Keine Unfälle mit E-Scootern im ÖPNV

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Hubert Hüppe
Hubert Hüppe
© Rolf Barthel

Berlin (kobinet) Der Bundesregierung liegen keine Informationen über Unfällen vor, die sich in Bussen und Bahnen bei der Mitnahme von Personen mit einem E-Scooter zugetragen haben. Das erfuhr der CDU-Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe durch seine Anfrage an die Bundesregierung anlässlich der Tatsache, dass immer mehr Verkehrsunternehmen bundesweit Verbote ausgesprochen haben. Diese berufen sich auf eine Studie vom Mai 2014, wonach E-Scooter ein erhöhtes Gefährdungspotential darstellen könnten. Viele Menschen mit Behinderung sind jedoch auf einen E-Scooter angewiesen. Sie fühlen sich nun benachteiligt, weil sie vielerorts den ÖPNV nicht mehr nutzen können. In NRW sind nach Schätzungen somit mehr als 30.000 Menschen in ihrer Mobilität eingeschränkt.

„Natürlich kann man immer Gefahren aufzeigen, aber die gibt es sicherlich auch bei Rollatoren, Kinderwagen, schweren Koffern oder Fahrrädern. Verbieten geht immer ganz schnell. Auch ohne statistische Grundlage zu Sach- und Personenschäden im Zusammenhang mit der Mitnahme von Personen mit einem E-Scooter kam es bundesweit zu Verboten. Ich kann gut verstehen, dass sich die Betroffenen benachteiligt fühlen", ärgert sich Hubert Hüppe.

Hoffnung setzen Hubert Hüppe und die Betroffenen nun in das Urteil des Oberlandesgerichts Schleswig-Holstein. Neben dem Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz wurde festgestellt, dass kein sachlicher Grund für das pauschale Verbot gegeben sei und die vorgetragenen Sicherheitsbedenken den Beförderungsausschluss von allen E-Scootern nicht rechtfertige. „Verkehrsbetriebe müssen bald wieder die Möglichkeit schaffen, Menschen, die auf eine E-Scooter angewiesen sind, am ÖPNV teilhaben zu lassen", hofft Hüppe.

Lesermeinungen zu “Keine Unfälle mit E-Scootern im ÖPNV” (8)

Von Bernd Fahlenbock

Sehr geehrte Frau Sphinx, ein Panzer ist in erster Linie ein Kriegsgerät und wird aufgrund seiner Größe und seines Gewichts (aber auch weil die Linie 18 nicht nach Istanbul, Kabul oder Aleppo fährt) in Bussen und Bahnen nicht mitgenommen. Erst wenn die Damen und Herren aus dem Krieg zurückkommen, sind sie eventuell auf ein Hilfsmittel wie einen Elektro-Rollstuhl oder einen E-Scooter angewiesen. Diese sind in der Regel beide mit max. 1,40 m kürzer als ein ausgewachsenes Fahrrad, einer Breite von 0,70 m schmaler als ein Zwillingskinderwagen und mit einem Gewicht von 70-150 kg wesentlich leichter als ein handelsüblicher Panzer. Bei den Kölner Verkehrsbetrieben sind im Jahr 2015 mehr als 300 Personen in Bussen und Bahnen gestürzt, keiner davon mit einem Scooter. Und die Auswahl des geeigneten Hilfsmittels überlassen Sie bitte den Leuten, die sich damit auskennen.
Mit freundlichem Gruß,
Bernd Fahlenbock
Scooter in Bahnfahrer seit 1998

Von Arnd Hellinger

Nun ja, aus der von Hubert Hüppe genannten Antwort der Bundesregierung kann man NICHT schließen, dass es keine Unfälle mit E-Scootern im ÖPNV gegeben hätte. Auch durfte ich selbst ein solches Ereignis schon einmal als Zeuge erleben... :-(

Das Problem dieser E-Scooter ist deren hoher Schwerpunkt in Verbindung mit ihren Abmessungen und der mangelhaften Manövrierfähigkeit auf engem Raum. Das führt dazu. dass sie oftmals in Bussen und Straßenbahnen nur quer zur Fahrtrichtung stehen können, insbesondere wenn sich noch andere Kinderwagen, Rollis etc. im Fahrzeug befinden. Kommt es nun zu einer Not- oder sonstigen starken Bremsung, greift die Physik und der Scooter kippt mitsamt des Fahrers zur Seite, was schwere Verletzungen auch Dritter verursachen kann. Dieses Risiko wollen die Verkehrsunternehmen bzw. -verbünde natürlich vermeiden.

Ein Bus oder eine Straßenbahn kann eben nicht beliebig lang und beliebig breit gebaut werden, um dann jedes erdenkliche Hilfsmittel (auch Liegerollis...?) befördern zu können, weil dann Straßenkurven, Stadtbahntunnel etc. nicht mehr befahrbar wären. Da stößt Barrierefreiheit leider irgendwo an Grenzen - selbst in den USA oder Österreich.

E-Scooter wurden tatsächlich nicht unter der Maßgabe entwickelt, sie in öffentlichen Verkehrsmitteln nutzen zu können, sondern sollten in der Tat ursprünglich nur Menschen mit (leichterer) Gehbehinderung Erledigungen in der Nachbarschaft oder Spaziergänge erleichtern oder ermöglichen. Dass diese Geräte mittlerweile von Ärzten und Kostenträgern als Alternative zu "echten" E-Rollstühlen - die können im ÖPNV problemlos mitfahren - angesehen werden, liegt in erster Linie an deren günstigen Beschaffungs- und Wartungskosten.

Der BSK sollte also eher Ärzte und Kostenträger statt der Verkehrsbetriebe angehen, damit die Betroffenen wirklich mit überall flexibel nutzbaren Hilfsmitteln ausgestattet werden....

Von PReichert

Um das mal klarzustellen: bei einem E-scooter handelt es sich weder um ein Spassmobil noch um ein Fahrzeug für Gehfaule.

Menschen die auf einen E-scooter angewiesen sind, diesen als Hilfsmittel von ihrer KK verordnet bekommen haben und jetzt nicht mehr in ÖPNV Fahrzeugen befördert werden, werden schlichtweg diskriminiert. Und genau dagegen geht der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter zwischenzeitlich juristisch vor. Für was haben wir schließlich ein AGG und die UNBRK ?

Von Sphinx

@ XY ungeloest
Mit einem rangier-unfähigen Scooter, E-Rollstuhl und mechanisch anzutreibenden Rollstuhl In Regionalzügen den meisten Platz beanspruchen, Dritten im Wege stehen und meckern, wenn 'nur' drei solcher Monstren im Zug mitgenommen werden.
Das scheint tatsächlich xy ungelöst zu sein, um in Ihrer Sprache zu bleiben.

Von Sphinx

@ Lesebrille
Interessanterweise geht es weder bei Ihnen noch bei Frau Chr. Link um alles andere, als die TECHNIK eines E-Rollstuhles und E-Mobiles als solches.
Schon mal eine einhundertfünfizg und mehr Kilogramm schweres 'Behindertengefährt' aus einer msslichen Situation bewegt? Samt Fahrer/in?
Die Feuerwehr dürften solche Aspekte ebenso interessieren.

Nicht nur, dass man mit einem riesen Fahrmonster den äußerlichen Eindruck eines Dickerchens abgibt. Es lässt sich schlicht nicht gut rangieren mit den Panzern a lá Elektro- und mechanischer Rollstuhl und AOK-Shopper.

Und: Wer will schon Dritten dauernd im Wege stehen?

Von XYungeloest

Einen Scooter kann heute jeder kaufen welcher über das entsprechende Kleingeld verfügt, wobei nicht immer gesagt ist, dass jeder mit einem derartigen Gefährt auch umgehen kann. Es ist fraglich ob die Menschen damit gemeint sind, welche auf eine entsprechende Mobilitätshilfe angewiesen sind. Hier ist anscheinend eher die Personengruppe gemeint, welche mit Hut und Handschuh wegen der Unfähigkeit auf der Autobahn und im Straßenverkehr meinte, wenn sie kommen ist die Ordnung aufgehoben. Wie oft kann man Rollstuhlfahrer auf Rolltreppen erleben, oder die gelegentlichen Rollator Nutzer, obwohl 20 mtr. weiter ein Aufzug ist!

Auch hier ist vieles noch XYungeloest

Von Lesebrille

@Sphinx: Die Antworten finden (nicht nur) Sie in diesem Artikel zum Thema von Christiane Link: http://blog.zeit.de/stufenlos/?s=Scooter

Ihr Vergleich eines Scooters mit einem Panzer diskriminiert allerdings allein die NutzerInnen.

Von Sphinx

Warum das Vernarrt-Sein in ein Gefährt, was einem Panzer gleichkommt.
Panzer werden in Bussen und Bahnen des ÖPNV ebenso nicht befördert. Aus gutem Grund.
Was Kenntnisse über Technik und ihre Auswirkungen im Straßenverkehr und in den Öffis anbelangt, scheint das Wissen bei Behinderten und Nichtbehinderten stark unterkellert zu sein.
Hauptsache fahr'n, egal womit und egal, wie und ohne Rücksicht auf Verluste!

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