Wohlfahrtsorganisationen genau auf die Finger schauen

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Raul Krauthausen unterwegs am Laptop
Raul Krauthausen unterwegs am Laptop
Bild: Andi Weiland

Berlin (kobinet) "Ab sofort schauen wir den Wohlfahrtsorganisationen ganz genau auf die Finger. Dabei geht es nicht nur um die Lebenshilfe – sondern um alle Wohlfahrtsorganisationen", das kündigte Raul Krauthausen von AbilityWatch in einem vielbeachteten Beitrag auf Facebook am Wochenende als Konsequenz aus den Recherchen des Team Wallraff von RTL in einer Reihe von Behinderteneinrichtungen an. Er rief dazu auf, Erfahrungen aus Behinderteneinrichtungen an AbilityWatch zu schicken.

"Was das Team Wallraff aufgedeckt hat, ist ein strukturelles Problem. Die mafiaartigen Verknüpfungen zwischen Politik, Behörden und Wohlfahrtsverbänden haben ein gutes BTHG #nichtmeingesetz verhindert. Politische Akteure, Behördenvertreter, welche oft gleichzeitig teilweise höchste Funktionen in den Wohlfahrtsverbänden und Institutionsträgern bekleiden, verhindern, dass sich an diesen Sonderstrukturen etwas ändert. Zu viele Posten und Pöstchen, zuviel Macht wäre in Gefahr. Man hat sich so schön eingerichtet in diesen Strukturen und viele haben ein schönes Auskommen. Man spielt sich die Bälle zu. Nur eins spielt keine Rolle in diesem perversen Spiel: Die Freiheit und Selbstbestimmung der Betroffenen. Der Menschen mit Behinderungen", schreibt Raul Krauthausen in seinem Beitrag. Raul Krauthausen hat letztes Jahr selbst ein Heimexperiment durchgeführt, als er sich undercover mit anderem Namen einige Tage in einem Heim pflegen ließ und über die Erfahrungen mit versteckter Kamera in RTL berichtete. Auch beim Team Wallraff wirkte Raul Krauthausen als Experte mit.

"Ein 'Weiter so!' darf es nicht geben! Weg vom Versorgungsgedanken der behinderten Menschen durch Unternehmen und Organisationen – hin zum selbstbestimmten Leben in der Mitte der Gesellschaft. Schickt AbilityWatch oder mir eure Beobachtungen und Erfahrungen", so der Appell von Raul Krauthausen.

Link zum vollständigen Beitrag mit einem Formular für die Zusendung von Erfahrungen mit und in Behinderteneinrichtungen

Lesermeinungen zu “Wohlfahrtsorganisationen genau auf die Finger schauen” (8)

Von Annika

so ist es, ein Mensch ist immer so alt wie er ist und auch so zu behandeln bzw. zu respektieren, er hat die ganze Erfahrung seiner Lebenjahre bei sich, ob er nun Alzheimer, eine geistige Behinderung oder ein Schädelhirntrauma hat- schon möglich, dass man uns auch gerne für dumm verkaufen und wie Kinder behandeln will- ist ja auch einfacher und bequemer und kratzt nicht am eigenen Ego, das sich (wie von Tomtom beschrieben) auch gerne darüber definiert Behinderten hilfreich zu sein. Was aber, wenn die nicht dankbar sind?

Von Interessierte

Liebe Annika, Ihr Beitrag lässt erahnen, dass es nicht von der Hand zu weisen ist, dass Menschen, die sich nicht altersgerecht entwickeln können oder im Alter Defizite aufweisen, schlicht als Kinder betrachtet werden. Ich schließe nicht aus, dass Krankheiten oder auch mentale Ursachen tatsächlich nur ein Niveau ermöglichen, das kleinen Kindern gerecht wird. Wenn Regeln aber so festgelegt sind, dass es zum Thema keine Diskussion gibt und wir uns damit abfinden müssen, dass die "Raupe Nimmersatt" das richtige Buch für einen Schüler mit 14 Jahren ist, der trotz seines Handicaps lesen kann, läuft gewaltig etwas verkehrt. Erfahrungsgemäß kann ich auch davon berichten, dass sich Personal auf Grund von Vorgaben, an manchen Dingen festbeißt, über die wir den Kopf schütteln. Das größte Problem, dass es Situationen gibt, die einem das Gefühl geben, man ist selbst ein Kind, das nicht widersprechen darf.

Von Annika

Hallo Interessierte, wollte was zur Märchenstunde loswerden:
Vor den Herbstferien erhielt ich den Auftrag seitens der Schule das Buch "Die Raupe Nimmersatt" für meinen fast 14jährigen Sohn mit geistiger Behinderung zu besorgen. Er sollte es bei einem Vorlesewettbewerb vorstellen. Nach jahrelanger Erfahrung versuche ich mich im Gleichmut zu üben, schaffte es aber in diesem Fall nicht und musste der Schule mitteilen, dass dieses Buch in den Elementarbereich (sprich Kindergarten) gehört...
Es ist leider auch bei studierten Fachleuten noch nicht angekommen, dass altersgemäße Literatur und Themen Verwendung finden sollten, wobei es viele tolle Sachen (in einfacher Sprache...)gibt- auch für ältere Leute. Wahrscheinlich hapert es schon an den Inhalten der Ausbildung und auch hier muss von Grund auf ein anderes Menschenbild gelehrt werden!

Von Interessierte

Was die Werkstätten betrifft frage ich mich schon lange, warum es immer noch keine Möglichkeit gibt, die Menschen direkt zu bezahlen? Sicher muss zwischen Beschäftigungstherapie und Menschen, die wirklich arbeiten unterschieden werden. Aber der Selbstwert muss gestärkt werden. Es macht kein gutes Gefühl, wenn Menschen dann nur wenige Euro als Verdienst erhalten, wenn sie den ganzen Tag arbeiten und dann auch noch dazu gezwungen werden sollen, weil niemand anders bereit ist, ihnen eine Chance zu geben. Auch hier kann und muss endlich etwas geändert werden. Die Menschen sloen doch nicht ständig das Gefühl vermittelt bekommen, dass man sie als Mensch am Rande der Gesellschaft betrachtet, die diesen überholten Strukturen aushalten müssen!!

Von Interessierte

In dem Heim, das ich regelmäßig besuche, sitzen die alten Bewohner oft sehr gelangweilt herum und sind für jede noch so kleine Unterhaltung(auf ihrem Niveau) dankbar. Ich finde auch die Vorstellung grausig, Märchen vorgelesen zu bekommen, wenn ich alt bin. An einer Märchenstunde nehmen diese alten Menschen freiwillig teil. Mag für einen Teil auch das Richtige sein. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass es eine Pauschalhaltung ist, alte Menschen mit kleinen Kindern gleich zu setzen. Das gibt es vielleicht auch in anderen Heimen für behinderte Menschen. Das finde ich nicht immer und in allen Einzelsituationen richtig. Es muss sich viel ändern.

Von Interessierte

Ich habe nun einmal eine Frage zu den Kosten, insbesondere in der Pflege. Persönlich habe ich negative Erfahrungen mit einem ambulanten Dienst, der sich nicht besonders gut um die zu Pflegende gekümmert hat, aber besonders teuer war. Wenn ich es nun richtig in Erinnerung habe, wurde ein Stundenlohn von ca. 40€ abgerechnet. Hinzu kam dass jer Arbeitsgang noch einmal extra gekostet hat. Muss es wirklich sein, dass auf den Stundenlohn noch extra etwas drauf geschlagen wird? Das vergleiche ich vielleicht auch etwas überzogen so, wenn der Handwerker oder sämtliche andere Dienstleister auch die Möglichkeit bekämen, ihre Arbeit so zu verrechnen, wo würde das hin führen? Liege ich mit meiner Meinung völlig falsch? Und wie sieht es mit den zu Pflegenden im Heimen aus? Aus Erfahrung kann ich sagen, dass einige sehr viel Zeit allein verbringen. Die Grundversorgung ist gewährleistet. Sicher gibt es Unterschiede in der Intensivpflege, die mehr Aufwand nötig machen. Aber 1:1 Betreuung wird in den seltensten Fällen bezahlt. Freit wird meistens so geplant, dass nur sehr wenig Personal mit Gruppen unterwegs ist. Mein Gedanke, bzw. die Rechnung muss doch bei der Praxis gewinnbringend sein, wenn man sich die Kosten von Heimen anschaut. Ein eher kleines (Zweibettzimmer) Personal, dasssich immer gleichzeitig um mehrere kümmert usw.....Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum die Gelder angeblich nicht reichen. Es ja nun mal nicht dafür gedacht, für Neubauten Rücklagen zu bilden, sondern soll den Einzelnen eine gute Pflege und auch ausreichend Personal gewährleisten. Also ich tue mich echt schwer, in Anbetracht der Praxis, die sehr zu wünschen übrig lässt, eine Rechnung aufzumachen, die ins - führt. Es müssen, da bin ich ganz bei Herrn Krauthausen, Entwürfe her, die ein SELBSTBESTIMMTES Leben garantieren. Auch Heime müssen nicht aufgelöst werden, sondern können sich zu kleinen Wohngruppen verändern. Mich stört es enorm, wenn Erwachsene wie kleine Kinder behandelt werden.

Von Wombat

Auch Behörden wie z.B. der Bezirk Oberbayern sollten besser kontrolliert werden, denn da passieren ganz gravierende "Versehen", da man sich dort nicht an geltendes deutsches Recht halten mag.

Von kirsti

Genau: Die unheilvolle Verflechtung zwischen der Bundesagentur für Arbeit und Berufsbildungswerken, als deren Finanzier, haben die Zukunft unserer Tochter „in den Boden gestampft“. Sie sollte trotz guter bis sehr guter Noten in der BBW-eigenen Berufsschule auf Grund ihrer Behinderung in die WfbM verschoben werden, hätten wir nicht rechtzeitig die Notbremse gezogen und sie nach Hause geholt. In nachfolgenden „Gesprächen“ wurde von der BA unterstellt, wir Eltern hätten auch den Realschulabschluss sowie die Empfehlung zur weiterführenden Beschulung unserer Tochter „zu verantworten“, d.h. unsere Tochter sei gar nicht in der Lage, einen Realschulabschluss zu erreichen! - Dass sie jetzt traumatisiert zu Hause sitzt, interessiert niemanden mehr.

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