Widerspenstig, eigensinnig, unbequem

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Buchcover: Widerspenstig, eigensinnig, unbequem
Buchcover: Widerspenstig, eigensinnig, unbequem
Bild: Beltz Juventa

Hamburg (kobinet) "Widerspenstig, eigensinnig, unbequem", so lautet der Titel eines vor kurzem neu erschienen Buches von Udo Sierck aus Hamburg. Das Buch trägt den Untertitel: "Die unbekannte Geschichte behinderter Menschen" und ist Beltz Verlag im Mai 2017 mit 174 Seiten erschienen. Es kostet 16,95 Euro.

"Zwanzig kurze Biografien porträtieren behinderte Frauen und Männer vom Mittelalter bis in die Gegenwart mit unterschiedlichen körperlichen, geistigen oder psychischen Einschränkungen, obwohl manche diese als solche nicht bezeichnet haben. Was die Vorgestellten in ihrer Unterschiedlichkeit eint, ist ihre Beharrlichkeit und Sturheit, ihr Wagemut sowie oftmals ihr Humor. Das Buch stellt zum ersten Mal die historische und bis heute wirkende Opferrolle behinderter Menschen 'auf den Kopf'. Die Pianistin Clara Haskil erkannte in den Musikkritikern, die sich über ihre schiefe Gestalt ausließen, einen 'Haufen Schwachköpfe'. Der als verrückt verspottete Künstler Ferdinand Cheval schrieb, um 'ans Ziel zu kommen, muss man starrköpfig sein'. (...) Der Blick des Autors richtet sich auf das widerspenstige und eigensinnige als positives Merkmal behinderter Menschen. In historisch-kulturellen Bezügen werden die Themen Rehabilitation, Kunst und Wahnsinn, Sexualität und Dankbarkeit gestreift. In der Reflexion über 'das Opfer' wird das Opfer-Sein nicht bestritten, aber auch auf die Bequemlichkeit dieser Rolle verwiesen", heißt es in der Buchbeschreibung.

Udo Sierck, geb. 1956, Dipl.-Bibl., ist freier Autor, langjähriges Redaktionsmitglied der "Krüppelzeitung", hat Lehraufträge an der Uni Hamburg (Disability Studies) und der Evangelischen Hochschule Darmstadt.

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Lesermeinungen zu “Widerspenstig, eigensinnig, unbequem” (1)

Von kirsti

Da es in letzter Zeit um das vor einem halben Jahr verabschiedete BTHG ziemlich still geworden ist und Begriffe wie

-Zumutbarkeit, stationär vor ambulant, Zwangspoolen, Werkstattpflicht …

aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden zu sein scheinen, andere Sorgen die Behindertenbewegung umtreiben, könnte man sich doch einmal rückbesinnen: Wie verlief die Diskussion vor einem Jahr, wie sah es mit den Hoffnungen und Befürchtungen aus, was hat sich im Bewusstsein verändert, haben wir uns doch ganz bequem eingerichtet, weil es so schlimm ja nicht gekommen ist? Denn; wir leben noch. Was will man mehr? Hat das BMAS sein Ziel erreicht und wir sind endlich dort angekommen, wo wir hingehören?- Ich habe das Buch von Udo Sierck noch nicht gelesen; aber der Titel „Widerspenstig, eigensinnig, unbequem“, Untertitel „Die unbekannte Geschichte behinderter Menschen" macht neugierig. Vielleicht ein neuer Anfang zu alten Ufern! Vielleicht ist noch nicht aller Tage Abend. Und möglicherweise steht dem Einen oder Anderen noch eine unbequeme Überraschung ins Haus. Vielleicht kommt das dicke Ende ganz zum Schluss. Damit dann nicht alle Lichter ausgehen und jeder alleine und vereinsamt gegen, wie war das noch: Zumutbarkeit, Zwangspoolen… kämpft, tut ein Rückblick und Ausblick zur Abwechslung ganz gut.

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