Mit 5 Euro dabei

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Raul Krauthausen
Raul Krauthausen
Bild: Andi Weiland/Sozialhelden

Berlin (kobinet) Raul Krauthausen von den Sozialhelden hat ein neues Projekt gestartet. Mit 5 Euro ist dabei, wer mitmachen will. Krauthausen will regelmäßig Beiträge in Artikel- oder Videoform rund um das Thema behinderte Menschen in Deutschland produzieren. "Aber das schaffe ich nicht alleine, deswegen bitte ich Dich um Unterstützung, denn zum Start brauche ich dazu rund 500 Euro im Monat, insbesondere um die notwendigen Recherchen in Auftrag zu geben", erfuhr kobinet heute von dem Berliner Aktivisten für Barrierefreiheit und Inklusion. "Wenn 100 Menschen 5 Euro beisteuern, können wir sofort starten."

Er verstehe das als Projekt nicht nur von ihm, sondern von allen, die ihn dabei unterstützen. Deswegen gibt es dafür einen exklusiven Newsletter (und unter anderem Video-Hangouts), mit dem  alle Unterstützer_innen regelmäßig auf dem Laufenden gehalten werden sollen. "Gemeinsam können wir noch professioneller die Herausforderungen von behinderten Menschen sichtbar machen", meint Krauthausen: Bitte unterstütze mich hier auf der Plattform Steady.

Lesermeinungen zu “Mit 5 Euro dabei” (26)

Von Dr. Theben

Der Artikel ist online wohl nur gegen Bezahlung verfügbar.

Vielleicht sollte es Raul die erbetenen 5 € Wert sein, sein Anliegen - HIER AUF KOBINET - etwas umfassender zu erläutern.

Im übrigen kann ich mir nicht vorstellen, daß er irgendjemandem das Recht auf volle Teilhabe bestreitet.

Grüße

DR. Theben

Von Signe

Weshalb ich mich nicht beteilige:
1) Ich hatte privat in meinem E-Mail-Postfach ungefragt zugesandte Werbung für das neue, Krauthausen'sche Arbeitsprojekt mit der Bitte um eine Spende in der Höhe von 5 Euro.

2) Herr Krauthausen will Dritten Recherchen in Auftrag geben. Ich nehme an, es ist der Rechercheverbund, der Wand-an-Wand (in einem Gebäude) mit dem Krauthaus'schen Verein sitzt und in dem Journalisten den ganzen Tag nichts anderes machen, als zu recherchieren. Und die liefern den Medien in der BRD zu, wie Süddeutsche, Zeit, Spiegel et al.
Nein, diese Journalisten bediene ich nicht. Quasi ein Einkommen vor dem Einkommen, das Letztere sollte sich (im Nachgang) aus den Leistungen der Journalisten speisen und nicht vor Leistungserbringung.
Diese Journalistenklitsche fährt also zweimal Einkommen ein.

Von Dagmar B

Ein Artikel aus der FAZ heißt : Mittendrinn und doch nicht dabei.
Es gibt dann nochmal einen identischen, das weiß aber am besten Herr Krauthausen selber.

Ich denke, das es auch ohne Rechtsbeistand möglich sein müßte, wenigstens einen Leserbrief oder Kommentar zu verfassen.
Herr Krauthausen hat ja sonst auch recht kreative Ideen!

Von Lesebrille

@Dagmar B.:

Können Sie bitte Quellen angeben? Ich habe jetzt das Web durchforstet und so einige Interviews gefunden, aber keines, in dem Raul Menschen mit intellektueller Einschränkung als nicht inkludierbar bezeichnen würde.

Übrigens ist das mit der Zustimmung so eine Sache. Ich glaube nicht, dass Raul beim Stern zugestimmt hat, dass er als "leidend" bezeichnet wird und ich kann es auch aus eigener Erfahrung sagen, dass die Rechte nicht bei der/dem Interviewten liegen. Da braucht es dann schon einen Rechtsbeistand der den Sender/die Zeitung verklagt.

Von Dagmar B

Zitat:

@Dr. Theben: Sie haben recht. Aber ich bin bewusst "off topic" gegangen, weil mir, zugegeben, der wiederholte Angriff auf Raul, dem angeblich andere behinderte Menschen und ihre Bedürfnisse wumpe wären, auf den Geist ging. Ich habe Raul persönlich kennengelernt und weiss, dass er sehr wohl einen grösseren Themenradius hat.
Zitat Ende

Naja , ich weiß nicht , ob Kritik gleich ein Angriff ist.
Ich persönlich kritisiere auch , das in mehreren Artikeln über Herrn Krauthausens Selbstverwirklichung gleichzeitig einem bestimmten , vorzugsweise geistig behinderten Personenkreis die Fähigkeit zur Inklusion abgesprochen wird.
Da Herr Krauthausen der Veröffentlichung dieser haarsträubenden Artikel offensichtlich zugestimmt hat und keinerlei Notwendigkeit sieht, sich gegen diese Darstellung von inkludierbaren ( Herr Krauthausen) und nicht inkludierbaren ( geistig behinderte Anstaltsbewohner) in den veröffentlichenden Medien zu äußern , macht ihn das halt leider unglaubwürdig.
Schade , weil , das hatte ich ja auch schon geschrieben, einige gute Aktionen damit auch ihre Glaubwürdigkeit verlieren.
Die Frage bleibt dann , insbesondere bei Herrn Krauthausen, wo Aktionen eher Show und Entertainment sind................

Von Lesebrille

Doch nochmal off topic:
@Sabine Fichmann: Der Satz, der Ihnen die Luft nahm, hat nichts mit einer Egalhaltung zu tun, da haben Sie mich tatsächlich gründlich missverstanden, sondern allein mit der Reihenfolge. Dass die Dinge passieren - und sie passieren seit Jahren - finde ich dagegen sehr wohl furchtbar!

Ich hätte mich nicht für ein gutes Gesetz eingesetzt und wäre nach Berlin gefahren, wenn mir der Ausgang für uns alle egal gewesen wäre. Bitte entschuldigen Sie das Missverständnis.



Von Lesebrille

@Dr. Theben: Sie haben recht. Aber ich bin bewusst "off topic" gegangen, weil mir, zugegeben, der wiederholte Angriff auf Raul, dem angeblich andere behinderte Menschen und ihre Bedürfnisse wumpe wären, auf den Geist ging. Ich habe Raul persönlich kennengelernt und weiss, dass er sehr wohl einen grösseren Themenradius hat.

@ Raul: Auch wenn Du bisher, soweit ich weiss, nicht hier schreibst: bitte klär mich auf!

Denn auch ich steige bei Deiner Seite nicht durch, was das wahnsinnig Besondere an der neuen Plattform ist, dass sie a) soviel kosten muss, es b) nicht auf Deine reguläre Seite passt und c) eine Recherche braucht, die meiner Meinung nach schon andere erledigt haben? Denn wie man persönliches Budget beantragt, wird in mehr als einer Broschüre und mit Sicherheit auch im Internet erklärt.

Von Dr. Theben

Ich danke @ Sven Drebes für seine klugen und auch ausgleichenden Beiträge.

Im übrigen hat sich die Diskussion vom Ansinnen Raul Krauthausens etwas entfernt. Laßt uns bitte wieder darüber diskutieren - auch engagiert, nie verletztend (ich meine das Allgemein und auf NIEMANDEN KONKRET bezogen)

DR. Martin Theben

Von Lesebrille

@Sven Drebes:

Danke, genau das meine ich. Mein ganzer Beitrag bezieht sich auf Vorangegangenes und auf den Versuch, den einige starten, so etwas wie eine Hierarchie zu bilden. Das jedoch kann und will ich nicht tun!

Ich sehe Frau Maubachs Not und finde furchtbar, dass sie immer noch nahezu vollzeit für ihren Sohn da sein muss. Aber ich bewerte ihre Not nicht höher als die von EhepartnerInnen, die ihren Job für den jeweils Anderen aufgeben müssen, selbst wenn dieser sich äussern kann und lediglich körperlich so eingeschränkt ist, dass er nicht mehr allein gelassen werden kann, oder als die Not eines Menschen, der nun ins Heim soll, weil dies angeblich "der Allgemeinheit dient" und nun furchtbare Angst haben. Denn nicht anders ist zu bewerten, wenn hier von Zumutbarkeit und der Nichtzumutbarkeit unendlicher Höhe von Kosten geredet wird.

Und ich weiss, dass die Not von kranken und (schwer-/schwerst-)behinderten Geflüchteten noch einmal verschärfter ist, weil eine medizinisch ausreichende Betreuung immer noch nicht stattfindet. Hier fehlt es an Medikamenten und selbst krebserkrankte Geflüchtete erhalten nur erschwert ihre notwendigen Hilfen, mit teils schlimmen Folgen. Verschärfter deshalb, weil das Asylbewerberleistungsgesetz sehr enge Grenzen in der Versorgung vorsieht.

Da nutzt es auch nichts
@ nurhessen, wenn man sich melden kann.

Dass Sie aber meinen Satz: "Ich kann da keine Hierarchie vornehmen, ich schaffe das nicht." teilen und es so darstellen, als würde ich nichts tun wollen, hat schon etwas von Vorsatz!







Von Sven Drebes

@nurhessen:
Ich verstehe "Lesebrille" durchaus so, dass das helfen und verstehen (wollen) Kern der Solidarität ist, die sie meint. Die Frage ist vielmehr, ob man eine allgemein gültige Hierarchie bilden kann, wonach A mehr Solidarität braucht / verdient als B.

Von Sabine Fichmann

@ Lesebrille

"Glauben Sie, dass die berechtigte Forderung, mehr ansparen zu dürfen, weil sich sonst weder Ausbildung noch Arbeit tatsächlich lohnt, daran "schuld" ist, an anderer Stelle einzusparen? Ich glaube es nicht. Denn tatsächlich ist der Kreis, der wirklich profitiert, verschwindend gering - auch unter den Gutverdienenden!"

Vielmehr halte ich es für einen guten Schachzug der Politik: Das Geld wird gedeckelt, einige sind ein Spürchen besser gestellt, andere nicht und man kann wunderbar auf eine Gruppe deuten und sagen: Bedankt Euch bei denen..."

-Da auch das BTHG unter Kostenvorbehalt steht, bzw. kostenneutral bleiben sollte, musste es bei Umverteilung zwangsläufig Verlierer geben und dies konnte man vorhersehen...
Die Kostendeckelung ist also, wie richtig bemerkten und für einen klugen Schachzug der Politik hielten ist also Schuld, dass es Spürchen schlechter geht (Widerspruch zum ersten Absatz Ihres Zitats). "Spürchen" schlechter ist für viele existenziell und mehr als ein "Spürchen"- siehe Praxis des Freiburger Sozialamtes.

"Neuerdings gibt es hier einige ForistInnen, denen plötzlich und unerwartet das Leben von mehrfachbehinderten Menschen und ihren Angehörigen mächtig wichtig ist."
-Da fehlen mir ausnahmsweise die Worte ob dieser unverschämten Äußerung...

"Und nicht zuletzt: ich halte es für irrelevant, welche behinderten Menschen und/oder deren Anverwandte/PartnerInnen/FreundInnen weit über ihre Grenzen gehen müssen, um halbwegs zu ihrem Recht zu kommen. Ich halte es für ziemlich egal, wessen Biografien an den schon vorhandenen oder nun gütigen Gesetzen zerbrechen werden"
- Hier bleibt mir endgültig die Luft weg und ich verabschiede mich aus dieser Diskussion- hören Sie eigentlich beim Reden selber mal zu? SIE sprechen von Solidarität und dann diese Äußerung?

Von Sven Drebes

Und jetzt noch etwas an Alle:

Ich kann die Verzweiflung und die Wut über den Umgang von Behörden und der Gesellschaft mit einem selbst und/oder nahestehenden Menschen und manches andere, was aus den Beiträgen spricht gut nachvollziehen und habe volles Verständnis dafür. Außerdem ist mir bewusst, dass wir in der emanzipatorischen Behindertenbewegung einige Gruppen und Themen vernachlässigen bzw. vernachlässigt haben und gerade erst "erschließen". Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass viele Organisationen und Gruppen nicht selbst beeinträchtigte Menschen nicht mitmachen lassen. Dafür gibt es gute Gründe, es führt aber auch zur Bildung einer "Blase".

Deshalb sind wir darauf angewiesen, das uns andere auf Lücken hinweisen. Ich weiß. dass einige das seit Jahren tun und leder nicht immer auf offene Ohren gestoßen sind. Auch hier verstehe ich den Ärger darüber. Mein Eindruck ist aber, dass sich hier seit einem knappen Jahr etwas bewegt.

Ich beobachte aber auch, dass hier recht unterschiiedliche Menschen unter dem Begriff "schwerstbehinderte Menschen, die sich nicht selbst äußern und vertreten können" zusammen gefasst werden. Manche sind geistig mit Kleinkindern vergleichbar, andere wären unter besseren Rahmenbedingungen vermutlich fähig gewesen zu studieren. Sie alle habem zwar gemeinsam, ausgegrenzt zu sein, es bedarf aber durchaus verschiedener Maßnahmen gegen die Ausgrenzung.

Zum Schluss: Ich halte es wie "Lesebrille" für nicht zielführend, sondern schädlich, in einen "Wettbewerb" um die schlimmste Ausgrenzung zu treten. Und ich halte es für schädlich, wenn wir uns hier gegenseitig nieder machen.

Von nurhessen

@ Lesebrille

Wenn Biografien oder MENSCHEN zerbrechen, ist es unsere Pflicht zu helfen!!!- Unabhängig von irgendwelchen Hierarchien! Und unabhängig von dem, was ich weiter unter zur „Einsichtsfähigkeit“ geschrieben habe. Ich bin ehrlich erschrocken über die Richtung, in die diese Diskussion wieder zu gehen droht; ich bin erschrocken über Ihre Äußerung:
_____________________
„Und nicht zuletzt: ich halte es für irrelevant, welche behinderten Menschen und/oder deren Anverwandte/PartnerInnen/FreundInnen weit über ihre Grenzen gehen müssen, um halbwegs zu ihrem Recht zu kommen. Ich halte es für ziemlich egal, wessen Biografien an den schon vorhandenen oder nun gütigen Gesetzen zerbrechen werden. Ich kann da keine Hierarchie vornehmen, ich schaffe das nicht.“
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Da komme ich nicht mehr mit! Ich schaffe das nicht! Wollen wir wirklich zusehen, wie Menschen zerbrechen – um zu sagen, das ist Solidarität – mehr können wir leider nicht tun. Mehr vertragen, das gebe ich gern zu, mehr vertragen an Unsäglichkeiten, an Missverständnissen, an Krankheiten, das gebe ich gerne zu: mehr vertragen, können wir nicht! Aber helfen und verstehen WOLLEN, das ist unsere PFLICHT!! Verdammt noch mal!

Von Sven Drebes

Hallo Frau Fichmann,

Sie zitieren einen Artikel aus dem Oktober 2015! Damals war der Abschluss des "Beteiligungsprozesses" im BMAS 6 Monate her und alle warteten auf das, was die Ministerialbeamten daraus machen würden. Und natürliich wollten wir alle schnell wisssen, woran wir sind. Als wir es dann im Februar bzw. April 2016 wussten, gab es nur wenige, die so klar, oft und laut "Nicht mein Gesetz!" gesagt haben, wie Raul Krauthausen.

Von Signe

@ Lesebrille:
Nein, diejenigen, denen von Ihnen die Zuschreibung 'die Schwächsten' zugekommen gelassen wird, sind nicht die, die auf der Straße leben oder die Geflüchteten. Die können sich noch selber bemerkbar machen.

Schwerstmehrfachbehinderte, Nicht-Sprechende, sind diejenigen, denen über den Mund gefahren wird; bei kobinet. Die Schwerstmehrfachbehinderten, die die Sprache Dritter benötigen, damit ihr Wille Gehör findet und ihre Bedürfnisse (selbst die basalen) auch nur annähernd erfüllt werden, die werden (meiner Meinung nach) am meisten benachteiligt.

Von Lesebrille

@Sabine Fichmann:

Ich habe nicht behauptet, dass es ein gutes Gesetz sei und ebensowenig, dass man schweigen solle. Interpretieren Sie doch nichts in Sätze hinein, was gar nicht da steht.

Gegenfrage: Glauben Sie, dass die berechtigte Forderung, mehr ansparen zu dürfen, weil sich sonst weder Ausbildung noch Arbeit tatsächlich lohnt, daran "schuld" ist, an anderer Stelle einzusparen? Ich glaube es nicht. Denn tatsächlich ist der Kreis, der wirklich profitiert, verschwindend gering - auch unter den Gutverdienenden!

Vielmehr halte ich es für einen guten Schachzug der Politik: Das Geld wird gedeckelt, einige sind ein Spürchen besser gestellt, andere nicht und man kann wunderbar auf eine Gruppe deuten und sagen: Bedankt Euch bei denen... .

Und ich finde es zugegebenermassen schwer, eine klare Definition für "die Schwächsten" zu finden. Denn wenn ich ganz ehrlich bin, sehe ich die Schwächsten in der Gesellschaft nicht auf kobinet vereint.

Die Schwächsten sind für mich Menschen, die auf der Strasse leben, darunter immer mehr Familien und Kinder; Geflüchtete, deren Fluchtgründe nicht anerkannt werden, obwohl unser Wohlstand auf der Ausplünderung ihrer Länder beruht; behinderte Geflüchtete, die in Massenunterkünften leben und viel zu wenig medizinische und sonstige Hilfe haben, denen Hilfsmittel fehlen, oder die auf dem Land untergebracht und damit isoliert sind.

Das ist meine Definition. Und nicht zuletzt: ich halte es für irrelevant, welche behinderten Menschen und/oder deren Anverwandte/PartnerInnen/FreundInnen weit über ihre Grenzen gehen müssen, um halbwegs zu ihrem Recht zu kommen. Ich halte es für ziemlich egal, wessen Biografien an den schon vorhandenen oder nun gütigen Gesetzen zerbrechen werden. Ich kann da keine Hierarchie vornehmen, ich schaffe das nicht.

Von Sabine Fichmann

@Lesebrille
Ihre Zitate:
"Da steht nicht, wir müssen den Druck erhöhen, damit das Gesetz schnell durchgeht, sondern wir müssen den Druck erhöhen, damit ein gutes Gesetz durchgeht."

-Und, möchten Sie behaupten, dass es ein "gutes" Gesetz (für alle) geworden ist? Wohl kaum...


"Ich habe nichts dagegen, dass wir unseren Blick erweitern und begreifen, dass die Gruppe behinderter Menschen in Deutschland auch um die Menschen erweitert werden muss, die sich nicht sebst äussern können - im Gegenteil.

Aber ich habe etwas dagegen, wenn man eben diese Gruppe von Menschen dazu missbraucht, seine eigene politische oder persöndliche Meinung durchdrücken zu wollen."

Also besser schweigen, um nicht in den Verdacht zu geraten, man "missbrauche" diese Gruppe von Menschen, um seine eigene politische Meinung durchdrücken zu wollen... das ist für mich ein eigentümliches Verständnis von Meinungsfreiheit und Demokratie...

Solidarität sollte m. E. nach von Anfang an die Schwächsten im Auge behalten. Verschlechtert sich deren Situation aufgrund eigener (berechtigter) Wünsche und Forderungen, hat das für mich mit Solidarität nichts mehr zu tun.




Von nurhessen

@Lesebrille

Ok! In Ihrer Aufzählung haben Sie allerdings vergessen zu erwähnen, dass es bei manchen Formen der Behinderung zu akuten Exazerbationen kommen kann, deren Merkmal gerade mangelnde Einsichtsfähigkeit in die eigene Behinderung ist und dadurch vermehrt Missverständnisse evoziert werden; somit auch eine Solidarisierung geradezu verhindert. Also, man sollte nicht so vermessen sein und behaupten: Wir sind alle gleich und kommt alle unter unseren Schirm der „Teilhabe“; wir verstehen Euch alle in Euren unterschiedlichen Behinderungen. Denn wie vergangene Diskussionen gezeigt haben, ist es nicht so, wenn die Kenntnis über bestimmte Formen – ich nenne sie beim Namen: z.B. akute psychotische Zustände – fehlen.


Von Lesebrille

Teil 2
Wer gehörlos ist und auf DolmetscherInnen angewiesen und der immer noch auf 100% Untertitel wartet, dem ist das eine äusserst wichtige Angelegenheit, weil viel von seiner Kommunikation und Teilhabe davon abhängt.

Wer blind ist und auf Hilfsmittel, Assistenz und Blindengeld angewiesen ist, wird für ein einheitliches Blindengeld und ausreichend Assistenz kämpfen, weil seine Teilhabe davon abhängt.

Wer psychisch behindert ist und häufig durch alle Raster fällt jenseits der Therapie, der wird ebensfalls um Teilhabe kämpfen.

Sicherlich ist meine Aufzählung unvollständig. Aber es sind die Dinge, die primär im Fokus der betroffenen Menschen stehen werden. Davon völlig unberührt ist, ob ihnen gleichzeitig auch die Situation anderer behinderter Menschen wichtig ist oder nicht.

Anders ausgedrückt: Man kann das Eine tun, ohne das Andere lassen zu müssen!

Dagegen lehne ich eine Hierarchie von Behinderungsformen/-gruppen oder Bedürfnissen ab! Denn wie wollen wir das anstellen? Zuerst der Mindestlohn in der Werkstatt? Zuerst das Blindengeld? Zuerst der barrierefreie Flug? Und wer soll sich dann hintenanstellen? Mit welchen Folgen? Auf wessen Teilhabe möchten wir gerne verzichten? Und was unterschiede uns dann von nichtbehinderten Menschen???

Ich kann mich für einen barrierefreien Flug und und eine anständige Unterstützung für die Angehörigen von schwerstmehrfachbehinderten Menschen und 100% Untertitel und GebärdensprachdolmetscherInnen aussprechen. Betroffen bin ich von nichts davon. Aber das nennt sich Solidarität.

Von Lesebrille

Teil 1
Anhand der hier teils sehr unsachlichen Diskussion werde ich den Eindruck nicht los, dass wir auf kobinet vielleicht generell noch einmal klarstellen sollten, dass jedeR von uns sich ganz selbstverständlich primär mit den eigenen Lebensthemen auseinandersetzt. Warum auch nicht? Sie prägen unseren Alltag und können ihn, je nach Thema bereichern oder sehr einschränken.

Neuerdings gibt es hier einige ForistInnen, denen plötzlich und unerwartet das Leben von mehrfachbehinderten Menschen und ihren Angehörigen mächtig wichtig ist.

Ich habe nichts dagegen, dass wir unseren Blick erweitern und begreifen, dass die Gruppe behinderter Menschen in Deutschland auch um die Menschen erweitert werden muss, die sich nicht sebst äussern können - im Gegenteil.

Aber ich habe etwas dagegen, wenn man eben diese Gruppe von Menschen dazu missbraucht, seine eigene politische oder persöndliche Meinung durchdrücken zu wollen.

Schon einige Zeit höre ich von "Luxusproblemen", die hier manche behinderten Menschen hätten, schliesslich wären da die schwerstmehrfachbehinderten Menschen, und so lange die... .

Wer für die Ausübung seines Berufs viel reisen muss, dem ist barrierefreies Fliegen oder Fahren mit der Bahn immens wichtig, weil seine Teilhabe davon abhängt.

Wer gut ausgebildet ist und sieht, dass er egal wie lange täglich er arbeitet, auf Hartz IV-Niveau leben muss und die/den PartnerIn in Mithaft nimmt, dem wird viel daran gelegen sein, mehr Geld behalten zu können und nicht moralisch unter enormen Druck zu stehen bei der ParterInnenwahl bzw. in der Partnerschaft, weil sein und weil seine Teilhabe davon abhängt.

Wer auf viel Assistenz angewiesen ist und auch gegen seinen Willen von einer Heimeinweisung für den Rest seines Lebens bedroht ist, dem ist die Abwehr dieser Bedrohung eine existenzielle Angelegenheit, weil seine Teilhabe davon abhängt.

Von Lesebrille

@Sabine Fichmann:

Bereits im Mai 2016 ist auf Kobinet von einem Bundesteilhabegesetz die Rede (http://www.kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/26756/Wahlpr%C3%BCfsteine-zur-Landtagswahl-in-Bayern.htm/?search=Bundesteilhabegesetz)

Was also ist Ihre Kritik daran, dass Raul im Oktober den Druck erhöht sehen will, dass wir ein gutes Teilhabegesetz bekommen?

Lesen Sie doch bitte nochmal Ihren eigenen zitierten Satz selbst. Da steht nicht, wir müssen den Druck erhöhen, damit das Gesetz schnell durchgeht, sondern wir müssen den Druck erhöhen, damit ein gutes Gesetz durchgeht.

Denn jedeR von uns wusste, dass dieses Gesetz Anfang diesen Jahres verabschiedet werden würde. Damit war klar, dass uns im Oktober die Zeit definitiv eng wurde, wollten wir ein gutes Gesetz haben.

Von Sabine Fichmann

Aus dem Kobinet-Artikel vom 20.10.2015: "Bundesteilhabegesetz soll am 1.1.2017 in Kraft treten"

Raul Krauthausen erklärte: "Wir freuen uns, dass wir mit unserer Change.org-Petition Bundesarbeitsministerin Andreas Nahles überzeugen konnten. Doch jetzt müssen konkrete Taten folgen. Wir werden den Druck weiter erhöhen, damit ein gutes Teilhabegesetz im nächsten Jahr den Bundestag und den Bundesrat passiert."

Von Sven Drebes

Hallo Frau Fichmann,

wie kommen Sie darauf, dass Herr Krauthausen das BTHG "schnell durchpeitschen" wollte oder gar am "schnellen Durchpeitschen" des Gesetzes beteiligt war? Und worauf stützen Sie die Annahme, dass mehr Zeit zu einem besseren Gesetz geführt hätte?
Im Übrigen ist es schlicht falsch, dass das BTHG schnell verabschiedet wurde. Die Verabschiedung eines Gesetzes knapp zweieinhalb bzw. drei Monate nach der ersten Debatte und knapp acht Monate nach Veröffentlichung des Referentenentwurfs sind eher Durchschnitt.

Von unwissend

Mit meiner finanziellen Unterstützung können Sie nicht rechnen, Herr Krauthausen.

Mit meiner auch nicht.

Von Sabine Fichmann

Mit meiner finanziellen Unterstützung können Sie nicht rechnen, Herr Krauthausen.

Es ist mir sehr sauer aufgestoßen, wie lange Sie sich vehement für das Recht auf Sparen und gegen die Anrechnung von Einkommen und Vermögen stark gemacht haben, nur darauf lag lange Zeit Ihr Fokus.

Warnungen u.a. von Angehörigen schwerstbehinderter Menschen, dass Schwerstbehinderte, die keinerlei Arbeitsleistung erbringen können die Verlierer des Bundesteilhabegesetzes sein werden,wurden m. E. von Ihnen viel zu lange ignoriert.
Erst recht spät ging Ihnen dieses Licht auf...da half ein Gegensteuern nur noch in wenigen Bereichen.

Hätte man nicht das Gesetz, auch von Ihrer Seite, derart zügig durchpeitschen wollen, insbesondere mit Blick auf kommende Wahlen, wer weiß, vielleicht hätte noch ein einigermaßen "gutes Teilhabegesetz" für alle dabei herauskommen können...

Am hier bei kobinet eingestellten Artikel zum Freiburger Sozialamtsgebaren können Sie nun erkennen, wohin der Hase läuft...

Von versteh_gar_nix_mehr

Mit 5 Euro dabei, einmalig oder als Abo?

Sehr geehrter Herr Krauthausen,

momentan verstehe ich noch nicht ganz den Sinn und Hintergrund der Idee und welche Personengruppe von behinderten Menschen Sie ansprechen wollen? Was kauft man hier als Abo von Steady und wie gut sind die Informationen, welche mir als Newsletter etc. dann zugängig sind?

Sie schreiben:

Bitte unterstütze mich hier auf der Plattform Steady.

Nur ich frage erst mal, WAS unterstütze ich genau?

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