Jobportal für Menschen mit Behinderung gestartet

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Felix Hüning
Felix Hüning
Bild: Passfoto Felix Hüning

Karlsruhe (kobinet) Mit einem neuen Online-Portal will der junge Internet-Unternehmer Felix Hüning allen Menschen mit Behinderungen eine weitere Möglichkeit anbieten, eine Festanstellung zu finden.

Persönliche Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit einem sehbehinderten Kollegen, der mit multiplen Sehbehinderungen sehr gute Arbeit leistet, und das Wissen darum, dass gerade Autisten des Asperger Syndroms als IT Berater wegen ihres ausgeprägten logischen Denkens gefragt sind, haben Felix Hüning zu dem Entschluss geführt, mit einem eigenen Portal, die Jobsuche von Menschen mit Behinderungen zu unterstützen. Darin hat ihn auch das Wissen bestärkt, dass erblindete Frauen effektiv bei der Tasterkennung von Brustkrebs arbeiten und Hörbehinderte für Gebärden-Dolmetscher Software erfolgreich in Start-Ups tätig sind.

"Aufgrund des digitalen Wandels bin ich überzeugt," so Felix Hüning, "dass Menschen mit körperlichen Handicaps deutlich bessere Arbeitschancen haben, als zu Zeiten, in denen die körperliche Unversehrtheit und Belastbarkeit eine vorrangige Rolle gespielt haben".

Hüning unterstreicht gegenüber kobinet, dass Inklusion auf politischer, gesellschaftlicher wie auch auf wirtschaftlicher Ebene zunehmend thematisiert wird. "Davon werden Menschen mit Handicap zukünftig profitieren", so Hüning.

In den Gesprächen mit seinem sehbehinderten Kollegen ist Felix Hüning dann auch mit den Schwierigkeiten der Jobsuche von Menschen mit Behinderungen in Kontakt gekommen, so mit der Frage, ob man seine Behinderung bei einer Bewerbung besser verschweigt oder nicht. Als Fachmann für das Internet weiß er, dass es mittlerweile für fast alle Arbeitsbereiche und Nischen eine eigene Jobbörse gibt. Nach einiger Recherche konnte er jedoch, außer bei "Myhandicap", keine Jobbörse für Menschen mit Behinderungen finden, welche seinen Erwartungen gerecht wird - und das obwohl es immerhin bereits mehr als 800 offizielle Inklusionsunternehmen in Deutschland gibt. Das wollte er ändern und hat im Dezember 2016 "Capjob" gestartet. Dieses Portal bietet die Grundlagen eines gewöhnlichen Jobportals an: Eine aktive Suche nach Stelle und Ort, eine passive Suche über den Eintrag des eigenen Lebenslaufs, und das Abonnieren von passenden Jobs, um regelmäßig über neue Stellen informiert zu werden. Dazu kommen besondere Anpassungen für behinderte Menschen, wie ein Filter nach Handicap-Art für die Stellen, sowie die Eintragung der benötigten Hilfsmittel im digitalen Lebenslauf.

"Ich bin bei weitem kein Experte für alle Formen von Behinderungen," sagt Hüning, "aber diejenigen, die ich kenne, sind alle in der Lage zu arbeiten, tun dies mit Begeisterung und alles was sie brauchen, das sind sozial und inklusiv denkende Arbeitgeber, die neben der gewöhnlichen Arbeit noch ein paar wenige Hilfestellungen leisten.

Das Portal wird nicht alle Probleme der Arbeitssuche von Menschen mit Behinderungen lösen, dessen ist sich Felix Hüning bewusst, aber er hofft darauf, ein hilfreiches Angebot zu schaffen. Das Portal wird noch für Screenreader optimiert und eine Kontrast-Einstellung erhalten, damit Jobsucher wie Arbeitgeber ohne Hindernisse so schnell wie möglich zusammen kommen können. Einige von den Besonderheiten seines Portals sind bereits auch bei anderen Realität - aber es gibt sie bisher weder bei der Agentur für Arbeit noch bei anderen privaten Vermittlungsdiensten.

 

 

 

Lesermeinungen zu “Jobportal für Menschen mit Behinderung gestartet” (1)

Von Gisela Maubach

Und heute erscheint nun hier bei kobinet ein Beitrag mit der Überschrift "Austausch zur Arbeit auf erstem Arbeitsmarkt", in welchem schon wieder von "alle" Menschen die Rede ist und zu welchem die Leserbrieffunktion deaktiviert wurde.

Dort lautet das entsprechende Zitat:

"Einen bedarfsgerechten Arbeitsplatz am sogenannten 1. Arbeitsmarkt zu haben und zu behalten gilt als einer der grundlegenden Garanten für Teilhabe aller Menschen."

Es ist höchst bedenklich, dass die UN-BRK und die darin enthaltene Betonung der Vielfalt derart mit Füßen getreten wird, dass Menschen, die behinderungsbedingt arbeitsunfähig sind, von den "grundlegenden Garanten für Teilhabe aller Menschen" ausgeschlossen sind!

Diejeningen, die nun im Zusammenhang mit Arbeit regelmäßig von Teilhabe "aller" Menschen reden oder schreiben, sollten sich mal in die Situation derjenigen versetzen, die dann eben doch nicht zu "allen" gehören.
Und die Verwendung des Begriffes Inklusion verkommt immer mehr zur Scheinheiligkeit, um die Spaltung zwischen "brauchbaren" und "nicht brauchbaren" Menschen mit Behinderungen schönzureden.

Teilhabe aller (!) Menschen kann nur dann stattfinden, wenn auch alle Menschen gemeint sind - auch diejenigen, die nicht arbeitsfähig sind!

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