Neue Klo-Häuschen für Berlin

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Rotes Rathaus in Berlin
Rotes Rathaus in Berlin
Bild: kobinet/sch

Berlin (kobinet) Der Berliner Senat hat in dieser Woche ein neues Toilettenkonzept beschlossen. Mit einem neuen Betreiber soll es neue Klo-Häuschen geben. Der bestehende Toilettenvertrag des Landes Berlin mit der Firma Wall läuft zum 31. Dezember 2018 aus. Nach 25 Jahren könne nun der Bedarf an öffentlichen Toiletten und deren bedarfsgerechte Ausstattung ermittelt sowie die künftige Versorgung an diesem Bedarf ausgerichtet werden, hieß es im offiziellen Pressedienst. Die zuständige Senatorin wurde mit den Worten zitiert: "Wir legen ein verbessertes Toilettenkonzept vor, das mit intensiver Beteiligung der Bezirke, Behinderten- und Tourismusverbände, Seniorenvertretungen und anderen Interessengruppen entwickelt wurde." Die Benutzungsgebühr von 50 Cent soll beibehalten werden. Mit dem „Euro-Toilettenschlüssel" können Menschen mit Behinderung die Toiletten weiter kostenfrei nutzen.

Unklar bleibt allerdings, was mit den barrierefreien City-Toiletten von Wall wird, bei deren Entwicklung Experten mit Behinderungen beteiligt waren. "An 140 Standorten kann es zu Konflikten kommen", schrieb die Berliner Zeitung. Dort könnten die neuen Toiletten nicht aufgebaut werden, ehe die alten abgebaut sind. Interimslösungen, etwa in Form von Containern, könnte es geben.

Der noch bis Ende 2018 geltende Toilettenvertrag des Landes Berlin erlaubt der Fima Wall den Betrieb von Werbeanlagen, im Gegenzug bewirtschaftet Wall die Mehrzahl der 252 öffentlichen Toiletten in der Stadt. Die Ausschreibung für Errichtung und Betrieb der Toiletten soll in der zweiten Jahreshälfte 2017 unmittelbar nach dem Beschluss des Senats erfolgen. Der Betreiber soll bis Anfang 2018 gefunden werden, sodass die „Berliner Toiletten" rechtzeitig produziert werden können und der Betrieb organisiert werden kann, so die zuständige Senatsverwaltung. 130 Millionen Euro sind bisher dafür veranschlagt. Wie hoch tatsächlich die finanziellen Aufwendungen werden, kann erst gesagt werden, wenn die Angebote der neuen Betreiber vorliegen.

Stadtmöblierer Wall wird sich an der Ausschreibung nicht beteiligen. "Der reine Betrieb von Toiletten ist nicht Teil unseres Geschäftsmodells", sagte ein Sprecher des Unternehmens. Der scheidende Landesbehindertenbeauftragte Dr. Jürgen Schneider hatte vergeblich davor gewarnt, das bewährte Konzept der Wallschen City-Toiletten aufzugeben. Ende des Monats wird er im Roten Rathaus feierlich verabschiedet. Als neue Beauftragte für Menschen mit Behinderung hat der Senat Christine Braunert-Rümenapf berufen, die zuletzt Referentin des bisherigen Beauftragten war und am 1. September das Amt übernimmt.

Lesermeinungen zu “Neue Klo-Häuschen für Berlin” (3)

Von Sven Drebes

Der springende Punkt ist, dass nur die Wall AG weiß, wie viel die heutigen City-Toilletten kosten. Der Deal ist nämlich, dass Wall die WCs stellt und betreibt und dafür sämtliche Werbeflächen, die dem Land Berlin gehören. Wie viel Wall dadurch einnimmt oder gar verdient, ist Firmengeheimnis. Das soll und will Berlin ändern.

Im Übrigen hat Berlin vor 25 Jahren Standards gesetzt. Die meisten frei stehenden fest installierten WC-Häuschen, die ich kenne, sind heute mindestens so barrierefrei wie die Berliner.
Schlecht ist nur, dass es 2019/20 viele Container-Klos geben wird.

Von Joachim Flach

@ Andrea
Hallo Andrea,

einem Behinderten, der ein dringendes Bedürfnis hat, dürfte es ziemlich egal sein, ob ein Toilettenhäuschen neu oder alt ist. Hauptsache es ist sauber und intakt.

Über die Kosten brauchen Sie und ich uns keine grauen Haare wachsen zu lassen. Das ist alleine die Entscheidung des Berliner Senats.

Die Politik wird mit Sicherheit kein Gesetz schaffen, in dem Geschäfte und Restaurants verpflichtet werden barrierefreie Toiletten zur Verfügung zu stellen.

Aus dem Kobinetbericht "Hohn für die Opfer"
http://www.kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/35705/Hohn-für-die-Opfer.htm/?search=Buschmann
geht eindeutig hervor, dass der Regierungspartei CDU die Bedürfnisse behinderter Personen völlig egal sind. Vielmehr werden Behinderte mit Kriminellen verglichen, um zu rechtfertigen die Bedürfnisse Behinderter ignorieren zu können.

Der Brief von Herrn Schiewerling MdB: http://www.mobil-mit-behinderung.de/media/downloads/88379.pdf

Liebe Grüße.

Von Andrea

Verstehe ich das richtig: Es ist billiger neue Toiletten zu bauen als den Vetrag des alten Betreibers zu verlängern? 130 Millionen oder, was warscheinlicher ist, wesentlich mehr?
Warum muss immer wieder ein gut funktionierendes und allseits beliebtes und gut durchdachtes Konzept über den Haufen geworfen werden. Und dann noch mit dem Risiko von nicht durchdachten Mängeln oder Hindernissen?
Und vor allen Dingen, warum muss überhaupt neu gebaut werden? Wäre es nicht günstiger, der neue Betreiber kauft die Toiletten dem alten ab?
Wenn die Politik endlich auch die Öffentlichen Geschäfte und Restaurants verpflichten würde, barrierefrei zu werden, wäre die Toilettenfrage gegessen und man könnte das Geld sinnvoller anlegen.

Lesermeinung schreiben?

Beim erstmaligen Schreiben Ihrer Lesermeinung werden Sie zur Registrierung geleitet. Dabei erkennen Sie die Nutzungsbedingungen und die Netiquette an.Sie erhalten eine Bestätigungs-E-Mail. Bitte schauen Sie auch in Ihren Spamordner. Bestätigen Sie den Empfang durch Klicken auf den angezeigten Link. Sie erhalten ein Fenster und ergänzen Ihren Anzeigenamen und Ihren persönlichen Namen zur E-Mailadresse. Die Lesermeinung ist auf 2000 Zeichen begrenzt und Sie können bis 14 Tage nach Veröffentlichung der Nachricht schreiben.