Schulinklusion in Frankfurt mangelhaft

Veröffentlicht am von Harald Reutershahn

Fachabend Inklusion Frankfurt
Fachabend Inklusion Frankfurt
Bild: NIF

Frankfurt a.M. (kobinet) Wie steht es tatsächlich um die Inklusion in Frankfurts Schulen? Was empfinden betroffene Eltern? Wo kann man voneinander lernen oder sich gegenseitig unterstützen? Ist alles nur Jammern auf hohem Niveau, wie das Hessische Kultusministerium (HKM) unterstellt? Diesen und anderen Fragen gingen am 4. Oktober das Netzwerk Inklusion Frankfurt (NIF) gemeinsam mit dem Stadtelternbeirat der Stadt Frankfurt (StEB) und dem Gesamtpersonalrat Lehrerinnen und Lehrer (GPRLL) nach. Mit 60 - 80 Personen hatte man gerechnet, 175 Anmeldungen waren es am Ende geworden, was einen Umzug der Veranstaltung in das Schultheater der Ernst-Reuter Schule notwendig machte.

"Es war Zeit für einen Austausch und einen Fachabend Inklusion. Spätestens nach den zähen Verhandlungen mit HKM und dem Staatlichen Schulamt der Stadt Frankfurt (SSA) um die Stundenversorgung für Frankfurts Schüler_innen im Mai/Juni dieses Jahres war klar, dass endlich die Basis befragt werden musste", berichtete Alexandra Cremer, Sprecherin des Netzwerks Inklusion Frankfurt. "Frankfurts Schülerzahlen wachsen, es fehlt überall an Lehrkräften, die bereit sind in Frankfurt zu arbeiten. Das Staatliche Schulamt ist seit Jahren ohne nennenswerte Amtsleitung, wichtige Entscheidungen liegen auf Halde".

Bemängelt wird der Sanierungsstau in Frankfurts Schulen, fehlende Differenzierungsräume, Förderlehrkräfte, die zwischen verschiedenen Schulen unterwegs seien wie Handelsreisende Die Eltern, die angeblich Wahlfreiheit zwischen Förder- und Regelschule haben, seien verunsichert. Dabei handele es sich nicht wirklich um Wahlfreiheit, sondern eher um eine Lebensentscheidung der Eltern. "Einer geregelten Arbeit können Eltern von Kindern mit Förderbedarf jedenfalls nicht nachgehen, wenn sie sich für die Inklusion entscheiden. Zumindest ein Elternteil nicht.“, so Alexandra Cremer. Der Abend machte deutlich: Alle Beteiligten brauchen einen langen Atem: Schulleiter_innen, Lehrkräften, Eltern und die Kinder.

In den Vorträgen wurde die mangelnde Kooperation zwischen den Ämtern deutlich, gepaart mit dem Gefühl, dass Inklusion politisch nicht ausreichend gewollt ist. In der abschließenden Diskussion trat die Komplexität der Herausforderung und die unterschiedlichen Interessen der Beteiligten zutage. "Die Gremien müssen noch enger zusammenarbeiten, um gemeinsam etwas zu erreichen“, so Alix Puhl, Vorsitzende des StEB. Während die Lehrkräfte mehr und mehr an ihre Belastungsgrenze geraten, sind betroffene Eltern besorgt um die vielen Wege zwischen Ämtern, notwendiger Etikettierung ihrer Kinder mit Förderbedarfen, der Suche nach Beförderungsoptionen ihrer Kinder zur Schule und nach einer Integrationsassistenz. Die Gespräche werden fortgesetzt und ein gemeinsames Papier verabschiedet.

Mehr Informationen unter www.netzwerk-inklusion-frankfurt.de

Fachabend Inklusion in Frankfurt: Cremer, Puhl, Guttmann

Fachabend Inklusion in Frankfurt: Cremer, Puhl, Guttmann

Lesermeinungen zu “Schulinklusion in Frankfurt mangelhaft” (10)

Von Signe

Korrektur:
letzte Zeile, erster Absatz: "... und offensichtlich auf gewertet."

Es muss heißen: ab-gewertet.

Wie können die Schulen schwerstmehrfachbehinderter Kinder und Jugendlicher als 'sonstige Schulen' bezeichnet werden?

Synonyme zum Wort 'sonstig' im Duden: "
"... Synonyme zu sonstigℹ

andere, anderweitig, [nach]folgend…, nächste, übrig, vorausgehend…, weitere, zusätzlich abweichend, anders[artig], andersgeartet, davon verschieden, dazu unterschiedlich ...",
siehe http://www.duden.de/rechtschreibung/sonstig

Sonstig ist nicht gleichrangig und gleichwertig.

Von Signe

links zu den betreffenden Einträgen auf der Homepage der Stadt Gaggenau:

Eintrag in 'sonstige Schulen', siehe
http://www.gaggenau.de/sonstige-schulen.115.htm

Wahlergebnisse aller zuletzt zurückliegenden Wahlen:
http://www.gaggenau.de/wahlen.4265.htm

Von Signe

Auf der Homepage (und, ich will es nicht hoffen: in realiter) der Stadt Gaggenau (Südschwarzwald, im Badischen) werden Behindertenschulen (in der detallierten Auflistung nach Schularten) in der Rubrik 'sonstige Schulen' aufgeführt.
Demnach werden in Gaggenau Schüler/innen von Behindertenschulen als sonstige Menschen betrachtet und offensichtlich auf gewertet.
Die Verbannung der behinderten Schüler/innen auf der Homepage von Gaggenau - hierüber mache sich jeder selber seine Gedanken.
Gaggenau ist übrigens, was die Wahlergebnisse der letzten Wahlen (Ortsräte bis hin zu den Europa-Wahlen) fest in 'christlicher' und sozial-antidemokratischer Hand (mir lag es nahe, für das Wort 'Hand' das Wort 'Würgegriff' zu verwenden).
Nein, wenn in Gaggenau behinderte Schüler/innen öffentlich (die Homepage von Gaggenau ist öffentlich) verschwiegen werden, dann mache ich in dieser Stadt niemals Urlaub. Ich will auch Schwerstmehrfachbehinderte im Straßenbild sehen und agieren sehen.

Von Alexander Drewes

Der Dr. iur. ist zu viel der Ehre. Ich hab' das zwar zwei Mal im Ansatz versucht (die WiMi-Anstellungen wären jedoch beide so schlecht bezahlt gewesen, das konnte ich mir schlichtweg nicht leisten), aber bislang noch keine/n Gönner/in gefunden, die mir die zwei Jahre für die Promotion finanzieren würde. Nein, ich habe zwar fünf akademische Titel, ein Doktortitel ist allerdings - noch - nicht darunter. :-)

Von Signe

Zitat Dr. iur. A. Drewes:
"Geistige Euthanasie ..."
Diese Idee findet sich auch heimisch bei den Krankenkassen. Die Sanitätshäuser machen hieraus ein Geschäft, indem von diesen solche grottenschlechten orth. Hilfsmittel an die Hilfsmittelnutzer/innen abgegeben werden, dass ... (im Verbund mit den KKn ...)-
Aber die Kundschaft (Hilfsmittelnutzer/innen) wie Sau abziehen! Genau solches verbrecherische, euthansistische Gedankengut wabert in den Kommunen, in den Bundesbehörden, bei den dortigen Naseweisen 'rum, feiert dort fröhliche Urständ'.

Von Alexander Drewes

(4) ... Oder die Politik wird endlich ehrlich und gibt zu, dass es - finanziell und folglich inklusiv betrachtet (Inklusion kostet nun einmal in aller Regel Geld, und - überhaupt nicht in Abrede zu stellen - nicht zu knapp) - in Deutschland bereits jetzt eine Zwei-Klassen-Gesellschaft der Haben-Dürfenden Nicht-Beeinträchtigten, der demnächst ein wenig Haben-Dürfenden Beeinträchtigten, die berufstätig sind und der überhaupt Nichts-Haben-Dürfenden und deren Angehörigen, die nicht berufstätig sind, gibt und dass die Regierung sich völlig außerstande sieht, den Höchststeuersatz im Einkommensteuerrecht um zwei bis drei Prozentpunkte anzuheben oder die Verbrauchssteuern um einen Prozentpunkt aufwärts zu schrauben, weil: Zum einen träfe das ja die "Leistungsträger" dieser Gesellschaft, zum anderen: Wo kämen wir denn da hin, wenn sich Solidarität jetzt auch noch im Geldbeutel bemerkbar machen würde und die Gesamtbevölkerung tatsächlich auch finanziel dem Grundsatz huldigen müsste, dass "niemand ... wegen seiner Behinderung benachteiligt werden" darf. Aber, dann müsste man ja einmal politisch Tacheles reden, und, sind wir ehrlich - vor allem, wenn man mit Politikern unmittelbar diskutiert - wer will das denn schon? Wir? Na gut, aber für die paar hunderttausend Menschen im Eingliederungshilfebezug lohnt sich doch eine ernsthafte Diskussion, die unterhalb von Bäumen, auf denen die Betroffenen ja vor lauter Angst sitzen, seitdem sie in der ersten Lesung im Bundestag von Grünen und Linken so kirre vor Angst gemacht worden sind, dass sie's auf dem Erdboden gar nicht mehr aushalten, gar nicht. Zehn Millionen Schwerbehinderte, die sämtlich ein Recht auf benachteiligungsfreie Teilhabe als Menschenrecht haben. Wie würde Hilmar Kopper, vormaliger Sprecher des Vorstandes der Deutschen Bank, jetzt vermutlich sagen: Peanuts.

Von Alexander Drewes

(3) ... Man hält die Menschen - gut, bei mir funktioniert das jetzt nicht, aber versuchen kann man es ja einmal - permanent in einem gewollten Zustand des Dauerstresses und der permanenten Angst, notwendige Leistungen schon dann verlieren zu können, wenn man sie (weil sie bislang nur unzureichend oder durchaus auch einmal gar nicht gewährt worden sind) dem Umfang nach geltend macht, den man tatsächlich benötigt. Es findet eine gewollte Abwärtsspirale umgekehrt des Fleischeireifachverkaufspersonalsprinzips des "Darf's noch ein bisschen mehr sein?" statt. Jede/r Kämmerer/-in wäre froh, wenn sie oder er uns sämtlich los wäre, weil dann der kommunale Haushalt auf einmal erstrahlen und erblühen würde.
Wenn vonseiten der Politik unentwegt von gleichberechtigter Teilhabe die Rede ist, kann es einfach nicht sien, dass die Inklusion, die Barrierefreiheit, die Nachteilsausgleiche regelmäßig dort enden, wo sie Geld kosten und aus Steuermitteln finanziert werden müssen. Jedes Integrationsamt erzählt einem spätestens im Oktober jeden Jahres, im ginge das Geld aus, weil sich die Integrationsleistungen auf dem Arbeitsmarkt weitgehend aus der Ausgleichsabgabe finanzieren. Genau wie hier der Fiskus notfalls nachschießt, muss er das eben bei sämtlichen anderen Leistungen der Teilhabe auch tun. ... (5)

Von Alexander Drewes

(2) ... Das heißt - irgendwer muss die Schulassistenz ja wenigstens dem Stundenumfang und der durch die Behörde gewährten Höhe nach (die keinesfalls das Entgelt für eine Sozialpädagogin umfasst, die bei einem autistischen Kind vorliegend zwingend erforderlich wäre; das sieht das Schulamt übrigens - ebenfalls begründungslos - ebenfalls anders) finanzieren. Nicht allein, dass mich das Persönliche Budget für die beiden Kinder im häuslichen Bereich nicht bereits seit knapp zwei Jahren über 5000,- € monatlich kostet, jetzt darf ich auch noch - neben den Fahrtkosten für beide Kinder, für die sich beide Ämter ebenfalls völlig unzuständig wähnen (also nochmals 600,- € monatlich) - etwas über 2000,- € für die Schulassistenz dieses Kindes aufbringen. Mit Verlaub, über 7500,- € jeden Monat, das muss man auch erst einmal haben.
Dabei, was jammere ich (ich jammere ja nicht wirklich, aber es könnte vielleicht so klingen)? Menschen, die einer 24-Stuinden-Assistenz bedürfen, haben noch viel höhere finanzielle Bedarfe, werden aber - Fallgestaltung erst gestern in dieser Form ins Haus bekommen - auch gerne einmal mit vier Stunden am Tag abgespeist. Und da redet mir der Leiter Behindertenhilfe eines rheinischen Kreises vorgestern allen Ernstes davon (wie im Übrigen auch die SPD-MdB Kerstin Griese, die den Vorsitz im Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales führt), aufgrund der Zumutbarkeitsregelungen könne man ja im Zweifel gerichtlich den entsprechenden Stundenumfang (gut, in der Diskussion ging's konkret ums Poolen, aber das Prinzip ist das gleiche) durchsetzen. So, mit Verlaub, saudumm daherreden können wirklich nur Menschen, die noch nie einen solchen Bedarf über Tage, Wochen, Monate, Jahre, ihr ganzes Leben lang nötig hatten. ... (4)

Von Alexander Drewes

(1) ... Ich kann es den Menschen mittlerweile nicht mehr verdenken, wenn sie wenigstens von geistiger Euthanasie sprechen, wenn eine derartige Kumpanei zwischen Verwaltung und Justiz vonstatten geht, liegt ein solcher Gedanke zumindest nicht mehr außerhalb jeglicher denktheoretischen Möglichkeit. Denn: Für die Finanzierung eines entsprechenden Platzes in einer Förderschule wäre ja der überörtliche Leistungsträger zuständig (also in jedem Fall hier in Hessen der Landeswohlfahrtsverband). Warum sich also das städtische Säckel beschweren, wenn man doch der Ansicht ist, man könne Eltern wenigstens mittelbar dazu zwingen, ihr Kind in eine Fördereinrichtung abzugeben.
Anderes Beispiel: Was macht ein Sozialamt (dabie geht es um ein anderes Kind, allerdings aus der gleichen Familie), wenn man ihm aus seiner Sicht zu renitent kommt? Richtig, es verweigert einfach die Leistung. Das geht ja jetzt nicht so ohne Weiteres, ergo muss man sich eine Begründung überlegen. An die betroffene Mutter traut man sich unmittelbar nicht heran, an das Kind sowieso nicht, ergo versucht man den Budgetbeauftragten (das bin, der interessiert Mitlesende wird es schon geahnt haben) nach Möglichkeit juristisch mundtot zu bekommen. Man unterstellt ihm also einfach Unzuverlässigkeit, Inkompetenz und Überfordertheit.
Das Interessante: Die Behörde hat fünf Monate gebraucht, bis sie überhaupt in irgendeiner Form geleistet hat (weswegen ich durch die damalige Arbeitnehmerin einen - dann auch noch vor dem Arbeitsgericht verlorenen - Prozess wegen Gehaltszahlung an den Hals bekam), sie hat mehrfach ohne irgendeine Begründung erheblich verspätet gezahlt, sie hat ein Budget so bemessen, dass man der Arbeitnehmerin mit einer vierwöchigen Kündigungsfrist zum Monatsende gar nicht hätte kündigen können (die Behörde hat das Budget einfach zur Mitte des letzten Schulmonats auslaufen lassen), sie gewährt seit August einfach kein Budget mehr. ... (3)

Von Alexander Drewes

Hier in Kassel haben wir ähnlich vielgestaltige Probleme. Das Sozialamt finanziert hier grundsätzlich nur pauschaliierte Leistungssätze, wobei es völlig gleichgültig ist, welche Beeinträchtigung das zu inkludierende Kind hat. Das Schulamt findet das völlig in Ordnung und ist nicht einmal in der Lage, den zuständigen Leistungsträger dazu zu bringen, dass er notwendige Hilfsmittel bereit stellt (und das im Bereich Schule, die ja bekanntermaßen eine Pflichtveranstaltung für alle Kinder darstellt, zumindest im Primarbereich und in dem der Sekundarstufe I, gleich welcher Schulrichtungsform). Während das Sozialamt aber nur Probleme mit der Höhe der Finanzierung und dem Umstand hat, dass man die Leistung eben auch in der Form eines Persönliches Budgets beziehen kann, macht sich das Jugendamt einen richtig schlanken Fuß, indem es nämlich ein dem Grunde nach bei der Schulverwaltung angeagerten Modell eines gestuften Verfahrens annimmt, nach dem überhaupt keine Kinder mit psychischen Beeinträchtigungen Schulassistenz erhalten, sondern deren Eltern gefälligst Leistungen der ergänzenden Erziehungshilfe in Anspruch nehmen sollen. Ausgetragen wird dieses - um nichts anderes handelt es sich - Spardiktat ausschließlich auf dem Rücken der betroffenen Eltern und deren Kinder, sogar die Verwaltungsgerichtsbarkeit spielt mit, obwohl auch in der Jugendhilfe, soweit sie Leistungen der Eingliederungshilfe erbringt, - vermutlich muss man ja schreiben: noch - der Bedarfsdeckungs-, der Individualisierungs- und der Kostendeckungsgrundsatz gelten. Schert die Einzelrichterin der 5. Kammer (dieselbe ist für Jugendhilfesachen zuständig) keinen Deut, der Antrag auf einstweilige Anordnung wird abgelehnt, auf einen Hauptsachetermin wartet man jetzt seit 15 Monaten. ... (2)

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