Und nun?

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

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Bild: kobinet/omp

Berlin (kobinet) "Prüfung abgelegt - und nun?" Unter dieser Fragestellung fand am Mittwoch in Berlin eine gemeinsame Fachtagung der Bundesbehindertenbeauftragten und der Monitoringstelle des Deutschen Instituts für Menschenrechte statt. Dabei wurden nicht nur klare Botschaften über die Herausforderungen aufgrund der Empfehlungen verbreitet, sondern wurde auch deutlich, dass es noch sehr viel zu tun gibt, damit die Botschaften des UN-Fachausschusses zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention an Deutschland auch gehört und umgesetzt werden.

Verena Bentele als Bundesbehindertenbeauftragte, Dr. Valentin Aichele von der Monitoringstelle des Deutschen Instituts für Menschenrechte und Prof. Dr. Theresia Degener als Mitglied des UN-Fachausschusses zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention waren sich einig, dass die Ansage von der Staatenprüfung Deutschlands für den Abbau der Sondereinrichtungen eindeutig war und nun konsequent umgesetzt werden muss. Der Ausschuss hatte u.a. das Förderschulwesen, die hohe Zahl behinderter Menschen, die in Behinderteneinrichtungen leben und die stetig steigende Zahl der Beschäftigung behinderter Menschen in Werkstätten für behinderte Menschen kritisiert. Daher wird gefordert, diese Sonsersystem gezielt abzubauen und inklusive Angebote zu schaffen.

Soweit so gut. In der Diskussion und vor allem in den Arbeitsgruppen wurde jedoch deutlich, dass es hier noch viel Überzeugungsarbeit braucht. Während in der Arbeitsgruppe zur Partizipation ein Partizipationsfonds vonseiten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales im Rahmen der anstehenden Reform des Bundesbehindertengleichstellungsgesetz für Selbstvertretungsorganisationen in Aussicht gestellt wurde, blieb die Diskussion zum Thema Arbeit eher vage und flach. Der Vertreter des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zeigte zwar einige Maßnahmen auf, die im Rahmen des zu schaffenden Bundesteilhabegesetzes aufgenommen werden sollen, wie das Budget für Arbeit, machte aber auch deutlich, dass das Ministerium nicht plane, den gezielten Abbau von Werkstattplätzen gezielt voran zu treiben. Und genau das fordert der Fachausschuss der Vereinten Nationen von Deutschland.

So vehement die Parlamentarische Staatssekretärin im BMAS Gabriele Lösekrug-Möller die Vermutung von Dr. Valentin Aichele zurückwies, dass es von einigen eine Art Doppelstrategie gebe, bei der auf der einen Seite die UN-Behindertenrechtskonvention in Reden hochgehalten werde, während auf der anderen Seite am Erhalt und Ausbau der Sonderwelten bewusst oder unbewusst gearbeitet werde, konnte dieser Eindruck gerade bei der Diskussion zum Thema Arbeit nicht ausgeräumt werden. "Wenn wir wirklich den Abbau von Sonderwelten voran treiben wollen, braucht es hierfür auch klare politische Äußerungen und Entscheidungen", erklärte Dr. Sigrid Arnade von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL). Gerade behinderte Menschen, die derzeit für ca. 185 Euro durchschnittlich in Werkstätten für behinderte Menschen arbeiten, hätten ein Recht darauf, endlich eine Chance auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt und in alternativen Beschäftigungsformen zu bekommen.

Trotz berechtigter Kritik an einigen Aussagen war die Fachtagung ein wichtiger Aufschlag, um nun mit den Empfehlungen des Fachausschusses konkret zu arbeiten und die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention voran zu treiben. Darin waren sich viele TeilnehmerInnen einig. Nun müsse darum gehen, dass die Empfehlungen konkret umgesetzt werden.

Lesermeinungen zu “Und nun?” (21)

Von Gerti

Wenn von mir geschrieben wurde, Lauterbach solle sich auf seine geistige Fitness hin untersuchen lassen, so sehe ich es als gegeben an (um Missverständnissen vorzubeugen), dass ich die Untersuchung, die ich Lauterbach anempfehle, vornehmen zu lassen, sich nicht auf Menschen, wie den Sohn von Frau Maubach bezieht.

Es hat eigentlich und un-eigentlich nichts mit 'geistiger Fitness' zu tun, ob jemand jemanden den Tod an den Hals wünscht und noch selber dabei Hand anlegt, das derjenige, bei dem Hand angelegt wird, sich ins Jenseits verflüchtigt.

Es hat für mich eher etwas damit zu tun, dass Ärzte, die das Leben und die Funktionsweise des Lebens nur allzu gut kennen müssten, sich nicht über den Richter über Leben und Tod aufzuspielen haben. Meiner Meinung nach überschreitet hier gerade Lauterbach seine ärztlichen Kompetenzen. Der Mann mit der Sense sollte nicht zugleich derselbe Mann sein, der den Äskulap-Stab trägt.

Von Gerti

Da nun von Lauterbach solche schändlichen Worte und Wünsche, Kranke ins Jenseits befördern zu wollen und befördern zu lassen, öffentlich geworden sind:
Da kann es nicht verwundern, wenn die spd (dieser Klicke gehört der Lauterbach an) sich beim Gesetz zur sozialen Teilhabe (GsT) so zurückhält.
Vielleicht ist es das, was nahezu alle Parteien sich so zurückhalten lässt beim GsT: Je mehr diese abscheulichen Wünsche von Abgeordneten öffentlich werden, dass Behinderte und chronisch Kranken sozialverträglich frühabzuleben haben, desto weniger werden sich dieselben ins Zeug legen, das GsT zu verabschieden.
Auch bei der cdu gibt es knallharte Verfechter/innen des 'sozialverträglichen Frühablebens'.

Von Gerti

Nochmals zu Lauterbachs schändlichem Wunsch, Sterbe'hilfe' en vogue sein zu lassen, Sterbehilfe nicht zu geben, sei nicht zeitgemäß.
Aha, Lauterbach zufolge ist es offensichtlich ein Modethema (denn Moden ändern sich mit den Zeiten), behinderte Menschen ihres Lebens zu berauben oder behinderte Menschen leben zu lassen.
Das macht den Lauterbach (aus meiner Sicht) in seinen Ansichten noch rechtspopulistischer als bisher von mir angenommen, er habe sich nur verquatscht, kann ja mal passieren :-(
Vielleicht sollte sich Lautberbach mal auf seine geistige Fitness hin untersuchen lassen.

Von Gerti

Lauterbach wird in der von nurhessen genannten Spiegel-Veröffentlichung ebenfalls so zitiert: "... "Ich halte ein striktes Verbot der Sterbehilfe für nicht zeitgemäß" ..."
Lauterbach argumentiert nicht einmal, sondern lässt (ganz raffiniert) seine Meinung in dem Interview so einfließen, als sei seine Meinung alternativlos und bereits Gesetz. Lauterbach ist offensichtlich ein Meister der Demagogie.

Von Gerti

@ nurhessen
Vor allem die *Begründung* Lauterbachs, das von Ärzten beschleunigte Abkratzen zu begründen: "... "Ich halte ein striktes Verbot der Sterbehilfe für nicht zeitgemäß" ..." (siehe http://www.spiegel.de/politik/deutschland/sterbehilfe-karl-lauterbach-will-aerzten-beihilfe-, in Wirklichkeit zum-suizid-erlauben-a-987718.html
Oh, das war auch (freilich mit anderen Worten derer ab 1933, die jedoch dasselbe, was jetzt Lauterbach probagiert, probagierten) der Sprech der Ärzte aus der Nazizeit, es sei nicht zeitgemäß, Behinderte und chronisch Kranke leben zu lassen.
Die meisten Ärzte (gemessen an der Anzahl der Ärztinnen und Ärzte, die es in der Nazizeit gab und die in der Nazizeit als Ärztinnen und Ärzte arbeiteten) waren ab 1933 fortfolgende Jahre in der Nazipartei aktiv.

Von Gerti

So ist es offensichtlich, wenn Ärzte (Mordsärzte) wegen Bournouts und asozialer Anwandlungen, Menschen beseitigen schaffen (lassen). Vielleicht denken Lauterbach und Co. auch nur so wie ein P. Singer, nämlich, dass Lauterbach und Co. ärmer (gemacht) werden, wenn sie (als Ärzte und Ärztinnen und als Politiker/innen) Behinderten und chronisch Kranken Leistungen nicht versagen.
Die politisch rechtslastige Gesinnung von Lauterbach, die steht einem Sarrazin in nichts nach, eher überholt Lauterbach noch rechts den Sarrazin.
Dass bei kobinet hierzu ein Aufschrei gegen Lauterbach, 'Obermutti' A.M. und Konsortinnen und Konsorten unterbleibt, vielleicht sollte mich das gar nicht mehr wundern ...

Von nurhessen

@Gerti
Danke für den Hinweis! Am schlimmsten von allen finde ich aber den Vorschlag des smarten SPD-Arztes Dr. Karl Lauterbach, der sich als Rächer der Armen und Gerechten aufführt, in Wirklichkeit seine wahren menschen-/behinderten-/patientenfeindlichen Ansichten hinter seiner „roten Fliege“ verbirgt:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/sterbehilfe-karl-lauterbach-will-aerzten-beihilfe-, in Wirklichkeit zum-suizid-erlauben-a-987718.html
Grüße

Von Gerti

@ nurhessen:
Gestern ist wohl einer Ihrer und einer meiner Leserbriefe aus kobinet 'geflogen worden'.
Ich wurde von Ihnen gestern nach einer Textstelle gefragt:
Diese hatte ich Ihnen bei kobinet (im Rahmen eines Leserbriefes) mitgeteilt, doch der Lösch'onkel' / die Lösch'tante' haben wohl Ihren und meinen Leserbrief wegge'putzt'.
Deshalb hier noch einmal mein link zur taz (bei kobinet wird demnach die taz zensiert; kobinet steht halt über Allem und über Jedermann und über Jederfrau; sind halt die Guten ...)
http://www.taz.de/!5207134/
hier wird die Ansicht der A. Merkel (freilich nicht im Zitat) wiedergegeben:
"... Nun soll die Suizidhilfe auch in Deutschland gesetzlich geregelt werden. Besonders große Chancen hat dabei der Vorschlag, für den sich unter anderem Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aussprechen. Sterbehilfe soll demnach straffrei bleiben, aber nicht „geschäftsmäßig“ betrieben werden. ..." Meine Anmerkungen hierzu haben wohl dem 'Löschonkel' und der 'Löschtante' nicht gepasst.
"....

Von nurhessen

Sehr geehrte Frau Maubach,
im Prinzip kann dies doch wohl alles gar nicht wahr sein!!
Wie kann man aus einer Werkstatt „fliegen“?? Da müsste doch jeder selbsternannte/oder auch überzeugte „Inklusionstätige/r“ endlich mal wirklich zuhören und nicht nur das, er/sie müsste Lösungen oder wenigstens EHRLICHE Lösungsansätze finden. Denn Halb- und Unwahrheiten kennen wir schon genug!

Von Gisela Maubach

@ nurhessen

Richtig - insbesondere die Darstellungen in den Absätzen 110 und 112, die da lauten:

"Zwar weist der Kläger darauf hin, dass sich die Betreuer beim Vater des Klägers beschwert hätten, dass sie allein in der Gruppe seien. Auch hat er darauf hingewiesen, dass die Betreuer teilweise berufsfremd seien und in Schnellkursen angelernt würden. Demgegenüber seien in der vom Kläger derzeit besuchten Einrichtung Fachkräfte nach "Teacch" ausgebildet. Auch dieser Argumentationsansatz zeigt nachhaltig, dass der Kläger die Differenzierung zwischen "Betreuung" und "Werkstatt" verkennt. Es geht eben nicht ausschließlich um die Betreuung eines behinderten Menschen, sondern gerade um eine Einrichtung zur Teilhabe am Arbeitsleben.

. . . .

Dabei verkennt die Kammer nicht die besondere Situation insbesondere auch des Vaters des Klägers, der nunmehr erheblich belastet ist. Dies ist jedoch kein arbeitsrechtlich zu lösendes Problem und im Wesentlichen dadurch begründet, dass das Land Nordrhein-Westfalen keine Einrichtungen nach § 136 Abs. 3 SGB XI geschaffen hat. Das favorisierte Prinzip der Inklusion führt nicht dazu, dass die Maßstäbe des § 136 Abs. 3 SGB IX zugrunde zu legen wären. Vielmehr bleibt die Einrichtung der Beklagten eine Werkstatt und die Frage der Beendigung des Vertragsverhältnisses richtet sich nach wie vor nach der Werkstattfähigkeit. Diese ist auch unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls im Rahmen einer umfassenden Interessenabwägung nach Auffassung der erkennenden Kammer nicht gegeben."

Extrem zynisch ist die Darstellung, dass "der Kläger die Differenzierung zwischen "Betreuung" und "Werkstatt" verkennt", denn der Kläger wird in NRW für die Tagesstruktur ja automatisch einer Werkstatt zugewiesen, weil unterhalb der Werkstatt nichts mehr existiert.

Und wenn er dort dann einen hohen Betreuungsbedarf aufweist, basiert dieses System auf einer extremen Menschenverachtung, wenn ihm dort erklärt wird, dass man die notwendige Betreuung nicht leisten könne, weil er sich ja an einem Ort der Arbeit befindet.

Dann muss man eben von vornherein Alternativen ermöglichen, damit die Leistungen der Eingliederungshilfe für diesen Personenkreis nicht vorrangig an die Werkstätten zu zahlen sind!!!

Es ist allerhöchste Zeit, den Personenkreis mit hohem Betreuungsbedarf auf die Tagesordnungen zum Bundesteilhabegesetz und sonstigen Inklusionsveranstaltungen einzubeziehen, denn das Mitleid von Gerichten, wenn Eltern nach dem Rausschmiss des Sohnes aus der WfbM "erheblich belastet" sind, hilft diesen herzlich wenig.

Bei mir hat sich vor wenigen Wochen übrigens auch eine Mutter gemeldet, deren Sohn aus vergleichbaren Gründen aus der Werkstatt geflogen ist und die jetzt auch auf dem Zahnfleisch geht.

In der Tat stellt sich jetzt die Frage: Und nun?

Von nurhessen

@
http://openjur.de/u/670920.html
kann man nur sagen: Gruselkabinett!!

Von Dagmar B

Zitat:


Der Vertreter des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zeigte zwar einige Maßnahmen auf, die im Rahmen des zu schaffenden Bundesteilhabegesetzes aufgenommen werden sollen, wie das Budget für Arbeit, machte aber auch deutlich, dass das Ministerium nicht plane, den gezielten Abbau von Werkstattplätzen gezielt voran zu treiben.

"Wenn wir wirklich den Abbau von Sonderwelten voran treiben wollen, braucht es hierfür auch klare politische Äußerungen und Entscheidungen", erklärte Dr. Sigrid Arnade von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL).

Zitat Ende

Ich verstehe jetzt die Kritik von Frau Arnade nicht wirklich.
Es wurde doch in der letzten Zeit von den Verbänden nie etwas anderes als das Budget für Arbeit gefordert.
Diese einseitige Forderung wurde zwar auch hinlänglich von z.b. Frau Maubach und Frau Rosenberger(und meiner Wenigkeit) kritisiert ,aber ja weitgehend von den Verbänden ignoriert.

Kritisiert wurde ja auf der Veranstaltung insbesondere das eine Öffnung der Werkstätten ausschließlich hinsichtlich sozialversicherungspflichtiger Arbeit angedacht ist.
Solche Kritik war bisher auch nicht von den Verbänden zu lesen.

Nochmal zur Erinnerung , was passiert ,wenn Menschen zu schwer behindert sind um am Arbeitsleben teilzunehmen:

http://openjur.de/u/670920.html

Von Wolfgang Ritter

Hallo nurHessen,

lassen wir besser das Grundgesetz aus dem Spiel und machen wir uns nicht lächerlich, denn wenn ein Artikel 3 wirklich dass wäre, was wir meinen daraus ableiten zu können, dann hätte man doch schon längst gewisse Erfolge erzielt und nicht vereinzelte Schicksale so mit Füßen getreten.

Von nurhessen

Sehr geehrte Frau Maubach,

fürchte, Ihr Zitat zu den Werkstätten:

„Soll es wirklich ein Auffangbecken für Schwerstbehinderte werden, die ihrerseits dann keine Chance mehr haben, dort raus zu kommen?“

ist die angestrebte und jetzt schon gelebte Wirklichkeit. Es scheint doch niemand ernsthaft daran interessiert, diese Wirklichkeit zu ändern. Wenn es bislang kein ernsthaftes Bemühen oder gar Aktivitäten gibt, dieses System zu ändern, die man zumindest als sog. „Insider“ sehen und erkennen müsste, dann bleibt alles so, wie es derzeit ist. Man müsste doch, wenn Änderungen zum „Wohle aller“ und zur Inklusion aller angestrebt sind zumindest jetzt schon -wann denn sonst (?)- tatkräftiges Handeln erkennen können. Aber da warten wir lieber mal auf den berühmten „Sankt-Nimmerleins-Tag“, der wird uns nämlich allen blühen.

Von nurhessen

Ein Satz noch: Bitte alle Fehler nachzusehen, z.B. falsch zit.: GG Art. 3,… oder „Inklusion … ein weites Feld“ (stammt von Theodor Fontane; Kardinalsatz in Effi Briest- von G. Grass nur kopiert); laufe zwischen den Bedürfnissen meiner Tochter, die ruft: „Mama, ich will was trinken…“, „Mama, kannst du mal…“, „Mama, ich muss…“ und meinen eigenen Wünschen hin und her.
Meine Tochter hat höchste Ansprüche, aber *ver…* hohen Pflegebedarf! Gibt’s auch.

Von nurhessen

Nachtrag zum Nachtrag: Natürlich ist auch unter den Behinderten die Denkart „von oben nach unten“ -teilweise- verbreitet oder: Warum soll ich mich um diejenigen kümmern (müssen), die eben jetzt noch nicht/oder nie mit Inklusion „dran“ sind? Inklusion ist eben „ein weites Feld“ (Fontane)!

Von Wolfgang Ritter

Sehr geehrte Frau Dr. Arnade,

Zitat:

"Wenn wir wirklich den Abbau von Sonderwelten voran treiben wollen, braucht es hierfür auch klare politische Äußerungen und Entscheidungen", erklärte Dr. Sigrid Arnade von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL).

Als erstes was die behinderten Menschen brauchen, sollte man für Sie und andere, klar und deutlich zum Ausdruck bringen, wir brauchen weder Sie noch ihre Verbände mit ihren Ideen und was sich da noch alles auf dieser Bühne zum selbst Zweck mit unseren Schicksalen profiliert.

Vertreten Sie wen sie wollen, aber tun Sie nicht als seien Sie die beste Freundin aller behinderten Menschen, denn dass glaubt Ihnen keiner, denn dazu waren bisher die Infusionen von Aktion Mensch vielleicht für Sie und alle Freunde hilfreich, aber auch für uns, informativ.

Wenn eine Reform für unsere Rechte so dringend erforderlich ist, dann hätte nur eine Reform nach 42 Jahren mit personellen Veränderungen in Führung und Strategie diese Karre aus dem Dreck ziehen können und nicht dieser immer aufgewärmte Kaffee, welcher uns hier wieder vorgesetzt wird.

Sollten Sie wert auf eine Namensliste legen, wer aus vereinzelter Betrachtungsweise überflüssig ist, oder es nicht mehr verdient unser Vertrauen zu besitzen, dann kann ich Ihnen versichern, diese Liste würde einige Verwunderungen zwar vielleicht auslösen, aber auf der anderen Seite ihre Zustimmung auch erhalten.

Zitat:

„ 150 000 Unterschriften für Andrea Nahles“

Frau Dr. Arnade, was meinen Sie, wie viele Unterschriften es würden, die man gegen Sie und andere aufbringen könnte, die heute angeblich nur unser bestes wollen?

Wolfgang Ritter

Von nurhessen

Nachtrag: Da in den Ministerien und Gremien sowie den Fachausschüssen viele hochrangige und hochdotierte Menschen sitzen, muss man von ihnen soviel Kreativität verlangen können, dass sie wissen und auch im jeweiligen Einzelfall entscheiden können, was mit dem einzelnen Menschen, wie behindert oder schwerstbehindert er auch sein mag, nach je seinem eigenen Wunsch, Willen oder Fähigkeiten „geschieht“. Denn Geld genug ist nach den Schilderungen von Frau Maubach vorhanden. Die Schwierigkeit in den Köpfen der Entscheidungsträger besteht dann alleine darin, die vorhandenen Mittel so einzusetzen, dass es dem einzelnen Individuum auch etwas nutzt. Nutzen hier gemeint nicht im Sinn für eine fiktive Gemeinschaft, sondern Nutzen für den je einzelnen Menschen, und nur für ihn. Diese Denkart scheint noch nicht dort angekommen zu sein, wo unsere „Machtmenschen“ sitzen/thronen.

Von nurhessen

Im GG 3, Abs. 3 steht „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“. Und diese grundgesetzliche Regelung bedeutet nichts Anderes , als dass niemand wegen der Art und Schwere seiner Behinderung benachteiligt werden darf. Da Werkstätten als Sonderwelten per se eine Benachteiligung darstellen, müssen sie konsequenterweise von Rechts wegen abgeschafft werden.

Von Gisela Maubach

Dieses Zitat macht die eigentliche Scheinheiligkeit der angeblichen Ziele der Inklusion und des Selbstbestimmungsrechts deutlich:

"Der Vertreter des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zeigte zwar einige Maßnahmen auf, die im Rahmen des zu schaffenden Bundesteilhabegesetzes aufgenommen werden sollen, wie das Budget für Arbeit, machte aber auch deutlich, dass das Ministerium nicht plane, den gezielten Abbau von Werkstattplätzen gezielt voran zu treiben."

Um zu verstehen, warum ein Abbau von Werkstattplätzen nicht wirklich geplant sein kann, muss man auch das System verstehen:

Werkstätten bekommen zusätzlich zu den Jahrespauschalen für die Menschen mit Behinderung auch individuelle Personalmehrbedarfe, die laut § 10 Abs. 2 der Werkstättenverordnung "im Einvernehmen mit den zuständigen Rehabilitationsträgern pflegerische, therapeutische und nach Art und Schwere der Behinderung sonst erforderliche Fachkräfte" umfasst.
Hierbei sind in NRW die Beträge für den Personalmehrbedarf in der "Fallgruppe C" (hoher Hilfebedarf) 7 x (!) so hoch wie in der "Fallgruppe A" (geringer Hilfebedarf).

Die Werkstätten dürften also ein großes finanzielles Interesse daran haben, möglichst viele Menschen der Fallgruppe C aufzunehmen.

Da diese Menschen in aller Regel aber kaum eine wirtschaftlich verwertbare Leistung erbringen können, benötigen die Werkstätten natürlich auch "fitte" Menschen mit Behinderung, denn irgendjemand muss ja den Gewinn erwirtschaften, aus dem dann die Löhne für alle gezahlt werden können (§138 Abs. 2 SGB IX).

Wer also wirklich Werkstatt-Plätze abbauen will, indem vielen Menschen der Wechsel auf den Arbeitsmarkt ermöglich würde, müsste auch erklären, wie das Werkstatt-System dann zukünftig aussehen soll.
Soll es wirklich ein Auffangbecken für Schwerstbehinderte werden, die ihrerseits dann keine Chance mehr haben, dort raus zu kommen?

Von Wolfgang Ritter

Geld hält vieles in Grenzen, wie man erneut sieht!

Zitat:
„Während in der Arbeitsgruppe zur Partizipation ein Partizipationsfonds vonseiten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales im Rahmen der anstehenden Reform des Bundesbehindertengleichstellungsgesetz für Selbstvertretungsorganisationen in Aussicht gestellt wurde, blieb die Diskussion zum Thema Arbeit eher vage und flach.“

Vielleicht sind viele gar nicht so wichtig, wie sie meinen zu sein?

Zitat:

„Der Vertreter des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zeigte zwar einige Maßnahmen auf, die im Rahmen des zu schaffenden Bundesteilhabegesetzes aufgenommen werden sollen, wie das Budget für Arbeit, machte aber auch deutlich, dass das Ministerium nicht plane, den gezielten Abbau von Werkstattplätzen gezielt voran zu treiben.“

Sagt man nicht immer, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen sei längst abgeschafft, aber anscheinend ist unseren Vertretern noch gar nicht aufgefallen, um in Würde zu leben, es mehr bedarf als die Theorie, auch wenn Fonds etc. ein gutes Leben ermöglichen.

Zitat:

„Gerade behinderte Menschen, die derzeit für ca. 185 Euro durchschnittlich in Werkstätten für behinderte Menschen arbeiten, hätten ein Recht darauf, endlich eine Chance auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt und in alternativen Beschäftigungsformen zu bekommen.“

Glauben hier eigentlich noch vereinzelte daran, dass alles was sie schön umschreiben und wie sehr sie sich bemühen noch glaubhaft erscheint?
Auch wenn es manchen nicht ermöglicht ist alles zu verstehen, so sind doch einige durchaus in der Lage zu unterscheiden wenn es heißt:

Hier wird viel Wasser gepredigt, aber dafür mehr Wein gesoffen!

Wolfgang Ritter

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