Jakob Muth-Preis für inklusive Schule vergeben

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Emoji Inklusion
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Bild: Aktion Mensch e.V.

Berlin (kobinet) Der Jakob Muth-Preis für inklusive Schule zeichnet seit 2009 Schulen aus, die inklusive Bildung beispielhaft umsetzen und so allen Kindern die Möglichkeit eröffnen, an hochwertiger Bildung teilzuhaben und ihre individuellen Potenziale zu entwickeln. Ausgezeichnet werden Schulen, die ein ganzheitliches Konzept für Schüler mit und ohne Behinderungen für das gemeinsame Lernen haben und so Vorbild sind. Die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Verena Bentele, hat dieser Tage diesen Preis erneut an inklusive Schulen vergeben. 

Gemeinsam mit der Deutschen UNESCO-Kommission und der Bertelsmann Stiftung zeichnete sie in Rostock den Schulcampus Rostock-Evershagen aus und damit zum ersten Mal eine Bildungseinrichtung in Mecklenburg-Vorpommern. Des Weiteren wurden die Antonius-von-Padua-Schule im hessischen Fulda und die Geschwister-Prenski-Schule in Lübeck, Schleswig-Holstein geehrt. Als vierter Preisträger wurde die niedersächsische Stadt Oldenburg ausgezeichnet, deren AG Inklusion an Oldenburger Schulen das gemeinsame Lernen in allen Schulen systematisch unterstützt und voranbringt.

„Die ausgezeichneten Schulen und die städtische Arbeitsgruppe sind gelungene Beispiele von Inklusion. Diese kann an allen Schulformen, in allen Bundesländern gelingen, wenn Lehrer, Schüler, Eltern und die Verwaltung gemeinsam mit Engagement Ideen umsetzen“, lobte Bentele bei der Preisverleihung. „Alle Kinder und Jugendlichen haben ein Recht auf gemeinsame Bildung. Ich wünsche mir, dass zukünftig immer mehr Schulen Inklusion umsetzen. Kinder und Jugendliche lernen im Schulalter einen guten Umgang miteinander und die Stärken und Schwächen des anderen anzunehmen. Die heutigen Preisträger des Jakob Muth-Preises zeigen, wie es gelingen kann, alle Lernenden mitzunehmen. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass die finanzielle Ausstattung der Lehranstalten so verbessert wird, dass Inklusion und Barrierefreiheit überall noch konsequenter umgesetzt werden können.“

Am Schulcampus Rostock-Evershagen gefiel der Jury das gut funktionierende Netzwerk, das alle der rund 1.000 Kinder und Jugendlichen sowohl im Alltag als auch in schwierigen Lebenssituationen vorbildlich unterstützt - unabhängig vom diagnostizierten Förderbedarf.

Die Lübecker Geschwister-Prenski-Schule zeichnet eine offene und konstruktive Lernatmosphäre aus, die den Umgang in der gesamten Schulgemeinschaft prägt. Dazu tragen das gebundene Ganztagsangebot und eine gute Vernetzung mit dem Umfeld bei.

Ursprünglich war die 1908 gegründete Antonius-von-Padua-Schule in Fulda eine Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung. Seit dem Schuljahr 2014 bildet die ehemalige Grundstufe eine inklusive Grundschule. Unter dem Motto „Die Schülerschule – gemeinsam sind wir Klasse“ lernen die Kinder klassenübergreifend von- und miteinander.

Die Arbeitsgemeinschaft „Inklusion an Oldenburger Schulen“ wurde im Jahr 2012 gegründet und hat mittlerweile über 60 Mitglieder aus Selbsthilfegruppen, Schulen, Stadtelternrat, Stadtschülerrat, Landesschulbehörde, freien Trägern, Politik und Stadtverwaltung. Zu den öffentlichen AG-Sitzungen ist jeder willkommen und kann Fragen einbringen. Das Ziel der AG-Arbeit ist es immer, stadtweite Lösungen für Herausforderungen zu finden.

Mit dem Preis wollen die Projektträger zeigen, dass in Deutschland viele Schulen und Schulverbünde trotz teilweise schwieriger Rahmenbedingungen bereits auf hohem Niveau inklusiv arbeiten. Die Einzelschulen erhalten ein Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro; der Schulverbund bekommt 5.000 Euro.

Weitere Informationen zu diesem Preis sowie zu den Bewerbungsunterlagen für den Jakob Muth-Preis können auf dieser Internetseite nachgelesen werden 

Lesermeinungen zu “Jakob Muth-Preis für inklusive Schule vergeben” (2)

Von kirsti

Lieber Herr Heineker, selbstverständlich? Selbstverständlich ist in Zeiten nach der Verabschiedung des BTHG wohl gar nichts mehr.- Haben Sie und ich und wir alle nicht begriffen, dass wir „wie aus einer Hand“ und wie all‘ die schönen Schlagworte heißen mögen… ach ja: „Nichts ohne uns …?“ Usw., usw. wieder GANZ VON VORNE anfangen müssen! – Wir befinden uns wieder in der Stunde Null, aber dieses Mal vor verschlossenen Türen als arme Bittsteller für „Zumutbarkeit“ und wie all die Begriffe, mit denen man uns vor den Kopf haut, denn als Türhüter hat man das BTHG aufgestellt. Und das BTHG ist unerbittlich und weist uns in unsere Schranken. Und das Kämpferische ist auf der Strecke geblieben! Ich vermisse den Biss der vergangenen Jahre und Jahrzehnte. Jeder schaut oder muss schauen, wie er selbst über die Runden kommt. Wir sind alt geworden, und einer neuen Generation verwehrt man den Zutritt, indem man Inklusion nur noch verschämt und ganz klein schreibt. Denn der großen Mehrheit geht es gut, sehr gut, zumindest in diesem unseren Land, ... Und Egoismus schreibt man wieder groß, aber mit anderen Buchstaben, die wir nicht mehr verstehen. Behinderte passen nicht mehr in die schöne neue Welt,…Da ist der Jakob Muth- Preis doch ein Zeichen, zu dem man gratulieren sollte! Aber Jakob Muth, was würde er denn selbst sagen, wie weit sind wir nun gekommen. Ach ja: Wir haben den Fortschritt: Wir haben jetzt endlich Inklusion! Denn Integration ist für anderes vorbehalten. Wie schön…

Von Uwe Heineker

Dass noch immer Preise für Selbstverständliches vergeben werden müssen ...

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