Schwerbehindertenvertretungen stärken

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Porträtfoto Uwe Schummer
Porträtfoto Uwe Schummer
© Rolf Barthel

Berlin (kobinet) Die Unionsfraktion des Bundestages hat heute gemeinsam mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund über die Zukunft der Schwerbehindertenvertretungen beraten. Dazu erklärte der Beauftragte für Menschen mit Behinderungen der CDU/CSU-Fraktion, Uwe Schummer: "Wir haben im Koalitionsvertrag zugesagt, die Schwerbehindertenvertretungen zu stärken. Dieses Versprechen wollen wir noch in diesem Jahr einlösen."

Schwerbehindertenvertreter brauchen vor allem mehr Zeit und gut ausgebildete Stellvertreter, um ihren vielfältigen Aufgaben gerecht zu werden. Als Co-Manager kümmern sie sich um die betriebliche Wiedereingliederung von erkrankten Mitarbeitern, gestalten Arbeitsplätze für Mitarbeiter mit Behinderungen barrierefrei oder begleiten Antragsverfahren.

Viel Zeit investieren sie vor allem in Bemühungen, die von Behinderung bedrohten Mitarbeiter im Arbeitsprozess zu halten. Unter diesen sind immer mehr Kolleginnen und Kollegen mit psychischen Erkrankungen. Doch der Einsatz lohnt sich für die Unternehmen: Die Kosten für Produktionsausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen betragen jährlich rund sechs Milliarden Euro. Damit führen sie zu einer Minderung der Bruttowertschöpfung um 10,5 Milliarden Euro.

Psychische Störungen sind bei 42,7 Prozent der Beschäftigten die Ursache für Frühverrentungen. 20 Prozent der Beschäftigten in Werkstätten haben eine psychische Behinderung - Tendenz steigend. Schon heute werden die Haushalte der Länder und Kommunen dadurch mit über einer Milliarde Euro pro Jahr für Eingliederungshilfe belastet.

"In Zeiten des Fachkräftemangels können Schwerbehindertenvertretungen effizient dazu beitragen, Ausfallzeiten zu verkürzen und erfahrene Mitarbeiter zu halten", betonte Schummer. "Sie helfen damit den Unternehmen, enorme Kosten zu sparen. Die Union unterstützt die Forderung nach besserer Freistellung für die Vertrauenspersonen in Betrieben mit mehr als 100 schwerbehinderten Beschäftigten."

Lesermeinungen zu “Schwerbehindertenvertretungen stärken” (2)

Von SBVler

Rampe statt neuer Barriere

das sich die Bundesregierung die Stärkung der Schwerbehindertenvertretungen zum Ziel genommen hat, ist ausdrücklich lobenswert und auch seit langem eine zentrale Forderung der Gewerkschaften gewesen.

Durch die Absenkung des Schwellenwertes von 200 auf 100 schwerbehinderte Menschen im Betrieb wird leider nur ein sehr kleiner Teil der SBVs gestärkt. Die meisten haben nur zwischen 5 und 99 schwerbehinderte und gleichgestellte Beschäftigte und erleben durch eine solche Regelung keine Stärkung.

Das Pröblem ist, dass es hier eine Art Rampe geben muss (wir wollen ja schließlich - auch im übertragenen Sinne- Barrierefreiheit erreichen).

Also gilt es meiner Meinung nach die Freistellungsregelung im SGB IX zu modernisieren und so auch kleineren Schwerbehindertenvertretungen die Arbeit zu erleichtern.
Vorstellbar wäre eine Abstufung
bis 25 schwerbehinderte Beschäftigte - 20% Freistellung
bis 50 schwerbehinderte Beschäftigte - 40% Freistellung
bis 75 schwerbehinderte Beschäftigte - 60% Freistellung
bis 100 schwerbehinderte Beschäftigte - 80%Freistellung
ab 100 volle Freistellung.

Natürlich sind weitergehende Regelungen auch weiterhin möglich, aber in meiner Praxis habe ich einfach die Erfahrung gemacht, dass die Arbeitgeber - besonders im öffentlichen Dienst nur das machen, was gesetzlich geregelt ist.

Nur so kann die Vertrauensperson Ihrer gesetzlichen und auch moralischen Verpflichtung nachkommen ohne am Arbeitsplatz zerrieben zu werden.

Von Gisela Maubach

Auffallendes aus dem vorliegenden Beitrag:

"Einsatz lohnt sich für die Unternehmen" . . . "Kosten für Produktionsausfälle betragen jährlich rund sechs Milliarden Euro" . . . "Minderung der Bruttowertschöpfung um 10,5 Milliarden Euro" . . . "Ursache für Frühverrentungen" . . . "Haushalte der Länder und Kommunen mit über einer Milliarde Euro pro Jahr belastet" . . ."Fachkräftemangel" . . . "Ausfallzeiten verkürzen" . . . "enorme Kosten sparen" . . .


So langsam beantwortet sich die Frage, warum Menschen mit Behinderungen zunehmend in "brauchbare" und "nicht brauchbare" aussortiert werden, ganz von allein.
Im Vordergrund steht nämlich weniger das Menschenrecht auf Teilhabe, sondern vielmehr, ob es sich "lohnt" (!), den behinderten Menschen teilhaben zu lassen.
Und diejenigen, für die es sich "nicht lohnt" und die sowieso eine "Belastung" für die Haushalte bleiben, werden dann in aller Regel auch gar nicht erst thematisiert . . .

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