Behinderte Flüchtlinge nicht im Blick

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Manfred Wolter
Manfred Wolter
© kobinet/omp

Mainz (kobinet) Der Diplom Pädagoge Manfred Wolter wirkt nicht nur als Kooperationspartner des Inklusionsbotschafterprojektes der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL). Er engagiert sich auch vor Ort im Westerwald ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe und hat dabei ein besonderes Auge auf die Situation behinderter Flüchtlinge. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit Manfed Wolter über seine Erfahrungen in diesem Bereich.

kobinet-nachrichten: Die Situation von Flüchtlingen mit Behinderungen geht in der gegenwärtigen Situation weitgehend unter. Sie engagieren sich vor Ort, welche Erfahrungen machen Sie mit diesem Personenkreis?

Manfred Wolter: Ich arbeite seit November 2015 ehrenamtlich in der Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber Stegskopf in der Kinderbetreuung mit. Leider musste ich die Erfahrung machen, dass die Anwesenheit von Flüchtlingen mit Behinderung schlichtweg ignoriert wird. Obwohl ich zwei Kinder mit Down-Syndrom betreute, behauptet die Lagerleitung, dass "keine Flüchtlinge mit Behinderung" in der AfA anwesend seien.

kobinet-nachrichten: Haben Sie das Gefühl, dass es spezielle Angebote für behinderte Flüchtlinge gibt, bzw. dass deren besondere Bedarfe im Blick der Verantwortlichen sind?

Manfred Wolter: Nein, spezielle Angebote für Flüchtlinge mit Behinderung gibt es nicht. Die Unterkünfte der Soldaten des ehemaligen Truppenübungsplatzes, in denen die Flüchtlinge jetzt untergebracht werden, sind nicht barrierefrei (Stufen vor den Gebäuden und kein barrierefreier Zugang zu den sanitären Einrichtungen).
Aber wo keine Flüchtlinge mit Behinderung "sind", muss ja auch nicht auf Barrierefreiheit geachtet werden.

kobinet-nachrichten: Welche konkreten Schritte zur Verbesserung der Situation würden Sie sich wünschen?

Manfred Wolter: Ich wünsche mir eine sofortige Umsetzung der EU-Aufnahmerichtlinie 2013/33 EU, die in den Artikeln 21 und 22 ganz klar vorschreibt, dass die Bedürfnisse "schutzwürdiger Personen", wie zum Beispiel behinderte Menschen, von Anfang berücksichtigt werden müssen. Dazu wäre es im ersten Schritt notwendig, dass die "Flüchtlinge mit Behinderung" überhaupt von den Erstaufnahmeeinrichtungen wahrgenommen werden und ihnen dann auch ein barrrierefreier selbstbestimmter Aufenthalt ermöglicht wird. Im nächsten Schritt ist es dann notwendig, dass die Flüchtlinge mit Behinderung bei der Weiterleitung an die Städte und Gemeinden als schutzwürdige Personen erkannt und auf ihre besonderen Bedürfnisse in Bezug auf Unterbringung und Gesundheitsversorgung ausreichend Rücksicht genommen wird. Entsprechende Eingaben habe ich bereits an die Ministerinnen für Soziales und Migration in Rheinland-Pfalz gemacht.

kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg.