Der Traum ist aus - wieder auf der Straße

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Ottmar Miles-Paul
Ottmar Miles-Paul
Bild: Irina Tischer

Kassel (kobinet) Behinderte Menschen haben gestern in mehreren Städten Deutschlands gegen die Verzögerungen beim Bundesteilhabegesetz unter dem Motto "Die Zeit ist reif für ein gutes Bundesteilhabegesetz" demonstriert. Dabei haben sie deutlich gemacht, dass es ein gutes Bundesteilhabegesetz werden muss, das diesen Namen auch verdient. Weder was den zeitlichen Ablauf des geplanten Gesetzes angeht, noch was die inhaltliche Ausrichtung der bisherigen Vorschläge betrifft, sieht es derzeit rosig aus. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul widmet sich daher in seinem Kommentar dem Umstand, dass sich die Behindertenbewegung wieder einmal in der Situation befindet, für ihre Rechte auf die Straße gehen zu müssen.

Kommentar von kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul

Es war ein schöner Traum, ja, es war sogar ein verführerischer Traum als die derzeitige Bundesregierung ihr Amt antrat. Im Koalitionsvertrag wurde die Schaffung eines Bundesteilhabegesetzes und damit die Forderung vieler Verbände und Aktiver aufgegriffen. "Nichts über uns ohne uns", hieß es darin sogar. Andrea Nahles legte einen guten und kommunikativen Start als Ministerin hin und das in früheren Jahren eher muffige und für behinderte Menschen weithin verschlossene Bundesministerium für Arbeit und Soziales wurde plötzlich zum offenen Haus und äußerst zugewandt und kommunikativ, vor allem auch der Behindertenbewegung und behinderten Menschen selbst gegenüber. Verena Bentele legte wider der ursprünglichen Kritik und Erwartungen einen guten Start als Behindertenbeauftragte hin und führte sehr früh eine gute Veranstaltung zum Bundesteilhabegesetz mit ihren LänderkollegInnen im Kleisthaus durch. Es folgte die Schaffung der Arbeitsgruppe zum Beteiligungsprozess für das groß angekündigte und beworbene Bundesteilhabegesetz. Vieles war plötzlich anders, als gewohnt und auch wenn wir schöne Sonntagsreden gewohnt sind, klangen diese plötzlich noch schöner und hatten mit den Plänen für die Gesetzesreformen einen realistischen touch angenommen.

Dieser Traum beflügelte viele, sich für ein gutes Bundesteilhabegesetz einzusetzen und förderte auch das positive Denken, dieses Mal so richtig dran zu glauben und nötige Energien für das Engagement freizusetzen. Mit den zunehmenden Diskussionen und dem Wälzen vieler Papiere bekam dieser Traum jedoch langsam aber sicher seine Ecken und Kanten, die Farben wurden zunehmend blaßer und das anfängliche rosa wich einem zunehmendem grau. Nach Abschluss des Beteiligungsprozesses im April letzten Jahres hielten dann viele die Luft an, denn nun sollte sich zeigen, was von diesem Traum übrig blieb, als sich das Bundesministerium für Arbeit und Soziales dran machte, die Diskussionen und Arbeitspapiere in Gesetzesform zu gießen. In diesem Schwebezustand ließ sich noch gut weiter träumen, denn das Prinzip Hoffnung ist ja in der Behindertenpolitik ständiger Begleiter - sonst hätten viele schon längst aufgegeben.

Als im Herbst letzten Jahres klar wurde, dass es doch nicht dieser Herbst wird, in dem der Referentenentwurf für das Bundesteilhabegesetz das Licht der Welt erblicken wird, sondern eher Winter, durfte trotzdem noch weiter geträumt werden, auch wenn die Botschaften, was ins Gesetz kommen könnte, langsam bedrohlicher wurden. Aber als behinderte Menschen sind wir ja gutgläubig und glauben an das Gute des Menschen, ja sogar an die Bewusstseinsbildung, obwohl wir immer von Menschenrechten reden und wissen müssten, dass fast alle Menschenrechte hart und über einen längeren Zeitraum hinweg erkämpft werden mussten - von deren Umsetzung ganz zu schweigen. Nach viel Sonnenschein im Dezember brach die Kälte des Winters voll über die Behindertenbewegung herein, als im Januar der Arbeitsentwurf für das Bundesteilhabegesetz durchsickerte und viele abrupt aus dem schönen Traum aufwachen ließ. Denn jetzt wurde klar, dass aus dem rosarot schönen Traum ein Alptraum werden kann, wenn wir nicht aufpassen und uns engagieren. Einige konnten sogar nicht mehr richtig schlafen, denn sie mussten dem Arbeitsentwurf zufolge befürchten, dass sie zukünftig ihre Assistenzleistungen poolen und damit massiv eingeschränkt werden. Das Wunsch- und Wahlrecht wurde mit dem Arbeitsentwurf massiv bedroht, weil nun der günstigste Anbieter Vorfahrt haben sollte und nicht einmal mehr die Unangemessenheit solcher Vergleiche gelten sollte. Ein böses Erwachen, das neue Kräfte im realen Leben freisetzte und den Winterschlaf schnell beendete.

Mit Frühlingsanfang sollte dann nach den Landtagswahlen der Referentenentwurf wirklich das Licht der Welt erblicken. Der Zeitplan für das weitere Verfahren war von der Bundesregierung geschmiedet und der Weg für die inhaltliche Diskussion sollte frei gegeben werden. Aufgeregte Erwartung herrschte vor und nach Ostern, denn es sollte ja nicht alles so kommen, wie im Arbeitspapier geschrieben, wie es immer wieder aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales hieß. Doch als Osterei kam der Entwurf auch nicht daher, denn nun kamen störende Wellen aus Bayern und Horst Seehofer und seine CSU-KollegInnen blockierten das Gesetz und schickten es zur Beratung in den Koalitionsausschuss am 13. April. Wieder waren alle hellwach, denn nun war der Entwurf für spätestens 18. April in Aussicht gestellt. Dieser Tag ist mittlerweile auch verstrichen, ohne das klar ist, ob es sich um einen Alptraum oder einen schönen Traum handelt. Heute warten wir nun auf das Ergebnis der Beratungen der MinisterpräsidentInnen mit der Kanzlerin zum Bundesteilhabegesetz. Ein Datum für die mögliche Veröffentlichung des Referentenentwurfs wurde nun erst gar nicht mehr genannt, denn jetzt hat das Gesetzgebungsverfahren eine ganz neue Dynamik bekommen, jetzt geht es auch um den Bund-Länder-Finanzausgleich und da befindet man sich schnell auf hoher See ohne zu wissen, ob das Schiff einen sicheren Hafen überhaupt erreicht oder kentert. Dann droht Bayern ständig damit, dass Gesetzgebungskompetenzen auf die Länder übertragen werden, so dass diese selbst entscheiden können, welche Leistungen sie "gewähren" und welche nicht. Was eine solche Kleinstaaterei bedeuten kann, davon können blinde Menschen, die in Thüringen an der Grenze zu Bayern leben. Nur wenige Kilometer entscheiden, ob man nicht einmal 300 Euro oder weit über 500 Euro Landesblindengeld bekommt.

Der verführerische Traum, dass diejenigen, die Verantwortung tragen, politische Entscheidungen treffen und Einfluss in der Behindertenpolitik haben, das schon für uns richten und dass die UN-Behindertenrechtskonvention das doch alles vorschreibt, von daher ein Selbstläufer sein müsste, war also wieder einmal ein trügerischer Traum. Damit sind wir wieder an dem Punkt angelangt, bei dem wir uns auf uns selbst und unsere eigenen Kräfte verlassen müssen. Dies war in der Vergangenheit eigentlich fast immer so. Der Behindertenbewegung wurde eigentlich nie etwas geschenkt. Für die Aufnahme des heute von vielen zitierten Satzes im Grundgesetz "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden", mussten wir jahrelang hart kämpfen. Für die Behindertengleichstellungsgesetze auf Bundesebene bedurfte es mühsamer Lobbyarbeit und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz wäre in Deutschland ohne EU-Richtlinie nie gekommen und wurde ständig verzögert. Und auch bei der Anrechnung des Einkommens und Vermögens haben es die Elternverbände geschafft, dass diese nur 32,08 Euro im Monat zahlen müssen, während bei behinderten Menschen das Einkommen angerechnet wird und zum Teil wesentlich höhere Beträge abgeführt werden müssen. Warum sollte dies nun anders sein? Das fragen sich nun immer mehr behinderte Menschen und wurden in den letzten Wochen und Monaten zunehmend aktiv.

Gestern gingen nun eine Reihe von behinderten Menschen bei angemeldeten oder spontanen Aktionen auf die Straße und begannen der Bundesregierung auf den Wecker zu gehen, wie es so schön hieß. In acht Städten Deutschlands von Berlin, Hamburg, Kassel, über Köln, Mainz, Trier, bis Stuttgart und München fanden Aktionen unter dem Motto "Die Zeit ist reif für ein gutes Bundesteilhabegesetz" statt. Spontane Flashmobs von den Behindertenbeauftragten des Bundes und der Länder und am Rande einer Tagung der Schwerbehindertenvertrauensleute kamen hinzu. Dies war ein Vorgeschmack auf die Aktionen zum Europäischen Protesttag für die Gleichstellung behinderter Menschen um den 5. Mai herum, wo bereits über 650 Aktionen bei der Aktion Mensch gemeldet sind, und auf die Demonstration für ein gutes Bundesteilhabegesetz am 4. Mai in Berlin.

Auch wenn behinderte Menschen und ihre Organisationen nicht so viele Menschen auf die Straße bringen kann, wie so manche andere Bewegung, weil es vielen schlichtweg nicht möglich ist, an Aktionen teilzunehmen, werden diese Aktionen nicht ungehört über die Bühne gehen. Nach dem Aufwachen sind wir also an dem Punkt angekommen, dass wir nicht nur darüber reden müssen, dass es sich bei der UN-Behindertenrechtskonvention um Menschenrechte handelt. Wir müssen nun auch zeigen, dass wir bereit sind, für unsere Menschenrechte zu kämpfen und die schönen Träume einer wohlmeinenden Gesellschaft, die ihre Werkstätten durch Angebote auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, ihre Sondereinrichtungen zugunsten von Angeboten mitten in der Gesellschaft, ihre Sonderschulen zu inklusiven Schulangeboten etc. von selbst umwandeln. Geschweige denn, dass wir von einer Gesellschaft träumen, die bereit ist, das nötige Geld in die Hand zu nehmen, um die Lebensqualität und das selbstbestimmte Leben behinderter Menschen ernsthaft zu fördern. Nein, wenn wir von Menschenrechten reden, müssen wir uns nun auch in den Menschenrechtsmodus begeben und für unsere Menschenrechte mit allen demokratisch zur Verfügung stehenden Mitteln kämpfen. So bitter es ist, der Traum ist vorbei, die Straße hat uns wieder, auch wenn der Traum für kurze Zeit schön war.

Lesermeinungen zu “Der Traum ist aus - wieder auf der Straße” (17)

Von Dr. Theben

@EinBetroffener

ich bin nicht ganz so pessimistisch, was die mediale Berichterstattung angeht. Schon beim ersten Protest am 5. Mai 1992 berichtete z.B. die Tagesschau in diesem Fall von Protesten in Nürnberg. Auch in den Folgejahren gab es, zumindest in lokalen Sendern immer wieder Berichte zum Europaweiten Protesttag. Auch als im Abgeordnetenhaus jüngst in einer Anhörung der Entwurf der neuen Bauordnung diskutiert wurde, sendete der RBB einen Beitrag zu dem Thema.

Martin Theben

Von EinBetroffener

Ich würde mich freuen, wenn viele in Berlin dabei sind. Nur muss das ganze auch anschließend öffentlich publik werden. Und da habe ich einige Bedenken. Denn ich glaube nicht das die großen Nachrichten Sendungen Tagesschau und Heute davon berichten werden. Haben sie bisher auch nicht getan. Manchmal denke ich für die ist es wichtiger wenn in China ein Sack Reis um fällt, als über die Belange behinderter Menschen zu berichten.

Von Ellen Herrmann

Es kommt mir vor, wie die Quadratur des Kreises. Da war doch vor nicht allzu langer Zeit von einem Paradigmenwechsel die Rede. Behindertenrecht sollte nicht länger Sozialrecht, sondern jetzt endlich Menschenrecht sein. Aber es scheint mir, dass neue Namen nichts ändern. Ganz im Gegenteil, ich habe den Eindruck, dass vieles schlechter wird. Anstatt endlich die Einkommensanrechnung in den verschiedenen Bereichen abzuschaffen, wird sie sogar eher verschärft, auf noch mehr Bereiche ausgeweitet. Und was das Thema Wahlen anbelangt… die sind nur alle 4 Jahre. Wie lange wollen wir eigentlich noch warten? Ich sehe keine Partei, die unsere Belange auch nur ansatzweise verstanden hat, bzw. verstehen will. Es tut mir leid, aber meine Behinderung ist nicht demokratisch. Sie macht mir keine Kompromisse. Mein E-Rollstuhl überwindet nun mal keine Stufen. Die Tatsache, dass unsere Gesellschaft – und die Politik vertritt diese Gesellschaft – es nicht schafft, behinderten Menschen ein würdiges selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, ist der Beweis für eine tiefe moralische Ablehnung uns gegenüber. Es geht nicht um Geld. Es geht einfach darum, dass diese, sich für nichtbehindert haltenden Menschen uns klein halten wollen. Sie sollten sich schämen! Menschlichkeit und Respekt sind verloren. Dabei meine ich nicht alle Nichtbehinderten, aber sehr wohl die, die uns unsere Rechte verweigern. Vom Bundespolitiker bis zum Sachbearbeiter der unseren berechtigten Antrag auf Teilhabe ablehnt.

Von Gisela Maubach

Lieber Herr Buschmann,

auch von mir herzlichen Dank für Ihre Darstellung!

Mir geht es ähnlich wie "nurhessen":
Ich war gestern in der Notaufnahme des Krankenhauses, weil starke Rückenschmerzen so unerträglich wurden, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte. Um überhaupt ins Krankenhaus zu können, musste ich erstmal jemanden finden, der/die meinem Sohn vertraut ist und auch die Zeit hat und bereit ist, unmittelbar die notwendige Versorgung zu leisten. Glück im Unglück war, dass eine unserer Damen, die manchmal im Rahmen der Verhinderungspflege (od. zusätzl. Betreuungsleistungen) einspringt, sofort kommen konnte, weil es sich um einen Samstag handelte und sie somit einen "freien" Tag hatte (den wir Eltern übrigens nie haben).

Im Krankenhaus erhielt ich mehr als eine Stunde eine Novalgin-Infusion.
Im Arztbrief steht u.a. "Schonung". Meine Erklärung, dass ich meinen 29-jährigen Sohn betreue und pflege, der 10 kg schwerer ist als ich selbst, wurde ärztlicherseits so kommentiert, dass das ja dann wohl auch die Ursache meiner Probleme sein dürfte.

Seit längerer Zeit fordere ich bedarfsdeckende Leistungen für meinen Sohn, aber 3 1/2 Stunden WfbM pro Werktag ist alles, was ich als Unterstützung bekomme - und in dieser Zeit soll ich auch noch meinen Lebensunterhalt verdienen.

Meine eigenen Hilferufe an die Sozialhilfeträger wurden im vergangenen Jahr ignoriert, so dass im Januar (!) dieses Jahres mit Hilfe von ForseA ein förmlicher Antrag auf trägerübergreifendes persönliches Budget gestellt wurde. Und bisher ist noch nicht mal eine Budgetkonferenz terminiert.

Was wäre passiert, wenn ich gestern nicht - mit vier unterschiedlichen Schmerzmitteln für die kommenden Tage versorgt - nach Hause gegangen wäre und stationär im Krankenhaus hätte bleiben müssen?

Im Arztbrief steht außerdem: "Bei Beschwerdepersistenz ggf. MRT der LWS."

Aber was dann - wenn man endgültig am Ende ist . . . und der Sozialhilfeträger bis dahin immer noch auf Zeit spielt?

Von nurhessen

Sehr geehrter Herr Buschmann,
danke für Ihre Worte an die Eltern behinderter Kinder. Sie/wir können es gebrauchen; richtig an die Substanz ging es mir in den letzten Wochen, als ich mit Verdacht einer bösartigen Erkrankung im Krankenhaus lag; WER – um Himmels willen – hätte sich um die Kinder gekümmert? Ist an alles gedacht? Genügend vorgesorgt? Dieses Gedankenkarussell brachte mich beinahe um. Zum Glück war NICHTS bösartig! Die Dankbarkeit darüber kann ich gar nicht beschreiben!-

Von Heinrich Buschmann

Liebe Eltern - ihr habt völlig Recht!

Ottmars Argumentation zielte darauf ab, aufzuzeigen mit viel verschiedenen Maßstäbe ein und das gleiche Grundgesetz / Menschenrecht vom Staat gebrochen wird!

Je nach Lebenslage und Lebenssituation wird der Nachteil einer Behinderung anders bewertet - oder besser: bestraft!

Gerade Eltern von Kindern mit einer Behinderung tragen die Hauptbelastung - o h n e Ausgleich!

Frau Lonsdorfer und Frau Maubach hat es treffend beschrieben!

Nicht nur das man sein komplettes Leben - seine Lebensziele, seine familiären Wünsche neu ausrichten muss, das die Geschwisterkinder extremst benachteiligt werden - Nein - die Eltern müssen dafür auch noch bezahlen!!

Egal ob monitär oder mit Lebenszeit!!

Keiner - absolut keiner wünscht sich ein behindertes Kind! Ich ziehe meinen Hut und zolle jeder Familie meinen höchsten Respekt.

Gestern sagte Herr Hoffman vom DGB, das es an einen Skandal grenzt, dass es beschämend ist wie die Bundesregierung mit geltendem Recht zumal Menschenrecht, umgeht.

Liebe Eltern - kommt mit uns nach Berlin!
Werdet mit uns laut, weil man uns die Rechte klaut!

Ich lade Euch ein! Wendet Euch an den
reisedienst@vba-muenchen.de

Die IDM-Stiftung übernimmt einen Großteil der Kosten. Meldet euch an - lasst uns gemeinsam für ein gutes Bundesteilhabegesetz protestieren.

Wir tragen keine Schuld und werden dennoch bestraft!
Dafür ein klares Nein am 4. Mai in Berlin.
Die IDM-STIFTUNG hilft!

Liebe Grüße
Heinrich Buschmann
IDM-STIFTUNG

Von ockis

ZITAT:
…“Und auch bei der Anrechnung des Einkommens und Vermögens haben es die Elternverbände geschafft, dass diese nur 32,08 Euro im Monat zahlen müssen, während bei behinderten Menschen das Einkommen angerechnet wird und zum Teil wesentlich höhere Beträge abgeführt werden müssen.“…..
ZITATENDE
--------------------------------------------------------------------------------

Das hört sich so an, als wenn Eltern von schwerstbehinderten Kindern sich glücklich schätzen könnten, dass ihr Kind zu behindert ist, um ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften und die Eltern dieser schwerstbehinderten Menschen mit dem MINI-Unterhaltsbeitrag von 32,08 Euro davon kommen würden.

Aber so einfach ist es nicht…und so „billig“ kommen wir Eltern auch nicht davon.

Mal abgesehen davon, was wir als Eltern monatlich noch an Kosten für unsere schwerstbehinderten Kinder (welche oft noch ohne Mietkostenbeteiligung im Haushalt der Eltern leben) abdecken müssen…..
….scheint es mir, das viele Menschen, Ämter, Sachbearbeiter usw der Meinung sind, das alles was wir als Eltern für unsere schwerstbehinderten Kinder lebenslang an Betreuung und Pflege
(Behandlungspflege wird übrigens noch nicht einmal als Pflegezeiten angerechnet)
leisten, unter sogenannte „Beistandspflichten“ fällt?!

Wer sich in dieser Materie auskennt, sollte wissen, welcher zeitaufwendigen Lebensaufgabe sich diese Eltern stellen und das es dadurch zu Einkommenseinbußen kommt, da an ein normales Erwerbsleben nicht zu denken ist.


Wir würden alles dafür geben wenn unsere schwerstbehinderte Tochter für sich selber sprechen und selber ihre Rechte einfordern könnte und sie nicht so hilflos irgendwann auf irgendwelche Menschen angewiesen ist die sich nicht dafür interessieren ob sie menschenwürdig lebt!

Von nurhessen

„Bei Heimunterbringung eines behinderten Kindes (gilt seit 2010)!“
Die Eltern eines geistig oder körperbehinderten volljährigen Kindes müssen sich seit Januar 2010 mit monatlich € 54,96 (vorher € 48,99) an den Heimkosten des Kindes beteiligen, unabhängig von ihrer Einkommens- und Vermögenssituation (§ 94 Abs. 2 SGB XII).
„Kostenbeiträge der Eltern bei ambulanten Maßnahmen der Eingliederungshilfe (z. B: Betreutes Wohnen, Assistenz)“
Die Eltern eines geistig oder körperbehinderten volljährigen Kindes müssen sich seit Januar 2010 mit monatlich € 31,06 (vorher € 27,69) an den Kosten der Eingliederungshilfe beteiligen, unabhängig von ihrer Einkommens- und Vermögenssituation.
___________________________

Wo bitte schön ist hier der Einsatz der BTHG-Arbeitsgruppe zu erkennen, wenn diese Beiträge der Eltern behinderter Kinder schon zuvor so geregelt waren?? Quelle öffentlich, u.a. RA Jürgen Greß

Von nurhessen

@ Rosa; bitte verraten Sie mir – unter vier Augen – WEN Sie denn 2017 wählen wollen?? Und ob der- oder diejenige Partei dann auch Ihre, resp. meine Interessen NACH DER WAHL auch nur ansatzweise umsetzt?- Personen, die man wählen könnte, gibt es einige, aber von PARTEIEN weiß ich keine!

Von Rosa

Träume? Welche Träume?

Ich träume nicht, da ich ob meiner Sorgen nachts kaum schlafen kann!

"...mit allen zur Verfügung stehenden demokratischen Mitteln kämpfen ..."

2017 ist Wahljahr!

Eine bessere Gelegenheit wird es die nächsten 4 Jahre nicht geben!

Vielleicht können wir uns ja stillschweigend für eine der Parteien, deren Akteure sich in diesem Forum bereits zu Wort gemeldet haben, entscheiden? So schwer kann das ja nicht sein.

Nach der Wahl ist vor der Wahl!


Von nurhessen

Auf einen kurzen Nenner gebracht: Was sagen Sie zu Behinderten? – Behindert?? Wer ist denn schon behindert??

Von K.Lonsdorfer

Die Menschenrechte der Behinderte werden mit Füßen getreten , aber was haben wir erwartet , dieser Traum war schön , aber vielleicht wollte die Politik wie immer nur das wir träumen. Wir müssen weiterhin für alles kämpfen undbdasbobwohl wir eigentlich schon genug mit der Erkrankung zu tun haben . Die Pflege für meinen Sohn , nimmt soviel Zeit in Anspruch , das alles darunter leidet , aber das interriesiert ja keinen.Das heißt ich betreue meinem behinderten Sohn und bekomme noch mehr Steine in den Weg gelegt , und soll dann noch Danke sagen , bin enttäuscht

Von mheidelberg

Was für ein poetischer Scheiß! Ich habe (auch) NIE geträumt!

Die Meinungsmacher in der Behindertenbewegung haben Hoffnungen geschürt, die NIE realistisch waren, z. B. dass Menschen mit Behinderung, die Hilfe zur Pflege bekommen, vom BThG auch profitieren (Stichwort: Abschaffung der Einkommens- und Vermögensgrenzen).

"Kämpfen für ein gutes BThG" - ich kann es nicht mehr hören!
Jede/r versteht etwas anderes unter "gut".
Es müssten schnellstens (Minimall-)Kriterien genannt werden, an denen ein Referentenentwurf gemessen werden muss!

Stichwort: Beteiligungsprozess
War es eine Beteiligung oder war es nicht mehr nur eine Anhörung/Positionierung der Beteiligten?

Seit der Einführung des Benachteiligungsverbots in Art. 3 GG läuft es doch immer gleich ab: Die Behindertenbewegung bekommt rein formal, was sie fordert, aber die inhaltliche Wirkung ist höchstens minimal.

Aufwachen bitte!

Neu beim BThG ist, dass wir jetzt am Ende vielleicht sogar das Gesetz verhindern müssen, was anfangs gefordert wurde.

Übrigens: Mir erschließt sich nicht, was das Aufwärmen der Vorurteile gegenüber Verena Bentele in diesem Text verloren haben. Verena Bentele hat von Beginn an ihre Sache sehr gut gemacht!

Von Brigitte Betzel Haarnagel

Schade dass aus diesem Traum ein Alptraum zu werden scheint . Es wäre sicher sinnvoller dass selber Betroffene über die Belange behinderter Menschen abstimmen und entscheiden dürfen und nicht die Menschen, die nicht in der eigenen Familie, am eigenen Leben schmerzhaft spüren müssen, was bedeutet mit einer Behinderung oder Krankheit leben zu müssen.
Recht zu haben bedeutet leider nach wie vor, nicht dieses Recht auch zugestanden zu bekommen.
Es wird Zeit, dass es endlich diese Gleichstellung endlich gibt.

Von Lesebrille

Seit wann ist der Traum aus, Ottmar? Der hat doch niemals begonnen! Oder haben da ein paar von uns Deliris gehabt?

Die Allgemeinen Menschenrechte haben seit 1948 primär für Menschen ohne Behinderung gegolten. Seit sieben Jahren gelten sie - theoretisch - auch für uns. Wie gesagt, theoretisch...! Stell Dir vor, es gäbe sie auch praktisch? Dann müsste doch unsere Bundesregierung tatsächlich ihren Worten Taten folgen lassen. Das geht doch nicht, das schaffte sie doch fast nie!

Und wo die EU, mit freundlicher Unterstützung der BRD, gerade faktisch das Asylrecht gekillt hat und damit abertausende von Menschen der Willkür von Unrechtsstaaten aussetzt, soll eine deutsche Regierung keine Hemmungen haben, auch unsere Rechte nicht umzusetzen? Echt jetzt?

Vielleicht schaffen wir es ja, so zahlreich in Berlin auf die Strasse zu gehen, dass wir Gehör finden. Aber dafür müssen mehr als 200 Aktive zu sehen sein!

Auf nach Berlin!!!! Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Rechte klaut!!

Von Helmut Rebmann

Soll es wirklich nur ein Traum gewesen sein oder war es doch der Wille, unsere Menschenrechte durchzusetzen? Und: Warum ist es Aufgabe der Kobinet-Nachrichten, bad news der Regierung unter das Volk zu bringen? Und was haben behinderte Menschen die ganze Zeit anderes getan als kämpfen? Wenn jetzt bei einigen Akteuren die Luft raus ist, müssen wir uns nicht wundern, aber das kann es nicht gewesen sein.

Von Gisela Maubach

"Und auch bei der Anrechnung des Einkommens und Vermögens haben es die Elternverbände geschafft, dass diese nur 32,08 Euro im Monat zahlen müssen, während bei behinderten Menschen das Einkommen angerechnet wird und zum Teil wesentlich höhere Beträge abgeführt werden müssen."

Zitat-Ende

Da haben wir Eltern ja richtig Glück gehabt, dass wir neben dem zwangsläufigen Verzicht auf eine eigene Karriere (weil die Pflege und Betreuung des behinderten Kindes einen Vollzeit-Job unmöglich machen) und einer gänzlich fehlenden eigenen Lebensqualität (zumindest bei sehr schwerer Behinderung des Kindes), nicht auch noch den Lohn unseres Teilzeit-Einkommens hergeben müssen . . .

Lesermeinung schreiben?

Beim erstmaligen Schreiben Ihrer Lesermeinung werden Sie zur Registrierung geleitet. Dabei erkennen Sie die Nutzungsbedingungen und die Netiquette an.Sie erhalten eine Bestätigungs-E-Mail. Bitte schauen Sie auch in Ihren Spamordner. Bestätigen Sie den Empfang durch Klicken auf den angezeigten Link. Sie erhalten ein Fenster und ergänzen Ihren Anzeigenamen und Ihren persönlichen Namen zur E-Mailadresse. Die Lesermeinung ist auf 2000 Zeichen begrenzt und Sie können bis 14 Tage nach Veröffentlichung der Nachricht schreiben.