Zeitzeuge Hans-Reiner Bönning

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Hans-Reiner Bönning
Hans-Reiner Bönning
Bild: bifos

Berlin (kobinet) "Mein Leben. Meine Geschichte. Meine Selbstbestimmung", so lautet der Slogan des von der Aktion Mensch geförderten und vom Bildungs- und Forschungsinstitut zum selbstbestimmten Leben Behinderter (bifos) durchgeführten Zeitzeug*innen-Projektes. Einer von den 50 Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die selber mit einer Behinderung leben, aus ihrem Leben erzählen und die Geschichte der Behindertenbewegung seit den 50er Jahren nachzeichnen, ist Hans-Reiner Bönning aus Berlin.

"Hans-Reiner Bönning ist seit seinem 15. Lebensjahr Rollstuhlfahrer. Er engagierte sich in den 1980er Jahren in einer halblegalen Gruppe, war 1989/90 Mitbegründer des Berliner, dann des DDR-Behindertenverbandes sowie über zwei Jahre Vorsitzender des Berliner Behindertenverbandes. Von 1991 bis 1995 wirkte er u.a. als Moderator für den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) in der Sendung ‚Selbstbestimmt’, danach bis 2012 als Projektentwickler und Projektleiter für mehrere EU-finanzierte Projekte zur Verbreitung des Peer Counseling und zum Selbstbestimmt-Leben-Lernen für behinderte Jugendliche. Eine zentrale Botschaft von Bönning ist es, behinderte Menschen zu befähigen aus der Opferrolle herauszutreten", heißt es in der Einführung für das über einstündige von Andreas Brüning geführte Interview mit Hans-Reiner Bönning auf der Internetseite des Projektes.

Link zum Interview mit Hans-Reiner Bönning

Lesermeinungen zu “Zeitzeuge Hans-Reiner Bönning” (3)

Von Signe

Wenn Bönning in dem Interview berichtet, wie und dass er in dem Institut, wo er als Mathematiker in der DDR arbeitete, den Mund aufmachte und Kritik offen äußerte, so ruft das in mir ebenfalls Kritik hervor, als dass es (in Beziehung zu der Bönning'schen Äußerung zur Inklusion, die ja, so Bönning, nicht gelingen kann, weil - siehe die Bönning'schen Aussagen in dem Interview) gar nicht zu sooo massiver Bönning'scher Kritik in der DDR gereicht haben kann.

Von Signe

Bönnings Aussagen sehe ich so, dass die geneigt sind, auf Verlierertum zu setzen, statt das Handeln auf Erfolg-Erlangen abzustellen.

Interessant ist mir noch, zu welchem Zeitpunkt das Interview in den kobinet-nachrichten lanciert wird; dabei ist das (redaktionell betrachtet) längst 'kalter Kaffee'; nicht, das, was Bönning in dem Interview sagt, sondern, es geht mir um den Tag des erneuten, gezielten Öffentlichmachens des Interviews. Sowas ist auch geneigt, grundsätzlich dem Widerstand gegen den allgegenwärtigen Sozialraub, gegen die Re-Kasernierung von Schwerstbehinderten und ihrer hiermit einhergehenden Enteignung und Entpersonalisierung und Vermassung, ihrem Einsperren mit 'Ihresgleichen' und es lassen sich unendlich viele Kritikpunkte der Bönningschen, energie-raubenden Aussagen entgegensetzen.

Von Signe

Aus dem Zeitzeugen-Interview: "... “
„In unserer Gesellschaft gibt es nach wie vor enorme Verteilungsungerechtigkeiten. Du kriegst mit, egal ob behindert oder nicht, dass du dafür sorgen musst, nicht zu kurz zu kommen. Im Rahmen dieser Ungerechtigkeit ganz auf Inklusion zu setzen oder zu erwarten, dass sie in einem bestimmten Teilbereich entsteht, halte ich für eine Illusion.“
„Wenn wir über Lebenschancen von Menschen mit Behinderung sprechen, dann gehören das Lernen Können und der Spaß am Lernen unbedingt dazu, dann muss das ein ganz wichtiger Bestandteil der Konzepte sein.“
Zwei erstaunliche Aussagen des Ex-Funktionärs Bönning: 1) Aufgeben in Sachen Inklusion; Sich-weiter-Fügen in die Segregation von Schwerbehinderten; nicht (mehr) für lebenswürdige Verhältnisse kämpfen;

2) Mit dem Verweis auf das Können im Zusammenhang mit dem Wissenserwerb mittels Lernen Austeilen von -zig schallenden Ohrfeigen an Menschen mit schwerster Lernbeeinträchtigung und unterschwellig Vermitteln, dass nur der Chancen im Leben hat, der Lernen _kann_.

Wenn 1) und 2) aus dem Munde eines Ex-Behindertenbewegungs-Funktionär kommen, so gibt mir das arg zu denken. Und ich sehe Aussagen 1) und 2) eher von einem aufgegeben Habenden geäußert. Hauptsache, die eigenen Pfründe als Akademiker in Sack und Tüten haben.

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