Viele neue Erfahrungen

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Martin Hackl
Martin Hackl
© Susanne Göbel

Bad Kissingen (kobinet) Während das neue Jahr langsam Fahrt aufnimmt und der Alltag schon wieder nach uns ruft, blickt Martin Hackl auf viele neue und spannende Erfahrungen zurück und ist ins Jahr 2016 mit vielen neuen Eindrücken und zuversichtlich gestartet. Vor einem Jahr rang der 51Jährige noch mit dem Leben und lag im Koma. 2015 brachte trotz der gesundheitlichen Herausforderungen eine Wendung in seinem Leben, vom langjährigen Leben in Großeinrichtungen auf der grünen Wiese zu einem neuen Leben in einer kleinen Beatmungs-WG mitten in Bad Kissingen.

Dinge, die für viele von uns selbstverständlich sind oder scheinen, erlebt Martin Hackl seit seiner Reha in Bad Kissingen und dem Einzug in die Beatmungs-WG nun zum ersten Mal so richtig live und in Farbe. Martin Hackl hatte in den letzten Jahren immer wieder Texte über sein Leben mit viel Aufwand und unterstützter Kommunikation durch Ingrid Stubenvoll verfasst und damit einen Einblick in seinen Alltag gegeben. Letzten November feierte er zum ersten Mal seinen Geburtstag mit einem mit Hilfe der Assistenz selbst gebackenen Kuchen und in familiärer Atmosphäre in der WG. Und gerade die Assistenz, die Martin Hackl nun in der Wohngemeinschaft bekommt, hat ihm in den letzten Wochen viele Türen geöffnet.

Zum ersten Mal hat er an der Schmückung des Weihnachtsbaumes mitgewirkt. Sein Wunsch, die Christmesse zu besuchen, wurde nicht nur dank des Einsatzes von Kommunikationshilfen gehört, sondern auch verwirklicht. Und dann war da noch das Silvesterfeuerwerk, das er zum ersten Mal um Mitternacht mitten in der Stadt verfolgen konnte. So blickt Martin Hackl in seinem "zweiten Leben" auf dieses Jahr zuversichtlich und hofft auf viele weitere neue Erfahrungen, die ihm bisher verborgen blieben, wie er Susanne Göbel via Skype mitteilte. 

Als Martin Hackl vor über zwei Jahren als Teilnehmer eines von der Aktion Mensch geförderten Projektes von Mensch zuerst, der Selbstvertretungsorganisation von Menschen mit Lernschwierigkeiten, begann, hat er zwar für sich Veränderungen im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention anvisiert. Dass sich aber so viel in seinem Leben zum besseren wenden würde, haben nicht nur er, sondern auch viele andere nicht zu glauben, geschweige denn zu hoffen gewagt. Möge Martin Hackl also auch in diesem Jahr mit seinem Beispiel vielen weiteren Menschen mit sehr hohem Unterstützungsbedarf Mut für den Weg zur Inklusion und Selbstbestimmung machen und über neue spannende Erfahrungen berichten können.