Empowerment - ganz praktisch in Bremen

Veröffentlicht am von Christian Mayer

AG Empowerment des Landesteilhabebeirates Bremen
AG Empowerment des Landesteilhabebeirates Bremen
Bild: LBB

Bremen (kobinet) Dass bei Empowerment-Schulungen nicht nur theoretisch darüber geredet wird, was man irgendwann einmal tun könnte oder irgendjemand anderes mal machen sollte, das zeigte sich ganz praktisch beim dritten Treffen der Empowerment-Schulung, die am 16. März mit Mitgliedern des Landesteilhabebeirates von Bremen in den Räumen von Selbstbestimmt Leben Bremen durchgeführt wurde. Kurzerhand war ein Ortstermin am nahegelegenen und umgebauten Forum am Wall vereinbart worden, um die Presse darauf aufmerksam zu machen, dass dort zentrale Vorschriften zur Barrierefreiheit nicht berücksichtigt wurden und die Baubehörde dagegen bisher nichts getan hat.

Während in den ersten beiden Schulungsblöcken Grundlagen des Empowerments, der UN-Behindertenrechtskonvention, der Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation mit verschiedenen Methoden erarbeitet wurden, haben die TeilnehmerInnen der Empowerment-Schulung mit der Durchführung der Begehung des Forum am Wall mit der Presse sozusagen ihr Meisterstück abgeliefert. Denn die Durchführung der Begehung unter dem Motto "Behinderte Menschen haken nach in Sachen Barrierefreiheit" lag völlig in der Hand der TeilnehmerInnen des Schulungskurses. So wurden kurz vor der Begehung die verschiedenen Rollen und Zuständigkeiten der Mitglieder der AG Empowerment des Landesteilhabebeirates abgeklärt, die Schwerpunkte für die Begehung und ein genauer Zeitplan festgelegt. Da sich eine Journalistin, ein Fotograph und ein Fernsehteam von SAT1 Regional bereits zur Begehung angemeldet hatten, gab es bei der Begehung des Forum am Wall viel zu tun. Hilfreich war dabei, dass der Landesbehindertenbeauftragte von Bremen, Dr. Joachim Steinbrück, kurzfristig für die Teilnahme an dieser Aktion gewonnen werden konnte und zusammen mit Dieter Stegemann, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Landesteilhabebeirates die Begehung eröffente. 

Zu zeigen gab es dann auch genug. Völlig unnötige Stufen zu Begegnunsflächen, die nicht über Rampen erreichbar sind, Stolperfallen, ein fehlendes Leitsystem für blinde und sehbehinderte Menschen, bis hin zu konkreten Gefahren bei einer Treppe, an der sich nicht nur blinde und sehbehinderte Menschen den Kopf anschlagen können, waren nur einige Problembereiche, die der Presse aufgezeigt wurden. Auch wurde ein Zugangsweg zur Stadtbibliothek beim Umbau mit Treppen umgebaut, so dass Umwege entstehen. Diese Mängel waren Grund genug für einige Bremer Behindertenverbände wie die Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe, Selbstbestimmt Leben Bremen und den Blindenverband Bremen eine Beschwerde bei der Baubehörde einzureichen. Und genau diese Beschwerde liegt immer noch beim Amt und blieb bisher ohne Antwort, wie der Jurist Arne Frankenstein im Vorfeld der Begehung recherchierte. Diese soll nun bald kommen, aber wohl eher negativ ausfallen, so dass die Verbände demnächst überlegen, ob und wie sie eine Verandsklage gegen diese Verstöße gegen die Bauordnung anstrengen werden, erläuterte Arne Frankenstein, der Mitglieder im Landesteilhabebeirat ist. Die AG Empowerment des Landesteilhabebeirats Bremen hat mit dieser Aktion auf jeden Fall ein Zeichen gesetzt, dass die Bremer Verbände diese Verstöße nicht widerspruchslos hinnehmen werden.

Abschließend entwickelten die TeilnehmerInnen der Empowerment-Schulungen dann in Arbeitsgruppen Anträge, die sie in die nächsten Sitzungen des Landesteilhabebeirates einbringen möchten. Denn, das wurde den TeilnehmerInnen der Empowerment Schulung bewusst, die Mitgliedschaft in einem Landesteilhabebeirat bietet viele Chancen, die Themen einzubringen, die den VertreterInnen der verschiedenen Verbände auf der Seele brennen. Und davon gibt es auch in Bremen noch viele. So wollen die Werkstatträte nachhaken, wie die Finanzierung ihrer Arbeit im Lichte des Bundesbehindertengleichstellungsgesetzes genau geregelt ist und scih dafür stark machen, dass sie selbst über die Verwenung der Mittel des Werkstattrates bestimmen und ihr Budget entsprechend selbst aufstellen. Und da ist ja auch noch das Thema der Unabhängigen Beratung, bei dem die Länder bei der Beurteilung der Bewerbungen ein gewichtiges Wort mitreden kann. Auch hier will sich der Landesteilhabebeirat zukünftig einmischen.

Für die TrainerInnen der Empowerment-Schulung Kerstin Wöbbeking, Ines Spilker und Ottmar Miles-Paul war diese Empowerment-Schulung einmal wieder ein Highlight, weil sie zeigte, was Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen alles bewegen können, wenn sie sich gemeinsam auf den Weg machen und sich gegen Ungerechtigkeiten wehren. Gerade solche praktischen Aktivitäten zeigten die unterschieldichen Potentiale der TeilnehmerInnen und stärkten deren Engagement.