Kostenloser Dolmetschdienst für gehörlose Flüchtlinge

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Ege Karar
Ege Karar
© DGB

Rendsburg (kobinet) Für die Betreuung von gehörlosen Flüchtlingen können ehrenamtliche Helfer des Deutschen Gehörlosen-Bundes (DGB) ab sofort kostenlose Telefondolmetschdienste in Deutscher Gebärdensprache und Schriftsprache nutzen. Dafür stellen die beiden Anbieter von Telefondolmetschen, Tess – Relay-Dienste GmbH und Telesign Deutschland GmbH, vier Anschlüsse zur Verfügung. So ist die schnelle, direkte Kommunikation mit deutschen Behörden sowie Organisationen gewährleistet.

Die Anschlüsse werden vor allem in Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein eingesetzt. Hier halten sich besonders viele gehörlose Flüchtlinge auf, sagt Ege Karar, DGB-Bundesreferent für Migration und Flüchtlinge. "Alleine im Hamburger Raum haben wir etwa dreißig gehörlose Flüchtlinge."

Seit vielen Monaten prägt das Thema Flüchtlinge den Alltag in Deutschland. Die Kommunikation mit gehörlosen Flüchtlingen stellt dabei besondere Herausforderungen dar. Zunächst gebe es große Kommunikationsbarrieren, so Ege Karar. "Im arabischen Raum gebärdet man anders als bei uns. Auch das dortige Fingeralphabet ist nicht mit unserem vergleichbar", erklärt er weiter. Internationale Gebärden beherrschen gehörlose Flüchtlinge in der Regel auch nicht. Sie müssen also zwei Sprachen neu lernen: die Deutsche Schriftsprache und die Deutsche Gebärdensprache.

Nach Überwindung der kommunikativen Hürden stehen organisatorische Schwierigkeiten an. Hier verspricht sich Ege Karar eine große Hilfe durch die Anschlüsse von Tess – Relay-Dienste und Telesign Deutschland. "Bislang gibt es keine Regelung der Übernahme von Dolmetscherkosten bei Flüchtlingen. Mit Hilfe der kostenlosen Anschlüsse können wir jedoch jetzt direkt Kontakt mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), der Caritas und weiteren Organisationen aufnehmen. Wir können außerdem schnell mit Behörden oder politischen Stellen telefonieren", freut sich Ege Karar.

Bei der Nutzung des Dolmetschdienstes ruft der ehrenamtliche, ebenfalls gehörlose Helfer im Namen des Flüchtlings bei einem Gebärdensprachdolmetscher von Tess – Relay-Dienste oder Telesign Deutschland an. Dieser wählt dann die Nummer des hörenden Gesprächspartners – zum Beispiel beim DRK. Der Dolmetscher übersetzt im folgenden Gespräch von Deutscher Gebärdensprache in Lautsprache und umgekehrt. Die Gesprächsinhalte vermittelt der ehrenamtliche Helfer an den gehörlosen Flüchtling und hilft ihm so bei der Kommunikation mit Behörden und Ämtern.