Empörung allein reicht nicht aus

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

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Bild: kobinet/ht

Köln (kobinet) Die dramatischen Bilder in der RTL-Sendung "Team Wallraff“ zeigen sehr deutlich die Haltung mancher Betreuerinnen und Betreuer gegenüber behinderten Menschen. Aufgrund dessen sei es nun nicht mehr möglich, Ausreden oder beschwichtigende Erklärungen zu finden. Diese Bilder seien so aussagekräftig, dass die Einrichtungsleitungen reagieren und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden müssten. Auf den ersten Schritt der allgemeinen Empörung müsse nun jedoch der zweite Schritt folgen: die Suche nach Ursachen und Lösungen, heißt es in einer Stellungnahme des Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben (KSL) für den Regierungsbezirk Köln. 

Nach Ansicht des Kompetenzzentrums muss der Fokus darauf gelegt werden, dass ein erneutes Entstehen derartiger Verhältnisse und Zustände für die Zukunft ausgeschlossen werden kann. Hierzu müssen die Rahmenbedingungen in derartigen Einrichtungen in vielerlei Hinsicht drastisch verändert werden. Viele behinderte Menschen wachsen in Einrichtungen der Behindertenhilfe auf und leben dort. Es gibt eine klare Hierarchie – nichtbehinderte Betreuerinnen und Betreuer oben und behinderte Menschen unten. Wie sollen behinderte Menschen in einem solchen Kontext lernen, sich selbst zu vertreten und eigene Wünsche, Rechte und Bedürfnisse zu äußern? Auch heute noch werden ihnen diese häufig abgesprochen. Innerhalb der gezeigten Einrichtungen greift Verrohung in Wort und Tat um sich. Diese Verrohung ist so alltäglich, dass sie den Verantwortlichen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, aber auch den Angehörigen und den gesetzlichen Betreuerinnen und Betreuern der dort untergebrachten behinderten Menschen oftmals gar nicht mehr auffällt. Daher können diese Zustände dort gar nicht mehr thematisieren oder gar verändern werden, heißt es in einer Presseerklärung des Kompetenzzentrums.

Es sie daher dringend erforderlich, behinderte Menschen als selbstbestimmte Individuen wahrzunehmen, die ihre Rechte kennen, sich dieser bewusst sind und deren Umsetzung einfordern dürfen und sollen. Sie hierzu zu befähigen, sei eine wichtige Aufgabe. Dazu müssten den behinderten Menschen in den Einrichtungen unabhängige Ansprechpersonen zur Verfügung gestellt werden, die ihnen parteilich zur Seite stehen. Genauso wichtig ist es, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in derartigen Einrichtungen die Möglichkeit zu geben, sich an unabhängige Vertrauenspersonen innerhalb und außerhalb der Einrichtung wenden zu können, um eventuelle Verfehlungen melden zu können.

"Behinderte Menschen sind Experten und Expertinnen in eigener Sache und sie müssen in alle Entscheidungsprozesse mit einbezogen werden. Eine wirkliche Auseinandersetzung kann nur auf Augenhöhe stattfinden. Sie benötigen ein wirkliches Mitspracherecht, wie das in vielen Unternehmen der freien Wirtschaft der Betriebsrat hat", so die Forderung des Kompetenzzentrums.

Aufgrund seiner langjährigen Kompetenz in der Unterstützung von Menschen mit Behinderung würde das KSL Köln gerne alle Beteiligten dabei unterstützen, Prozesse in Gang zu setzen, in denen die Rechte aller behinderter Menschen gewahrt werden und ein selbstbestimmtes Leben möglich ist.