Gleiche Entschädigung für behinderte Heimkinder

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

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Bild: BSK

Krautheim (kobinet) Bei der Ministerpräsidentenkonferenz am 16. Juni werden Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder unter anderem darüber sprechen, wie eine Entschädigung von ehemaligen Heimkindern mit körperlicher und geistig/seelischer Behinderung aussehen kann. Der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) fordert, dass es eine gleichberechtigte Entschädigung für Heimkinder mit Behinderungen mit Heimkindern ohne Behinderung geben muss.

Worum geht es: Ehemalige Heimkinder in Ost und West erfuhren in Heimen Unrecht und Leid. Im Rahmen des Fonds "Heimerziehung“ wurden Kriterien festgelegt unter welchen Voraussetzungen und in welcher Höhe ehemalige Heimkinder eine Entschädigung bzw. Rentenersatzleistungen erhalten können. Ausgeschlossen hiervon waren Betroffene aus Einrichtungen der Behindertenhilfe und Psychiatrien. Nun soll über die Stiftung "Anerkennung und Hilfe" diesen Betroffenen die Möglichkeiten für Schadensersatz für erlittenes Unrecht eingeräumt werden, heißt es in der Presseinformation des BSK. Schon in seinem Schreiben Anfang des Jahres an die Ministerpräsidenten forderte der BSK, dass die Betroffenen eine Entschädigung analog des Fonds Heimerziehung erhalten.

"Im Vorfeld des jetzigen Treffens haben wir die Ministerpräsidenten nochmals angeschrieben und darin gefordert, dass die Betroffenen eine Entschädigung analog dem Fonds Heimerziehung erhalten und eine ausreichend lange Frist für die Anmeldung ihrer Ansprüche eingeräumt wird. Zur Diskussion stehen gerade einmal pauschal 7.000 Euro Entschädigung und 3000 bzw. 5000 Euro Rentenersatzleistung, je nach Dauer der geleisteten Arbeit. Zum Vergleich: ehemalige Heimkinder die aus dem Fonds Heimerziehung entschädigt werden bekommen 10.000 pauschale Entschädigung und pro geleisteten Monat Arbeit 300 Euro Rentenersatzleistung. Dies ist eine hochgradige Ungleichbehandlung", heißt es vonseiten des BSK.

Der BSK fordert hingegen in seinem Brief an die Ministerpräsidenten eine Gleichstellung analog dem Fonds Heimerziehung. "Es ist schlimm genug, dass beim Fonds Heimerziehung die ehemaligen Heimkinder mit körperlichen und seelischen Behinderungen nicht berücksichtigt worden sind. Jetzt sollen sie zwar eine Entschädigung bekommen, die aber nicht annähernd so hoch wie bei anderen Heimkindern ist. Diese Ungleichbehandlung ist nicht gerechtfertigt", sagt Maik Nothnagel vom BSK.

Lesermeinungen zu “Gleiche Entschädigung für behinderte Heimkinder” (2)

Von Gisela Maubach

Und noch widerwärtiger ist, dass in Deutschland derartige Zustände möglich sein können, wie sie hier zu sehen sind:

https://www.youtube.com/watch?v=k0VLlaCjFVU&feature=youtu.be

Wenn man dies bis zum Ende angeschaut hat, ist man nicht nur schockiert, sondern man stellt sich auch die Frage, welcher (Selbsthilfe-)Verband die Interessen dieser Menschen mit Behinderung vertritt?

Von Heidi Dettinger

Unbedingt richtig ist, dass Ehemalige aus Behinderteneinrichtungen und Psychiatrien mindest gleichwertige Leistungen bekommen müssen, wie diejenigen, die in anderen Heimen waren.

Nicht richtig ist es, diese Gelder als "Entschädigung" zu betiteln! Entschädigungen - um das nochmal zu betonen - sind Leistungen, die einem Geschädigten rechtlich zustehen, in ihrer Höhe angemessen, um den erlittenen Schaden auszugleichen. D.h. die Betroffenen haben einen ANSPRUCH auf diese Gelder.

Die Gelder von den Fonds (Ost und West) hingegen sind FREIWILLIGE Leistungen, auf die KEIN Rechtsanspruch besteht. Und das genau ist überhaupt die Voraussetzung der jetzigen Diskussion: Da niemand einen Rechtsanspruch hat, können die Geber ihre Almosen sehr wohl mit der Gieskanne verteilen... ein bisschen hier, ein Tröpfchen dort!

Aus eben diesem Grund kann man sich zwar moralisch empören, aber man kann keinen Anspruch einklagen. Das Ganze ist nicht nur schlimm, amoralisch und höchst ungerecht - es ist widerwärtig!

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