Diskriminierung mit Worten und Bildern

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Manfred Fischer
Manfred Fischer
Bild: Manfred Fischer

Salzburg/Ostermiething (kobinet). Gleichstellung und Diskriminierung begegnen uns im Alltag in vielerlei Gestalt. Dazu gehören nicht nur rechtliche Aspekte, das Verhalten von Entscheidungsträgern und einzelnen Personen, sondern auch die Diskriminierung in der Darstellung von Menschen mit Behinderungen in den Medien. Diese Art von Diskriminierung ist ein Thema, das den freien Journalisten Manfred Fischer beschäftigt und ihm am Herzen liegt. Kobinet-Redakteur Hartmut Smikac sprach mit ihm darüber.

Kobinet:  Diskriminierung in Worten und Bildern - wie muss man sich das vorstellen?

Manfred Fischer: Spricht oder schreibt man über Menschen stecken hinter den verwendeten Worten Einstellungen, Vorurteile, Klischees. Vorurteile werden dabei oft unbewusst transportiert. Gleiches gilt für die verwendeten Bilder. Ich nenne meine Seminare dazu daher auch „Sprache ist die Kleidung der Gedanken.“

Kobinet: Kann man also sagen, dass damit Vorurteile transportiert werden und Menschen mit Behinderungen diskriminiert werden, ohne dass dies dem Sprecher überhaupt bewusst ist?

Manfred Fischer: Ja genau. Stelle dies in meinen Workshops mit Journalisten immer fest.

Kobinet: Welches sind Ihrer Meinung nach typische Beispiele für diese Art von Diskriminierung?

Manfred Fischer: Ganz typisch ist der Terminus jemand sei „an den Rollstuhl gefesselt“. Das vermittelt, dass jemand inaktiv oder hilfsbedürftig ist. Der Rollstuhl gibt aber Mobilität – das genaue Gegenteil also.
Ähnlich der Ausdruck „Menschen mit besonderen Bedürfnisssen“ für behinderte Menschen. Diese haben dieselben Bedürfnisse, wie alle anderen auch. Aufs WC zu wollen ist nichts „Besonderes“. Dass dieses barrierefrei ist, sollte in einer inklusiven Gesellschaft selbstverständlich sein.

Kobinet: Gibt es auch Klischees, die sich beim Berichten über behinderte Menschen wiederholen?

Manfred Fischer: Das sind hauptsächlich zwei. Einerseits werden behinderten Menschen als Opfer ihres Schicksals oder bemitleidenswerte Mitbürger dargestellt. Andererseits als „Helden“, die ihr Leben „trotz“ Behindeung meistern.

Beides sollte man lassen, sondern deren alltägliches Leben, wie es ist beschreiben. Darüber gibt es genug Interessantes zu berichten, denn sie habe Berufe, treiben Sport und reisen.

Kobinet: Diskriminierung durch bauliche Anlagen kann man mit entsprechenden Gesetzen entgegenwirken - was müsste nach Ihrer Meinung getan werden, um der Diskriminierung durch Worte und Bilder entgegenzuwirken? Kann da jeder etwas tun oder ist das eine Aufgabe für Journalisten?

Manfred Fischer: Denke, jeder kann etwas tun, wenn man seine Mitmenschen auf diese Formulierungen aufmerksam macht – etwa mit Leserbriefen. Ich selbst bin dazu in der Ausbildung von Journalisten tätig.

Kobinet: Sie halten zum Thema "diskriminierungsfreie Sprache" Vorträge und stehen auch bei Weiterbildungen als Gesprächspartner zu diesen Aspekten zur Verfügung - können Sie sagen, dass es für dieses Thema ein großes Interesse gibt oder sind Interessenten dafür eher die Ausnahme ?

Manfred Fischer: Bei den Gestaltern von Ausbildungslehrgängen ist das Interesse vorhanden. Schlechter sieht es da mit dem „Fortbildungsinteresse“ gestandener MedienarbeiterInnen aus. Diese sehen hier keinen Nachholbedarf.

Kobinet: Was wäre nach Ihrer Erfahrung erforderlich dafür, ein spürbar breiteres Interesse an der Beschäftigung mit der diskriminierungsfreien Sprache zu erreichen?

Manfred Fischer: Wichtig wäre der breitere Protest selbst betroffener behinderter Menschen durch Leserbriefe, Mails oder Anrufe in den Redaktionen. Derzeit tun dies nur wenige Aktivisten, wie etwa leidmedien.de in Deutschland oder einige Personen in Österreich. Journalisten mit Behinderung in den Redaktionen einzustellen würde die Situation ebenfalls verbessern.

Kobinet: Das sind alles sehr interessante Gedanken, die im Ringen um die Gleichstellung zu bedenken sind. Ich bedanke mich bei Ihnen im Namen unserer Leserinnen und Leser für dieses Interview und wünsche Ihnen für Ihre weitere Arbeit viel Erfolg sowie viele interessierte Zuhörer und Gesprächspartner.

Manfred Fischer ist als freier Journalist. Schwerpunkte: Wissenschaft, Geschichte, Astronomie, Reise, Barrierefreiheit. Er steht auch als Vortragender für Schulungen, Workshops und Sensibilisierungsseminare zu den Themen zur Verfügung. Seit 2001/02 verwendet er einen Rollstuhl. Er ist per E-Mail zu erreichen.

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