Bahnkundenverband fordert einheitliche Bahnsteighöhen

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Bahnsteighöhen sind wichtig für Barrierefreiheit
Bahnsteighöhen sind wichtig für Barrierefreiheit
Bild: H. Smikac

Berlin (kobinet) Der Deutsche Bahnkunden-Verband (DBV) hält es für notwendig, dass sich die neue Bundesregierung ab Oktober 2017 auch mit der Einführung einer einheitlichen Bahnsteighöhe für ganz Deutschland beschäftigt. Diese muss zwingend für alle Neu- und Umbauten gelten – unabhängig von wirtschaftlichen Interessen der DB AG.

Bahnsteighöhen von 55, 76 oder 96 cm das sind keine Glaubensfrage, sondern inzwischen ein drängendes Problem, sagt der Bahnkundenverband. Diese Bahnsteighöhen gibt es in Deutschland querbeet durch alle Bundesländer. Was bisher in der Bundespolitik niemand bedacht zu haben scheint: es wird endlich Zeit, dass es eine Bahnsteighöhe in der gesamten Bundesrepublik gibt - so die Forderung dieses Verbandes.

Eine einheitliche Bahnsteighöhe vom Norden bis Süden, vom Westen bis in den Osten Deutschlands tut 28 Jahren nach der politischen Wende in Deutschland not. In einigen Jahren stehen die ersten Bahnsteige, die nach 1989 neu gebaut wurden, zur Sanierung an. Und dann gibt es da noch ein Datum: Zum 1. Januar 2022 muss es nach dem Personenbeförderungsgesetz die vollständige Barrierefreiheit im öffentlichen Verkehr hergestellt sein. Ausnahmen sind zu definieren und mit einem Zeitplan zu unterlegen, wie sie in welchem Zeitraum doch hergestellt werden soll. Hier wird nach Ansicht des DBV der Schwarze Peter der Verantwortung von oben nach unten weitergereicht.

Die Bundesregierung fühlt sich dafür nicht verantwortlich und verweist auf die Gelder, welche die Bundesländer und die DB AG von ihr jährlich erhalten (aber für Leistungsbestellungen und fest definierte Projekte gebunden sind). Die Bundesländer sehen die Kommunen in der Verantwortung – denn die wüssten ja, wo was fehlt.

Leidtragende in dieser Gemengelage sind die Fahrgäste denn solange es keine einheitliche Bahnsteighöhe für ganz Deutschland gibt, wird, so unterstreicht der Bahnkundenverband, die Umsetzung der vollständigen Barrierefreiheit ein schöner Traum bleiben. Je früher der Bundesgesetzgeber sich des Themas annimmt, umso eher wird das Problem auch gelöst werden.

Schließlich verweist der Bahnkundenverband auch darauf hin, dass unterschiedliche Bahnsteighöhen übrigens auch den Schienenverkehr verteuern, denn nur mit zusätzlichen technischen Hilfsmitteln an den Fahrzeugen können dann Verkehrsunternehmen an regionalen Ausschreibungen teilnehmen sowie einen komfortablen Service für alle Fahrgäste bieten.

 

Lesermeinungen zu “Bahnkundenverband fordert einheitliche Bahnsteighöhen” (3)

Von Arnd Hellinger

@Ernst:

Die Fahrzeugindustrie sehe ich hier nicht so problematisch - die baut die Züge nämlich nach den Vorgaben der Verkehrsunternehmen und Zulassungsbehörden. Wenn also BMVI und EBA entscheiden, künftig nur noch 76 cm (und 96 cm bei reinen S-Bahnen) hohe Bahnsteige und Wagenböden zu genehmigen, wird es Neufahrzeuge auch nur noch dementsprechend geben.

Damit wären wir aber beim nächsten Problem: Schienenfahrzeuge und erst recht Bahnanlagen sind keine Wegwerfprodukte, sondern haben Lebenszyklen von mehreren Jahrzehnten. Den Zustand bundesweit gleicher Einstiegsverhältnisse würden also frühestens unsere Enkel erleben - hinzu kommt, dass sich die Bahnen der Nachbarländer jeweils für unterschiedliche Maße (22, 55 oder 76 cm) im Normalbetrieb zuzüglich spezieller Standards für S-Bahnen entschieden haben...

Zudem gilt das Personenbeförderungsgesetz explizit _nicht_ im Eisenbahnverkehr, sondern nur für Busse und Straßenbahnen sowie "Bahnen besonderer Bauart", also U-, Schwebe- oder Magnetbahnen. Das sollte dem DBV eigentlich auch bekannt sein.

Von Ernst

@ von Sven Drebes
„Meiner Erfahrung nach ist es aber ein Irrglaube, dass eine einheitliche Bahnsteighöhe Einstiegshilfen wie Spaltbrücken oder Rampen überflüssig machen würde.“

Da stimme ich Ihnen voll zu, was nutzt die einheitliche Bahnsteighöhe, wenn die Fahrzeugindustrie nicht mitzieht? Will man dann die Industrie mit Verbandsklagen oder sonstigen Einfällen zwingen?

Zitat:
„Und dann gibt es da noch ein Datum: Zum 1. Januar 2022 muss es nach dem Personenbeförderungsgesetz die vollständige Barrierefreiheit im öffentlichen Verkehr hergestellt sein. Ausnahmen sind zu definieren und mit einem Zeitplan zu unterlegen, wie sie in welchem Zeitraum doch hergestellt werden soll.“

Wer glaubt, dass zu diesem Datum die vollständige Barrierefreiheit im öffentlichen Verkehr hergestellt ist, der kann sich schon mit dem Gedanken befassen, dass es bei der DB wenn überhaupt, niemals zu diesem Zeitpunkt zu realisieren ist. Hier spielen ganz andere Fakten eine Rolle, welche man nicht so einfach unbeachtet lassen kann und es wäre ratsam, wenn der DBV sich vielleicht mit der Gesamtproblematik auseinander setzen würde, welche die DB hat, oder haben wird, denn fordern ist das eine, die Möglichkeit zur Realisierung das andere. Fordern kann jeder, sinnvoll fordern und das mit entsprechender Überlegung die wenigsten.

Manchmal stelle ich mir die berechtigte Frage, wie groß wäre das Chaos, würde Deutschland von ca. 600.000 Verbänden ( 2015 ) regiert, hätten wir dann vielleicht schon den Himmel auf Erden?

Von Sven Drebes

Eine einheitliche Bahnsteighöhe ist wichtig. Meiner Erfahrung nach ist es aber ein Irrglaube, dass eine einheitliche Bahnsteighöhe Einstiegshilfen wie Spaltbrücken oder Rampen überflüssig machen würde. Dass geht bestenfalls bei U-, S- und Straßenbahnen.

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