Sorge um Sendeplatz von Menschen - das Magazin

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

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Bild: ZDF

Berlin/Mainz (kobinet) Seit bekannt wurde, dass das ZDF-Magazin "ML - Mona Lisa" im Sommer diesen Jahres eingestellt werden soll, erfüllt Dr. Sigrid Arnade von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) die Sorge, dass der Sendung "Menschen – das Magazin“ ähnliches widerfahren oder zumindest der gute Sendeplatz verloren gehen könnte. Deshalb wandte sie sich in einem Brief an den Intendanten des ZDF Thomas Bellut, denn vor einigen Jahren drohte bereits schon einmal Ungemach für das Magazin, was dann abgewendet werden konnte.

"Wie Sie sicherlich wissen, ist die UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) in Deutschland seit dem 26. März 2009 geltendes Recht. Darin wird die Rolle der Medien in Artikel 8 (Bewusstseinsbildung) speziell angesprochen. In den 'Concluding Observations' (deutsch: Abschließende Bemerkungen), die Deutschland nach der ersten Staatenprüfung vom UN-Fachausschuss 2015 mitgegeben wurden, heißt es wiederum, dass öffentliche und private Medien an einer Strategie zur Beseitigung von Diskriminierung behinderter Menschen beteiligt werden sollen", schreibt Dr. Sigrid Arnade in ihrem Brief an den ZDF-Intendanten. "Mit der Sendung 'Menschen – das Magazin' ist das ZDF dieser Aufgabe in der Vergangenheit in geradezu vorbildlicher Weise gerecht geworden. Dazu haben sowohl die inhaltliche Ausrichtung als auch der Sendeplatz des Magazins beigetragen: Die Platzierung Samstag nachmittags nach dem Länderspiegel war wohl wesentlich daran beteiligt, das Thema 'Behinderung' aus der 'Schmuddelecke' herauszuholen, die politischen Dimensionen zu verdeutlichen und Behinderung sowie die Anliegen behinderter Menschen als Querschnittsthemen zu behandeln."

Dieser Prozess sei leider noch lange nicht abgeschlossen und bedürfe ständiger Erneuerung und Bekräftigung. Gerade in Zeiten eines rauer werdenden Tons in der politischen Auseinandersetzung bekämen die vermeintlich schwächeren gesellschaftlichen Gruppierungen leicht den aufgestauten Zorn des Wutbürgertums zu spüren. In diesem aufgeheizten gesellschaftlichen Klima könne das ZDF (wie auch alle anderen Medien) gar nicht oft genug verdeutlichen, dass alle Menschen unabhängig von individuellen Merkmalen ein Recht auf gleichberechtigte gesellschaftliche Partizipation haben. Diesen Auftrag erfülle die Sendung Menschen – das Magazin, betont Dr. Sigrid Arnade in ihrem Brief.

"Hingegen würde von einer Beendigung des Magazins oder auch nur von einer Verlegung des bislang attraktiven Sendeplatzes ein gegenteiliges Signal ausgehen: Es sähe so aus, als betrachte das ZDF das Thema Behinderung als Nischenthema, dem es einen entsprechenden Sendeplatz zuweist. Das bedeutete nicht nur einen Schlag ins Gesicht behinderter Zuschauer*innen (immerhin sind ca. 15 – 20 % der Bevölkerung behindert), sondern auch eine rüde Abkehr des fortschrittlichen Engagements zugunsten von Menschen mit Behinderungen, das die ZDF-Geschichte auszeichnet. Sehr geehrter Herr Bellut, nun hoffe ich, Ihnen meine Sorgen verdeutlicht zu haben und auf eine Antwort von Ihnen, der zu entnehmen ist, dass meine Befürchtungen unbegründet sind. Für einen weiteren Austausch stehe ich gerne zur Verfügung", schreibt Dr. Sigrid Arnade in Erwartung auf eine Reaktion an Thomas Bellut.

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