Vorfreude auf den kommenden Winter

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Roswitha Schachinger auf der Eisfläche mit E-Rollstuhl
Roswitha Schachinger auf der Eisfläche mit E-Rollstuhl
Bild: Martin Ladstätter

Graz (kobinet) Während sich beim Sommercamp für ein selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen in Graz die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über etwas Sonnenschein nach dem intensiven Regen zu Beginn des Camps freuten, freuen sich Roswitha Schachinger und Martin Ladstätter aus Wien schon auf den kommenden Winter. Denn die beiden haben vor kurzem mit einer Schlichtung im Rahmen des österreichischen Behindertengleichstellungsgesetzes erreicht, dass sie im kommenden Winter wie alle anderen auch mit ihren Elektrorollstühlen auf die große Eisfläche vor dem Wiener Rathaus dürfen. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit Roswitha Schachinger über diesen Erfolg.

Ausgangspunkt der Geschichte war nach Informationen von Roswitha Schachinger, dass ihr und Martin Ladstätter im letzten Winter verweigert wurde, die Eisfläche, die im Winter vor dem Rathaus in Wien aufgebaut wird, zu nutzen. „Das ist in Wien ein großes gesellschaftliches Ereignis, von dem wir nicht so einfach ausgeschlossen werden wollten", so Roswitha Schachinger, „denn Eislaufen mit Elektrorollstuhl ist nicht nur möglich, sondern macht auch riesigen Spaß."

Gesagt, getan: die beiden haben diese Ablehnung nicht so einfach auf sich sitzen lassen und ein Schlichtungsverfahren im Rahmen des österreichischen Behindertengleichstellungsgesetzes eingeleitet. „Und wir hatten Erfolg. Vor kurzem bekamen wir die freudige Nachricht, dass wir im kommenden Winter, wie alle anderen auch, aufs Eis können. Dabei freuen wir uns nicht nur für uns selbst, sondern auch für viele andere behinderte Menschen, dass dieser ungerechtfertigte Ausschluss überwunden werden konnte", so Roswitha Schachinger. Um sicher zu gehen, dass dies auch funktioniert, hatte sie das Befahren des Eises im letzten Winter schon einmal getestet, heimlich.

Im Gegensatz zum deutschen Behindertengleichstellungsgesetz, in dem mit der im letzten Jahr in Kraft getretenen Reform nun auch Schlichtungsverfahren mit Bundesbehörden möglich sind, sind diese in Österreich auch für den privatrechtlichen Bereich möglich. „Und das ist total wichtig, denn die meisten Diskriminierungen finden nicht in Bundesbehörden, sondern dort wo wir leben statt, also vor Ort in den Gemeinden und in der Nachbarschaft", wie Roswitha Schachinger aus eigener Erfahrung zu berichten weiß. Der nächste Winter kann also kommen.

Lesermeinung schreiben?

Beim erstmaligen Schreiben Ihrer Lesermeinung werden Sie zur Registrierung geleitet. Dabei erkennen Sie die Nutzungsbedingungen und die Netiquette an.Sie erhalten eine Bestätigungs-E-Mail. Bitte schauen Sie auch in Ihren Spamordner. Bestätigen Sie den Empfang durch Klicken auf den angezeigten Link. Sie erhalten ein Fenster und ergänzen Ihren Anzeigenamen und Ihren persönlichen Namen zur E-Mailadresse. Die Lesermeinung ist auf 2000 Zeichen begrenzt und Sie können bis 14 Tage nach Veröffentlichung der Nachricht schreiben.