Bahn informiert über Service für mobilitätseingeschränkte Reisende

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Servicemitarbeiterin begleitet sehbehinderten Reisenden
Servicemitarbeiterin begleitet sehbehinderten Reisenden
© Oliver Lang/DB AG

Frankfurt/Main (kobinet) Im Zusammenhang mit dem während der diesjährigen Internationalen Tourismus Börse (ITB) stattfindenden "Tag des barrierefreien Tourismus" hat die Deutsche Bahn AG im aktuellen Themendienst einen Überblick zu den Serviceleistungen für Menschen mit Behinderungen rund um die Bahnreise im Jahr 2015 veröffentlicht.

Wer in den sozialen Medien unterwegs ist, hört und liest über den Service der Deutschen Bahn häufig nur die Klagen und Beschwerden darüber, wenn wieder einmal eine Reise nicht geklappt hat. Keine Frage: Jedes Problem auf Reisen ist eines zu viel. Das sehen sicherlich auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Bahn so. Gerade auch deshalb ist der jetzt veröffentlichte Bericht zu den Serviceleistungen der Bahn für Reisende mit Mobilitätseinschränkungen für das Jahr 2015 interessant zu lesen.

Die Deutsche Bahn (DB) bietet Menschen mit Behinderungen umfangreiche Dienstleistungen, die über die Mobilitätsservicezentrale in der Verbindung von Beratung und praktischen Hilfen angeboten werden. Im Jahr 2015 hatte es mehr als 650.000 Hilfestellungen dieser Art gegeben. Zwei Jahre zuvor waren es noch 570.000 Hilfeleistungen gewesen.

Diese Assistenzleistungen wurden auch möglich, da inzwischen die wichtigsten Stationen mit mehr als 900 mobilen Hubgeräten, Schrägen, Treppenliften oder Elektromobilen ausgerüstet wurden. Von 16 festen Standorten aus sorgen mobile Teams der Bahn an weiteren 47 kleineren und mittleren Bahnhöfen dafür, dass alle Reisenden sicher und bequem ein- und aussteigen können. Daran beteiligen sich auch Kooperationspartner der Deutschen Bahn wie die Bahnhofsmission und örtliche Taxibetriebe. Die Servicemitarbeiter wurden mit speziellen Schulungen auf diese Arbeit vorbereitet. 

An diesen Zahlen wird auch deutlich, dass Service für mobilitätseingeschränkte Reisende noch nicht auf allen Stationen der rund 4.500 Bahnhöfen möglich ist, welche die Deutsche Bahn - DB Station&Service AG - betreibt. Aber rund 100 Stationen werden jedes Jahr barrierefrei umgebaut, wodurch sich, auch dank der erheblichen Fördermittel von Bund und Ländern, die Zahl barrierefreier Stationen Jahr für Jahr weiter erhöhen wird.

Gegenwärtig sind an rund 76 Prozent der Bahnhöfe die Bahnsteige höhengleich, beziehungsweise mittels Schräge oder Aufzug stufenfrei erreichbar. 59 Prozent der bestehenden Bahnsteige verfügen inzwischen über eine Bahnsteighöhe, die beim Einsatz entsprechender Fahrzeuge auch einen niveaugleichen Einstieg erlauben. Bei einer relativ großen Zahl der bestehenden Bahnsteige sind diese 38 Zentimeter oder weniger hoch. Ihre Erhöhung wird allerdings noch eine längere Zeit in Anspruch nehmen.

Weitere Fortschritte konnten bei der Ausstattung von Bahnsteigen mit taktilen Leitsystemen aus Bodenindikatoren erreicht werden. Bisher sind rund 4.560 Bahnsteige, also etwa die Hälfte aller Bahnsteige und 440 mehr als vor zwei Jahren, derart ausgerüstet. Zudem gibt es einige Bahnhöfe, die mit normgerechten Handlaufbeschriftungen ausgestattet wurden und taktile Lagepläne bekommen haben.

Auch in dem mehr als 400 DB-Reisezentren wurde begonnen, Barrierefreiheit mittels Türfolierung, taktiler Wegführung, barrierefreie Aufrufsysteme und höhenverstellbaren Schaltern sowie induktiven Hörschleifen zu verbessern. Derzeit sind allerdings erst 55 Reisezentrum barrierefrei ausgestattet.

Die Informationen zu den Angeboten der Deutschen Bahn sind vom Aufsuchen von Reiseverbindungen bis zu den Hilfen der Mobilitätszentrale zielgruppenspezifisch im Internet aufbereitet. Dazu gehören auch die wichtigsten Auskünfte in Leichter Sprache sowie Gebärdensprachvideos.

Seit August 2013 wurden alle 44 ICE-Züge der zweiten Generation mit Blick auf Verbesserungen für mobilitätseingeschränkte Reisende modernisiert. Der neue ICE 3 ist seit Dezember 2013 mit Hublift für Rollstuhlnutzer im Einsatz. Im neuen Intercity 2 wird eine Schräge für Fahrgäste mit Rollstuhl mitgeführt. Bei neuen Fahrzeugen werden durch taktile Leitsysteme sowie großformatige Monitore mit kontrastreicher Anzeige die Information im Zug für alle erleichtert. Mehr als 60 Prozent der Fahrzeuge für den Regionalverkehr verfügen über fahrzeuggebundene Ein- und Ausstieghilfen, rollstuhlgerechte Toiletten und digitale Informationssysteme.

Und die Deutsche Bahn arbeitet daran, Barrierefreiheit ihrer Angebote und ihres Service für mobilitätseingeschränkte Reisende kontinuierlich weiter zu verbessern. Wer gern weitere Details zur Arbeit der Deutschen Bahn AG für mehr Barrierefreiheit erfahren möchte, kann sich auf der Internetseite über das Programm der Deutschen Bahn informieren und sich auch die vollständigen Informationen des Themendienstes als PDF-Datei herunter laden.

Lesermeinungen zu “Bahn informiert über Service für mobilitätseingeschränkte Reisende” (1)

Von Alexander Drewes

Natürlich hat die Deutsche Bahn AG in den letzten Jahren - auch erhebliche - Fortschritte im Bereich des barrierefreien Transports erzielt.
Allerdings kommt mir der Artikel ein bisschen arg unkritisch daher. Nach meiner Erfahrung in den letzten Jahren als Inklusiosnbeauftragter des Fahrgastverbandes PRO BAHN scheint mir nicht übertrieben, eine "Failure"-Quote von dann doch wenigstens 10% (und das ist bewusst eher tief gegriffen) im Transport von beeinträchtigten Menschen anzunehmen. Das fängt - nach wie vor - bei der bloßen Informationserteilung an, setzt sich beim Ticketkauf fort, findet seine - ab und an dann doch immer noch unrühmliche Fortsetzung - bei der schieren (Un-)Möglichkeit, den Transport überhaupt zu ermöglichen und hört bei der vielfach eben gerade nicht vorhandenen Zugänglichkeit und Nutzbarkeit von Stationen und Haltepunkten noch lange nicht auf. Immerhin, das muss man dem Unternehmen wirklich zugute halten, wird die Umsetzung von Barrierefreiheit mittlerweile - wenn auch "nur" durch den Bereich DB Service GmbH (das Thema gehört ersichtlich in den Vorstand) - als Schnittstellenproblematik erkannt und wird auch professionell angegangen. Das betrifft zwischenzeitlich sogar das Beschwerdemanagement.

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