Walter-Picard-Preis für Vereinsarbeit mit psychisch Kranken

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

LWV Hessen
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Kassel (kobinet) Die Vereine EX-IN Hessen aus Marburg und Forum Schmiede aus Taunusstein erhalten den diesjährigen Walter-Picard-Preis. So hat es der Verwaltungsausschuss des Landeswohlfahrtsverbandes (LWV) Hessen beschlossen.

"Die Erfahrungen psychisch kranker Menschen zu nutzen, ist Ziel beider Preisträger. Sie unterstützen andere Betroffene dabei, nach der Akutphase einer Erkrankung wieder Fuß zu fassen", erklärte LWV-Landesdirektor Uwe Brückmann. Beide Sieger teilen sich den mit 5.000 Euro dotierten Preis, der am 10. März um 15 Uhr im Kasseler Ständehaus überreicht wird. An diesem Tag vor fünfzehn Jahren ist der hessische Sozialpolitiker Walter Picard gestorben. Die Vorauswahl aus 49 eingereichten Vorschlägen traf ein Komitee, dem Vertreter des LWV und Experten aus der psychiatrischen Praxis angehörten. Beide Preisträger widmen sich psychisch kranken Menschen mit ihrer Vereinsarbeit.

Bemerkenswert an der Selbsthilfegruppe Forum Schmiede ist, dass der Verein von Betroffenen mit psychiatrischer Krisenerfahrung, deren Angehörigen und Bürgern gestaltet wird. Einige der Gruppenmitglieder haben mehrere Wiedereingliederungsmaßnahmen durchlaufen und sind dennoch ohne Arbeit. Seit 2001 organisieren sie jahreszeitbezogene Märkte in der Scheune des historischen Lehenshofs in Taunusstein-Hahn. Dort werden selbstgemachte Produkte aus der Holzwerkstatt, Kerzen, Marmelade, Handarbeiten, Pappmaché-Werke und Arbeiten aus dem Fotolabor angeboten. Daneben werden ein Café, eine Bücherstube und ein Flohmarkt-Lädchen betrieben, um Kontakte und sinnvolle Beschäftigung zu ermöglichen. Mit den Einnahmen finanziert der Verein Fahrdienste, Essensmarken und Eintrittskarten für Kulturveranstaltungen für bedürftige Mitglieder.

EX-IN Hessen ist Teil des gleichnamigen Bundesvereins, der Name steht für Experienced Involvement, übersetzt: "Beteiligung Erfahrener". Hervorgegangen ist der Verein aus einem Projekt der Europäischen Gemeinschaft. Psychiatrieerfahrene Menschen werden als sogenannte Genesungsbegleiter in der Gesundheitsversorgung ausgebildet und eingesetzt. Deren Erfahrung von Genesung wird gesellschaftlich nutzbar gemacht. Im Fokus steht dabei, soziale Ausgrenzung abzubauen, indem psychisch Erkrankte über Arbeit Anerkennung und ihren Platz in der Gesellschaft finden.

Walter-Picard-Preis

Der von der LWV-Verbandsversammlung 2001 ins Leben gerufene Walter-Picard-Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Er wird alle zwei Jahre für besonders nachahmenswertes ehrenamtliches Engagement oder professionelle Projekte in der hessischen Gemeindepsychiatrie vergeben. Namensgeber ist der Sozialpolitiker Walter Picard aus Offenbach: Er war einer der Initiatoren der Psychiatrie-Enquête, die ab 1975 maßgeblich zur Verbesserung der psychiatrischen Versorgung in Deutschland beigetragen hat. Picard gehörte dem Bundestag an und war lange Abgeordneter der Verbandsversammlung des LWV. Ihm lag es besonders am Herzen, offene und wohnortnahe Hilfen für psychisch kranke Menschen zu schaffen. Auch für die Stärkung von Selbsthilfe-Projekte setzte sich Picard ein. Der Walter-Picard-Preis wird in diesem Jahr zum achten Mal vergeben.

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