Geduld in Thüringen geht zu Ende

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Ricco Langer
Ricco Langer
Bild: Peter Marx

Jena (kobinet) Während letzte Woche in Berlin das 50. Treffen der Behindertenbeauftragten der Länder und des Bundes gefeiert wurde, glänzte Thüringen mit der immer noch nicht erfolgten Neubesetzung der Position des Landesbehindertenbeauftragten. Seit Ende Juli ist das Amt in Thüringen nicht mehr besetzt und auch von der Parteibasis kommt die Behindertenpolitik der toten Hose nicht gut an, wie das Interview von kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul mit Ricco Langer, dem Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) für Selbstbestimmte Behindertenpolitik der LINKEN in Thüringen zeigt.

kobinet-nachrichten: Die Behindertenpolitik im rot-rot-grün regierten Thüringen wird seit Monaten von der Nichtbesetzung des Amtes des Landesbehindertenbeauftragten überschattet. Wie erleben Sie die Diskussion als jemand, der in Thüringen aktiv ist?

Ricco Langer: Als in Thüringen aufkam, das es Zeit wird einen neuen Landesbehindertenbeauftragten zu ernennen, welcher auch noch von der eigenen Partei ausgewählt werden sollte, war für uns als LAG klar wen wir uns für diesen Posten wünschen würden. Im Gespräch mit dem Landesvorstand und auch in Bekundungsschreiben und öffentlichen Auftritten der LAG wollten wir Maik Nothnagel als neuen Landesbehindertenbeauftragten für Thüringen. Das Maik nun von der Partei nicht ausgewählt wurde, finden wir sehr bedauerlich. Noch bedauerlicher ist aber, dass wir in Thüringen momentan an einem Punkt sind, an dem uns ein wichtiges Bindeglied zwischen den Vereinen/Verbänden und der Landesregierung fehlt und so alles in Stillstand geraten ist. Wir als LAG wünschen uns nach wie vor Maik Nothnagel in dieser Position. Selbst wenn der Landesvorstand Maik nicht für diese Position vorsieht, was sehr schade ist, müssen zumindest neue alternative Kandidaten gefunden werden.

kobinet-nachrichten: Der langjährige und behindertenpolitisch renommierte ehemalige Landtagsabgeordnete Maik Nothnagel wurde ja von den LINKEN als Landesbehindertenbeauftragter abgelehnt. Wie ist das in der LAG der LINKEN angekommen?

Ricco Langer: Da wir uns wie zuvor erwähnt in der LAG von Anfang an für Maik ausgesprochen haben und es selbst von unserem Bundesverband schriftliche Bekundungen gab, die für Maik als Landesbehindertenbeauftragten sprachen, sind wir natürlich sehr enttäuscht darüber. Man fühlt sich von der eigenen Partei nicht mehr wirklich ernst genommen. Wir hätten uns gewünscht, man hätte uns als LAG mehr in diese Entscheidung mit einbezogen. Zwar gab es im Vorfeld Gespräche, der Landesvorstand ist aber leider nie selbst auf die Idee gekommen, die Vereine und Verbände in der Behindertenpolitik und damit auch die LAG mal nach Vorschlägen zu fragen. Das Ergebnis ist traurig.

kobinet-nachrichten: Wird die LAG jetzt einfach so weitermachen wie bisher oder gibt es Pläne, wie es mit einer engagierten Behindertenpolitik in Thüringen weitergehen könnte?

Ricco Langer: Ich bin zwar momentan noch Sprecher der LAG, kann aber hier natürlich nur für mich sprechen. Ich musste in der letzten groß angelegten Mitgliederversammlung leider feststellen, dass es um die aktiven Mitglieder der LAG nicht gut genug bestellt ist, um wirklich viel bewirken zu können. Laut unserer Mitgliederliste sind wir thüringenweit ca. 70 Mitglieder von denen aber regelmäßig nur 5-10 erscheinen. Daher bin ich für mich an einem Punkt, wo ich aus der LAG austreten werde und ich denke, das mir einige aufgrund ihrer Unzufriedenheit folgen werden. Ich würde mir wünschen, dass wieder mehr Leute in die LAG kommen und mitarbeiten. Auch die Zusammenarbeit mit dem Parteivorstand muss aktiver und vor allem, wie es der Name "LAG Selbstbestimmte Behindertenpolitik" schon sagt selbstbestimmter von statten gehen. Sonst können wir gelinde gesagt das "Selbstbestimmt" aus unserem Namen streichen.

kobinet-nachrichten: Bald ist ja Parteitag der LINKEN in Thüringen. Denken Sie, dass dort die Behindertenpolitik und die bisher nicht besetzte Position des Landesbehindertenbeauftragten eine Rolle spielen wird?

Ricco Langer: Dazu habe ich leider keine Informationen. Ich weiß, dass einige unserer Mitglieder beim Landesparteitag anwesend sein werden und sich sicherlich zu diesem Thema äußern werden. Das dieses Thema aber auf der Tagesordnung steht, wage ich zu bezweifeln.

kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview