Beratung für Anerkennung und Hilfe kann beginnen

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

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Bild: domain public

Düsseldorf (kobinet) In Nordrhein-Westfalen haben die Beratungsstellen zur Stiftung "Anerkennung und Hilfe" am Jahresbeginn ihre Arbeit aufgenommen. Der nordrhein-westfälische Sozialminister Rainer Schmeltzer sagte dazu: "Menschen, die als Kinder und Jugendliche in Heimen der Behindertenhilfe und der Psychiatrie Unrecht und Leid erfahren haben, also beispielsweise Opfer von Gewalt oder Missbrauch geworden sind, bekommen hier Rat und Hilfe." Die Freie Arbeitsgruppe Johanna-Helenen-Heim kritisiert demgegenüber die Entschädigungsregelung für behinderte Heimkinder.

Die Beratungsstellen wurden bei den Landschaftsverbänden eingerichtet: beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) in Köln und beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in Münster. Die Stiftung Anerkennung und Hilfe rechnet damit, dass sich in Nordrhein-Westfalen etwa 3.300 Betroffene melden werden. Neben Gesprächen zur Aufarbeitung des Erlebten erhalten Menschen, die noch heute unter den Folgewirkungen leiden, eine pauschale Geldleistung von 9.000 Euro. Wer in den Einrichtungen dem Grunde nach sozialversicherungspflichtig gearbeitet hat, ohne dass Sozialversicherungsbeiträge gezahlt wurden, erhält darüber hinaus eine einmalige Rentenersatzleistung von bis zu 5.000 Euro. "Über die Beratung der Betroffenen hinaus geht es auch darum, geschehenes Unrecht und Leid öffentlich anzuerkennen", so Minister Schmeltzer.

LVR-Direktorin Ulrike Lubek erklärte: „Wenn auch spät, so ist es nun gut, dass über die Anlauf- und Beratungsstelle auch Betroffene Unterstützung erfahren, die in Psychiatrien und Behindertenheimen gelitten haben. Wir hoffen, dass möglichst viele Menschen den Kontakt zu uns suchen." Um die Leistungen in Anspruch zu nehmen reiche es aus, wenn die Betroffenen plausibel erläutern, wann sie in welcher Einrichtung waren, und was sie dort mit welchen Folgen erlebt haben. Personen, die aus gesundheitlichen oder anderen Gründen nicht selbst in eine der Beratungsstellen kommen können, werden bei Bedarf auch zuhause aufgesucht.

Die Stiftung ist bundesweit mit insgesamt rund 288 Millionen Euro ausgestattet, die sich Bund, Länder und Kirchen teilen. An dem Anteil des Landes Nordrhein-Westfalen beteiligen sich auch die beiden Landschaftsverbände, da sie seinerzeit bedeutende Träger von Einrichtungen der Kinder und Jugendpsychiatrie waren und teilweise auch aufsichtführende Stelle über Einrichtungen der Behindertenhilfe. LWL-Direktor Matthias Löb sagte: "Es ist wichtig und richtig, dass sich der LWL in Anerkennung seiner Verantwortung an der Stiftung beteiligt. Gerne bringen wir auch die Erfahrungen ein, die wir bei der Umsetzung des Hilfefonds für ehemalige Heimkinder gesammelt haben. Deshalb haben wir die Anlauf- und Beratungsstelle für Westfalen-Lippe eingerichtet."

Die zum 1. Januar 2017 gestartete Stiftung „Anerkennung und Hilfe" wendet sich an Menschen, die als Kinder und Jugendliche in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1949 und 1975 in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Psychiatrie Leid und Unrecht erfahren haben. Für das Gebiet der ehemaligen DDR gilt eine Sonderregelung. Nordrhein-Westfalen hat sich auf Bundesebene nachdrücklich für die Einrichtung und für eine angemessene Finanzausstattung der Stiftung stark gemacht. Menschen, die heute im Rheinland leben, wenden sich an die Anlauf- und Beratungsstelle in Köln, wer in Westfalen-Lippe lebt, an die Einrichtung in Münster. Die Anlauf- und Beratungsstellen sind ab sofort erreichbar:

LVR, Köln, Tel. 0221 / 809 5001
LWL, Münster, Tel. 0251 / 591 4290

Weitere Informationen über die Stiftung und die Leistungen gibt's unter www.stiftung-anerkennung-hilfe.de

Die Freie Arbeitsgruppe Johanna-Helenen-Heim kritisiert jedoch die Entschädigungsregelung für behinderte Heimkinder. Zum Teil mit ziemlich heftigen Worten, wie es in einem gestern in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) erschienenen Artikel heißt. "Die Arbeitsgruppe versteht sich nicht allein als Interessenvertretung der Opfer in den damaligen Orthopädischen Anstalten Volmarstein. Sie will vielmehr 'Sprachrohr der Sprachlosen sein, all jener, die sich nicht artikulieren können', so Klaus Dickneite, Sprecher der Freien Arbeitsgruppe Johanna-Helenen-Heim. Er war im vorigen Jahr bei einer Anhörung für die geplante Stiftung dabei und stellt empört fest: Die Höhe der Entschädigung bleibt weit hinter den Erwartungen zurück, entschädigt wird in einem umständlichen und entwürdigenden Verfahren", heißt es im Bericht der WAZ.

Link zum Artikel der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung vom 8. Januar 2017

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