Ausstellungseröffnung zu Krankenmorden

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Foto zeigt Irmgard Badura
Foto zeigt Irmgard Badura
Bild: Kobinet

Heute eröffnet die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg um 19 Uhr die Wechselausstellung "In Memoriam. Krankenmorde im Nationalsozialismus". Irmgard Badura, die bayerische Behindertenbeauftragte, nimmt die Ausstellungseröffnung zum Anlass, der vielen Opfer zu gedenken.

Zwischen 1939 und 1945 wurden im Deutschen Reich circa 240.000 Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen getötet. Ärzte, Psychiater und Pflegepersonal waren maßgeblich daran beteiligt. Weitere tausende Morde fanden in den von Deutschland besetzten Gebieten statt. In der Wanderausstellung werden anhand von kurzen Texten, Dokumenten, Fotografien und Videointerviews mit Zeitzeugen die verschiedenen Phasen des NS-Vernichtungsprogramms wie die "Aktion T4", das Hungersterben und Tötungen durch Medikamente dargestellt. Sie zeigt unterschiedliche Opfergruppen, die Haltung der Ärzte, die Reaktionen von Angehörigen sowie die Auseinandersetzung in der Nachkriegszeit.

Die Idee für die Ausstellung und ihre kuratorische Umsetzung gehen auf Prof. Dr. Michael von Cranach zurück. "Die Ausstellung gibt den Opfern ein Gesicht – Menschen, denen Ärzte unsägliches Leid angetan haben", so Prof. Cranach. Unter seiner Führung als leitender ärztlicher Direktor (1980 bis 2006) stellte sich das Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren der Aufarbeitung der eigenen Geschichte im Nationalsozialismus. Zusammengestellt wurde die Ausstellung im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN).

Die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg zeigt die Ausstellung in einer überarbeiteten und um Bezüge zum Konzentrationslager Flossenbürg ergänzten Fassung. Begleitend zu der Ausstellung wurde ein vielfältiges Programm zusammengestellt. "Dabei war es uns wichtig, nicht nur Veranstaltungen über behinderte Menschen zu machen, sondern auch Angebote für sie zu entwickeln und dabei mit ihnen eng zusammenzuarbeiten", so Dr. Jörg Skriebeleit, der Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. In die Planung und Durchführung ist das Heilpädagogische Zentrum Irchenrieth eingebunden, das in der Gedenkstätte das Museumscafé betreibt, in dem Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam arbeiten.

"In Gedenken an die vielen unschuldigen Opfer unserer Personengruppe ist es mir wichtig, bei der Ausstellungseröffnung mit dabei zu sein", betont Irmgard Badura. Und weiter: "Wir alle, Menschen mit und ohne festgestellte Behinderungen, haben heute und in Zukunft den Auftrag und die Chance, unser gesellschaftliches Miteinander offen füreinander, gleichberechtigt und gemeinsam zu gestalten. Diesen Auftrag wahrzunehmen, Schritt für Schritt zu gehen, das ist es, was mich täglich antreibt. Es ist schön für mich zu spüren, wie viele Menschen in Bayern dabei sind und mitmachen."

Kontakt Julia Zimmermann Tel.: 09603 9039018 E-Mail: jzimmermann@gedenkstaette-flossenbuerg.de
In Memoriam. Krankenmorde im Nationalsozialismus Eine Wanderausstellung von Prof. Dr. Michael von Cranach KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, Gedächtnisallee 5, 92696 Flossenbürg 6. Juli 2017 bis 31. Mai 2018

Geöffnet täglich 9-17 Uhr, Eintritt frei.
Öffentliche Führungen jeden zweiten Sonntag im Monat, 11 Uhr Anmeldung für Gruppen: buchung@gedenkstaette-flossenbuerg.de