Keine Reihenuntersuchung auf Down-Syndrom!

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Ulla Schmidt
Ulla Schmidt
© Irina Tischer

Berlin (kobinet) Am Welt-Down-Syndrom-Tag haben die Lebenshilfe und das Netzwerk gegen Selektion durch Pränataldiagnostik deutlich gemacht, dass eine Reihenuntersuchung beispielsweise auf Trisomie 21 eine unzulässige Diskriminierung darstellt. „Menschen mit Down-Syndrom bereichern die Vielfalt in unserer Gesellschaft und gehören selbstverständlich dazu. Keinesfalls darf ein Screening eingeführt werden, um ihre Geburt zu verhindern", erklärte Bundesvorsitzende Ulla Schmidt, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. „Vorgeburtliche Untersuchungen auf Behinderung können nur nach individueller Entscheidung und nach den Bedingungen des Einzelfalls durchgeführt werden. Dazu gehören auch eine umfassende Information und Beratung, unter anderem zum Leben mit Down-Syndrom. Wir als Lebenshilfe bieten das regelmäßig an."

Gegenwärtig leben etwa 50.000 Menschen mit Down-Syndrom in Deutschland. Eltern von Kindern mit Down-Syndrom berichten, dass sie sich immer wieder fragen lassen müssen, ob sie denn keine vorgeburtlichen Untersuchungen in Anspruch genommen hätten. Es sei doch „nicht mehr nötig, ein solches Kind zu bekommen".

Dabei kann ein Leben mit Down-Syndrom so glücklich und erfolgreich sein, wie jedes andere auch. Viele Menschen mit Trisomie 21 stehen mit beiden Beinen im Leben, haben Erfolg in Beruf, Sport oder Kultur. Ulla Schmidt: „Vieles im Leben gelingt ihnen, wenn sie die notwendige Unterstützung erhalten."

Dem steht eine zunehmende gesellschaftliche Erwartungshaltung an Eltern gegenüber, alles zu tun, um die Geburt eines Kindes mit Behinderung zu verhindern. „Nicht alles, was medizinisch machbar ist, ist auch medizinisch notwendig und muss von der Krankenkasse finanziert werden. Der Bluttest ist ohne jeden therapeutischen Nutzen, er kann deshalb keine Kassenleistung sein", erklärt Silke Koppermann, Gynäkologin und eine der Sprecherinnen des Netzwerks gegen Selektion durch Pränataldiagnostik. „Der Auftrag an Ärztinnen und Ärzte ist, Schwangere zu begleiten und für ihre Gesundheit zu sorgen. Die Suche nach dem Down-Syndrom oder anderen Chromosomenbesonderheiten gehört nicht zum ärztlichen Heilauftrag."

Das Netzwerk fordere seit der Einführung des Testes auf dem deutschen Markt eine gesellschaftliche Diskussion über dieses medizinische Angebot, das das Lebensrecht einer ganzen Bevölkerungsgruppe in Frage stellt und unweigerlich von Menschen mit Down-Syndrom und ihren Angehörigen als Herabwürdigung empfunden wird. Diese Debatte muss jetzt endlich geführt werden, so sind sich das Netzwerk und die Lebenshilfe einig.

Lesermeinungen zu “Keine Reihenuntersuchung auf Down-Syndrom!” (2)

Von nurhessen

Liebe Frau Maubach,
ja, da stimme ich Ihnen zu. Man – d.h. die moderne „inklusive“ Gesellschaft - versucht mit allen Mitteln krampfhaft und auf Druck eines „schönen Scheins“, eine Rechtfertigung für behindertes Leben zu geben. Und da werden die „lebenslustigen“ „liebenswerten“ Menschen mit Down-Syndrom im Sinn von positiven Beispielen auf eine perfide Art instrumentalisiert. –D.h. ich sehe auch sie als Opfer ihres eigenen „Down-Syndrom-Tages“! Dass dabei eine Zwei-oder Drei- Klassengesellschaft von behinderten Menschen entsteht, ist denen zuzuschreiben, die diese Gesellschaft leistungsstark und schön gestalten wollen, den sogenannten „Normalos“.

Von Gisela Maubach

Zum Welt-Down-Syndrom-Tag kann man hier einen sehr treffenden Beitrag unter den Kommentaren finden:

http://www.br.de/radio/bayern2/gesellschaft/tagesgespraech/welt-down-syndrom-tag-114.html

Und zwar wird unter Nr. 13 die Einteilung in "gute" und "schlechte" Behinderungen beschrieben . . . und das ist eine sehr bedenkliche Realität!

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