Änderung der Heilmittel-Richtlinie - Lymphdrainage in Gefahr

Veröffentlicht am von Andreas Vega

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Bild: GKV

Berlin (kobinet) Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen hat eine neue Regelung in der Heilmittelrichtlinie angestoßen: Therapeuten sollen Kompressionsbandagen erst im Anschluss an die MLD anlegen, ohne dafür ein zusätzliches Honorar zu erhalten. Dies könnte das Aus für Lymphdrainage auf Rezept bedeuten.

Wie dem Petitionsportal openPetition zu entnehmen ist, will der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen Leistungen für seine Mitglieder durch die Hintertür streichen. Im Fokus steht die Versorgung mit Lymphdrainage, eine mittlerweile gängige Gesundheitsleistung vieler Physiopraxen, die gerade für Menschen mit Behinderungen, wie zum Beispiel RollstuhlnutzerInnen, eine zwingend notwendige Therapie darstellt. Die Petentin Jenny Werner sieht mit dieser Änderung das Leistungsangebot vieler Praxen in Gefahr, weil Gesundheitsleistungen, die einer zusätzlichen und teuren Ausbildung bedürfen, dann nicht mehr finanzierbar sind.

Wer die Petition unterstützen möchte, findet unter dem Link

https://www.openpetition.de/petition/online/versorgung-mit-lymphdrainage-in-gefahr-aenderung-der-heilmittel-richtlinie-abwenden

weitere Informationen und die Möglichkeit die Petition elektronisch zu unterschreiben.

Lesermeinungen zu “Änderung der Heilmittel-Richtlinie - Lymphdrainage in Gefahr” (6)

Von nurhessen

Auch wenn‘ s am heutigen Tag der „Anhörung zum Bundesteilhabegesetz“ ein winzig kleiner Nebenschauplatz zu sein scheint, noch mal eine paar Gedanken zur Änderung
der Heilmittel-Richtlinie: Anpassung der Regelungen des § 18… wird wie folgt geändert:
1. nach Satz 1 wird folgender
Satz eingefügt:
„Eine verordnete Kompressionsbandagierung hat im Anschluss an die Therapiezeit
der MLD zu erfolgen.“
Durch diese scheinbar kleine Änderung wird tatsächlich der gesamte Sinn einer MLD (Manuelle Lymphdrainage) in Frage gestellt und nicht mehr von den Kassen bewilligt werden können. Denn eine Zeit „im Anschluss an die Therapiezeit der MLD“ gibt es nicht. Die MLD ist nur zusammen mit der Kompressionsbandagierung sinnvoll und bildet zusammen mit ihr eine Einheit. Somit werden zwei zusammenhängende und in sich wirksame Therapieeinheiten künstlich auseinanderdividiert. Man kann auf diese Art viele und fast alle Ziele von z.T. lebensnotwendigen Behandlungsmethoden konterkarieren.- Wie gesagt: Viele kleine Schritte führen auch zum Ziel der Eliminierung von Lebensqualität und Lebenszeit von Behinderten. Womit eine Brücke zum Tag der „Anhörung“ hergestellt ist.

Von sinaburg

Hallo nurhessen,
Zitat:
"Zuzustimmen ist allerdings dem Absatz, dass es ab 2017 keinen „Genehmigungsverzicht durch die Krankenkassen“ mehr geben soll, die genaue Fundstelle für alle GKV habe ich allerdings nicht gefunden".

Siehe meinen u. g. Link.

Evtl. hätte ich besser formulieren sollen:

...... Therapie nicht durchgeführt werden.
Einen generellen Genehmigungsverzicht durch die GKV wird es ab 2017 nicht mehr geben.

Von nurhessen

Nachtrag
Zuzustimmen ist allerdings dem Absatz, dass es ab 2017 keinen „Genehmigungsverzicht durch die Krankenkassen“ mehr geben soll, die genaue Fundstelle für alle GKV habe ich allerdings nicht gefunden.
Zitat:
„Für erkrankte und behinderte Menschen sehe ich es jedoch als großen Nachteil an, dass verordnete Langzeitheilmitteltherapien bei Diagnosen, die nicht in der Diagnoseliste stehen, vom Patienten selbst beantragt und von der Krankenkasse individuell genehmigt werden müssen. Wenn abgelehnt wird, kann die verordnete Therapie nicht durchgeführt werden. Ein Genehmigungsverzicht durch die Krankenkassen wird es ab 2017 nicht mehr geben.
Dies ist tatsächlich eine Gefahr für die Betroffenen!“
Zitatende


Von nurhessen

Meines Wissens wird die Manuelle Lymphdrainage (MLD) erfolgreich und notwendigerweise durchgeführt, um bei Patienten Decubitus, Nekrosen, Wundliegen zu vermeiden und bereits vorliegende Symptome erfolgreich zu behandeln. Dies erfolgt üblicherweise gleichzeitig/simultan mit einer anschließenden Bandagierung. Wo liegt das Problem, dass einige Betroffene und/oder Physiotherapeuten die Petition nicht unterschreiben wollen. Wird etwa auf dem Rücken der Patienten Politik der unterschiedlichen Berufsgruppen unter den Physiotherapeuten, Masseuren aus verschiedenen Schulen betrieben? –Neu wäre das nicht s. Richtungsstreit Bobath vs. Vojta oder anderen in Deutschland nicht anerkannten krankengymnastischen Methoden – wie z.B. der konduktiven Therapie nach Petö usw. Es gilt doch der Grundsatz: „Was hilft, gewinnt“ – unabhängig von Richtungsstreitigkeiten der einzelnen Schulen.

Von sinaburg

Hallo Zusammen,

in der in diesem Artikel angesprochenen Petition wird folgender Satz in den Änderungen der Heilmittelrichtlinie kritisiert:
„Eine verordnete Kompressionsbandagierung hat im Anschluss an die Therapiezeit der MLD zu erfolgen.“

Hier der Link dazu:

https://www.g-ba.de/downloads/39-261-2590/2016-05-19_HeilM-RL_langf-HeilM-Bedarf_BAnz.pdf

Die Petition sieht durch diesen Satz die Lymphdrainagebehandlung grundsätzlich in Gefahr.

Dies sehe ich nicht so und ich werde die Petition deshalb nicht unterschreiben.

Für erkrankte und behinderte Menschen sehe ich es jedoch als großen Nachteil an, dass verordnete Langzeitheilmitteltherapien bei Diagnosen, die nicht in der Diagnoseliste stehen, vom Patienten selbst beantragt und von der Krankenkasse individuell genehmigt werden müssen. Wenn abgelehnt wird, kann die verordnete Therapie nicht durchgeführt werden. Ein Genehmigungsverzicht durch die Krankenkassen wird es ab 2017 nicht mehr geben.

Dies ist tatsächlich eine Gefahr für die Betroffenen!

Von nurhessen

Oh nein, nein! Die Lymphdrainage streichen… Was soll das denn schon wieder? Anti-Aging-Cremes auf Kassenrezept, wenn’s der „Doktor“ will. Aber lebensnotwendige und lebensrettende Lymphdrainage streichen… Z.B. bei Decubitus¸ Wundgeschwüren… Ich kann’s nicht fassen. Haben wir im November schon April??

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