Warum Matthias Grombach in Berlin war

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Matthias Grombach am 4. Mai 2016 in Berlin
Matthias Grombach am 4. Mai 2016 in Berlin
Bild: kobinet/sch

Berlin (kobinet) Matthias Grombach gehört zu den etwa 300 000 behinderten Menschen, die in Deutschland mit Assistenz leben. In Berlin demonstrierte der Mann aus Dessau-Roßlau gestern für ein gutes Teilhabegesetz, weil es für ihn eine Horrorvorstellung wäre, "wieder im Heim/Knast eingesperrt zu sein". Seit einem Badeunfall ist er querschnittsgelähmt. Seinen langwierigen Kampf für die persönliche Assistenz hat kobinet begleitet. Heute ist Grombach (Jahrgang 1976) im Netzwerk für Inklusion, Teilhabe, Selbstbestimmung und Assistenz aktiv, das im Sommer 2014 gegründet wurde.

Nachdem ihn seine Eltern aufopferungsvoll 13 1/2 Jahre versorgt hatten, musste er notgedrungen mit Anfang 30, als junger Mensch, 4 Jahre in einem Altenheim verbringen. Seine Teilhabe am Leben in der Gesellschaft war dadurch so gut wie gar nicht möglich. Nennenswerte Kontakte außerhalb der Einrichtung gab es kaum. Eine Partnerschaft, ein Privatleben und eine ungestörte Intimsphäre waren unmöglich.

Erst vor Gericht konnte Grombach durchsetzen, dass ihm ein Leben in den eigenen vier Wänden mit Assistenz rund um die Uhr ermöglicht wurde. Aber aufgrund der Einkommens- und Vermögensabhängigkeit der Leistungen der Hilfe zur Pflege und Eingliederungshilfe (SGB XII), auf die er behinderungsbedingt angewiesen ist, kann er seine Freundin nicht heiraten. Selbst einmal mit ihr zusammen einen eigenen Haushalt führen, ist nicht möglich. Zusammen dürften sie nicht mehr als 3.200 Euro „Vermögen" ansparen. Das macht die Gründung einer Familie und eine Altersvorsorge unmöglich.

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