WIR TRAUERN

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Kreuz der Traueranzeige
Kreuz der Traueranzeige
Bild: NETZWERK ARTIKEL 3

Berlin (kobinet) Am Tag nach der Abstimmung des Deutschen Bundestages für ein reformiertes Bundesbehindertengleichstellungsgesetz ohne die Verpflichtung privater Anbieter von Dienstleistungen und Produkten zur Barrierefreiheit hat das NETZWERK ARTIKEL 3 eine Traueranzeige zu dieser vertanen Chance der Abgeordneten der CDU/CSU und SPD Bundestagsfraktion veröffentlicht. Das Netzwerk regt an, dass weitere Verbände, Zeitungen, Online-Angebote, Twitter- und Facebookangebote die Anzeige ruhig auch in eigenem Namen veröffentlichen.

"Trotz vielfältiger Gespräch, Appelle und konkreter Formulierungsvorschläge für die Gesetzesreform, trotz Pfeifaktionen vor den Parteizentralen der CDU und SPD, trotz einer 22stündigen Ankettaktion von Menschen mit ganz unterschiedlichen Behinderungen, haben die Abgeordneten der CDU/CSU und SPD wider besseren Wissens so abgestimmt. Und das trotz konkreter und machbare Alternativen und namentlicher Abstimmung. Das hat uns zu einer Traueranzeige veranlasst, die hoffentlich von vielen Verbänden und Internetangeboten aufgenommen und verbreitet werden", erklärte Dr. Sigrid Arnade vom NETZWERK ARTIKEL 3 heute in Berlin. 

In der Traueranzeige heißt es:

"WIR TRAUERN um die vertane Chance, einer barrierefreien Gesellschaft näher zu kommen.
Bundestagsabgeordnete der CDU/CSU und SPD stimmten am 12. Mai 2016 gegen Regelungen für barrierefreie Geschäfte, Kinos, Gaststätten, Arztpraxen, Online-Angebote oder Veranstaltungen.
CDU/CSU und SPD schützen die Diskriminierer statt die Diskriminierten.
Ruhe der Traum von einem barrierefreien Leben in Frieden und der Glaube, dass Barrierefreiheit politisch gewollt sei.
Viele Millionen behinderte und ältere Menschen begleiten in Gedanken die vertane Chance und den Traum auf ihrem letzten Weg.
Von Beileidsbekundungen bitten wir abzusehen. Willkommen sind Aktionen zur Barrierefreiheit und Projekte zur Menschenrechtsbildung für Politiker*innen."

Link zur Traueranzeige

Lesermeinungen zu “WIR TRAUERN” (8)

Von nurhessen

@(die) Lesebrille
Ist OK und verziehen. Nachtragend bin ich nicht. Und manchmall - muss ich gestehen- schreibe ich wohl auch missverstänlich. Deutsch eben schwere Sprach! Grüße

Von Lesebrille

Sehr geehrteR Frau/Herr nurhessen,
ob Sie es glauben oder nicht: ich habe Ihren Beitrag missverstanden. Ich schaue nicht unbedingt, wer schreibt (und merke es mir auch nicht), sondern was geschrieben steht.

So las ich hier: "Zählen diese Argumente, wenn Sie Ihren 28- jährigen Sohn, der sich durch Suizid das Leben nahm, zu Grabe tragen müssen?" Aus diesem Satz ist nicht ersichtlich, wessen Geschichte Sie hier meinten. Es tut mir ernsthaftig leid, ich dachte tatsächlich, Sie erinnern Ihr Gegenüber an deren/dessen Leid, von dem Sie Kenntnis haben!

Vielleicht verstehen Sie nun meinen Gedankengang. Bitte verzeihen Sie.
Mit freundlichen Grüssen,
(die) Lesebrille

Von nurhessen

@ „Lesebrille“
Mir ist klar, dass ich mich in diesem Forum zu sehr geoutet habe, indem ich den Suizid meines Sohnes erwähnte. Anscheinend passt so etwas nicht in das heile Weltbild einiger „Behinderter“, als deren Fürsprecher sich eine „Lesebrille“ genötigt sieht.
Das Zitat der/des erwähnten „Behinderten“ mit Pseudonym „Lesebrille“ lautet:

„… aber einen Menschen direkt zu triggern, nur um die eigene Argumentation zu unterfüttern, halte ich für ziemlich daneben.“

Bei dieser „unterfütterten Argumentation“, die "ziemlich daneben" ist, handelt es sich um jenes Ereignis, eben den Tod durch Suizid meines Sohnes. Dieses Zitat mit der bösartigen Unterstellung einer „unterfütterten Argumentation“ hat mich wirklich und wahrhaftig um meine innere Stabilität zittern lassen, die ich mir neben zwei behinderten Töchtern nicht gerade einfach erkämpfen muss. Um es deutlich zu formulieren: Ich lasse mir von Ihnen, liebe/r „Lesebrille“ – wie schon häufiger geschehen- diese Ungeheuerlichkeiten nicht mehr gefallen. Eine Diskussion mit Ihnen ist verlorene Liebesmüh‘. Aber getroffen, getroffen haben Sie mich schon. Danke!

Von nurhessen

Sehr geehrte Frau, sehr geehrter Herr Walloschek,

fühlen Sie sich durch mich „persönlich getriggert“, wenn ja, bitte ich dies zu entschuldigen! Ich weiß jetzt so ziemlich genau, wie es ist, wenn man „persönlich getriggert“ und in seinem Schicksal lächerlich gemacht wird. Es gibt Studien aus einem Land, in dem die Frequenz von Schulversagen, Morden, Suiziden usw. wegen Verunglimpfung und Beleidigung in den „some“= Soziale Medien zusammengetragen wurden. Und es kommt ziemlich viel Erschreckendes dabei zutage. Ich fühle mich denjenigen nicht verbunden, die andere lächerlich machen, ihre Argumente „im Mund verdrehen“. Mit Sätzen „Und ja, ich weiss wie es ist, …“, behindert zu sein. In meinem Bekannten- und Verwandtenkreis gibt es auch welche, die behindert sind…

Herzliche Grüße von Christ zu Christ

Von Lesebrille

@nurhessen: Dass Sie nicht begeistert sind von der Form des Protestes, ist, glaube ich, verstanden worden. Nun bin ich nicht Frau oder Herr Walloschek, aber einen Menschen direkt zu triggern, nur um die eigene Argumentation zu unterfüttern, halte ich für ziemlich daneben.

Diese Form des Protestes ist übrigens weder neu, noch eine Erfindung von behinderten Menschen, und sie ist hoffentlich medienwirksam.

Es bleibt Ihnen dennoch unbenommen, andere Protestformen vorzuschlagen (etwas Konstruktives vermisse ich) und Eigenes auf die Beine zu stellen!

Und ja, ich weiss wie es ist, Verwandte wie Freunde auf dem letzten Weg zu begleiten und schwer zu vermissen... .

Von nurhessen

@Walloschek
Mal persönlich gefragt: Zählen diese Argumente, wenn Sie Ihren 28- jährigen Sohn, der sich durch Suizid das Leben nahm, zu Grabe tragen müssen? Er war nicht behindert. Aber das spielt keine Rolle. Menschen können sterben, Gesetze sind verwerflich, perfide und unmenschlich. Aber Gesetze sterben nicht.

Von Walloschek

Erst habe ich (als Christ) auch überlegt, wie ich reagieren würde wenn eine Politische Aussage so veröffentlicht werden würde. Nach etwas Überlegung würde ich es jedoch so begründen:
1. steht im CDU und CSU auch christlich drin und ich fühle mich als Christ nicht angesprochen sondern sehe sogar viele Entscheidungen als unchristlich an;
2. stand Jesus für Nächstenliebe und wenn Autoprämien und Bankenrettung wichtiger sind als Menschen, ist wohl nix mehr hinzu zu fügen.
3. sterben tägl. Menschen mit Behinderung, die vergeblich auf die Reform des Gesetzes gewartet haben (gerade erst vor wenigen Wochen in Thüringen eine Aktivistin)

Von nurhessen

Es tut mir sehr leid, aber die Traueranzeige mit Kreuz und einem Text, wie er bei „echten“ Traueranzeigen für Verstorbene üblich ist, ist mir persönlich zu viel des Guten. Manch ein Mensch, der um verstorbene Angehörige trauert, wird etwas irritiert. Es ist mir etwas zu dick aufgetragen. Trauer, echte Trauer sollte man nur Mitmenschen zollen und ist nur Menschen vorbehalten. Wut und Trauer sind unterschiedliche Gefühle und haben beide unterschiedliche Ausdrucksformen. Bitte nicht vermischen. Meine Meinung.

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