf diese Ignoranz und die Verdrehung von Zwängen in angebliche Rechte hinzuweisen.
Danke.
Mir ist ein Fall bekannt , wo eine schwer mehrfach behinderte Frau in einer Behinderteneinrichtung zum Papier schreddern gezwungen wird, obwohl sie dabei massive Autoagressionen bekommt, sie soll halt arbeiten.........
Soviel zum RECHT auf Arbeit.

Von Gisela Maubach

"Nur Nordrhein-Westfalen ermöglicht diesem Personenkreis die Beschäftigung in der Werkstatt."

Sehr geehrte Frau Schmidt,

wie im persönlichen Gespräch mit Ihnen schon herausgefunden, handelt es sich bei "diesem Personenkreis" nicht nur um ein Werkstatt-Recht - sondern um eine Werkstatt-Pflicht (sofern eine Tagesstruktur benötigt wird).
Die Vorrangigkeit der Leistung "Teilhabe am Arbeitsleben" führt dazu, dass die Werkstatt der einzig mögliche Arbeitgeber für arbeitsUNfähige Menschen ist.

Die Einrichtungsgebundenheit der Leistung kann man nicht dadurch schönreden, indem man sie "Recht" nennt.
Welchen Wert hat ein Recht ohne Alternativen und ohne die Chance auf einen inklusiven Tagesablauf und ohne jegliche Selbstbestimmungsmöglichkeit?

Erst vor zwei Wochen meldete sich eine Mutter bei mir, deren schwerstbehinderter Sohn (gegen ihren Willen) aus der Aachener Werkstatt entlassen wurde, weil er zu (!) behindert ist. Die Mutter geht jetzt auf dem Zahnfleisch, weil der junge Mann nun rund um die Uhr von ihr selbst betreut werden muss, ohne dass man ihr bisher irgendwelche Alternativen aufgezeigt hat.

Die Einrichtungsgebundenheit der Eingliederungshilfe muss für den von Ihnen angesprochenen Personenkreis dringend abgeschafft werden, denn momentan wird das "Recht" auf einen Werkstatt-Platz in NRW dahingehend ad absurdum geführt, dass Menschen mit geistiger Schwerstbehinderung alternativlos in großen Gruppen in separaten Räumen untereinander betreut werden - ohne Kontakt zur inklusiven Außenwelt.

Zwischen Recht und Pflicht gibt es nun mal einen entscheidenden Unterschied!

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