Diskriminierung in Deutschland

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Verena Bentele
Verena Bentele
Bild: Irina Tischer

Berlin (kobinet) Bei der Arbeitsvermittlung in Deutschland bestehen teils gravierende Diskriminierungsrisiken. Das geht aus dem gemeinsamen Bericht an den Deutschen Bundestag hervor, den die Antidiskriminierungsstelle des Bundes heute in Berlin gemeinsam mit der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration und mit der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen vorgestellt hat.

Diskriminierungserfahrungen bei der Arbeitsvermittlung können demnach individuelle Ursachen haben wie beispielsweise offen diskriminierende Einstellungen von Fachpersonal. Von weitaus grundsätzlicherer Bedeutung sind jedoch Diskriminierungsrisiken in Verfahrensabläufen. Diese können dazu führen, dass Menschen bei der Arbeitssuche nicht ausreichend unterstützt werden – und im schlimmsten Fall dauerhaft arbeitsuchend bleiben.

Als problematisch sehen die Antidiskriminierungsstelle und die beiden Beauftragten beispielsweise das Kennzahlensystem an, das von Arbeitsagenturen und Jobcentern angewendet wird. Fachkräfte richten demnach ihre Vermittlungsanstrengungen zu wenig an Arbeitsuchenden aus, die ihnen auf den ersten Blick arbeitsmarktfern erscheinen – beispielsweise Alleinerziehende oder Menschen mit Behinderungen.

Auch Informations- und Beratungsdefizite sowie Barrieren beim Zugang zu Dienstleistungen von Arbeitsagenturen und Jobcentern können institutionelle Diskriminierungsrisiken darstellen. Dazu zählt etwa fehlende Barrierefreiheit (z.B. keine Angebote in Leichter Sprache) oder der eingeschränkte Einsatz von Dolmetscherdiensten für Zugewanderte.

Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, betonte: „Neben dem Schwerpunktthema Arbeitsvermittlung, bei dem es weiterhin vieles zu verbessern gilt, um Diskriminierungen zu vermeiden, werden im ersten Teil des Berichts auch andere Formen der Benachteiligung deutlich. Die meisten Beschwerden beziehen sich auf den privaten Bereich und zeigen, dass in der privaten Wirtschaft noch viele Barrieren gerade für Menschen mit Behinderungen bestehen. Deshalb rate ich dringend dazu, nach dem Behindertengleichstellungsgesetz nun das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz zu erweitern. Das Verweigern von angemessenen Vorkehrungen durch Läden, Restaurants und Arztpraxen muss als eine Form der Diskriminierung in das AGG aufgenommen werden."

Die Beauftragte beklagte, dass 84 000 Behinderte mit rechtlicher Betreuung in allen Angelegenheiten nicht an der Bundestagswahl im September teilnehmen dürfen. „Sie müssen sich dringend entscheiden können für die Vertreter ihrer Interessen", forderte Bentele.

Mehr auf www.behindertenbeauftragte.de

Lesermeinungen zu “Diskriminierung in Deutschland” (3)

Von Lesebrille

Kleiner Nachtrag:
Der Bericht hat es in Spiegel-Online geschafft
http://www.spiegel.de/karriere/so-werden-behinderte-im-beruf-diskriminiert-a-1155032.html

Von Lesebrille

Danke fürs Korrigieren des Namens. Allerdings verstehe ich nicht, warum Frau Özoğuz nicht mit Namen genannt wurde.

Schliesslich heisst die Überschrift "Diskriminierung In Deutschland" und gibt es nicht wenige behinderte Menschen mit Migrationshintergrund. Diese sind je nach Thema (Arbeits- und Wohnungssuche) schliesslich doppelt von Diskriminierung betroffen.

Das auszuklammern halte ich für ein Armutszeugnis.

Von Lesebrille

Liebe Redaktion, auf der Startseite hat der obige Artikel sozusagen "Startschwierigkeiten". Unter Anderem wird bei Frau Bentele der Nachname falsch geschrieben.

Und ich denke, die Beauftragte für Migration, Frau Özoğuz, sollte man selbstverständlich ebenfalls namentlich nennen.

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