Foto: Momentmal In neuem Fenster öffnen via Pixabay In neuem Fenster öffnen
Staufen (kobinet)
Das mittelhessische Lahnstädtchen Marburg wird gelegentlich einseitig mit dem dreist sexistischen Volksporno „Das Wirtshaus an der Lahn“ in Verbindung gebracht – Kostprobe „Frau Wirtin hatte nen Galan, der nähert sich ihr stets von hinten an …“. Alles andere als eine rühmliche Visitenkarte also, einerseits. Andererseits hat sich Marburg an der Lahn aber auch einen höchst ehrenwerten Ruf erworben und zwar als Teil der Topografie behindertenemanzipatorisch bedeutsamer Orte innerhalb Deutschlands. Den einer behindertenfreundlichen Stadt für Blinde und Sehbehinderte nämlich. – Der Kobinet-Autor Hans-Willi Weis, promovierter Philosoph und Kulturwissenschaftler, im Alter von neun Jahren an Retinitis Pigmentosa erkrankt und seit über zwei Jahrzehnten vollständig erblindet – andernorts nennt man Leute wie ihn gerne „Vorzeige-Intellektuelle“ und schmückt sich mit ihnen – hat in den 1970er Jahren in Marburg studiert und an diese politisch bewegte, aber auch experimentierfreudige Zeit erinnern die heiter melancholischen Betrachtungen seines „Memoir“ (wie diese literarische Form biografischen Erzählens mittlerweile durchweg genannt wird).




