Pflegereform stärkt Senioren-Assistenz

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Senioren-Assistenten
Senioren-Assistenten
Bild: BdSAD

Berlin (kobinet) Damit Pflegebedürftige möglichst lange in ihrer häuslichen Umgebung verbleiben, soziale Kontakte aufrecht erhalten und ihren Alltag weiterhin möglichst selbständig bewältigen können, werden entsprechende Angebote zur Unterstützung im Alltag künftig besonders gefördert. Das sieht das zweite Pflegestärkungsgesetz vor. Wie die Bundesvereinigung der Senioren-Assistenten Deutschland e. V. (BdSAD) heute weiter mitteilt, bekommt damit die Tätigkeit der rund 800 nach dem "Plöner Modell" ausgebildeten und qualifizierten Senioren-Assistenten einen angemessenen Stellenwert bei der Betreuung hilfsbedürftiger Menschen.

"Speziell die in der BdSAD organisierten Mitglieder werden schon jetzt den Anforderungen des Gesetzgebers gerecht, der hohe Qualitätsstandards und Qualifikationen für eine professionelle Berufsausübung auf diesem sensiblen Gebiet einfordert", sagt Sigrid Zimmer, Vorsitzende des Berufsverbandes.

Im neuen Gesetz werden die bisherigen "niedrigschwelligen Betreuungs- und Entlastungsangebote" künftig unter dem neuen Oberbegriff der "Angebote zur Unterstützung im Alltag" zusammengefasst. Je nach Ausrichtung der Angebote kann es sich dabei um "Betreuungsangebote" (z. B. Einzelbetreuung), "Angebote zur Entlastung von Pflegenden" oder "Angebote zur Entlastung im Alltag" handeln. Dabei wird ausdrücklich "eine die vorhandenen Ressourcen und Fähigkeiten stärkende und stabilisierende Alltagsbegleitung" angestrebt sowie "die Erbringung von Dienstleistungen, organisatorischen Hilfestellungen und andere geeignete Maßnahmen" einbezogen - "also genau jene Ausbildungs- und Tätigkeitsschwerpunkte, die auch bisher schon durch qualifizierte Senioren-Assistenten vollumfänglich abgedeckt werden", so Zimmer.

Lesermeinungen zu “Pflegereform stärkt Senioren-Assistenz” (3)

Von nurhessen

Ein Vorschlag: Die Leute, die sowohl den nötigen Sachverstand und Erfahrung als auch das journalistische Know-how besitzen, mögen sich als kobinet- Redakteure zur Verfügung stellen. Ich denke. Da gibt es einige.

Von Rosi Nante

Dass diese Befürchtungen nicht unbegründet sind, zeigt sich schon seit Jahren in verschiedenen Bestrebungen von Sozialhilfeträgern, u.a. in Berlin und in Unterfranken.
https://elerbeki.wordpress.com/2015/08/20/pflegereform-chance-fuer-senioren-risiko-fuer-schwerstbehinderte-menschen/

Von Gisela Maubach

Hierzu möchte ich anmerken, dass es beim zweiten Pflegestärkungsgesetz nicht nur um Senioren geht und dass zu befürchten ist, dass auch zunehmend junge behinderte Menschen in die Pflege abgeschoben werden sollen.

Ich würde gern mal die Frage in den Raum stellen, warum der LVR, der einen 28-jährigen jungen Mann mit geistiger Schwerstbehinderung aus der Werkstatt drängen möchte, nach dem Pflegegutachten und den SGB-XI-Leistungen fragt.

Während der LVR für diesen jungen Mann Beträge nach Leistungstyp 25 an die Werkstatt zahlt (was im vorliegenden Fall etwa 2.400 € pro Monat bedeutet), erhalten andere Leistungsanbieter, die keine Werkstatt sind, vom LVR lediglich einen Bruchteil dieses Betrages (Leistungstyp 24) - und laut Aussage einer Einrichtungsleitung besteht dabei nicht der geringste Spielraum, so dass man aufgrund des geringen Festbetrages keine Menschen mit hohem Betreuungsbedarf in den Tagesangeboten aufnehmen kann.

Da in NRW keine Tagesförderstätten existieren, besteht für Menschen mit hohem Betreuungsbedarf also keine Möglichkeit der Finanzierung einer Tagesstruktur jenseits der Werkstatt!

Warum fragt der LVR also nach dem Pflegegutachten?

Bedenklich ist auch folgende Darstellung des LVR (Zitat):

"Ist der behinderte Mensch mit dem Betreuungsschlüssel der Werkstatt nicht zu erreichen, ist nach der Rechtsprechung des BSG seine Eignung für eine Beschäftigung in der Werkstatt für behinderte Menschen nicht gegeben (BSG, Urteil vom 29.06.1995 - 11 RAr 57/94). Maßstab für die Werkstattfähigkeit sind danach die konkreten Verhältnisse - etwa nach dem Personalschlüssel - in der jeweiligen Werkstatt."

Der LVR stützt sich im August 2015 also auf ein 20 Jahre altes Urteil, um einen hohen Betreuungsbedarf innerhalb einer Werkstatt nicht decken zu müssen - wohl wissend, dass "unterhalb" der Werkstatt keine Tagesstruktur existiert, die er selbst ausreichend finanziert, weil eben dieser LVR hier grundsätzlich nur nach Leistungstyp 24 zahlt!!!

Müssen wir zukünftig also dankbar sein, wenn wir "Angebote zur Entlastung von Pflegenden" oder "Angebote zur Entlastung im Alltag" in Anspruch nehmen dürfen, weil unsere erwachsenen Söhne und Töchter wegen ihres hohen Betreuungsbedarfs "mit dem Betreuungsschlüssel der Werkstatt nicht zu erreichen" (!) sind?

Wenn ich in 1 1/2 Jahren 60 Jahre alt werde, möchte ich nicht nur "Entlastung" als pflegende Angehörige haben, sondern ich erwarte, dass der Betreuungsbedarf meines erwachsenen Sohnes ohne meine Belastung gedeckt wird!

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