Ehemaliges Vorstandsmitglied des VbA in München verstorben

Veröffentlicht am von Andreas Vega

Ursula Ohlig vor Meer mit Himmel – Fotomontage
Ursula Ohlig vor Meer mit Himmel – Fotomontage
Bild: Andreas Vega

Das Leben hat leider wieder eine Seite seines Buches zugeschlagen und eine Streiterin für ein selbstbestimmtes Leben aus unseren Reihen gerissen. Das langjährige Mitglied des Münchner Zentrums für selbstbestimmt Leben Uschi Ohlig verstarb am 2. Mai 2017 nach langer schwerer Krankheit.

Uschi Ohlig kämpfte mit vielen Mitstreiterinnen für die Rechte von Frauen mit Behinderung. Neben der gleichberechtigten Teilhabe und die Möglichkeit selbstbestimmt mit eigener Assistenz in den eigenen vier Wänden zu leben, waren auch sensible Themen wie Sexualität für Mädchen und Frauen mit Behinderung für sie wichtig. In der Konsequenz baute sie das „Netzwerk für Mädchen und Frauen mit Behinderung Bayern“ mit auf und unterstützte die kürzlich verstorbene Leiterin des Netzwerkes Ute Strittmatter bei dem Projekt „barrierefreie Gynäkologie für Mädchen und Frauen mit Behinderung“.

Anfang der 2000er Jahre engagierte sie sich als ehrenamtliche Beisitzerin im Vorstand für den VbA-Selbstbestimmt Leben e.V.. Dann war ihr ihr eigenes Leben und die Emanzipation von Frauen mit Behinderung in unserer frauenfeindlichen Gesellschaft zu wichtig, um sich mit ihren eingeschränkten Kräften der ganzen Thematik von Inklusion und Gleichberechtigung auseinanderzusetzen. Sie wollte auch ihr Leben leben, was im Grunde Menschen mit Behinderung durch Gesetze, Behörden und Verwaltungsakte verweigert wird. Die Erfahrungen von Behörden gegängelt zu werden und die üblichen Probleme im Arbeitgebermodell jeden Monat durchleben zu müssen, haben sie oft ihre letzte Kraft gekostet, aber andererseits ihr Selbstbewusstsein gestärkt. Ebenso war sie im Arbeitskreis „UN Behindertenrechtskonvention von Unten“ sehr aktiv und bei vielen Aktionen dabei.

Doch der größte Kraftakt stand ihr das vergangene Jahr bevor. Eine besiegt geglaubte Krebserkrankung kam heimlich und hinterhältig mit voller Wucht zurück. Sie entschied sich, sich nicht dem üblichen schulmedizinischen Ablauf mit quälenden Chemotherapien unterzuordnen und hoffte so noch ein paar schöne Monate leben zu dürfen. Sie ging offen mit dem Thema um, jeder in ihrem Umfeld wusste Bescheid. Vor allem wollte sie zu Hause in den eigenen vier Wänden sterben, selbstbestimmt und im eigenen Assistententeam. Dieser Wunsch wurde ihr nun erfüllt. Und auch wenn es ein Tod mit Ansage war, wenn er denn kommt, ist es trotzdem traurig.

Traurigkeit, aber auch Demut und Bewunderung bewegen alle, die sie kannten und das gesamte Team vom VbA-Selbstbestimmt Leben e.V.

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