Netzwerk für außerklinische Intensiv-Versorgung

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

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Bild: domain public

Oberhaching (kobinet) Die BAIV - Bundesinitiative Außerklinische Intensiv–Versorgung war im Jahr 2008 mit dem Ziel angetreten, Menschen, die Intensivpflege benötigen, in der Wahrnehmung ihrer Rechte zu stärken. Denn schwerstkranke Kinder und Erwachsene haben in unserer Gesellschaft keine eigene Stimme. Auf die Initiative hat Maria Panzer die kobinet-nachrichten hingewiesen.

Aufgrund ihrer Situation können Menschen die Intenivpflege benötigen sich meist weder in einer Selbsthilfegruppe organisieren, noch haben sie die Energie für einen langwierigen Papierkrieg, endlose Gerichtsverhandlungen, geschweige denn für kräftezehrende Demonstrationen. Es gibt einige sehr engagierte technologieabhängige Menschen, die bereits alles geben, um auf die ihre spezifische Situation hinzuweisen, aber auch sie brauchen viel mehr Unterstützung, schreibt Maria Panzer. Schirmherr der BAIV ist der inzwischen verstorbene Saxophonist Klaus Kreuzeder, der wegen seiner Erkrankung an Polio zeitlebens im Rollstuhl saß und zeitweise beatmet werden musste. Der weltberühmte Musiker kämpfte für die Rechte der Menschen mit Behinderung. Wegen vieler leidvoller eigener Erfahrungen hielt er die Gründung der BAIV für überfällig. Diese musste jedoch nach einem Jahr ihre Tätigkeit einstellen, weil die Offenheit, mit der Informationen publiziert wurden, einigen Leistungsträgern zu weit ging.

Seitdem hat sich in der außerklinischen Intensivpflege viel verändert, aber leider nicht immer zum Guten. Deshalb hat sich Christoph Jaschke, Geschäftsführer der Heimbeatmungsservice Brambring Jaschke GmbH dazu entschieden, die BAIV wieder aufleben zu lassen. Und dies aus mehreren Gründen:

  1. Es gibt noch immer keine bundeseinheitlichen Standards für die Qualität der Pflege technologieabhängiger Menschen in der außerklinischen Versorgung. Auch nach der neuen Gesetzgebung müssen ambulante Pflegedienste, die außerklinisch beatmete Menschen versorgen, noch immer kein Zulassungsverfahren durchlaufen.
  2. Beim Abrechnungsbetrug durch ambulante Pflegedienste geht es nicht nur um die ungerechtfertigte Aneignung von Versichertengeldern, meist wird völlig unqualifiziertes Personal eingesetzt. Damit werden außerklinisch beatmete Menschen an Leib und Leben gefährdet.
  3. Das Vertrauen von Betroffenen und pflegenden Angehörigen in ihren Dienstleister wird für Betrug schamlos ausgenützt.
  4. Die Qualität der Versorgung wird durch eine Welle massiver Kürzungen durch die Krankenkassen ernsthaft gefährdet. Dabei werden die Betroffenen sowie ihre Angehörigen massiv unter Druck gesetzt. Ihre Entscheidungsfreiheit, von wem sie versorgt werden möchten, wird ausgehebelt.
  5. Es ist noch immer eine Art Roulette, ob ein außerklinisch beatmeter Mensch von einem qualitätsorientierten oder schlechten Pflegedienst versorgt wird. Es zählt für die Krankenkassen nur der niedrigste Preis, nicht die Qualität. So empfehlen sich auch den Wechsel zu Pflegediensten, gegen die bereits ermittelt wird.
  6. Die häusliche Versorgung und in Wohngemeinschaften steht auf dem Spiel. So ist, aus Kostengründen, ein Trend zur Versorgung in großen stationären Einrichtungen zu befürchten. Damit wird das Wunsch- und Wahlrecht der Menschen, wie und wo sie leben möchten (siehe UN-Behindertenrechtskonvention) ausgehebelt.
  7. Durch die Vorgaben der Krankenkassen, festgelegte Personalschlüssel in den Wohngemeinschaften für Menschen mit Beatmung zu finanzieren, kann dort ein selbstbestimmtes Leben, wie dies der Gesetzgeber vorgegeben hat, nicht mehr gewährleistet werden.

Die BAIV Bundesinitiative Außerklinische Intensiv–Versorgung richtet sich an alle, die für die Rechte der technologieabhängigen Kinder und Erwachsenen kämpfen und eine Lobby für sie sein möchten. Bislang ist die Bundesinitiative noch lose aufgebaut und dient zunächst dem Aufbau eines Netzwerkes. Derzeit ist die BAIV erreichbar unter https://www.facebook.com/bundesinitiativeaiv/, eine Homepage ist in Vorbereitung. Es besteht die Möglichkeit, einen Newsletter unter mail@bundesinitiative-aiv.de zu abonnieren.

Kontakt:

BAIV Bundesinitiative Außerklinische Intensiv - Versorgung, Christoph Jaschke, Kohlstattstraße 25, 82041 Oberhaching, Tel: +49/174/3336363, E-Mail: christoph.jaschke@bundesinitiative-aiv.de, E-Mail: maria.panzer@bundesinitiative-aiv.de

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