Sonderstrukturen abschaffen

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Raul Krauthausen unterwegs am Laptop
Raul Krauthausen unterwegs am Laptop
Bild: Andi Weiland

Berlin (kobinet) Raul Krauthausen, Aktivist für Behinderten-Rechte, hat nach der RTL-Sendung „Team Wallraff" heute im Interview mit der Berliner Zeitung gefordert, Sonderstrukturen abzuschaffen und behinderte Menschen in die Mitte der Gesellschaft zu holen. Diese Zustände müssten jetzt unbedingt an die Öffentlichkeit, so der 36-Jährige, der selbst fünf Tage lang undercover in einem Behindertenheim war. "Viele Betroffene erzählen ähnliche Dinge, seien es Bewohner oder Beschäftigte. Dabei geht es in unserer Kritik nicht um den Berufszweig der Pfleger oder um einzelne Mitarbeiter, sondern um Strukturen, die das zulassen und nicht publik werden", betont Krauthausen.

Er kritisierte die totale Isolation von Menschen mit Behinderung innerhalb der Mehrheitsgesellschaft: "Sie befinden sich dort in der Abhängigkeit von anderen Menschen, die sie misshandeln können. Man spricht auch von der so genannten totalen Institution. Wir sind im Übrigen entsetzt von den Reaktionen der Leitungen der Lebenshilfe und der Werkstätten auf die Berichte. Es fehlt dort an Empathie und Solidarität. Die Verantwortlichen tun so, als ob das alles etwas Neues wäre. Sie wischen Verantwortung weg und zeigen auf andere, so dass am Ende niemand die Verantwortung übernimmt und die Zustände so bleiben, wie sie sind."

Als einzigen Ausweg aus dem Dilemma sieht Krauthausen "die Abschaffung von Sonderstrukturen und das Reinholen von behinderten Menschen in die Mitte der Gesellschaft. Wir brauchen Regelschulen, kleine Wohngruppen und die Integration in den ersten Arbeitsmarkt. Das heißt: Wir müssen andere Strukturen aufbauen, statt einzelne Maßnahmen in bestehenden Strukturen wie Sonderrichtungen zu verbessern." Umdenken, kein „Weiter so".

Lesermeinungen zu “Sonderstrukturen abschaffen” (19)

Von Annika

Dass man darauf angewiesen ist, dass das Kind oder der erwachsene Mensch mit Behinderung zumindest teilweise in einer Einrichtung betreut wird, weil man arbeiten gehen muss, könnte dadurch umgangen werden, dass Angehörige, die ihre Kinder, ihre Alten oder ihre "Behinderten" selbst betreuen dafür ein angemessenes Einkommen erhalten. Natürlich dort, wo es von beiden Seiten gewünscht wird. Sowieso gibt es nicht genug und auch nicht immer schöne Arbeitsplätze. Das wäre dann eine mögliche Konkurrenz. Dass Eltern sich den Kopf zerbrechen müssen, wie sie ihre Kinder menschenwürdig unterbringen können und dann noch dafür Amok laufen müssen, ist der Normalfall. Von einigen habe ich gehört, dass sie hoffen, dass die Kinder vor ihnen gehen! Ich habe auch das Gefühl, dass etwas Grundsätzliches in der "Behindertenhilfe" geschehen muss-es ist zwar viel passiert aber nicht wirklich angekommen.

Von Ernst

@ Von Inge Rosenberger
„Der Weg in eine Wohngemeinschaft über das Persönliche Budget ist für mich als Laie jedoch unglaublich schwierig und raubt viel Zeit und Kraft, die ich an anderer Stelle dringend benötige. Trotzdem gehe ich, zusammen mit drei anderen Müttern diesen Weg und erlebe Hindernisse ohne Ende.“

Bundesweiter Fachtag zum Modellprojekt Leistungsmodule am 07.07.2016

http://www.bezirk-mittelfranken.de/index.php?id=626&L=0&no_cache=1&sword_list%5B0%5D=bundesweiter&sword_list%5B1%5D=fachtag&sword_list%5B2%5D=zum&sword_list%5B3%5D=modellprojekt&sword_list%5B4%5D=leistungsmodule

Sie werden in den ganzen Ausführungen kein einziges mal den Begriff Persönliches Budget lesen, weil die Selbstbestimmung anders verstanden wird, als man uns aus Politik und anderen Kreisen erzählt.

Seit 10 Jahren arbeitet man an den Modulen welche Standard werden sollen, aber auch nicht von allen befürwortet werden.

Was nützt uns daher ein BTHG wenn die Leistungsträger anscheinend machen können was sie wollen und dies noch von der Politik vielleicht unterstützt wird?

Von Inge Rosenberger

Wer die Aktivitäten von engagierten Eltern im Blick hat, weiß, dass diese sich sehr stark für die Rechte ihrer behinderten Töchter und Söhne einsetzen. Gleichzeitig müssen diese Eltern weiterhin gegen Ignoranz, Missachtung und Benachteiligung kämpfen, die sich meist auf die völlig hilflosen Menschen konzentriert.
Da viele Menschen mit schwersten Behinderungen sich oftmals ausschließlich durch Freuden- oder Wutschreie, durch Mimik, durch Körperhaltung oder durch "Verhaltensauffälligkeiten" verständlich machen können, wird ihnen als Konsequenz eine Entscheidungsfähigkeit abgesprochen. Dies ist jedoch unhaltbar.
Meine Tochter hat keine Verbalsprache und kann sich auch nicht mit UK verständlich machen. Sie hat mit ihren Augen und ihrem Verhalten eine eigene Kommunikationsform entwickelt, sodass von ihrem Umfeld nach einiger Zeit meistens gut verstanden wird, was sie vom Grundsatz her ablehnt oder bevorzugt. Demzufolge wäre es pure Ignoranz, ihr das Selbstbestimmungsrecht in diesem Rahmen abzusprechen.
Meine Aufgabe ist es dann, die Entscheidungen meiner Tochter nach außen zu verbalisieren und - wenn's sein muss - auch dafür zu kämpfen.
Menschen, die nicht für sich selbst sprechen können, müssen also die Möglichkeit bekommen, sich von denjenigen vertreten zu lassen, die ihre Vorlieben und Abneigungen am besten kennen, und die wissen, wo die Chancen und Risiken für den behinderten Menschen liegen.
Hier ist es unabdingbar, dass wir Eltern eine gute und echte Unterstützung von Seiten der Politik und der Institutionen erfahren, damit wir nicht neben unseren ganzen Verpflichtungen diese ganzen Vorschriften, Paragrafen und Gesetzesauslegungen durcharbeiten, darstellen und dann noch juristisch durchsetzen müssen!
Man stelle sich vor, dass die selbst bestimmten Entscheidungen zur Lebensgestaltung von Frau Maubachs Sohn bzw. meiner Tochter mit Unterstützung von Politik und aller anderen Verantwortlichen ganz selbstverständlich akzeptiert und auf den Weg gebracht würden...

Von Inge Rosenberger

@ Rosa (und natürlich auch an alle anderen, die hier mitlesen und -schreiben)

Ich möchte meine Erfahrungen, Gedanken und Forderungen in zwei Teilen schreiben.
So lange es für viele behinderte Menschen nur Schubladen und keinerlei(!) Wahlmöglichkeiten gibt, können solche Missstände auf Grund der Alternativlosigkeit viel schneller entstehen und eskalieren.
Meine Tochter fühlt sich in ihrer Tagesstruktur sehr wohl, also würde ich diese auch bei weiteren Angeboten (zumindest derzeit) nicht ändern wollen. Die strukturellen und bürokratischen Hindernisse erleben wir in Bezug auf die Wohnsituation, und sie ähneln den Behinderungen, die Frau Maubach aus dem Kampf um eine geeignete Tagesstruktur für ihren Sohn kennt.
Der Auszug unserer Tochter aus dem Elternhaus wird seit mehr als acht Jahren angestrebt. Die vorhandenen Wohneinrichtungen vor Ort sind jedoch durch eine totale Institutionalisierung gekennzeichnet und für meine Tochter somit ungeeignet und nicht zumutbar. Der Weg in eine Wohngemeinschaft über das Persönliche Budget ist für mich als Laie jedoch unglaublich schwierig und raubt viel Zeit und Kraft, die ich an anderer Stelle dringend benötige. Trotzdem gehe ich, zusammen mit drei anderen Müttern diesen Weg und erlebe Hindernisse ohne Ende. Es entsteht zwangsläufig der Eindruck, dass der Kostenträger an einer gemeinsamen Lösung und an einem Fortschritt in der Sache kein Interesse hat. Immer wieder werden an uns als Eltern alle möglichen und unmöglichen Anforderungen gestellt. Mit einer echten Selbstbestimmung hat das nichts zu tun! Es darf nicht sein, dass wir immer noch gegen Ignoranz, Missachtung und Benachteiligung kämpfen. Wer setzt sich diesen Kämpfen aus, wenn wir Eltern das nicht mehr können?

Von kirsti

Liebe Frau Maubach,

die Frage ist aber auch, welchem Personenkreis überhaupt ein Selbstbestimmungsrecht eingeräumt wird. Und dieser Personenkreis ist wesentlich größer als allgemeinhin angenommen wird; ein Beispiel aus dem Undercover- Beitrag: Die Psychisch Behinderten, denen durch die Arbeit mit den Bördelkappen eine „Tagesstruktur“ angeboten wurde, waren ja durchaus in der Lage, sich selbst zu vertreten; nur ist ihnen „von oben“ dieses Selbstbestimmungsrecht verweigert und genommen worden. Sie wurden praktisch entmündigt und durch angebliche Schulungen, die niemals stattfanden, in eine Falle gelockt.

Von Gisela Maubach

Das alles entscheidende Problem ist doch das fehlende Selbstbestimmungsrecht für diesen Personenkreis.

Wer wegen der Vorrangigkeit einer Einrichtung keine Alternative hat, der kann sich auch kaum kritisch zu dieser Unterbringung äußern.

Hier ein Zitat aus einer E-Mail der damaligen Vorsitzenden des Eltern- und Betreuerbeirats der Werkstatt aus Sommer 2014:

" . . . die Bitte, nicht offen anzusprechen wer uns über die Mängel informiert, gibt es aber bei fast allen Anfragen."

Es kann doch nicht weiterhin akzeptiert werden, dass das Abhängigsein von einer vorrangigen Unterbringungsform dazu führt, dass Eltern sich nicht trauen, Kritik offen auszusprechen, weil sie dann Angst haben müssen, dass ihr Kind das anschließend zu "spüren" bekommt oder dass sie sogar den Platz verlieren, obwohl es dann gar keine andere Alternative gibt und Eltern möglicherweise die eigene Berufstätigkeit aufgeben müssen.

Es wird allerhöchste Zeit, dass der Personenkreis, der sich nicht selbst vertreten kann, ins Bewusstsein der Behindertenpolitik gerückt wird und dass Vorrangigkeiten gewisser Unterbringungsformen abgeschafft werden - obwohl genau das im BTHG gerade eben durch den Bundespräsidenten einzementiert wurde.
Aber auch Zement lässt sich wieder aufbrechen . . .

Von kirsti

@ Rosa
Ein Versuch:
Die zugrundeliegenden bürokratischen Hemmnisse und Hürden müssen abgeschafft werden, eine Individualisierung muss „gedacht“ werden dürfen. „Deutsches“ Denken vollzieht sich seit jeher in festen Strukturen und Prinzipien, wie das BTHG eindrücklich zeigt… Wenn diese festverankerten Strukturen an irgendeiner Stelle von irgendjemandem angezweifelt werden, gerät das hierarchische System außer Kontrolle – und Panik bricht aus. Solange die Verantwortlichen immer alles unter „Kontrolle“ haben wollen, wird Missbrauch niemals ausgeschlossen sein. Ich plädiere daher für mehr Eigenverantwortung, Selbstbestimmung, Zutrauen in die Entscheidungsfähigkeit mündiger Bürger. Und das nicht nur als Floskel, sondern als gelebte demokratische Wahlfreiheit und Wirklichkeit.

Von Rosa

@Inge Rosenberger

"Eine grundlegende Änderung der Bedingungen kann dadurch leider nicht erreicht werden."

Was also können wir tun, um dies zu erreichen??

Gruss
Rosa

Von Inge Rosenberger

Es ist sehr wichtig, dass Misshandlungen öffentlich gemacht werden. Für mich besteht dabei jedoch die Gefahr, dass diese Ereignisse - wie es so oft geschieht - als Skandal polemisch und unsachlich hochgekocht werden und dann gerade deshalb genau so schnell wieder in der Versenkung verschwinden. Eine grundlegende Änderung der Bedingungen kann dadurch leider nicht erreicht werden. Und gerade das wäre doch so wichtig!
Ich frage mich auch, warum sich solche Bedingungen überhaupt etablieren können, und ob die Verantwortlichen und/oder die Aufsichtsbehörden da nicht genauer hinschauen können (oder wollen).
Ich erlebe, dass die in der Sendung gezeigten Verhältnisse pauschal auf alle Einrichtungen übertragen werden. Schon jetzt lese ich wieder die Forderung, alle Sondereinrichtungen abzuschaffen. Das wäre für viele behinderte Menschen und deren Angehörigen jedoch eine Katastrophe. Ich sehe jeden Tag, dass unsere Tochter mit einem lauten Lachen aus dem Haus geht, wenn der Bus morgens kommt. Sie hat dort ihre kleine Gruppe, sie kann sich frei bewegen und ist sehr oft in der Stadt unterwegs.
Förderstätten, die ihren Auftrag zur „Teilhabe am Leben in der Gesellschaft“ wirklich ernst nehmen, leisten m.E. eine wichtige und unverzichtbare Arbeit.
Die Bedingungen in den Einrichtungen der Behindertenhilfe sind jedoch sehr unterschiedlich, und nicht jede Einrichtung ist für jeden Menschen geeignet.
Deshalb wiederhole ich meine Forderung: für jeden Menschen mit Behinderung muss es ein gesetzlich verankertes Anrecht und eine Wahlmöglichkeit für eine geeignete Wohnforum und eine geeignete Tagesstruktur mit einem personengebundenen Budget ermöglicht werden. Dies kann in den bereits vorhandenen Einrichtungen der Eingliederungshilfe (Wohneinrichtungen, WfbM oder Tagesförderstätte) geschehen, oder in Eigenregie. Eine solche Wahlfreiheit würde auch bewirken, dass die Angebote sich entweder nach den Wünschen und den Bedarfen der behinderten Menschen ausrichten oder überflüssig würden.

Von Annika

Mein Sohn besucht mit einem Schulbegleiter die 7. Klasse einer Realschule plus. Wir haben nach schlechten Erfahrungen mit einem heilpädagogischen Kindergarten, wo man ihn nicht gerne sah, auf diesem Weg eine ständige Begleitung für ihn. Leider, habe ich gelesen, sind nicht einmal 30 % der behinderten Schüler in Regelschulen, wo sie dann auch für die "normalen" Kinder sichtbar wären. Kinder mit Behinderungen können es sich kaum aussuchen, welche Schule sie besuchen wollen.
Um denen zu helfen, sehe ich auch nur die Möglichkeit der Abschaffung der "Sonder"schulen.

Von Interessierte

Warum klappt woanders, was in Deutschland unmöglich erscheint? Und warum kommt nicht erst der Mensch und dann die Frage nach den Kosten, die mit vernünftigen Konzepten sicher auch nicht um ein Vielfaches höher sind, als die Bewirtschaftung von Heimen, die zum Nachteil und mit Abstrichen in der Lebensqualität nur gewinnbringend arbeiten. Ein Punkt ist z.B. das oft gar keine Fachkräfte eingesetzt werden, wo sie nötig sind und trotzdem für Fachpersonal abgerechnet wird. Die Skandale , die im Bereich der ambulanten Pflege dafür ein gutes Beispiel sind, sind noch nicht so alt. Es geht anders, wie es Europa bereits beispielhaft gezeigt wird. Wann auch in der BRD?

https://www.alltag-in-schweden.de/behindertenversorgung-in-schweden.php

Von kirsti

Liebe Frau Maubach,

ja natürlich; alles hat mindestens zwei Seiten: Und die Vorrangigkeit der Werkstatt vor der sozialen Teilhabe ist natürlich ein Thema, das nicht außen vorbleiben darf. Und dass der im BTHG fixierte „Werkstattzwang“, der so auch schon faktisch immer bestand, nun auch noch gesetzlich abgesichert ist, darf nicht aus dem Blickfeld geraten! – Er ist neben der drohenden Heimeinweisung der eigentliche Skandal dieses sogenannten Bundesteilhabegesetzes.

Von Interessierte

Herr Krauthausen kann nicht ernsthaft der Meinung sein, dass eine Regeleinrichtung Missbrauch und Misstände verhindert. Insofern sind Regeleinrichtung keine Garantie, obwohl es natürlich wichtig ist, die Inklusion voran zu treiben. Das Vertuschen von Problemen ist eine uralte Masche, die behinderte Menschen, die sich nicht mitteilen können überall treffen kann. Das Problem kann minimiert werden, wenn möglichst viele Menschen ein Interesse daran haben, Menschen mit Behinderung nicht menschen verachtend behandeln zu lassen. Dass es in Sondereinrichtungen nur schlechte Menschen gibt, dem widerspreche ich aber ganz deutlich. Und Menschen, die Angst um ihre Arbeitsplätze haben, gibt es überall. Auch Menschen, die andere unter Druck setzen und im Vertuschen geübt sind, sind kein Phänomen von Sondereinrichtungen. Das muss nicht bedeuten, dass alte Systeme nicht erneuert werden müssen.

Von Gisela Maubach

@ kirsti

Entschuldigung wenn Sie mich missverstanden haben.

Im ersten Satz meines Leserbriefes liegt die Betonung auf dem Wort "nur".

Auch wenn ich schreibe, dass der Bedarf des arbeitsunfähigen Personenkreises nicht nur Wohnen lautet, bitte das "nicht nur" richtig interpretieren, denn es kann nicht sein, dass die gerade im BTHG fixierte Vorrangigkeit der Werkstatt (vor Sozialer Teilhabe) nie thematisiert wird - und das auch noch im Zusammenhang mit dem vorliegenden Thema.

Wenn Selbstbestimmung - dann Selbstbestimmung für alle.
Die Vorrangigkeit einer Sondereinrichtung bei der Tagesstruktur führt das vorgegaukelte Selbstbestimmungsrecht ad absurdum.


Von Tomtom

Gut , wieder mal eine öffentliche Kulissenschau. Was u. Wem nützt's?!? RTL kann sich wieder mal im "Licht" der Gesellschaftskritik aalen , es gibt ein bisschen öffentl. Zuwendung und Aufmerksamkeit , samt Tantimen , für eine handvoll MmB und das war's . Ich bin seit 32 Jahren chronisch Krank , seit 20 Jahren GdB-"siert" und berentet. In den 20 Jahren habe ich Nichts anderes erlebt , alsDiskriminierungen , Herabwürdigungen , Benachteiligungen. Ob von den Behörden , die eigentlich für die Umsetzung der Sozialgesetze leisten sollen ; ob von den Kranken-u. Rentenversicherungen ; oder den Medizinern und Hilfseinrichtungen. Es spielt keine Rolle , genausowenig ,ob ich vor der Behinderung Millionenwerte schuf und 8 Menschenleben in meiner Freizeit rettete . Alles egal , bin nur noch ein "Kostenfaktor" , welcher so klein wie möglichgehalten werden soll. Ich sag nur noch : "Vergelt's GOTT"- Und zwar hundertfach Alles , was die " Leistungs-' Entscheidungs- u. Hilfeträger" Anderen antun !

Von kirsti

Liebe Frau Maubach,
selbstverständlich geht es um das „Leben“ mitten in der Gesellschaft. Und um nichts anderes! Um Wiederholungen zu vermeiden – obwohl unvermeidbar -: Persönlich habe ich zwei „Kinder“ mit unterschiedlichen Behinderungen, von denen zumindest bei einem Kind jegliche Form der Arbeit krankheitsbedingt überhaupt nicht in Frage kommt. Dennoch wünsche ich diesem „Kind“ ein Leben nach eigenen Vorstellungen ohne jegliche „Sonderstrukturen“- und diese beziehen sich zurzeit hauptsächlich eben alleine auf ein irgendwie selbstbestimmtes Wohnen.

Von Gisela Maubach

Wie Susanne v.E richtig feststellt, ist hier schon wieder nur von Schule, Wohnen und Arbeitsmarkt die Rede.

In diesem Beitrag vermisse ich außerdem die Forderung nach Selbstbestimmung (!) bei der Tagesstruktur für den Personenkreis, der eben keine Chance auf dem Arbeitsmarkt hat. Der Bedarf dieses Personenkreises lautet nicht nur "Wohnen".
Die unmittelbare Abschaffung aller Sonderstrukturen ist unrealistisch und wird auch sofort diejenigen mobilisieren, die für "ihre" Werkstatt oder ihre Tagesförderstätte kämpfen würden.

Mit dem BTHG wurde gerade die Vorrangigkeit der Werkstatt vor Sozialer Teilhabe fixiert. Diese Vorrangigkeit muss gestrichen werden!!!!
Bei einem Selbstbestimmungsrecht hätten die Werkstätten einen eigenen Anreiz, ihre Angebote so attraktiv zu gestalten, dass man sich selbstbestimmt für sie entscheiden kann. Damit könnte man diese Zustände schneller und effektiver verbessern.

Von Susanne v.E

"Wir brauchen Regelschulen, kleine Wohngruppen und die Integration in den ersten Arbeitsmarkt. "

Selbstverständlich kann man sich diesen Forderungen nur anschließen.
Es fehlt aber (wie immer!!!), die Forderung nach Abschaffung des Werkstattzwangs fürdiejenigen, die niemals in den ersten Arbeitsmarkt gelangen werden. Auch die totale Isolation von Menschen mit schweren geistigen und Mehrfachbehinderungen darf nicht toleriert werden.
Eine Schande, dass immer wieder gebetsmühlenartig darauf hingewiesen werden muss, das auch diese Gruppe der Menschen mit Behinderung Anspruch auf Teilhabe und Wahrung ihrer Würde haben.

Von kirsti

Vollkommene Unterstützung für die Aussagen von Raúl Krauthausen!- Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es „verdammt“ schwierig ist, einem Kind, Jugendlichen, Heranwachsenden oder jungen Erwachsenen zu erklären, warum er oder sie nicht in die Mitte dieser Gesellschaft aufgenommen wird. Man stößt ständig an Grenzen, die von Eltern, Bezugspersonen – wenn es die außerhalb des Elternhauses überhaupt gibt -, nicht aus eigener Kraft zu überwinden sind. – Meine jüngste Tochter schrieb, als sie noch klein und hoffnungsfroh war, trotz allem von allen Nachbarskindern wegen ihrer sichtbaren Behinderung ausgeschlossen wurde, mit Kreide quer über unsere Straße den Satz „Ich lebe auch hier!“ – Der Erfolg war jedoch nur, dass weiter über sie getuschelt wurde, obwohl sie in den ortsansässigen Kindergarten und später auch in die Schule des Ortes ging. Daher sehe ich es als gesamtgesellschaftliche Aufgabe aller Eltern, Erzieher und Mitmenschen an, ihre Kinder oder sich selbst so zu erziehen, dass sie „Behinderte“ und alle anderen mit Empathie wahrnehmen. Eltern und Behinderte selbst können das nicht alleine leisten!

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