Menschen mit Lernschwierigkeiten bei Beratung beteiligen

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Stefan Göthling am Telefon
Stefan Göthling am Telefon
© kobinet/omp

Kassel (kobinet) Mensch zuerst - das Netzwerk von Menschen mit Lernschwierigkeiten hat - angesichts der aktuellen Diskussion um eine Förderung einer unabhängigen Beratung im Rahmen des Bundesteilhabegesetzes bekräftigt, dass hier auch Menschen mit Lernschwierigkeiten mit einbezogen werden müssen. Anfang März wird die Selbstvertretungsorganisation das Thema bei einer Tagung in Uder aufgreifen.

"Wir Menschen mit Lernschwierigkeiten haben viele Erfahrungen gesammelt, die wir an andere Menschen mit Lernschwierigkeiten weitergeben können. Einige von uns haben es geschafft, aus Heimen auszuziehen. Andere haben es geschafft, anstatt in einer Werkstatt auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu arbeiten. Persönliche Budgets werden mittlerweile von einigen Menschen mit Lernschwierigkeiten genutzt. Diese Erfahrungen müssen auch in der Beratung für behinderte Menschen genutzt werden. Denn wir können damit nicht nur zeigen, wie es gehen kann, sondern auch Mut machen, dass es gehen kann", erklärte Stefan Göthling, Geschäftsführer von Mensch zuerst.

Beratung auf Augenhöhe

Eine echte von Kostenträgern und Leistungserbringern unabhängige Beratung müsse also auch Menschen mit Lernschwierigkeiten auf gleicher Augenhöhe berücksichtigen. "Das darf aber nicht so enden, dass wir zum Nulltarif oder auf Werkstattlohnebene diese Beratung leisten. So wie andere behinderte Menschen auch, müssen auch Menschen mit Lernschwierigkeiten als Beraterinnen und Berater eingestellt und bezahlt werden", fordert Stefan Göthling. Dass dies geht, zeigen nach Informationen von Stefan Göthling Erfahrungen aus Österreich, wo die Beratung von Menschen mit Lernschwierigkeiten bereits seit längerem stattfindet und gefördert wird.

Auswertung erster Erfahrungen

Bei der Abschlusstagung eines von der Aktion Mensch geförderten Projektes Mut zur Inklusion will Mensch zuerst daher auch diskutieren, wie eine gute Beratung für Menschen mit Lernschwierigkeiten aussehen kann. Vor allem sollen mit VertreterInnen aus Österreich Erfahrungen mit dem sogenannten Peer Counseling, also der Beratung von behinderten Menschen für behinderte Menschen aus der Sicht von Menschen mit Lernschwierigkeiten ausgetauscht werden. "Wir wollen, dass wir mit unserem Wissen und unseren Erfahrungen in der Diskussion um die Förderung einer unabhängigen Beratung beim Bundesteilhabegesetz nicht vergessen werden. Denn es wurde schon viel zu viel über unsere Köpfe hinweg entschieden. Und wir wurden schon viel zu oft schlecht beraten", so Stefan Göthling.