Mit Rollstuhl nach Polen

Veröffentlicht am von Jens Wegener

Drei der Zwerge von Wrocław - Breslau
Drei der Zwerge von Wrocław - Breslau
Bild: H. Smikac

Berlin (kobinet) In den vergangenen Wochen hatten verschiedene Zeitungen über Hartmut Smikac vom Projekt "Barrierefreier Tourismus Info" und seine Erfahrungen als Rollstuhlnutzer bei seinen Reisen in das Nachbarland Polen berichtet. Wir von der kobinet-Redaktion nahmen das zum Anlass, einmal mit ihm über Polen als Reiseziel für Reisende mit Rollstuhl zu reden.

Kobinet: Hartmut, ich bleibe mal beim "Du", denn Du bist ja auch kobinet-Redakteur - wie ist das mit Polen, hast Du eine spezielle Liebe zu diesem Land entwickelt ?

Smikac: Polen ist ein schönes Land mit einer interessanten Geschichte sowie sehenswerten Städten. Höhere Berge gibt es nur im Süden des Landes - ideal also für Reisende mit Rollstuhl. Ich persönlich habe jedoch noch einen zweiten Grund, nach Polen zu reisen, der in der Geschichte meiner Familie zu suchen ist. Meine Familie stammt aus Schlesien und ich habe in der vergangenen Zeit jene Orte besucht, wo meine Großeltern und Eltern ihre Kindheit und Jugend verbrachten.

Kobinet: Falls andere Rollstuhlnutzer nach Polen reisen möchten. Was sollten sie wissen und beachten ?

Smikac: Eigentlich nicht viel. Polen ist Mitgliedsland der EU - rechtlich unterscheidet sich Polen als nicht von anderen EU-Mitgliedsländern. Wir fahren normalerweise mit dem Auto, das ist, wie in Deutschland auch, am wenigsten kompliziert. Man könnte jedoch auch nach Polen fliegen oder mit dem Zug reisen. Eine Zugreise müsste man bei der Mobilitätszentrale anmelden und, vorausgesetzt man möchte in eine größere Stadt in Polen reisen, dürfte sich auch das machen lassen.

Kobinet: Aber wie ist es in Polen um Barrierefreiheit bestellt ? Gibt es da keine Probleme ?

Smikac: Das hängt nun wieder vom konkreten Reiseziel ab. In Polen gibt es das Logo "Polska bez barier" (Polen ohne Barrieren), das von einer Stiftung vergeben wird und viele größere Städte des Landes arbeiten daran, dieses Signet für immer weitere Teile der Stadt zu erreichen. Für Wroclaw (Breslau) ist mir das seit dem Jahr 2005 bekannt. Insgesamt kann man sagen, dass die Bedingungen ähnlich wie in Deutschland sind. Wir waren eben in Opole (Oppeln). In dieser Stadt gibt es entlang der Oder sowie des Mühlengrabens und den dortigen Parks unter dem Blickwinkel der Barrierefreiheit sehr gute Bedingungen. In der Altstadt von Oppeln gibt es zwar abgesenkte Bordsteine aber auch viel Kopfsteinpflaster. Moderne Einkaufszentren sind, nicht nur in Oppeln sondern überall ebenerdig zugänglich. Wie auch in Deutschland sind aber nicht alle Restaurants ebenerdig zugänglich. Zur Sommersaison stehen jedoch sehr viele Außenbereiche zur Verfügung, um ein Restaurant besuchen zu können. Das trifft auf andere größere Städte in ähnlicher Art und Weise ebenso zu. Etwas anders ist das in Kleinstädten. Hier gibt es noch größere Unterschiede zwischen den Städten sowie auch ein Unterschied zu Deutschland.

Kobinet: Wie ist denn das mit der polnischen Sprache ? Diese Sprache ist doch kompliziert und vom Deutschen sehr verschieden. Sollte man Polnisch sprechen.

Smikac: Polnisch zu sprechen ist, wie bei jeder anderen Sprache, immer gut, es zu können. Für eine Reise nach Polen ist das, wenn man eine größere Stadt oder ein Touristenzentrum besuchen möchte, nicht unbedingt erforderlich. Nach meinem Empfinden gibt es in größeren Städten mehr Restaurants als in Deutschland, die mehrsprachige Speisekarten anbieten (neben Polnisch auch Englisch und Deutsch) Und auch sonst findet sich immer jemand, der Deutsch oder Englisch spricht. Wer jedoch eine kleinere Stadt besuchen möchte, sollte dann doch etwas Polnisch sprechen können - die Polen honorieren auch das Bemühen, das tun zu wollen.

Kobinet: Ist die nächste Reise nach Polen bereits geplant ?

Smikac: Noch nicht, aber in meinen Aufzeichnungen zur Geschichte der Familie gibt es noch Lücken. Ich werde also bald noch einmal hinfahren müssen.

Kobinet: Danke für die interessanten Auskünfte sowie Dir dann eine gute Reise.

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