Austausch für mehr Inklusion

Veröffentlicht am von Harald Reutershahn

Workshop im Frankfurter Spenerhaus
Workshop im Frankfurter Spenerhaus
Bild: netzwerk inklusion frankfurt e.V.

Das Netzwerk Inklusion traf sich mit Werkstätten für Menschen mit Behinderung im Frankfurter Spenerhaus

Frankfurt a.M. (kobinet) Inwieweit lässt sich der Wunsch nach mehr Inklusion mit den Konzepten von Werkstätten vereinbaren? Dieser Frage gingen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am 9. März innerhalb eines Workshops im Frankfurter Spenerhaus auf den Grund.

"Wir freuten uns sehr zu hören, dass die Werkstätten vielerorts schon auf dem Weg Richtung mehr Inklusion sind", sagt Alexandra Cremer, Vorsitzende des Netzwerk Inklusion Deutschland e.V. Gemeinsam mit ihrer Kollegin, Alexandra von Winning von Good Growth, hatte sie Fachkräfte von Werkstätten zu einem Workshop und Austausch eingeladen. Die Organisatorinnen waren positiv überrascht von der großen Resonanz. "Es gibt so viel Potential bei Menschen mit Behinderung als Bereicherung für den Arbeitsmarkt. Davon können Wirtschaft und Gesellschaft nur profitieren", so von Winning.

 20 Fachkräfte von Werkstätten aus Frankfurt, Hattersheim, Oberursel, Friedberg, Hainbachtal, Darmstadt-Dieburg, Gießen, dem Main-Kinzig-Kreis, Nieder-Ramstadt, Rhein-Main, Rüsselsheim und Bensheim nahmen an dem Austausch teil und berichteten aus ihrer täglichen Praxis. Die Herausforderungen der Fachkräfte für berufliche Integration (FBI) sind vielfältig: Arbeitgeber für Praktika und Betriebsintegrierte Beschäftigung (BiB) zu gewinnen, Schulen und Angehörige zu informieren und der Problematik innerhalb der Werkstätten entgegenzuwirken, dass Leistungsträger vermehrt in den 1. Arbeitsmarkt abgegeben werden. Alle Werkstattträger haben eine Zielvereinbarung, wie viele Menschen sie auf den allgemeinen Arbeitsmarkt integrieren sollen. Grundlage hierfür ist das Hessische Übergangspapier. Diese Handlungsgrundlage ist seit 2013 in Kraft.

Natürlich sei jeder "Mensch ein Gewohnheitstier" und Veränderungen im Rahmen der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) anzunehmen, treffe nicht immer und bei allen Beteiligten auf Begeisterung, so Alexandra Cremer. Das sei in Schulen gleichermaßen so wie in Werkstätten und im Arbeitsmarkt – und manchmal gehöre auch dazu, bereits Beschäftigte zu einem Einsatz außerhalb der Werkstatt zu motivieren. Nicht jeder behinderte Mensch wünsche sich das für sich. Aber insbesondere die Menschen, die den Wunsch haben, müssten kompetent begleitet werden.

Das ist die Aufgabe der Fachkraft für berufliche Integration (FBI), die es in jeder Werkstatt gibt. Sie berät auch gerne Arbeitgeber unverbindlich über die Möglichkeiten. Zum Beispiel über ein Betriebspraktikum oder eine Betriebsintegrierte Beschäftigung (BiB). Betriebe, die Werkstattbeschäftigten eine BiB anbieten, können Leistungen des Integrationsamtes erhalten. Ziel der BiB ist ein regulärer Arbeitsvertrag, jedoch ist auch eine unbefristete Maßnahme möglich. Es gibt aber auch Konzepte wie die Kombi-BiB, wobei die Person tageweise in einem Betrieb und auch in der Werkstatt arbeiten kann. Es sind viele Ideen, Umsetzungsmöglichkeiten und auch Gestaltungsspielraum möglich, wenn sich Betriebe und Werkstätten gemeinsam engagieren.

Fazit des Treffens war, die Übergangsarbeit von Werkstätten und ihre Öffnung in den allgemeinen Arbeitsmarkt mehr publik zu machen und auch mit den Projekten des Netzwerk Inklusion Deutschland e.V. zu verknüpfen.

So gibt es z.B. am 5. Mai 2017 in der IHK das Personalforum "Personal. Fachkräfte. Diversity. - Chancen der Inklusion für Arbeitgeber", das sich mit umfangreichem Tagesprogramm an interessierte Arbeitgeber sowie Betroffene richtet, über aktuelle Möglichkeiten informiert sowie direkte Kontaktmöglichkeiten und Gespräche bietet.

Zudem das Projekt InkluJobs mit Sensibilisierungsworkshops und Unterstützung für Hochtaunuskreis und Frankfurt sowie die Kooperation mit dem Webportal Capjob.de – allesamt Ideen, um Arbeitgeber und Menschen mit Behinderung auf ihrem Weg in den 1. Arbeitsmarkt zu unterstützen. Denn Integration war gestern – heute ist Inklusion!

Mehr Informationen auf www.netzwerkinklusion.de.

 

Lesermeinungen zu “Austausch für mehr Inklusion” (6)

Von Ernst

Auch dieser Satz ist nicht schlecht:
„Alle Werkstattträger haben eine Zielvereinbarung, wie viele Menschen sie auf den allgemeinen Arbeitsmarkt integrieren sollen.“

Frage:

Wo könnte man denn diese Zielvereinbarungen einsehen und wie schaut es denn mit aktuellen Zahlen in der Erreichung der Ziele aus, bzw. wie waren die Vereinbarungen im Einzelfall des hier hervorgehobenen Zieles gestaltet? Wie viele Rückläufer sind eigentlich eingeplant nur um die Vorgaben zu erfüllen, wobei man genau weiß, mit dem richtigen Stellen der Weichen fährt über kurz oder lang der Zug wieder im Abgangsbahnhof ein, aber man hat es zumindest versucht für die Statistik.

Von TINA

"... und der Problematik innerhalb der Werkstätten entgegenzuwirken, dass Leistungsträger VERMEHRT in den 1. Arbeitsmarkt abgegeben werden."

Eine solche "Problematik" sehe ich eher nicht, wenn man bedenkt, dass bundesweit jährlich weitaus weniger als 1 Prozent (!) von den WfbM in den Ersten Arbeitsmarkt wechseln, Stand 2006. Oder kennt jemand etwa höhere jährliche Übergangsquoten (Prozentsätze) neueren Datums bei den Übergängen aus WfbM auch nur eines einzigen Landes oder einzelner Bundesländer? Habe leider nichts gefunden im Web und nach einer Stunde Webrecherche aufgegeben: Bin kläglich gescheitert! Wer kann besser recherchieren als ich?

Von Uwe Heineker

Verlogenheit und Heuchelei von übelster Sorte: und wieder redeten nur "Fachkräfte" über Menschen mit Behinderung ...

Von Sven Drebes

Ist in dem Halbsatz
"und der Problematik innerhalb der Werkstätten entgegenzuwirken, dass Leistungsträger vermehrt in den 1. Arbeitsmarkt abgegeben werden."
ein Formulierungsfehler, oder haben die Werkstattvertreter hier versehentlich ihre wirkliche Aufgabe verraten, Inklusion durch Schein-Maßnahmen zu verhindern? Werkstätten sind nur dann auf den Weg zur Inklusion, wenn sie alles dafür tun zu schrumpfen. Solange aber Jahr für Jahr mehr Menschen in Werkstätten aufgenommen werden als diese in Richtung anderer Arbeitsstätten verlassen, bleiben Werkstätten Inklusions-Hindernisse.

Von Arnold

Man sollte einmal Fragen ob diese Menschen oder Familienangehörige Menschen mit Beeinträchtigungen in der Familie haben und kennen die es nicht zu geben wäre eine bessere Aktion .Feiglinge gibts viele !

Von Arnold

Hallo an alle Klienten die in behinderten Werkstätten arbeiten .

Jetzt läuft wieder so eine super Aktion .Ich schau rein und weiß dann wie das Leben in Werkstätten für Menschen mit Beeinträchtigungen ist .Das glaubt doch keiner von den Menschen die diesen Bericht erstellt haben .Tür auf ,Tür zu ,und ich kenne alles ,tolle Geschichte aber leider keine Ahnung .

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