Sich mit neuem Gesetz beschäftigen

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Bild von Josef Ströbl
Bild von Josef Ströbl
Bild: kobinet/omp

Kassel (kobinet) Josef Ströbl weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, sich mit Gesetzen zu beschäftigen, auch wenn das gerade für Menschen mit Lernschwierigkeiten zum Teil sehr schwierig ist. Der Inklusionsbotschafter hat es dadurch beispielsweise geschafft, dass er seit einigen Jahren den Sprung aus der Werkstatt für behinderte Menschen geschafft hat und heute ein Persönliches Budget für seine Assistenz bekommt. Er setzt sich dafür ein, dass sich mehr behinderte Menschen auf den Weg machen, die neuen Regelungen des Bundesteilhabegesetzes, wie das Budget für Arbeit, das ab 1. Januar 2018 bundesweit gilt, für mehr Inklusion zu nutzen.

"Ich weiß, wie das schwer ist, wenn man gar nicht seine Rechte weiß. Ich habe mich immer versucht so durchzuwursteln. Zum Beispiel: es wissen bestimmt nicht viele, die in einer Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten, dass es ab 1. Januar 2018 das Budget für Arbeit überall in Deutschland gibt. Ich habe auf dem ersten Arbeitsmarkt eineinhalb Jahre gearbeitet. Das war in den 1970er Jahren. Es gab damals noch keine Unterstützung für den Arbeitgeber. Das war nicht gut. Das Budget für Arbeit ist dann jetzt schon eine Verbesserung. Menschen, die in Werkstätten für behinderte Menschen arbeiten, können jetzt besser so arbeiten wie, alle anderen auch. Das ist ja dann ein gutes Stück Inklusion", so Josef Ströbl gegenüber den kobinet-nachrichten. Aus eigener Erfahrung aus seiner jahrelangen Tätigkeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen weiß er, dass man in einer Werkstatt oft eher eingeengt ist. Man arbeitet oft nur mit anderen behinderten Menschen zusammen. Es sind oft Billiglohnarbeiten und wenn es um den Lohn geht, dann ist das ganz ungerecht. "Denn es wird nicht einmal der Mindestlohn gezahlt. Deshalb ist das Urteil von Josef Ströbl auch klar und deutlich: "Werkstätten für Menschen mit Behinderungen haben nichts mit Teilhabe und Inklusion zu tun." Und damit ist Josef Ströbl in seinem Urteil nicht allein, denn der UN-Fachausschuss zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention hat Deutschland bereits mit seinen Empfehlungen von 2015 ins Stammbuch geschrieben, dass Werkstattplätze Schritt für Schritt in reguläre Arbeitsmöglichkeiten umgewandelt werden sollen.

"Ich habe früher immer gesagt: ich verstehe meine Kolleginnen und Kollegen: So schlecht, wie es in der Werkstatt jetzt ist, aber ich habe doch wenigstens meine Beschäftigung. Aber heute sage ich nach vielen Jahren: die Werkstätten für behinderte Menschen müssen sich da ändern, dass alle Menschen wirklich so arbeiten können, wie sie wollen. Und wo sie wollen. Und was sie wollen. Das Budget für Arbeit ist deshalb für Arbeitergeber gut, weil sie dann die Hilfe, die Menschen mit Lernschwierigkeiten beim Arbeiten vielleicht brauchen, geben können. Sie bekommen auch Unterstützung beim Lohn. Auf dem ersten Arbeitsplatz zu arbeiten ist nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Aber es ist besser, als in einer Werkstatt für behinderte Menschen", so die Erfahrung von Josef Ströbl.

Stark gemacht hat Josef Ströbl, als er vor vielen Jahren bei Mensch zuerst, der Selbstvertretungsorganisation von Menschen mit Lernschwierigkeiten angefangen hat zu arbeiten. "Ich trau' mich einfach mehr, weil ich unterschiedliche Menschen kennen gelernt habe. Früher habe ich immer gedacht: da wo ich arbeiten tu, das ist etwas besonderes. Aber ich war nie glücklich damit. Wenn Arbeitgeber nicht genug Menschen mit Behinderungen einstellen, müssen sie ja Geld bezahlen. Das Budget für Arbeit hilft vielleicht weiter, dass mehr behinderte Menschen eingestellt werden. Mit richtigen Arbeitsverträgen. In Werkstätten sind wir keine richtigen Arbeitnehmer. Wir haben nur ein arbeitnehmerähnliches Verhältnis", so Josef Ströbl.

Josef Ströbl will daher anderen behinderten Menschen Mut machen, sich über ihre Rechte zu informieren und diese auch für sich im Sinne der Inklusion zu nutzen. In der ersten Stufe des Gesetzes wurden ja auch die Arbeit der Werkstatträte gestärkt und geregelt, dass es Frauenbeauftragte in Werkstätten geben muss. Der Inklusionsbotschafter hofft nun, dass diese Rechte auch gut genutzt werden. Vor allem hofft er, dass sich mehr behinderte Menschen, die heute noch in Werkstätten arbeiten, mit den neuen Möglichkeiten einer Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt befassen und hoffentlich auch neue Wege gehen. "Das braucht Mut und ist nicht einfach. Aber es ist möglich, wenn es eine gute Unterstützung gibt", weiß Josef Ströbl aus eigener Erfahrung.

Link zum Zeitplan für das Inkrafttreten der einzelnen Regelungen des Bundesteilhabegesetzes des Paritätischen