Selbsthilfe gegen neue S-Bahn Wagen

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Berlin (kobinet) Die Mitgliederversammlung des Berliner Behindertenverbandes hat sich am 24. Juni 2017 einstimmig gegen die geplante Bestellung der neuen S-Bahn-Fahrzeuge ausgesprochen. Kritikpunkte - sowohl des Berliner Behindertenverbandes, wie auch anderer Behindertenverbände, an der neuen Fahrzeugflotte, werden nach Ansicht des Verbandes nicht im ausreichenden Maße berücksichtigt. Zudem, so betonen die Mitglieder dieses Verbandes, erweckt die S-Bahn Berlin GmbH fälschlicherweise den Eindruck, die neue Fahrzeugflotte würde im Einklang und in Absprache mit den Behindertenverbänden bestellt. Dies ist nicht der Fall, unterstreicht der Vorstand.

Zu den Kritikpunkten gehört, dass der Eingangsbereich viel zu klein ist und so Rollstuhlfahrer keine Chance haben, hineinzurollen ohne andere Fahrgäste anzufahren und im Eingangsbereich in der Nähe der Tür stehen zu bleiben. Rollstühle sollten im Eingangsbereich stehen bleiben können, so die Betroffenen, wie sie es jetzt tun und sollten nicht durch Menschenansammlungen fahren müssen.

Der Mehrzweckbereich wird als viel zu klein eingeschätzt. Es gibt dort zwei Rollstuhlplätze, zwei Kinderwagen- und zwei Fahrradplätze, jedoch - den Rollstuhl quer durch die Kabine an Kinderwagen und Fahrrad oder an anderen Rollstühlen vorbei an seinen Platz zu fahren, wird in der Alltagssituation nach den Erfahrungen jener, die selbst mit Rollstuhl unterwegs sind, nicht funktionieren. Und das, weil viele Fahrgäste mit Gepäck, Kinderwagen, Fahrrad, Kindern und Hunden unterwegs sind.

Die neue Rampe in den für einen zukünftigen Einsatz vorgesehenen Wagen ist zu kurz. Sie bildet an Bahnhöfen mit Höhenunterschied einen zu steilen Winkel. Dies bedeutet eine sehr große Kipp- und Verletzungsgefahr.

In den Eingangsbereichen gibt es zu viele senkrechte Haltestangen. Sollte dann noch der Mehrzweckbereich bereits belegt sein, ist es für einzelne Rollstuhlnutzer nicht mehr möglich, mitzufahren, denn der Weg zum nächsten Mehrzweckbereich ist viel zu weit und die Eingänge dazwischen werden durch die senkrechten Haltestangen blockiert. Ob Rollstuhlfahrer mitfahren können, das wird damit je nach Tageszeit zum Lotteriespiel.

Der nur an der ersten Tür vorhandene Türöffnungstaster für Rollstuhlfahrer ist nicht von jedem erreichbar. Ebenso ist der Notruftaster zwischen den Klappsitzen für die meisten Rollstuhlfahrer nicht erreichbar.

Der Berliner Behindertenverband fordert alle Verantwortlichen auf, eine Bestellung der neuen Fahrzeugflotte derzeit nicht vorzunehmen und in einem konstruktiven Beteiligungsverfahren die vom Verband vorgebrachten Kritikpunkte aufzunehmen, etwaiige Nachbesserungen vorzunehmen und zu kommunizieren.

Lesermeinungen zu “Selbsthilfe gegen neue S-Bahn Wagen” (1)

Von lisa s

Am öffentlichen Leben teilnehmen zu können, sich frei zu bewegen, den ÖPNV ungehindert zu nutzen, sollte eine Selbstverständlichkeit sein.
Kein Fußgänger muss sich je Gedanken darüber machen ob er in irgendein Fahrzeug einsteigen kann oder nicht.
Nichts anderes fordern Rollstuhlfahrer für sich.

Um unsere Forderungen zu unterstützen gerne hier unterzeichnen:
https://www.change.org/p/bettina-jeschek-die-s-bahn-will-rollstuhlfahrer-ausgrenzen-stoppen-wir-das

DANKE!

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